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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-07-30 · Heft 31 (30.7.1915) · p. Seite 363

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 31 (30.7.1915)
Date
1915-07-30
Page
Seite 363 (sequence 3)
Language
German
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363 > scheu Staatsmänner uwtlmwtmdert ztl, die, was man auch l?^en sie sagen mag-, in ihren Berichten an die Volksvertreter - ach immer die ehrlichsten unserer Feinde sind; und auch die! lgenhaften, der Nation gegenüber geradezu verbrecherischen erschleierungen seitens der russischen Regierung und der i issischen Presse, die beide so tun, als wenn die Deutschen durch i t Vorschreiten sich selbst ihr Grab bereiten und den Russen i ir zu künftigen Siegen verhelfen, so ungeheuerlich eine solche .! ethode auch genannt werden muß, scheinen doch nur ein Zuti ständnis der Ohnmacht und ein Betäuben der Verzweiflung ' sein. Auch die Türken melden auf allen Kriegsschauplätzen, i denen sie beteiligt sind, Siege. Wenn man auch vielleicht " ofe Berichte mit einer gewissen Vorsicht aufzunehmen hat, ' sind doch das Zugeständnis ungeheurer Verluste wieder von ' ten der Engländer — hier spielen die Franzosen die Rolle iv* Schweigers — und die sehr kleinlaut gewordenen Aenßei ngen über die Bezwingung der Dardanellen und über den l vorstehenden Einzug in Konstantinopel ein vollgültiges ngnis, daß die außerordentlichen Kraftanstregungen der; gen die Türkei verbündeten Mächte keine nennenswerten e folge gezeitigt haben. Auch auf dem ö st e r r e i ch i s ch - i t a l i e n i s ch e n Kriegs- ' rauplatz scheint die Sache der Oesterreicher, die wir als die r -serige zu betrachten alle Ursache haben, gut zu stehen. Den i. rhältnismäßig kleinen österreichischen Streitkräften steht die iamte italienische Armee am Isonzo, an der Tiroler und der! rntnerischen Grenze gegenüber. Die österreichischen Truppen - üssen hier staunenswerte Wunder der Tapferkeit und der l iftigsten Ausdauer verrichten, denn von den Italienern hört : an außer den üblichen Beweihräucherungen ihres Heldenn :ts und ihrer Todesverachtung von keinem nennenswerten > rteif. Zwei Monate lang — wir konnten in unserer Ueber- ■ )t vom 25. Mai von dem Anfang dieser feindlichen Unter- : amungen berichten — steht dieser neueste Feind unseren l denmütigen Bundesgenossen gegenüber. Damals prahlten l Gegner, Triest in einem Spaziergang zu erreichen, und v Uten der Welt einreden, daß Wien ihrem Siegesmarsche sich l d erschließen werde; sie Haben in den zwei Monaten wenige ndbreiten Landes erworben, wenn sie auch möglicherweise mitgene gemacht haben (sie geben zu bestimmte Zahlen an, r daß man alle diese Angaben als lügnerisch verwerfen fte), und wenn sie auch zeitweise in das eine oder andere - uef der österreichischen Stellungen eingedrungen sind. Man :n nur wünschen, daß das Schlachtenglück, das gerechte Ent-!- für den wunderbaren Heroismus der Kämpfer, weiter an " > Fahnen unserer wackeren Bundesgenossen hafte. Ja, man - s; ersehnen, daß es diesen gelänge, den Krieg in das Innere , -Liens zu tragen, damit dieses heuchlerische und verräterische >!k, das gewiß schon entsetzliche Verluste erlitten hat, die es ' Welt und dem eigenen Volke verschweigt, auch die grausige ternis des Krieges im eigenen Lande erfahre. Aus dem Westen sind in dieser Woche nur wenige Nachl vten zu uns gelangt. Was über die Abwehr der von Zeit zu it unternommenen Angriffe der Verbündeten gemeldet wird, l weist nur die beispiellose Tatkraft, die über jedes Lob erl bene Zucht und die heldenmäßige Tüchtigkeit unserer groß- ' -igen Heere. Die neutralen Staaten verhalten sich bisher ruhig; das l cken und Werben des Vierverbandes dauert weiter, aber die -ssichten nnf einen Erfolg werden von ihnen selbst als zieingering dargestellt. Als letztes Lockmittel wird neuerdings * Versprechen von Anleihen ausgegeben, die von England r Griechenland, Bulgarien und Rumänien in Aussicht gei:-; llt werden. 3t nt et ila hat in diesen Tagen seine Antwortnote an - '-tttschland übergeben. Sie enthält, soweit man bis jetzt jagen kann, keine Kriegserklärung, auch nicht einmal die Drohung mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen; es darf wohl gehofft werden, daß eine Verständigung zwischen Deutschland und Amerika erzielt werde. Trotz alledem: dem Frieden rücken wir, obgleich nun ein volles Kriegsjahr hinter uns liegt, um keinen Schritt näher. Keine der kriegführenden Mächte ist imstande, den Frieden ztl diktieren; keine nctlträle Macht, so sehr sie alle, zum Beispiel auch die Schweiz, unter den größten Beschwerden leiden, ist so stark, daß sie eine erfolgreiche Vermittlung wagen könnte. * In der Schweiz hat, wie wir dem Berner Blatte „Die Menschheit" entnehmen, die konstituierende Versammlung der P e r m a n e n z ko m m i s s i o n z u nt S ch u tz bedrohter M e n s ch h e i t s r e ch t e stattgefunden. In dieser Versammlung wurde auch das Los der russischen Juden besprochen, lieber diese Besprechung schreibt das zitierte Blatt folgendes: Die Herren Tr. Klahkin und Epstein erklärten darauf, im Rainen eines provisorischen „Comite pom* la cause juive" Klage führen zu inüssen über das schwere Leid, das ihre Glaubensgenossen derzeit in Rußland zu erdulden hätten, und das in der westeuropäischen Presse allzuwenig beachtet werde. Herr Epstein führte in eingehender, mit dokumentarischen Belegen durchsetzter Rede aus, wie die jüdische Bevölkerung Rußlands trotz aller Staatstrene und allen Opfermutes als minder berechtigt behandelt werde, und wie man alle Erbitterung ob des Mißerfolges der russischen Waffen an diesen hilflosen Opfern kühlen wolle. Eine Debatte entwickelte sich, in deren Berllnlf Professor Brocher in warmer Weise vom traurigen Schicksal eines anderen von der russischen Regierung unterdrückten Bottes sprach, von den Ruthenen. Tie Versammlung lauschte in tiefer Ergriffenheit diesen Ausführungen und ltahm hierauf einstinnnig nachstehende Resolution an: 6. „Die Kommission appelliert an die intellektuellen und liberalen Schichten Rußlands, sie möchten sich dafür einsehen, daß endlich den systematischen Grausamkeiten der russischen Regierung gegenüber der jüdischen Bevölkerung (Massemmsweisnngen, Plünderungen und Meßeleien - unter dem Namen Pogrome bekannt sowie Mißhandlung der verwundeten jüdischen Soldaten), wie sie seit Beginn des Krieges bis auf den heutigen Tag verübt werden, ein Ziel gesetzt lverde." Matt schreibt uns: Das Z e n t r a l k o m i t e e d e s A l l g e m e i n e n I ü d i s ch e n A r b e i t e r b n n d e s R it ß l -a n d s („Bund") veröfsentlicht folgende Erklärung, die von illegalen Arbeiterversammlnngen als Resolution angenvnnnen wird. In Warschau haben für diese Resolution SOO Arbeiter gestimmt. „Der Krieg hat die gelvöhnliche antiseinitische Pogrompolitit der russischen Regierung nicht nur nngeschwächt gelassen, sondern sie in» Gegenteil noch gestärkt. In dieser Zeit, lvo das Land die größten Erschütterungen erlebt, fährt die Regierung fort, gleichzeitig mit der Berkündigllng der Phrase von der „Befreiung der Völker" die Völker zu unterdrücken, indem sie dem jüdischen Volke ntit der unmittelbaren physischen Ausrottung droht. Wie früher, so sind auch jetzt die Inden der Sündenbock, an dem die russische Regierung ihre eigene Unfähigkeit und Bestechlichkeit, die ganze Fäulnis des zarischen Regimes rächt. Für die Niederlagen, die die russische Armee dank diesem Regime und der Schuld ihrer Führer erleidet, müssen auf der kalckäsischen Front die Mohammedaner, auf der westlichen die Inden die Verantwortung tragen. Gegen sie soll sich der Zorn des Volkes richten, denn von den wirklichen Urhebern des Elends, der Schmach, der Mißgeschicke, der Niederlagen soll er abgeleitet werden. Für den Verrat der russischen politischen Polizei lder Gendarmerie"», für den Hochverrat des Obersten Mjassvjedow soll das jüdische Volk mit der Sicherheit seiner Existenz, mit seiner Freiheit und seinem Leben bezahlen. Die von Pogromen begleiteten Ausweisungen Hnnderttansender von Inden sind zu einer alltäglichen Blaß nähme geworden. All die Schauderszenen, das Elend, die Verwüstungen der jüdischen Habe dabei sind nicht zu beschreiben. Ereignisse solcher Art kennt sogar das finsterste Mittelalter nicht. Um diese grausamen Gewalttaten zu rechtfertigen, erfindet die Bureaukratie Fälle des „Landesverrats" von seiten der Juden. Die zweifellos erdachten und

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