Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 31 (30.7.1915)
- Date
- 1915-07-30
- Page
- Seite 366 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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366 Beerdigung der Märzgefallenen 1848, die S. 18 ff. mitgeteilt wird, ist ein Meisterstück. Aus seiner Politischen Tätigkeit ist besonders hervorzuheben, daß er die Gewährung des Wahlrechts an die Arbeiter forderte, für die Abschaffung der Todesstrafe und für die Aufhebung der Judensteuern eintrat. 1860 ließ er sich nicht wieder wählen. Nach schweren Schicksalen (er verlor seine Gattin, nüt der er länger als 80 Jahre verbunden gewesen war, und seinen ältesten Sohn) starb er am 18. März 1865. Mannheimer hat nicht allzuviel geschrieben, er war welliger Gelehrter als Redner und als ein in praktischem Berufe stehender Mann. Aber gerade diese Praktische Tätigkeit und vor allem seine Reden, die durch reichen, vielseitigen Inhalt, durch schöne Diktion und tiefen religiösen Sinn ausgezeichnet waren, haben ihm einen außerordentlichen Ruhm weit über die Grenzen der Stätte seiner Wirksamkeit verschafft. Er gilt noch heute neben Talomon, Kley und einigen anderen als der Hauptrepräsentant der deutschen Prediger der ersten Generation des 19. Jahrhunderts. In einem Nekrolog wurde er bezeichnet als „der Anwalt und Schriftführer, der Prediger und Religionslehrer, der Berater und Organisator, der Armenvater und Seelsorger der Wiener. Israeliten". Als Anhang zu unserem Büchlein werden einige Briefe Mannheimers aus Kremsier 1848/49 sowie aus Marienbad, Wien und Döbling mitgeteilt. Sie bieten durch Inhalt und Ausdruck mannigfaches Interesse, sind aber doch nicht vermögend, ein Bild des Mannes in seiner Totalität zu geben. Zu diesem Behuse wäre es gewiß angemessener gewesen, ein paar Bogen mit Auszügen aus seinen Predigten zu geben. Ist auch das gedruckte Wort nie oder selten vermögend, denselben Eindruck zu gewähren wie das lebendige Wort, so würde man jedenfalls aus solchen Proben ein entsprechenderes Bild der bedeutenden Persönlichkeit erhalten haben, als aus den mitgeteilten Schriftstücken. L. G. '■Vv rr O/-.«£, . $+(*.*0,10 ßk^U, Dir „Wohltaten" des Haukes Nomsnow Von Leo Scheinhaus. VI. (Fortsetzung.) ie Aera der „zweiten Emanzipation" in Westeuropa tra mit den inneren Reformen zusammen, die in Rußland i. der Regiernngszeit Alexander II. (1855 — 1881) erfolgrei« unternommen wur den. Nach de Schwierigkeiten de Krimkrieges wehte ei Hauch der Freihe durch das weite rufsi sehe Reich. Nach Al schluß des Parise Friedens am 30. Mär 1856 verkündete de Kaiser seinem Bol! in Moskau das „all geistigen und mnt« riellen Kräfte ent wickelnde" Frieden- Programm seiner -Ki giernng, dessen Bei wirklichung auch bai in allen Zweigen de Verwaltung ang« bahnt wurde. . Die Aufhebung de Leibeigenschaft (1861 die einer Bauern bevvlkerung von : Millionen Seelen vo lige persönliche nn bürgerliche Freihe gab, eine Bauer« emanzipation, d ihresgleichen in de Weltgeschichte such die nach moderne Grundsätzen gestalte^ Justizreform (186" die eine Unabhängi« keit der richterliche von der exekutive administrativen n> legislativen Gewa bestimmte; die Ei: setzung von Lam schaftsinstrtutionen (1864) ans Gute besitzern, Bürgern in Bauern für die lofal' wirtschaftlichen Inte essen und ähnliche lil rale Umgestaltung.: — alles von der autokratischen Initiative des „Zar-Befreier: ausgehend — haben in der russischen Gesellschaft bürgerlich: Sinn und Rechtserkenntnis gehoben. Die ausgesprochen liberalen Reformen zu Beginn der 3« gierungszeit des wohlwollenden Monarchen mußten auch a die Lage der russischen Juden einen günstigen Einfluß au üben. Die gesamte Presse stimmte der in der Gesetzgebung zi Geltling gelangenden Tendenz zu, auch die jüdischen Bewohn« des Reiches, „diese intelligenten und arbeitsamen Untertanen durch die Gemeinschaft gesellschaftlicher und bürgerlicher Inte: