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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-08-06 · Heft 32 (6.8.1915) · p. Seite 382

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 32 (6.8.1915)
Date
1915-08-06
Page
Seite 382 (sequence 10)
Language
German
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382 daß alle meine Volksgenossen mit Liebe und ohne Murren dies auf sich nehmen und allen Bestimmungen aufs sorgfältigste nachzukommen bereit sein werden. Und wenn die Regierung ferner es für angebracht hält, nach irgendeiner Richtung Recherchen anzuftellen, so können wir unS darüber nur freuen, da wir wissen, daß das Recht unserer gesamten Volksgenossen sonnenhell zutage treten wird. Aber all das hätte in Ruhe gemacht werden können und bei völliger Freiheitsbelassung der zur Untersuchung herangezvgenen Personen. Aus diesem Grunde halte ich es als Ehacham Baschi, der ebeuso der Regierung wie der Gemeinde gegenüber verantwortlich ist, für meine Pflicht, Eure Exzellenz, als den höchsten Staatsbeamten in unserer Provinz, dem zugleich die Verantwortung für die Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung zufällt, um folgendes eine zu bitten: daß nämlich a n d i e in Betracht kommenden Stellen die Anweisung ergehe, hinfort alles das zu unterlassen, was eine Ehrenkränküng der Juden bewirken und zur Erregung der Gemüter beitragen könnte. Handelt es sich hierbei doch tatsächlich nur um Dinge, die früher in aller Oeffentlichkeit und in bester Absicht zu geschehen pflegten und von denen auch die Regierung Kenntnis besaß, ohne zum Einschreiten je Anlaß genommen zu haben. Ein solches Verfahren ist gerade in jetziger Zeit besonders geboten, wo das Wohl des Vaterlandes Ruhe und Beruhigung im Innern heischt und wo Einhelligkeit des Denkens und Strebens für die Bürger das Fundament ihrer Handlungen bilden muß. Unter dieser Voraussetzung werden wir alle am besten in der Lage sein, in Liebe und Hingebung gemeinsam für das Wohl des Vaterlandes zu wirken und zu seinem Siege über seine Feinde beizutragen. Dann wird auch unsere Regierung in strahlendem Glanze aus diesem Kriege groß und mächtig hervorgehen, wahrhaft würdig, den Namen einer „osmanischen" Regierung zu führen im Andenken an den Namen des vielgerühinten Osman Khan des Siegreichen. Ich bin mit dem Gefühle vollkommener Hochachtung Mosche Franco Ehacham Baschi in Jerusalem. * Es läßt sich von der Ferne und bei der großen Kompliziertheit des Gegenstandes schwer abmessen, wieweit das Ehacham Baschi-Manifest von Wirkung gewesen ist. Daß es eine Wirkung hatte, dürfte nicht zu bestreiten sein. Das ergab sich schon aus der bloßen Tatsache der Demonstration. Ehacham Baschi in der Türkei sein, heißt zugleich das rechtlich anerkannte nationale Oberhaupt einer Volksgemeinschaft und ein mit besonderen Befugnissen ausgestatteter politischer Faktor im Staatsleben sein. Das sonst ungewöhnliche Hervortreten Mosche Francos konnte also nicht übersehen, sein gewichtiges Wort unmöglich überhört werden. Daß er freilich so mit seiner ganzen Persönlichkeit für die Sache eingetreten ist nnd ohne Rücksicht auf seine exponierte Stellung mit aller Wucht seiner lleberzengung Ausdruck verliehen hat, das ist es, was fein Verhalten besonders sympathisch und seine „Flucht in die Oeffentlichkeit" geradezu imponierend macht. Ein Auftreten in der geschilderten Art mußte elementar wirken wie das bekannte Gewehrabfeuern, mit dem man zusammengeballte gewitterdrohende Wolken zu zerstreuen sucht. Im Grunde ist ja die Verfechtung der Rechte der Juden nicht sonderlich schwer, weil bei etwaigen Beschuldigungen sich der Mangel an Stichhaltigkeit jederzeit ohne viel Mühe dartun läßt. Und gerade in der Türkei hatte die jüdische Bevölkerung, im Vergleich zu den anderen nationalen Elementen, sich von jeher drirch Gesinnung und Handlung staatsbürgerlich rühmlich hervorgetan. Mit Hilfe eines künstlich konstruierten Indizienbeweises suchte man jedoch jetzt die Juden Palästinas als politisch verdächtig hinzustellen. Es kam also nur daraus an, diese Beweisführung in ihrer ganzen Inhalt- und Haltlosigkeit blvßzulegeu. Freilich war der Indizienbeweis diesmal überaus fein gesponnen, und leicht konnte der Uneingeweihte sich in die engen Maschen der Argumentation verfangen. Seit Beginn des Krieges wird in der Ententepresse um die Sympathien de: Juden förmlich gebuhlt. Wie um die Wette erklingt das Liebesgirren im englischen und französischen Blätterwalde und neben wehmutvvllen Liedern über das alte jüdische Leit vernimmt man, in harmonischer Abwechslung, frohlockende Ge sänge aus ein zu neuem Leben erwachtes Israel. Den Grund akkord dieser Werbungssymphonie bildet der stets wieder kehrende Gedanke, daß der Weltkrieg, der so vielen Nationei die „Erlösung" bringen soll, dazu berufen sei, auch die Jude: ins Land der Väter zurückzuführen. Zwar gehört Palästim keiner der Dreiverbandsmächte, sondern vorderhand nvcl immer der Türkei, aber in Mitgistsfragen und Liebesgaben zeigte sich die Tripleentente stets höchst generös — wenn csich um Versprechungen handelte oder auf Kosten andere: ging. Nun blieb ja der positive Erfolg, die Gewinnung der Sympathien der Juden, ziemlich gering. Das hinderte in dessen nicht, daß diese zugunsten des jüdischen VvlkeinszenierteKampagne ein Resultat negativer Natur zeitigte indein sie auf der anderen Seite nämlich ein Gefühl des Unbe Hägens hervorrief. Man wird es daher begreifen, daß in ge wissen Kreisen der Türkei, welche im Falle einer Verwiri lichung des Ententeplanes ja die eigentliche Leidtragende hätt> sein müssen, sich in wachsenden: Maße Mißtrauen gegen di Juden zu regen begann. Und da Palästina im FeldzugSPla, gegen Aegypten als Kriegsgebiet in Frage kam, di palästinensische Küste zudem von der englisch-französischen Flotte für Landungszwecke benutzt werden zu wollen schien wird man es den türkischen Behörden fürwahr nicht weite verdenken können, wenn sie gegen alle verdächtigen Element in Palästina, und damit auch gegen gewisse Teile der dortige, Juden, umfassende Vorsichtsmaßregeln ergreifen zu solle, glaubten. Woraus es also ankam, war, die entscheidenden Jnstanze, darüber aufzuklären, daß England und Frankreich, indem si gemeinsame Sache mit Rußland machten, sich weder als di Anwälte jüdischer Interessen aufspielcn noch von andere Seite als Zeugen in Angelegenheiten der Juden angefühc werden dürfen. Die Kundgebung des Ehacham Baschi ha klärend nach dieser Richtung gewirkt. Von wohl weit größere Bedeutung war dann noch das Eintreten Henry Morgenthan für seine Glaubensgenossen. Amerikanischer Botschafter, Zt, dem für die Dauer des Krieges Vertreter der Geschäfte Ena lands und Fankreichs, ist er augenblicklich unstreitig eine de maßgebendsten Persönlichkeiten am Goldenen Horn. Es wa ja eine delikate Aufgabe, die er da zu lösen hatte. Ofsizie mußte er neutral bleiben, offiziös wiederum die Mache» schäften der englisch-französischen Presse desavouieren. Bi Geschick und Takt zog er sich aus der Affäre, indem er sich da, auf beschränkte, als Jude nichts als jüdische Politik zu treibe, Aufs beste sekundiert wurde er hierbei von Freiherr v. Wangenheim, dem deutschen Botschafter, der sich scho wiederholt als Freund der Juden und Förderer ihrer Inte, essen in der Türkei erwiesen hat.^Diesen beiden, zurzeit einflus reichsten Diplomaten an der Hohen Pforte gelang es den, auch bald, in durchaus einwandfreier Weise die Regierung vv; der absoluten Grundlosigkeit der gegen die jüdische Br völkerung gehegten Verdächtigungen zu überzeugen. Und damit war der Umschwung gegeben. Denn au! Konstantinopel erging in der Tat gleich Order, die gegen di

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