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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-08-06 · Heft 32 (6.8.1915) · p. Seite 374

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 32 (6.8.1915)
Date
1915-08-06
Page
Seite 374 (sequence 2)
Language
German
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374 i nt nt c r w ä h r e n d und durchaus repräsentativ! und r e ch t in ä sz i g autorisiert sein soll, für alle Juden! Amerikas zu sprechen und zu handeln. Schrecklich sind die Kosten des Krieges gewesen für mili-! tärische Ausgaben, durch die Zerstörung -des Handels und durch - den Verlust des von Menschen Hervorgebrachten. Diese Kosten ' erreichen eine Summe, die jeder Einbildungskraft spottet, mehr < al* 20 000 Millionen Dollar. Noch schrecklicher ist die Ein- , buhe an Menschenleben, der Haufe von menschlicher Sorge und j Weh und die Verringerung menschlicher Leistungsfähigkeit der! Nassen ans Generationen hinaus. Ohne Frage ist es der riesenhafteste Schlag, der je dem Fortschritt des Menschengeschlechts zugefügt worden ist. Und abgesehen von den Kosten — das Menschengeschlecht wird sich nicht schnell von der Verwilderung und der Ver-! rohung erholen, und wir haben noch nicht einmal die volle Ge-! schichte der Roheit und der Gelvaltmäßigkeit, der Wildheit und des Schreckens gehört. Laut ist der Ruf gegen die barbarische Kriegsführung und ihre unmenschliche Grausamkeit erschollen. „Menschlicher Krieg" ist freilich undenkbar, aber das schlimmste ist, daß nicht bloß die Kriegführenden, sondern auch die Fernbleibenden abgestumpft werden; denn wer kann sich rühmen frei zu sein von innerem Jubel, wenn neues Mißgeschick „den Feind" trifft? Der Krieg hat das Menschengeschlecht so entsetzlich heruntergebracht, daß zarte Frauen ruhig die ungeheuersten Schreckenstaten lesen und selbst die Kinder sich an den entsetzlichsten Berichten erfreuen. Bei solchen Zuständen, die unter den Juden in ebensolcher Stärke bestehen wie unter den Andersgläubigen, muß man den geistigen Führern zurufen: „Eure Arbeit wird lang und hart sein, dem Werke der Zerstörung entgegenzuarbeiten, die Herrschaft der Bestie im Menschen niederzukämpfen ttnd gegen- . über der rohen Kraft und Leidenschaft das Geistige wieder auf den Thron zu setzen." Was ist unter solchen Umständen die Pflicht eines neutralen Volkes? Neutralität kann nicht Gleichgültigkeit bedeuten. Neutralität kann nicht zur Aufhebung der moralischen Verpflichtungen, des sittlichen Urteils kommen. Wir beklagen sorgenvoll jede neue Roheit, wir entrüsten uns darüber, daß menschliche Wesen wie wilde Tiere gegeneinander losgehen. Das mitleidige Herz ruft aus: „Laßt kein weiteres Leben geopfert werden; wir wollen jeden Preis bezahlen und jedes Opfer bringen, um den Krieg zu beenden!" Was ist unsere sittliche Pflicht? Wenn wir zwei Menschen fechten sehen, kümmern wir uns nicht um Ethik, sondern suchen j den Kamps zu hindern. Wenn Nationen miteinander um das i Dasein ringen, so muß Menschlichkeit dieNeuträlität überwiegen, z Die Humanität fordert,^ aß wir den Kampf a ufh alten nndkeinemderKämpsendenUnterst ü tz u n g ge w ä h reu oder i h n zur Fortsetzung e r m u n t e r n. Die neutralen Nationen sind schrecklich | machtlos; aber wenn die Vereinigten Staaten und die I übrigen Neutralen nicht die Macht haben, die Unordnung in ■ der Welt zu unterdrücken, so müssen sie sich hüten zu ihrer ■ Verlängerung beizutragen. Wenn wir aufrichtig den Krieg beenden wollen, wenn wir Amerikaner willens sind, jedes Opfer zu bringen, um das menschliche Leben zu retten, s o lv ollen w irunsnichtandemBlutunsererMitg e s ch ö p f e u n d an dem g r i in nt i g e n E r b e des Todes bereiche r n. In der Zukunft wird es dem Geiste der edleren Amerikaner widerwärtig sein, wenn wir aus dem Elend verwandter Völker unser Ver-! mögen b ereichert h a b e n. Haltet daher jede U tt t e r st i"i tz u n g nt i t N a h r u n g , K r i e g s h i I s e , Geld allen kriegführenden Nationen vor! Laßt Amerika sich mit den anderen neutralen Staaten ver- : einigen, um den Krieg zu beenden unter Androhung der Erschwerung, ja des Aufhörens des Handels mit allen. So laßt uns der Zukunft ins Auge sehen und uns für die kommende Zeit des Friedens vorbereiten. Wer wagt inmitten, des Krieges von Frieden zu sprechen? Denen, die diese Zeit für ungünstig halten, antworte ich: „Niemals ist eine Zeit günstiger gewesen, denn der Verlauf des Krieges lehrt da--: Menschengeschlecht die Segnungen des Friedens." Denen, di; den Traum von Recht und Gerechtigkeit für absurd und di; Macht als das einzige Herrschende erklären, antworte ich: „Nie mals in der ganzen Menschheitsgeschichte erschien es ver nünftiger, daß durch das Recht die Macht in der Welt gestalte wird". Und denen, die Menschlichkeit und Zivilisation ver neinen und nur das Gesetz der Notwendigkeit, der Selbst erhältung als herrschend betrachten, antworteich: „Niemals is die Notwendigkeit von internationalem Gesetz und Ansehen iw Interesse der Menschheit und der Zivilisation so klar er schienen." Der gegenwärtige Krieg ist nicht allein der tödlichste Schlag, der der menschlichen Zivilisation zugefügt worden ist, sonder: er ist die riesenhafteste Gestaltung der internationaler Anarchie, der Unfähigkeit einer jeden Regierung, Ordnung in der Welt herzustellen. Die Völker sind gleich den Individuen gesetzlos geworden und fechten ihre Sache bis zum Tode am. Aber die Nationen, die mächtigsten so gut wie die schwächste: . müssen sich vor einem Weltgericht verantworten. Ta Menschengeschlecht bedarf der Anerkennung der Majestät uiw der Herrschaft des Gesetzes, damit die Welt nicht durch die roh' Kraft, sondern durch die Gerechtigkeit regiert wird." Ten obigen Ausführungen will ich nichts weiter hinzi fügen. Was uns am erfreulichsten in ihnen ist, das ist daoffene Proklamieren wirklicher Neutralität, die bisher von de : Amerikanern so wenig gezeigt worden ist. Es wäre sehr schm . wenn solche Worte in ganz Amerika Beachtung fänden. I.. G. Die Woche. B e rlin, den 3. August, in volles Jahr ist seit dem Beginn des Weltkriege vergangen. Die Wiederkehr des Jahrestages der Kriegserklärung hat der Kaiser zu nachfolgender bemerkenswerte Kundgebung benutzt: A n das deutsche Volk! Ein Jahr ist verflossen, seitdem Ich das deutsche Volk zu de Waffen rufen mußte. Eine unerhört blutige Zeit kam über Eurvp und die Welt. Bor Gott und der Geschichte ist Mein Gewissen reii Ich habe diesen Krieg nicht gewollt. Nach Vorbereitungen eine ganzen Jahrzehnts glaubte der Verband der Mächte, denen Dentsm land zu groß geworden war, den Augenblick gekommen, um das; gerechter Sache treu zu seinem österreichisch-ungarischen Bunde-' genossen stehende Reich zu demütigen oder in einem übermächtige Ringe zu erdrücken. Nicht Eroberungslust hat uns, wie Ich schon vor einem Iahverkündete, in den Krieg getrieben. Als in den Augusttagen al Waffenfähigen zu den Fahnen eilten und die Truppen hinanszmz - in den Verteidigungskamps, fühlte jeder Deutsche aus dem Erdlnn nach dem einmütigen Beispiele des Reichstages, daß für die höchste Güter der Nation, ihr Leben und ihre Freiheit, gefochten tucrbi mußte. Was uns bevorstand, wenn es fremder Gewalt gelang, bi Geschick unseres Volkes und Europas zu bestimmen, das haben d Drangsale Meiner lieben Provinz Lstpreußen gezeigt. Durch i> Bewußtsein des aufgedrunaenen Kampfes ward das Wunder vv; bracht: der Politische M e i n u n g s st r e i t v e r st u m m t; alte Gegner fingen an, sich zu verstehen und zu achten, der Gei' treuer Gemeinschaft erfüllte alle Volksgenosse: Voll Dank dürfen wir heute sagen: Gott war mit un Die feindlichen Heere, die sich vermaßen, in wenigen Monaten in Berlin einzuziehen, sind mit w u ch t i g e n Schlägen im Westei

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