Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 32 (6.8.1915)
- Date
- 1915-08-06
- Page
- Seite 375 (sequence 3)
- Language
- German
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375 id im Osten weit zu rückgetrieben. Zahllose Schlachtfelder in den rsehiedensten Teilen Europas, Seegefechte an nahen und fernsten estaden bezeugen, was deutscher Ingrimm in der Notwehr und utsche Kriegskunst vermögen. Keine Vergewaltigung Völkerrechtler Satzungen durch unsere Feinde war imstande, die wirtschaftlen Grundlagen unserer Kriegführung zu erschüttern. Staat id Gemeinden, Landwirtschaft, Gewerbefleiß und Handel, Wissendst und Technik wetteiferten, die Kriegsnöte zu lindern. Vernduisvoll für notwendige Eingriffe in den freien Warenverkehr, nz hiugeaeben der Sorge für die Brüder im Felde, spannte die wölkernng daheim alle ihre Kräfte an zur Abwehr der gee i n s n in e n Gesa h r. Mit tiefer T a n k b a r fett gedenkt heute und immerdar das iterlaud seiner Kämpfer, derer, die todesmutig dem Feind die Stirne len, derer, die wund oder krank zurückkehrten, derer vor allem, die in e m der Erd e oder a u f d e m G r u n d e d e s Ac e e r e s uu a m P f e ansruhen. Mit den Müttern und Bätern, u Witwen und Waisen empfinde Ich den Schmerz um die Lieben, , fürs Vaterland starben. I n n e r e Stärke u n d ei n heitli eh e r national e r i l l e i m G ei ft c der S ch ö P f e r d e s R e i ch s Her b ü r g e n >n Sieg. Die Deiche, die sie in der Voraussicht errichteten, daß :r noch einmal zu verteidigen hätten, was wir 1870 errangen, luut der größten Sturmflut der Weltgeschichte getrotzt. Nach den ispi'ettosen Beweisen von persönlicher Tüchtigkeit und nationaler benskraft hege Ich die frohe Zuversicht, daß das deutsche Volk, ' im Kriege erlebten Läuterungen treu bewahrend, auf erprobten :ou und auf vertrauensvoll betretenen neuen Bahnen weiter in ädung und Gesittung rüstig vorwärts schreiten wird. Großes Erleben macht ehrfürchtig und im Herzen fest. In rotfdj.cn Taten und Leiden h a r r e n ln i r o h n e W a n k e n a u s, s der Friede ko m m t — ein Friede, der uns die notwendigen Utärischen, Politischen und wirtschaftlichen Sicherheiten für e Z u k u n s t bietet und die Bedingungen erfüllt zur ungehemmten itfaltnng unserer schaffenden Kräfte in der Heimat und aus dem eien Meere. So werden wir den großen Kampf für Deutschlands Recht und erhell, wie lange er auch dauern mag, in Ehren bestehen und vor ■At, der unsere Waffen weiter segnen wolle, des Sieges würdig sein. Großes Hauptquartier, den 31. Juli 1915. Wilhelm I. R. Von solcher Hoffnung und Zuversicht, wie sie die Worte * erhabenen Herrschers zum Ausdruck bringen, getragen, geht is ganze deutsche Volk in das zweite Kriegsjahr. Die bisher errungenen Erfolge sind ungeheuer. Eine Zummenstellung darüber lautet: I. Die Z e u trat m ä ch t e h a b e it b i s h e r v o m feindch e n Gebiete besetzt: Belgien.. . 29 000 Quadratkilometer, Frankreich .21 000 Rußland .... .... 130000_„_ I in g a n z e u 1 8 l) 0 0 0 Q ix a b r atkilomete r. Der Feind hat besetzt: Elsaß.. 1 050 Quadratkilometer, Galizien .... .... 10 000_„_ Im ganzen: 11 050 Quadratkilometer. M. c Gesa m t z a h l d e r K r i e g s g e f a n g c n e n betrug mit dl aus des ersten Kriegsjahres: In deutschen Gefangenenlagern und Lazaretten 808 809 Als Arbeiter beschäftigt. 40 000 In den letzten Wochen gefangen genommen, noch nnterivegs zu den Gefangenenlagern . . . 120 000 In Deutschland im ganzen. 1 058 869 In Oester re i ch-U ngarn im ganzen etwa .... 636534 Das ergibt eine G e s a m t z a h l von r u n d 1 6 9 5 4 0 0 Kriegsgefang e n e n. An kriegsgefaugenen Russen befinden sich darunter: in Deutschland 5600 Offiziere, 720 000 Unterossiziere und .'Mannschaften, in Oesterreich-Ungarn 3190 Offiziere, 610000 Unteroffiziere und Mannschaften; davon ein großer Teil durch deutsche Truppen gefangengenommeu. Gesamt z a h l der russischen Kriegsgefangenen 8790 Offiziere, 1 330 000 Unteroffiziere und Mannschaften. III. An Kriegsbeute rvaren in deutschen Sammelstelleu bis zum Juni gezählt 5 834 erbeutete Geschütze, 1 5 56 erbeutete M a s ch i n e n g c w e h r e. Ein großer Teil der erbeuteten Geschütze und Maschinengewehre ist aber nicht zurückgeschafst, sondern blieb bei den Truppen zur Verwendung gegen den Feind. Genaue Zahlen hierüber fehlen. Im ganzen kann man mit einer Kriegsbeute von 7000 bis 8000 Geschützen, 2000 bis 3000 Ntaschinengewehren rechnen. Das sind großartige Ergebnisse, deren wir uns ohne Ueberhebung, aber mit gerechtem Stolze freuen dürfen. Um so mehr, als in dieser Zusammenstellung die außerordentliche Beute unserer Unterseeboote nicht mitgerechnet ist. Gewiß, auch unsere Verluste au Toten, Verwundeten, Gefangenen sind außerordentlich groß, aber die frohe Hoffnung auf eine endgültige günstige Entscheidung, die niemals aus unseren Herzen schwand, wächst immer mehr. Kein Mensch kann sich verhehlen, daß die Schwierigkeiten noch außerordentlich groß sind. Schwarzseher befürchten den Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit Amerika; vielen erscheint die Stimmung der Balkanstaaten, namentlich Rumäniens, sehr bedenklich; man spricht, wie freilich schon oft, von einem Vertrage unserer Feinde mit diesem Staate, einem Vertrage, der Rumänien in längstens zwei Monaten zum Losschlagen verpflichte. Wir wollen der Zukunft getrost entgegensehen, da die Gegenwart geeignet ist, unser Vertrauen zu stärken. Unsere Sache steht überall gut. Im Westen Stillstand, unsererseits nirgend Zurückweichen, eher allerorten kleine Vorstöße; im Osten fast überall siegreiches Vordringen. Die Russen und ihre Verbündeten geben zu, daß Warschau nicht mehr zu halten ist; vermutlich wird es freiwillig geräumt werden. Während aber die Westmächte das Vorschreiten der Deutschen und das Znrückweichen der Russen für ein großes Unglück und das Freiwerden vieler deutscher Truppen für eine schwere Bedrohung ihrer eigenen Stellungen halten, fahren die Russen, die ihre wahnsinnige Zerstörung der von ihnen geräumten Landschaften fortsetzen, ohne zu bedenken, welche ungeheuere Schädigungen sie damit sich selbst bereiten, fort, dieses Zurückweichen als eine. List zu deuten, prahlerisch von einer üblen Lage der deutschen Truppen zu reden, deren Vernichtung und ihren eigenen Triumph der Welt auszuschwatzen. Man kann sich nicht vorstellen, daß es den Russen mit diesem Gerede Ernst ist, man muß vielmehr glauben, daß sie dadurch das Mißtrauen ihrer Verbündeten einzudämmen, die stark bedrückte Stimmung ihres eigenen Volkes zu heben trachten. Denn daß in Rußland, wo ja immer Stoff und Neigung zur Revolution vorhanden ist, die Einbuße Galiziens, das man als sicheren Gewinn zu betrachten sich gewöhnt hatte, und der Verlust Polens eine ganz ungeheuere Unzufriedenheit und Aufregung erzeugt haben, ist zweifellos. Es wäre herzlich zu wünschen, daß diese inneren Stürme Rußland zwingen, den Krieg zu beenden und um Frieden zu bitten. Allzu stark ist freilich diese Hoffnung nicht. Auch von einer Kriegsmüdigkeit der anderen Nationen ist leider kein bestimmtes Anzeichen zu erkennen. England hat zwar Schwierigkeiten genug im Innern und die Minister haben die schärfsten Angriffe im Unterhause zu bestehen; Frankreich leidet an vielem Not, die Einsichtigen bekennen die verfahrene Finanzwirtschaft und sehen die Erfolglosigkeit ihrer so oft prahlerisch verkündigten Offensive ein; die Italiener müßten sich klar werden, daß sie in den zehn Wochen, in denen sie eine übermächtige Truppenmacht einem an Zahl schwächeren Gegner entgegensetzten, nur die allerschwersten Verluste erlitten, aber keine Spur eines Triumphes.davongetragen haben.