Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-07-30 · Heft 31 (30.7.1915) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 31 (30.7.1915)
Date
1915-07-30
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3229177-3229209--71512-3283856
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

3 fnnt das Werk zustande und gedieh Prächtig, wie sich jeder Breslauer überzeugen kann, der an einem Montag, Mittwoch oder Freitag zur ^iegnitzer Straße hinanswandert und die Kinder dort in freudigen! Wetteifer arbeiten sieht. Was auf den sauber gehaltenen Beeten heranreist, wird ihr Eigentum. Stolz tragen sie ihre Ernte heim und liefern sie in Mutters Küche. In ihrem Herzen aber keimt die Liebe zur Natur, i)as tiefe warme Gefühl für die heimische Scholle, aus dem die echte Vaterlandsliebe erwächst. Das ganze Geschlecht, in solcher Weise erregen, wird sich fester als jemals in früheren Zeiten mit der Heimat verkettet fühlen, und auch dies muß als erzieherischer Wert dein Schulzarten gut geschrieben werden. Kolberg, 23. Juli. In der letzten Zeit trafen hier verschiedene Anfragen ein, die klar zeigen, daß über die amtlichen Vorschriften -ür den Aufenthalt in Ostseebädern wahrend der Kriegszeit falsche Ansichten im Inland verbreitet sind. Man darf in den preußischen Ostseebädern sich jederzeit, und solange man will, am Strande aufvalten, kurz, man hat durchaus keine Einschränkung der persönlichen Freiheit zu erdulden. Außerdem sind die Preise für Zimmer und ganze Wohnungen, z. B. in Kolberg, in diesem Jahre ganz bedeutend inäßiger als h\ Friedenszeiten, so daß jedem Erholungsbedürftigen der Besuch der Ostseebäder warm empfohlen werden kann. Daß feindliche Flieger nach Kolberg kommen, ist angesichts der geographi- 'chen Lage ausgeschlossen. M. Hamburg, 23. Juli. Das NePr ä se n t a n te n - s olle gi u m der Deutsch-Israelitischen Gemeinde 'zielt eine Sitzung unter Vorsitz des Herrn I o s. L i PP m a n n ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedachte der Vorsitzende des Dahinuheidens des Mitgliedes des Gemeindevorstandes Herrn A. Lewandowfki, der seit dem Jahre 1903 dem Gemeindevorstand angehörte. Das Andenken des Verstorbenen wurde vom Kollegium durch Erheben von den Sitzen geehrt. In gleicher Weise wurde das Andenken des verstorbenen langjährigen ersten Beamten der Gemeinde, Herrn A. M. H e h m a n n , geehrt. Der Antrag des Gemeindevorstandes auf Bewilligung von 300 Mark als Beihilfe für die von Privater Seite ausaefnhrte rituelle Beköstigung der jüdischen Kriegsgefangenen wird nach lebhafter Debatte, in der verschiedene formelle Bedenken gegen den Anrag geltend gemacht wurden, in der Weise genehmigt, daß das Neprärntantenkollegium für den Zweck einen Betrag von 1000 Mark bewilligt. Diese Bewilligung geschieht jedoch nur unter der Bedingung, >aß dein Gemeindevorstand in offizieller Form die Mitteilung gemacht wird, daß für die rituelle Beköstigung, der Kriegsgefangenen ein drini.endes Bedürfnis als vorhanden anerkannt wird. Auch soll mit Eraubnis der Militärbehörde die Beköstigung sich dann auf alle Gefangenenlager im IX. Armeekorps und nicht nur aus ein Lager allein erwecken. Ein dringlicher Antrag des Gemeindevorstandes betrifft die Bewilligung von weiteren Mitteln für die Kosten der jüdischen Feldeelsorge. Hierzu liegt ein Schreiben des Ausschusses des Verbandes 'er deutschen Juden vor. In diesem Schreiben wird mitgeteilt, daß eit der letzten Bewilligungvom preußischen Kriegsministerium auf vrund der ausdrücklich erbetenen Vorschläge des Verbandes drei weitere ''abbin-er zu den inzwischen nett gebildeten Armeen entsendet wurden. Die rosten für die Ausrüstung und die Feldzulagen sind vom Ausschuß des Vorstandes der deutschen Juden unter Beihilfe der einzelnen Gemeinden >n tragen, da vorn Kriegsministerium infolge des Mangels einer diesezüglichen gesetzlichen Bestimmung hierfür keine Mittel bewilligt weri'it können. Ter Antrag des Gemeindevorstandes auf Bewilligung der üesbezüglichen, auf Hamburg entfallenden Kosten wurde ohne Debatte instimmig angenommen. Gleichfalls angenommen wurde der Antrag -es Gemeindevorstandes auf Zahlung des Gehaltes des zum Heeresdienst eingezogenen dritten Gemeindebeamten bis zum 1. Oktober und 'on dann ab die Hälfte des ihm zustehenden Gehaltes. Die Mittel für 'ie durch die Einberufung notwendig gewordene Anstellung einer weiteren Hilfskraft wurden gleichfalls bewilligt. Alsdann trat geheime Sitzung ein. Fürth, 23. Juli. Das Schulschlußfest am Ende des Schulahres beging am 14. Juli, nachmittags, die israelitische Realschule in Fürth im Kreuzsaal. Der Direktor, Herr Dr. Feilchenfeld, beirüßte eingangs seiner prächtigen Rede die Herren Dr. Wild, i. Bürgermeister, Justizrat Dorsch, Vorsitzender des Gemeindelellegiums, Rabbiner Dr. N e u b ü r g e r, Oberlehrer W e i n l e i n lls Vertreter der Schulbehörde. Für die Absolventen sprach Leo Krämer Abschieds- und Dantesworte. Das Königshoch brachte der Vorsitzende des Kuratoriums, Herr I. L. Weißkopf, aus. Das Programm enthielt schöne Gesänge und eine Reihe trefflicher Rezitationen. Schwki?. Z. Zürich, 23. Juli. Tie hier erscheinende „Israelitische Wochenschrift" berichtet ans Paris: Die russische und die belgische Regierung haben bekanntlich Maßnahmen getroffen, um ihre in Frankreich weilenden wehrfähigen Staatsangehörigen für den Heeresdienst heranzuziehen. Diese Maßnahmen stießen aber auf Widerstand, namentlich bei den zahlreichen russischen politischen Flüchtlingen und nusgewanderten russischen Inden, die in Frankreich Zuflucht gesucht hatten, um den Bedrückungen zu entgehen, denen sie in Rußland ausgesetzt waren, und in Frankreich unter dem Schutz der französischen Demokratie und Republik in Ruhe zu leben. Die Aufforderung nun, für Rußland Waffendienste zu tun, gefiel ihnen durchaus nicht, selbst nicht einmal ans die ihnen gebotene Erleichterung hin, diesen Waffendienst auch im französischen Heere abznleisten. Sehr viele von diesen russischen Flüchtlingen und Ausgewanderten sind daher einfach dem Befehl der russischen Regierung nicht nachgekommen, zumal die sozialistische Partei in Frankreich sich ihrer annahm und von der französischen Regierung die Erklärung durchsetzte, daß sie das Ashlrecht dieser Flüchtlinge und Ausgewanderten achten werde. Offenbar hat aber der Druck der russischen Regierung es doch vermocht, daß sich die Regierung dazu entschloß, die russischen Asylflüchtlinge auf einem Umwege dem Heere zwangsweise zuzutreiben. So berichteten dieser Tage Pariser Blätter, daß die Polizeibehörde sie zu sich besohlen und ihnen eröffnet habe, sie würden, soweit sic wehrfähig seien und trotzdem dem veröffentlichten Gestellungsbefehl der russischen Botschaft nicht nachkämen, in Konzentrationslager als Zivilgefangene äbgeführt werden. Die Polizeipräfektur von Paris bestreitet nunmehr in einer Mitteilung, die sie der Presse hat zngehen lassen, diese Drohung. Sie räumt aber ein, den Beteiligten eröffnet zu haben, daß man sie ersuchen würde, Paris zu verlassen und sich außerhalb des „verschanzten Lagers von Paris, wo ihre Anwesenheit zu peinlichen Erörterungen Anlaß gebe", ins Ausland oder in das Innere von Frankreich außerhalb dieser Zone und des militärischen Operationsgebietes zu begeben. Es liegt auf der Hand, daß der für diese Ausweisung angegebene Grund nur ein Vorwand ist und in Wirklichkeit darauf ausgeht, die wehrfähigen russischen Flüchtlinge und Juden in Frankreich auf diese Weise für den Heeresdienst zu pressen, von dem sie nichts wissen wollen. Denn, abgesehen davon, daß es vielen von ihnen wohl an Mitteln fehlen wird, um ohne weiteres -anderswo sich ein neues Dasein zu gründen, würden sie für das Ausland keinen Paß von ihrem Konsulat erhalten und in der französischen Provinz zum mindesten zu denselben peinlichen Erörterungen Anlaß geben wie in Paris. Hinter dem Vorwand versteckt sich lediglich die Verlegenheit der Regierung, die wohl gern bereit ist, für die russische Regierung in der verlangten Weise den Büttel zu spielen, aber zugleich durch ihr den Sozialisten gegebenes Wort gebunden ist, das republikanische Asylrecht für diese russischen Flüchtlinge und Juden zu achten. Geperreich-Angarn. X. Wien, 23. Juli. Das „Prager Ta Matt" erhielt dieser Tage folgende Zuschrift: „Nach vier Monaten vom nördlichen Kriegsschauplätze nach Prag zurückgekehrt, erfahre ich zu meiner Ueberraschnng, das; ich nicht inehr unter den Lebenden weile. Leider ist mir, wahrscheinlich infolge schlechten Funktionierens unserer Feldpost, meine Todesanzeige nicht Zugestellt worden, und bitte ich Sie daher erst heute, ans diesem nicht mehr ungewöhnlichen Wege meinen Freunden und Bekannten mitzuteilen, daß diese Nachricht zum mindestens verfrüht ist und daß ich jetzt erst recht als abergläubischer Soldat Methusalems Alter zu erreichen hoffe. Ich bin bei dem Sturme aus die Grodeker Stellung am Kopfe von zwei russischen Kugeln verletzt worden; infolge des bekannten Mangels an Munition hörten die Russen dann auf, inich zu beschießen, und so kam ich mit dem Leben davon. G u st a v L ö w y , Oberleutnant im 11. Infanterieregiment." Diese launige Zuschrift möge vielen Eltern und Geschwistern zum Tröste gereichen. Herr Oberleutnant Gustav L ö w y wurde tatsächlich seit Monaten tot gesagt und seine Angehörigen trauerten um ihn wie um einen Toten. Um so größer ist jetzt ihre freudige Ueberraschnng. Und so wird es sicherlich vielen ergehen, deren

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.