Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-07-30 · Heft 31 (30.7.1915) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 31 (30.7.1915)
Date
1915-07-30
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3224737-3229177-3229209--71510-3283854
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

79. Jahrgang Nr. 31 Berlin, 30. Juli 1915 Der Gemeindevote. Vellage zur „Allgemeinen Leitung des Judentums". korrrlpanÄen?rn und Nachrichten. Deutschland. <V,> Berlin, 27. Juli. Wir iucrbcn von der Wohltütigkeitszenaik der Berliner Kaufmannschaft um die Ausnahme folgende Zuschrift ersucht: Tie Not, in die durch Bernmduugen oder den Tod der Krieg zahllose Perncn oder Familien versetzt, verlangt a u ß e r o r d e n t l i ch e a st 11 a h ui e n und r e i chl i che G e l d m i t t e l. Tie Hauptaufube fällt dein Reiche, den Staaten und den Kommunen zu. E räuzend aber werden private Mittel eiugreifen müssen. Je mfassender die Rot, je vielgestaltiger die Zusammensetzung der Hilfsdürftigen ist, um so unerlässlicher sind straffe Organisation und peinche Vermeidung der Vergeudung von Mitteln. Das kann nur durch v n z e n t r a t i o n der privaten H i lf st n t i gke i t und u s a m in enarbe i t mit d e n b e h ö r d l i ch e n E i n r i ch - u n gen erreicht werden. Daher mögen alle, die ihr warmes Gefühl ,r den Schmerz der kämpfenden Volksgeuosseu und ihrer Angehörigen;ir Hilfeleistung treibt, davor gewarnt fein, jedem neu auftretenden nzelnen Bedürfnis durch G r ü n d u n g e i n e s n e u e n Vereins, Ausschusses usw. abhelsen zu wollen. Aber auch lle, die bereit sind, nur durch Geldspenden Wohla h r t s e i n r i ch t u n g e n zu unterstützen, sollten sich heule! b e s o n d e r s sorgfältiger P r ü f u n g veranlaßt 'bleu. Privatpersonen und Kaufleute, aber auch alle ' e h ö r d e n, die sich in irgendeiner Form mit der W o h la. h r t s p f l e g e zu besä s s e n haben, seien darauf hinnviesen, das; die „ Zent r a l e f ü r P r i v a t e F ü r s o r g e " und u „ W o h l t ä t i g ke i t szen t r a le der Berliner Kanfi a n n s ch n f t", beide Flott w e l l st raste 4, Material über zah'lüche Vereine zur Fürsorge für Verwnudele, Invalide und Hinteriebene besitzen, deren Alainen und deren Zwecke einander so ähnlich ud, das; es den Außenstehenden oft schwer fallen wird, sie voneinander; unterscheiden. Es bestehen neben den Sammlungen der halbamtben „Rationälstiftung für die Hinterbliebenen der im Kriege Gellenen" und des schon feit langem bestehenden „Jnvalideudauks", mu ir ganz loenige zu neunen, noch solche des „Vereins Kriegerheime", s „Deutschen Kriegerhilfsbundes", „Kriegergenesungsheime 1915", -iationalspeude Deutsche Heldenheime", „Erstes Erholungsheim für die t Kriege verwundeten oder erkrankten deutschen Sportgrößen", üriegsinvalidenhilfe", Verlags-Akt.-Ges., „Hauptausschuß für Kriegerimstätteu", „Alarinedank", „Zentralkomitee der Frauenmitarbeit au t Fürsorge für die Kriegsbeschädigten", „Vaterlandsbund 1915", xldendank", „Arbeitsausschuß zur Unterstützung erblindeter Krieger", hne sorgfältige Prüfung wird daher kaum ein Hilfsbereiter den chtigen Weg finden können. Berlin, 27. Juli. Wenige unserer Zeitgenossen denken uh au den Prozeß von T i s z a- E s z l a r . der vor dreißig Jahren cht nur Ungarn, sondern auch ganz Europa im höchsten Maste erregte "er doch interessierte. Fast alle Hauptpersonen dieses Prozesses sind 'u der Bildfläche verschwunden. Run ist auch, wie aus Budapest schrieben lvird, der einst vielgehaßte und geschmähte Untersuchnngschter Josef Bary gestorben, der eigentlich Schuld daran trug, daß is einem Torftratsch ein sensationelles Blutmärchen wurde, das neu langwierigen, peinlichen Prozeß nach sich zog, der schließlich mit >'m Freispruch aller Angeklagten endete. Bary war damals ein luger Mensch, der sich einen Namen machen wollte. Da die antiuntische Strömung zu jener Zeit in Ungarn ziemlich mächtig schien, :e antisemitischen Abgeordneten stets hinter ihm her Iva reu und der iistizminister Pauker seine schützende Hand über den kleinen Unter-. uhungsrichter in der Provinz breitete — Tr. Pauker wollte nämih beweisen, daß die Justiz in Ungarn nicht beeinflußt werden kann , blieben alle Angriffe gegen Bary.in der Presse und im Parlament ürknngslos. Bary war jedoch ein Fanatiker und ein Streber dazu, o das; die hohe Protektion keine guten Früchte trug. Er wollte nm "den Preis Beweise für seinen Verdacht haben und drückte ein Auge Ul. so oft ihm von durchaus verdächtiger Seite neue „Beweise" geliefert wurden, auf die er dann seine Anklage aufbaute. Freilich siel diese Anklage in sich selbst zusammen, als sie von der Hellen Sonne im Gerichtssaal beschienen wurde. Wer in jenen heißen Sommertagen hu Komitatshaus zu Nyiregyhaza den Untersuchungsrichter Bary beobachten konnte und sah, wie er sich wütend gebärdete, als der geniale Verteidiger Karl Eötvös — auch dieser ist seither krank, still und wortlos gewwrden — die Anklage in Fetzen riß, der wird keine gute Meinung von Bary gewonnen haben. Und wenn nun erzählt wird, Bary habe, als er zum Gerichtspräsidenten in Grostwardein ernannt wurde, dem Rabbiner der dortigen orthodoxen israelitischen Gemeinde einen Besuch abgestattet, angeblich bloß von dem Wunsche beseelt, ihm die Hand zu drücken, der wird sein Urteil über den Verblichenen kaum zu revidieren imstande sein. Denn der maßlos fanatische Antisemit als Verehrer des jüdischen Rabbiners macht um so weniger eine gute Figur, als in Großloardein nicht die Antisemiten, sondern die Philosennten seit jeher die führende Rolle innehatten. J. E. Berlin, 27. Juli. Im Krematorium in der Gerichtstraste fand am 14. d. M. unter Teilnahme weiter Kreise, besonders aus den Reihen der hiesigen Anwälte und der Mitglieder der Bne-Brith- Logen die Trauerfeier für den am 2. Mai beim Durchbruch in. Gorliee gefallenen Rechtsanwalt A lsred Story statt. Ter Verewigte war mit dem Geheimen Jnstizrat Timendvrfer assoziiert und erfreute sich bei den Gerichtsbehörden hohen Ansehens, bei seiner Klientel außerordentlicher Beliebtheit: der Präsident der Aeltesten der Kaufmannschaft rühmt ihm in einem Nachruf nach, das; es mit sein Verdienst sei, wenn die Schiedsgerichte an der Börse immer mehr in Ausnahme kamen. Story war auch ein eifriges Mitglied und schon in jungen Jahren Präsident der Berthold-Auerbach-Loge, als solcher vielfach in den gemeinsamen Einrichtungen der Berliner Logen verdienstlich tätig. Bei Kriegsausbruch meldete er sich freiwillig zmn Felddienst, für den er infolge eines schweren Leidens vorher die Fähigkeit verloren hatte. In Belgien, wo er lange in Garnison war, wurde er zum Leutnant der Infanterie befördert und dann zu dem großen Turchbruch nach Polen beordert, der Anfang Mai die so glückliche Offensive gegen Rußland einleitete. Hier fiel er bei Gorlice bei einem Sturmangriff, als er au der Spitze seines Zuges der bedrängten Nachbarkvmpagnie Hilfe bringen wollte. Seine Leiche lvurde durch seine Brüder hierher übergeführt und seinem Wunsche gemäß im städtischen Krematorium verbrannt, wo seine Asche neben der ihm vor einem Jahre im Tode vorangegangenen, über alles geliebten Mutter ruhen sollte. Die Trauerrede hielt Rabbiner Tr. Blnmenthal, der, um das Andenken des Freundes zu ehren, von seiner Sommerfrische herbeigeeilt war und ihm tiefempfundene Worte des Gedenkens und des Abschieds nachrief. Insbesondere konnte er daran erinnern, mit loelcher Aufopferung der Verewigte mit ihm in der Verwaltung der Ferienkolonien für jüdische Kinder tätig war, wie er sich dessen freute, die Kinder gekräftigt und für das Leben ertüchtigt zu lvissen. Geheim rat Timendvrfer dankte dem Berufsgenossen und dem Freunde, mit dem ihn ein väterliches Verhältnis verband, bei dem beide Gebende und Empfangende waren. Rührend war das Abschiedswort, das einem gegebenen Worte gemäß Jnstizrat Tr. Jacobsohn dem Freunde uachries, der durch seinen Tod das von ihm so oft erörterte Problem des „Stirb und werde" gelöst Habe. Das Andenken des in der Blüte der Jahre gefallenen Helden loird in weiten Kreisen unvergänglich bleiben. V. Z. Berlin, 27. Juli. Nach langem Leiden ist am 25. d. M. Geheimer Negierunasrat Professor Tr. B e r n h a r d Pros k a u e r im 55. Lebensjahre gestorben. Ter Entschlafene, der, bevor er sich chemischen Studien widmete, im Bankfach tätig gewesen ist, war eine Autorität auf dem Gebiete der Wasserversorgung und Abwässerbeseitignng und hat die Lehre von der Desinfektion, die von der Kochscheu Schute ausgina, durch zahlreiche exakte Forschungen gefördert. Proskauer, ein Schüler August Hofmauus, trat im Jahre 1874 in das Reichsgesundheitsamt ein, wo ihm als Assistenten Sells 1878 ein eigenes chemisches Laboratorium eingerichtet wurde. Als Robert Koch in das Reichsgesuudheitsamt berufen wurde, wurde ihm Proskauer ein wertvoller Mitarbeiter, den Koch in das neuerrichtete hygienische Institut im Jahre 1888 mit hinübermchm. Mit Koch siedelte Proskauer 1891

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.