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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-08-06 · Heft 32 (6.8.1915) · page 1

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 32 (6.8.1915)
Date
1915-08-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Zeitung des Judentums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse . Jahrgang Nr. 32 Allgemeine Berlin, 6. August 1915 -iese Zeitung erscheint wöchentlich. I bonnements-preis; durch den Buchandel oder die Post (in Berlin und vort Jen durch unsere vertriebsstellen) bezogen ierteljährlich 3 M. — Postscheckkonto 32<t. Begründet von Rabbiner vr. Ludwig Philippfon Unter Leitung des Geheimen Regierungs-Rats Professor vr. Ludwig Geiger Verlag: Kuäolk Mosse, Berlin, Jerusalemer Strasse 46-49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „AUgein. Zeitung des Judentums, Berlin SW, Jerusalemer Straße ^b-g-9, zu richten. Verlag von Rudolf Mosse, Berlin. nhftlt* ®*ne jüdische Stimme aus Amerika. Von L. G. — Tie ülJUlt« Woche. — B-eltenkarnPf und Vorsehung. Von Sanitütsrat 5 .. Sch erbet in Lissa i. P. — Im galizischen Iudenviertel. Van 2 . Jacob Sänger, Feldrabbiner der XI. Armee. - Reise eines jungen t itschen Israeliten von Buenos Aires nach Europa. — Palästina in Kriegsv-ten. Von*** — Feuilleton: Der lange Nock. Roman von Anna > vldschmidt. — Ab chied des jüdischen Landwehrmanns. Von Jenny :?rgmann. Der Gemeindebote (Beilage zur »Allgemeinen Zeitung des Jnden- > uis"). Berlin, Tilsit, Posen, Dortmund, Nürnberg, Frankfurt a. Ri. — " u Nah und Fern. ine jüdische Stimme sus Amerika. ir erhalten, wenn auch nicht regelmäßig, jüdische Zeitungen aus Amerika. Sie nehmen Notiz von i m Weltkriege und halten, soweit ich sie zu verfolgen mag, die nitralität strenger als die Waffenfabrikanten und Munitionscfcrtiger. Sie verfolgen die Ereignisse in Europa mit vielem nteresse, ohne Partei zu nehmen, während sie vielleicht, wie ir wünschen mochten, dahin wirken könnten, daß die abscheuche Art — der schlimmste Bruch der Neutralität — ihrer merikanischen Landsleute verhindert würde, unsere Feinde it Kriegsmaterial zu versorgen. Täten sie das oder hätten ' das von Anfang an getan und wären sie in-diesen Be- > »ihungen wirksam gewesen, so wären unsere Gegner längst zwungen gewesen, den Frieden zu erbitten. Im Gegensätze zu dieser kühlen Neutralität steht eine beerkenswerte und für die Deutschen nicht unsympathische .'de, mit der der Rabbiner Mose I. G r i e s in Cleveland die Zusammenkunft der Zentralkonferenz amerikanischer abbiner am 29. Juni 1915 eröffnet hat. Sie beschäftigt sich naturgemäß in vielen Abschnitten mit n inneramerikanischen Ereignissen, auf die näher einzugehen ute keine Veranlassung vorliegt. Dagegen erscheint es mir durchaus zeitgemäß, einen großen eil der Rede an dieser Stelle wiederzugeben, die dem Kriege nd seinen beklagenswerten Folgen für die Juden Europas -widmet ist. Es sind keine eigentlichen Kriegsbetrachtungen, ' ine Vorschläge, die leicht anszuführen sind — vielleicht stehen derhaupt der Erfüllung gewaltsame Mächte entgegen —, aber ' sind Meinungen und Anträge von bemerkenswerter Osfeni'it, von richtiger Einschätzung der entsetzensvollen Zustände, 1 daß ich mich verpflichtet fühle, diese Ausführungen in einer eutschen Uebersetzung meinem Leserkreise vorzuführen. „Eine Krise steht für Israel bevor. Das Geschick der Hälfte er Juden der Welt zittert in der Wagschale. Millionen mden in Osteuropa werden durch schwere Verfolgungen geschädigt. Ist das der Anfang einer neuen Epoche in der jüdihen Geschichte? Das ganze Menschengeschlecht ist zum Augenligen von Belgiens Elend und Sorge gemacht worden; Galizien und Polen erleiden eine gleiche Tragödie, aber die Welt sieht nicht darauf und hört es nicht. Millionen Juden, immer in Not und Elend, erfahren jetzt verstärkte Grausamkeit. Hunderttausende opfern ihr Leben für die Fahne ihres Landes und kein Freiheitsversprechen wird klar verkündet. Das loyale Anerbieten des Lebens für die Sache der Nation sollte das Feuer des Antisemitismus in Deutschland und Oesterreich und in Rußland ersticken. Bis jetzt aber ist kein Aufhören der russischen Verfolgung, noch ein Wechsel in dem gesetzlichen Zustand zu konstatieren. Vielmehr sind Tausende von Juden gezwungen worden, den Wanderstab zu ergreifen. Ausgetrieben aus ihrer Heimat und ihrem Geburtsorte, die Alten und Schwachen, selbst schwangere Frauen, die dem Hunger und dem Tode ins Auge sehen. Diese schimpflichen Unmenschlichkeiten haben sogar Georg Brandes zur Anklage Polens vor dem Forum der Nationen aufgestachelt und Israel Zangwill proklamiert: „Die polnischen Juden erleben eine der größten Tragödien in der Weltgeschichte." Kein Land mag sein Volk anstreiben, um heimatlose Wanderer auf der Erde daraus zu machen. Wann wird die nicht zu duldende Ungerechtigkeit enden? Die Juden Amerikas haben Israels Schreckensschrei gehört und haben sich bemüht, das schwere Joch Israels aufzuheben, aber vergebens. Angesichts des überall herrschenden Elends entdecken wir wiederum, daß wir unvorbereitet nnd unorganisiert sind. Um dem überwältigenden Unglück zu begegnen, versuchen wir nationale und internationale Agenturen zu schaffe». Wir sind niemals bereit, obgleich die Juden immer im Elend sind. Unsere Pflicht ist Abhilfe zu schaffen und der beständig wachsenden Grausamkeit gegenüber werden unsere Bemühungen niemals ausreichen. Es betrübt und beschämt uns zu wissen, wie wenig entsprechend unsere Gegenanstrengungen gewesen sind, aber trotz aller Entmutigung dürfen wir von unseren Bemühungen nicht Massen. Gibt es einen in Amerika, der das gegenwärtige Leiden mit ansieht und Hilfe verweigert? Ist einer unter uns allen, der mitansehen oder mitanhören könnte, wie Säuglinge umkommen, Männer und Weiber vor Hunger und Oual sterben, und der seine Augen verschließt, seine Ohren verstopfen wollte? Ich bin überzeugt, daß die amerikanischen Juden ihre volle Pflicht tun werden, wenn sie die Wahrheit der Tatsachen erkennen. Amerika ist die einzige jüdische Gemeinschaft der Welt, die imstande ist, Linderung zu schaffen. Die Stunde hat geschlagen, die Verwirrung, die fehlende Organisation bei den amerikanischen Juden zu beenden. Soll jede Krise uns unfertig und unvorbereitet finden? Es kann nicht länger die Frage sein, wem der Ruhm gebühren soll; die menschliche Not schreit nach Mitgefühl und Hilfe. Die Krisis verdammt „die Teilung des Rats" und fordert „Einheit der Handlung". Laßt die große Menge der Komitees und ihrer Leiter ihre Ansprüche auf Priorität aufgeben, sie müssen sich vereinigen, um ein Komitee zu schassen, welches

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