Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 32 (6.8.1915)
- Date
- 1915-08-06
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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9. Jahrgang Nr. 32 Berlin, ö. August 1915 Der Gemeindevote. Beilage zur „Allgemeinen Leitung deK Judentums". korrelponven?m und Aachrichten. SrutschlsnÜ. E. R. Berlin, 1. August. Tie heutige Sitzung der Repräe n t a n t e n v e r s a m m l u n g wurde vom Vorsitzenden Direktor?r. Minden mit einer kurzen Ansprache eröffnet, in der er der Versammlung für ihre Bereitwilligkeit, auch in den Ferien eine Sitzung vznhalten, seinen Tank aussprach und Zugleich auf die historische Bedeutung des heutigen Tages hinwies. „Bei Ansbruch des Krieges," führte er aus, „glaubten wir nicht, daß er so lange uhalten werde. Um so mehr erfüllt uns heute die stolze Zuerst cht für den glücklichen Ausg,ang. Lein e M a j e st ä t er Kaiser hat heute morgen eine Kundgebung erlassen, i welcher jede Zeile aus unserem Herzen gesprochen ist. Ich hebe araus nur den letzten Satz hervor: „So tverden wir den großen nnnps für Deutschlands Recht und Freiheit, wie lange er auch dauern rag, in Ehren bestehen und vor Gott, der unsere Waffen Weiler egnen wolle, des Sieges würdig sein." — Eingegangen ist ein 11111mgreiches Schriftstück von dem Synagogenverein Moabit, welches in lwas scharfen Worten die Notwendigkeit eines konservativen Gottesienstes in der dortigen Gegend betont. — Frau Rosa Sachs ankt in einem Briefe der Versammlung für die erneute Ehrung ires verstorbenen Gatten. — Zum Gemeindeältesten - Stellertreter wird hierauf einstimmig Herr Willibald L ö w e n t h a l ewählt, dem von allen Seilen herzliche Glückwünsche zugerufen werden. - Sodann beschließt die Versammlung die Annahme folgender Zuwendungen. Aus dein Nachlasse der Eheleute Markus und Selima Mer -3075 Mark zu Grabpflegezwecken. Die letztwillige Zuwendung es Herrn Louis Pestachowski im Betrage von 2078 Mark zu n'abp'flegezwecken, die letztwillige Zuwendung der Eheleute Karl und 1 mit) W 0 lffs 0 n für die Armenkommission, die Zuwendung aus dem achlasse der Witwe Jeanette Hey ne mann geb. No et her im Beenge von 1860 Mark zu Grabpflegezwecken, die letzllvilligen Zuwendungen der Frau Rosalie M i ch a e l i s geb. Jacob! im Betrage 01t 15 860 Mark zu Grabpslegezwecken und von 4560 Mark zur Berärkung der Ntax-und-Nosalie-Michaelis-Stiftung bei der Armeninmission, die Zuwendung der Frau Kommerzienrat Eugenic M a n - e i m e r im Betrage von 5000 Mark für die Armenkommission (Fonds ir verschämte Arme), von 3000 Mark für das zweite Waisenhaus und >00 Mark für die Waisenkommission; die letztwillige Zulvendung der rau Jda R 0 s e n h a i n geb. S e e l i g von 3000 Mark zu Grabes- Haltungen, die letztwillige Zuwendung des Herrn Karl S ch lein g e r von 5OO Mark für die Fürsorgekommission, die Zuwendungen er Frau C ä c i l i e Pariser geb. M ende, des Herrn Paul a r i s e r, des Herrn Stadtrat P a n 0 f s k y im Betrage von je 5000 w'ark in fünfprozentiger deutscher Reichsanleihe zur Errichtung einer ans-Panofsky-Stiftung, deren Zinsen alljährlich an einen oder zwei ldische Studierende des Rechts oder Referendare verteilt tverden, welche .dürftig, würdig und kriegsbeschädigt sind; die Zuwendung der Ehente A x e l Abraham D a v i d s 0 n und Therese geb. H e n s ch e l on ungefähr 180 000 Mark Wertpapieren und einer Hypothek von! 700 Mark zu Hausmietehilfe für würdige, dürftige mosaische lnubensbekenner in Berlin, Männer und Frauen, die über 50 Jahre t sind. — Die Subvention des Vereins für Ferienkolonien jüdischer inder für das laufende Jahr wird weiter um 300 Mark erhöht. Eine csondere Beschlußfassung über die Verlängerung der gemäß § 8 der nstellungsordnung angestellten höheren Beamten soll auch in Zukunft icht gefaßt werden, insofern nicht neue Anstellungsbedingungen vereinnrt werden, die der Genehmigung der Gemeindebehörden unteregen.— In der Synagoge Levetzowstraße haben sich umfassende Arbeiten ls notwendig erwiesen. Welche Kosten daraus erwachsen, läßt sich noch tcht übersehen. Die bisher vergebenen Arbeiten erfordern einen Be- ' ag von 6350 Mark, der genehmigt tvird. Herr S e l i g s 0 h n erklärt, oß den Gemeindebaumeister keine Schuld trifft. — Durch Gemeindeoschluß vom März 1910 ist der Abschluß eines Treuhandvertrages mit .r Jüdischen Reform gemein de zu Berlin behufs Uebertragung des igentums an beweglichen und unbeweglichen Sachen der Reformemeinde ohne Verwaltungen dieser Objekte durch die jüdische Gemeinde grundsätzlich genehmigt worden. Zn dem Abschluß eines Vertrages ist es damals nicht gekommen. Aus Anlaß des Anfalls einer Hypothek von 10 000 Mark hat sich der Vorstand der Resormgemeinde an die Hauptgemeinde mit der Bitte gewandt, einen derartigen Treuhandvertrag abzuschließen. Eine Durchführung des Treuhandvertrages in bezug auf das übrige Vermögen der Resormgemeinde hält ihr Vorstand nicht für angebracht. Die Versammlung stimmt der Ausführung des Wunsches zu. — Als Gemeindemitglied wird Herr Benno Bukofzer in den Vorstand der Altersversorgungsanstalt gewählt. — Die Armenkommission wird um weitere acht Mitglieder vermehrt, da sich in ihr Leute vorgerückten Alters befinden, denen es schwer wird, die für die Prüfungen der Gesuche erforderlichen Wege zu machen. Als Mitglied des Vorstandes der Alten Synagoge wird Herr Felix G 0 l d s ch m i d t zum Mitglied der Festgottesdienstkommissiou bis zum 31. Dezember 1916 gewählt. In die Kommission zur Vorbereitung der Nabbiuerwahlen an Stelle der ausgelosten Herren werden für die Zeit bis zum 31. Dezember 1917 die Herren Felix G 0 l d s ch m i d t, Dr. Henry S i l b e r st ein, Professor K a l i s ch e r und Professor Türk gewählt. — Ueberreicht wird der Entwurf eines Plätzevermietnngstarifs für die Synagoge Pestalozzistraße. Die Preise entsprechen im wesentlichen den bisherigen in der Synagoge üblichen. Es sind 395 Herrenplütze im Werte von 5509 Mark und 309 Damen- Plätze im Werte von 10 655 Mart. — Es folgen Rechnungsabschlüsse, denen allen Entlastung erteilt tvird. Bei dieser Gelegenheit rühmt Herr Lewinsky die musterhafte Verwaltung. Es sei eine Freude, die einzelnen Posten durchzusehen. - - Ta Herr Professor K a l i s ch e r verreist ist, so bittet Herr Professor T ü r k die Erhöhung der Subvention für den Verein Talmud Torah Kneßeth Jisroel zu vertagen. .Die Vertagung erfolgt durch Abstimmung. — Der jüdischen Brüdergemeinde Neukölln wird für das laufende Etatsjahr zur Erhöhung der Lehrergehälter ein Sonderbeitrag, von 600 Mark unter der Voraussetzung, daß die Stundenzahl in der Religionsschule die gleiche bleibt wie im verflossenen Jahr, und zur Erhöhung des Gehalts des Predigers Kamerase die Summe von 210 Mark bewilligt, desgleichen der Witwen- und Waisenkasse der Rabbiner Deutschlands ein Betrag von 300 Mark für das Jahr 1915, dem Hilfsverein für jüdische Taubstumme in Deutschland eine Subvention in Höhe von 500 Mark. Zu Reparaturen und zu einer elektrischen Lichtanlage in der Synagoge des Religiösen Vereins jüdischer Glaubensgenossen zu Berlin-Steglitz tverden 500 Mark bewilligt und zur Deckung der Kosten für die am Geburtstage Seiner Majestät des Kaisers veranstalteten Gottesdienste nachträglich ein Betrag von 3084 Mark 70 Pfennig. Zum Schluß sei noch bemerkt, daß die Gattin des verstorbenen Herrn Geheimen Justizrats Dr. Herman Veit S i m 0 n dein Krankenhause 1000 Mark, der Altersversorgttngsanstalt 1000 Mark und der Armenkommission 1000 Mark überwiesen hat. 22 Berlin, 3. August. Die j ü d i s ch e G e m e t n d e z u Ber - l i n hat auf ihrem Friedhofe in Weißensee in der Nähe der neuen Bethalle ein besonderes Ehrenseld zur Bestattung gefallener Krieger angelegt. Der Enttvurf für die gärtnerische und bauliche Gestaltnug des Feldes sieht einen stimmungsvollen Hain als Abschluß einer großen Rasenfläche vor, in welchem als architektonischer Hauptschmuck ein das ganze Feld überschauendes Denkmal in 'Aussicht genommen ist. An das geplante Denkrnal, zu dem Freitreppenanlagen führen, reihen sich nach dem Enttvurf zu beiden Seiten gruppenweise die Grabstätten der gefallenen Krieger. Die Gräber selbst erhalten Efeuschmuck, die Gänge tveißen Kiesbelag. Es ist geplant, die Namen aller Kriegsteilnehmer, die ans dem Friedhof in Weißensee ihre letzte Ruhestätte gefunden haben, am Sockel des Denkmals zu verzeichnen. In dem noch in der Anlage begriffenen Ehrenfelde sind bisher 44 Krieger bestattet, von denen einer österreichischer, alle anderen deutscher Staatsangehörigkeit waren. Eine Anzahl Krieger ist bei den Gräbern der Ihrigen außerhalb des Ehrenfeldes beigesetzt. Tie Gemeindebehörden haben das vorliegende Projekt, mit Ausnahme des Denkmals, über das die Beschlußfassung Vorbehalten blieb, genehmigt und die veranschlagten Kosten mit der Maßgabe bewilligt, daß während der Kriegszeit von der baulichen Ausgestaltung des Ehrenseldes Abstand genommen tvird.