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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-08-06 · Heft 32 (6.8.1915) · p. Seite 384

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 32 (6.8.1915)
Date
1915-08-06
Page
Seite 384 (sequence 12)
Language
German
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•-' 384 - „Ja, Maina, eine ausgezeichnete," sagte ich. Warum soll ich, wenn ich einem Menschen eine freudige Stunde verschaffen kann, daS nicht tun? Aber über all das andere, das interessanter ist als Dr. Barth und sein bleiches Schwärmergesicht, kann ich nun nicht mehr schreiben. Den.1914. Bielleicht ist es ganz gut, das; ich Josua erst Sonnabend wiedersehe. Ich habe ihm zu viel zu sagen; das darf nicht so durcheinander gehen, das muß ein wenig geordnet vorgebracht werden. Er bringt mich so immer aus jedem Programm heraus, und >vir reden alles mögliche, nur nicht das, was ich mir gerade vorgenommen hatte, mit ihm zu besprechen. Josua führte natürlich den Redner ein. Ich fühlte ein so heftiges Pochen in Herz und Hals, daß ich zuerst nicht sehen und hören konnte. Ich erbebte, als ich die geliebte Stimme hörte, die aber ganz anders in dem großen Saal und in der Erregung der Stunde klang, aber ich sollte ja nicht fühlen, sondern urteilen, so lautete mein Auftrag. Also, Punkt 1: Nicht so schwärmerisch, mein Lieber, -steine Vorschußlorbeeren aus das Haupt des Redners häufen! Ich meine, schon vorher über seine Leistung so gelobt zu werden, das könne einem Redner nicht angenehm, nicht dienlich sein. Wenn er nun nachher gar nicht so seine Hörer entzückt? — Ich glaube, Punkt 1 kann ich fallen lassen. Der Redner entzückt auf alle Fälle, entzückt von vornherein. Er sprach sehr interessant, von tiefer, echter, ansteckender Begeisterung durchglüht, aber die jubelnde Zustimmung brauste ihm auch entgegen, wenn er Belangloses, ja. Halbes, Uebertriebenes, sehr Anfechtbares sagte. (Fortsetzung folgt). Kblchikd des Milchen Lsndwehrmsmis. 1. Bild. ^^^er Freitagabend sank hernieder, 1 Er war heut nicht so froh und traut, Wohl ging die Hausfrau hin und wieder. Doch sorgenvoll ihr Auge schaut. Schon Montag, ach, ihr Herz möcht' springen. Der teure Gatte von ihr zieht. Ins Feld, wo die Kanonen singen Ein grausig-ernstes Schlachtenlied. Sie zündet an die beiden Kerzen Und hebt die Hände auf und spricht Aus frommem, tiefbewegtem Herzen Den heil'gen Segen auf das Licht. . Die Kinder lassen Spiel und Plaudern Und stehn andächtig still bei ihr, Jetzt horchen sie, da gibt's kein Zaudern. Sie stürmen jubelnd nach der Tür. Der Vater kommt in ihrer Mitte, Wie blickt sein Auge hell und warm, Er legt mit innig stiller Bitte Um sein betrübtes Weib den Arm. „Nun mutig, Mutter, laß das Weinen, Wie Tausende muß ich ins Feld, Da droben aber weiß ich Einen, Der über euch die Hände hält." Die Kinder drängen, daß zum Segen Des Vaters Hand nach alter Weis Auf ihre Häupter sich möcht' legen, Ta steigt's in seine Augen heiß. Und mit dem Blick, dem tränenfeuchten, Gen Himmel sagt er ernst und weich: „Gott lasse euch sein Antlitz leuchten. Des Ew'gen Friede sei mit euch!" Dann sitzen sie bei Tisch zusammen. Der Vater segnet Brot und Wein, Sie essen, und die Friedensflammen Der Sabbatkerzen glänzen drein. 2. Bild. Der Montag graute, trüb, verhangen, Mit Schnee und Wind, ein Abschiedstag, Und zentnerschwe.r das Leid und Bangen Des Scheidens auf den Herzen lag. Die junge Frau stand blaß am Herde, Dem Gatten richtet sie das Mahl, Der, ach wie bald, auf fremder Erde Verbluten mag in Todesqual. — Das Wasser kocht mit leisem Zischen, Sie gießt, wie sonst, den Frühtrunk auf. Und kann's nicht hindern, daß dazwischen Die Tränen nehmen ihren Lauf. Da tritt er ein, der neue Krieger, Bereits gerüstet, stattlich, frisch Doch in den Mienen nichts vom Sieger, Und setzt sich still zum Frühstückstisch. Sie schänkt ihm ein; er trinkt, indessen Der Kaffee ist wohl noch zu heiß; Er würgt und schluckt, er kann nicht essen, „Hol' doch die Kinder!" sagt er leis. Sie nickt und eilt hinein zur Kammer, Schon kehren alle drei zurück; Er schaut mit Augen voller Jammer Auf seines Lebens ganzes Glück. Die Kleinen, noch nicht ausgeschlafen Und fröstelnd, schluchzen laut und bang. Bis sie des Vaters Blicke trafen Und jetzt sein Arm sie fest umschlang. „Nun bleibt hübsch brav, hört auf zu weinen, Will's Gott, komm' ich gesund nach Haus; Dann wird die Sonne erst recht scheinen. Wir wandern froh ins Feld hinaus. Und denkt, wenn sie die Briten schlagen. Die bösen Russen kurz und klein. Was würdet ihr dazu wohl sagen. Wenn Vater nicht dabei könnt' sein!" Er zieht die Uhr: „'s ist Zeit, Margrete. Die Kinder sind getröstet nun." Er läßt die Hand wie im Gebete Ans ihrem lock'gen Scheitel ruhn. Und mit dem Blick, dem tränenfeuchten, Gen Himmel sagt er ernst und weich: „Gott lasse euch sein Antlitz leuchten. Des Ew'gen Frieden sei mit euch." Er küßt die Seinen, und zum Werke Bereit tritt er aus stillem Raum, Ein andrer nun, mit Mannesstärke Zu schützen deutschen Lebensbaum, Den heil'gen Baum, der stark verzweiget Und immer prangt im frischen Grün, Und der sich schirmend, schützend, neiget Weit über deutsche Gau'n dahin. — Solange Frankreich nach dem Rheine, Der Brite giert nach deutschem Gut, Der Russe sich beim Feuerscheine Der deutschen Städte stählt den Mut, So lang darf Deutschland nicht ermatten, Sein Volk, ein einz'ger Heeresbann, Zieht in den Kampf, so Väter, Gatten, Bis auf den letzten Landwehrmann. — Jenny Bergma nu.

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