Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 30 (23.7.1915)
- Date
- 1915-07-23
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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2 berufenen für eine deutsche Gesamtstatistik über Art und Umfang der Beteiligung der deutschen Juden am Kriege und durch spätere Ermittelungen des Gemeindeamtes ist sestgestellt worden, daß aus der Geuretnbc Dresden 190 Nt ärmer int deutschen Heere und 86 Männer im österreichischen Heere stehen. Eine Anzahl junger Damen hat sich überdies in den Dierrst der Verwundetenpflege gestellt. Den Heldentod fürs Vaterland sind fünfzehn Herrerr gestorben, die der Bericht mit Namen aufführt. Nach den bei der Gemeinde eingegangenen Berichten wurden mit dem Eisernen Kreuze und sonstigen Orden und Ehrenzeicherr neunzehn Juden aus Dresden ausgezeichnet, deren Namen gleichfalls im Bericht verzeichnet sind. Zu Offizieren wurden bisher nach den der Verwaltung vorliegenden Mitteilungen sechs Gemeindemitglieder bzw. Söhne solcher befördert. .Bon den Beatnten der Gemeinde stehen unter den Fahnen: der Lehrer Herr Leo Auschet im deutschen Ostheer, der Lehrer Herr Dr. Eugen Gärtner nn Westen, der Friedhossinspektor Herr Bruno I a e o b s o h u - wurde als Kanonier bei Reims verwundet und befindet sich in französischer Gefangenschaft —, der Schächter Herr Eduard Salzmann im österreichischen Heere. An die Wohltätigteitseinrichtungen der Gemeinde und an den Opfersinn ihrer Mitglieder sind durch den Krieg bedeutend erhöhte Anforderungen gestellt worden. Unmittelbar nach Ausbruch des Krieges errichtete die Gemeinde mit Geldspenden eines stillen Wohltäters, die nach und nach die Höhe von 19 000 Mark erreichten, in ihrem dafür hergerichteteu Gemeindesitznngssaale eine Lebensmittelausgabestelle für Bedürftige ohne Unterschied der Staatsangehörigkeit. Nicht nur Arme, auch Familien, die durch den Krieg von ihrer Heimat abgeschnitten sind, erhalten dort Vorräte unentbehrlicher Nahrnngs- und Genntzmlttet, deren Beschaffung und Verteilung sich in hingebendster Weise Frauen und jugendliche Helferinnen aus der Gemeinde in Fühlung mit der Auskunstsstelle — Gemeindesekretür Ploemacher — unterziehen. Jeweilig 120 Parteien erhalten regelmäßig je nach ihrer Familicnanzahl lind dem Grade ihrer Bedürftigkeit Lebensmittel. Tie Gemeinde und ihre wohltätigen Vereine schlossen sich der von Oberbürgermeister Dr. Beutler ins Leben gerufenen Kriegsorganisation Dresdner Vereine an, in deren Zentratausschuß die Gemeinde durch einen Gemeindevorsteher vertreten ist und in deren Gruppen und Unterabteilungen Männer, Frauen und Mädchen der Gemeinde eifrig Mitarbeiten. Der jüdische Kinderhort verpflegt während des Krieges auch christliche Kinder, und eine große Anzahl Mitglieder des Frauenvereins unterzieht sich der Beköstigung armer Kinder, ebenfalls ohne Unterschied der Konfession. In seiner Sitzung vom 12. August 1914 stellte der Gemeinderat zur Linderung der Kriegsnot aus Gemeindemittelu 10 000 Mark zur Verfügung, wovon bis jetzt 7000 Mark der Kriegsorganisation Dresdner Vereine überwiesen worden sind. Der Vorstand hatte vorher aus ihm zur Verfügung stehenden Mitteln dem Sächsischen Landesausschnsse der Vereine vom Noten Kreuz 2000 Mark überwiesen. Die Wohltütigkeitsvereine der Gemeinde bewilligten der Kriegsorgauisation Dresdner Vereine, dem Roten Kreuz, dem Albertvereiu, der Kinderkrippe II, zur Unterstützung der Familien militärdienstpflichtiger hiesiger Einwohner die Summe von 28 500 Mark. Jur November 1914 erschienen Verordnungen der stellvertretenden Generalkommandos des XII. und XIX. Armeekorps, wonach die feindlichen Ausländer sich vor dem 27. November bis auf eine Entfernung von 20 Kilometer aus Dresden und Leipzig zu entfernen hatten. Infolgedessen wandten sich die meisten in Leipzig wohnenden Glaubensgenossen nach Chemnitz. Hier in Dresden erwirkte die weitaus größte Mehrzahl durch meist vom Vorstand unterstützte Gesuche au die Polizeidirektion die weitere Gestattung des Aufenthaltes in Dresden. Aber auch aus Dresden siedelten einige nach Chemnitz über, so daß sich dort seit Ende November rund 1200 meist mittellose russische Glaubensgenossen befinden. In umfassender und weitsichtiger Weise hat die Gemeinde Chemnitz die Fürsorge für diese Hilfsbedürftigen übernommen. Sie unterstützt die Leute nicht nur mit Geld, sondern hat auch eine rituelle Volksküche errichtet und lohnende Arbeitsgelegenheit für die Arbeitsfähigen unter ihnen geschaffen. Tie Chemnitzer Gemeinde sah sich aber allein außerstande, die erforderlichen Aufwendungen zu bestreiten, und hat sich wegen finanzieller Unterstützung an den Vorsitzenden des Verbandes der israelitischen Roligionsgemeinden im Königreich Sachsen gewendet. Dieser hat darauf eine Zusammenkunft der Vertreter der Gemeinden Chemnitz, Dresden und Leipzig veranlaßt, die am 3. Januar in Chemnitz stattgesuuden hat und an welcher aus Dresden der Verbandsvorsitzende, Herr Kommerzienrat Elb, und der stellvertretende Vorsitzende, Herr Oscar Lesser, teilgenommen haben. Aus der Gemeindekasst sind für dieses Hilfswerk in Chemnitz bisher 6000 Mark bewillig! lvorden. Bei Ausbruch des Krieges hat sich in Dresden ein Hilfs komitee gebildet, das die Fürsorge für die in Dresden und dem übrigen Konsularbezirk Dresden sich aufhältendeu, durch den Krieg in No! geratenen russischen Staatsangehörigen übernahm. Im Mürz 191 r reichten die Mittel dieses Komitees nicht mehr aus, um alle Anfor derungen zu befriedigen. Nach eingehenden Erörterungen zwischen dem Vorstand des Komitees und dem Gemeindevorstand hat dieser dem Komitee die Last der Unterstützungen der in Dresden sich aufhal tenden russischen Staatsangehörigen jüdischen Glaubens abge nommen. Großes leistete die Gemeinde auch für die aus Galizien mti der Bukowina nach Böhmen geflüchteten Glaubensgenossen wir auch für die Verpflegung der aus Belgien hier nngelangten Fliüchtlinge. Dem Verlangen nach Erbauung und Samm lung wurde durch mehrere Kriegsgottesdienste mit Predigt unk Gesang Rechnung getragen. Die Erträgnisse der bei diesen Gottes diensten veranstalteten Geldsammlungen — zusammen 62 5,5 J Mark — wurden dem. Roten Kreuz und der Kriegsorganisatior Dresdner Vereine überwiesen. Ter III. — sächsischen — Armee tf: Herr Rabbiner Dr. Levin ans Leipzig als Feldgeistlicher zugeteilt Die Gemeinde und die unter ihrer Aufsicht stehenden Jnstitutionei zeichneten öitf die erste und zweite Kriegsanleihe insgesamt 195 300 Mark. M. Hamburg, 16. Juli. Herr M o r i tz M e y e r - d a C o st a der Seniorchef der gleichnamigen Kausmannssirma, ist im Alter vor 80 Jahren aus dem Leben geschieden. Der Verblichene, einer an gesehenen Familie aus Dessau entstammend, ging in junget Jahren nach Südamerika, wo er das angesehene Handelshaus gründete Später nahm er seinen Wohnsitz in Hamburg, wo seine Exportfirma sich eines großen Ansehens erfreute. In unserer Gemeinde frcfMbch er viele Ehrenämter: viele Jahre war er im Vorstand des Tempel Verbandes, zuletzt als zweiter Vorsitzender tätig, und hat er überausegensvoll für die Entwickelung des Tempelverbandes gewirkt; ferner war er Präses der Neuen Beerdigungsgesellschast und bis zu seinem Tode auch Vorstandsmitglied des Israelitischen Siechenheims; hier hinterläßt sein Tod eine schwer aussüllbare Lücke. Zur Trailerseier, die vom Sterbehause Brahmsallee aus stattfand, hatten sich außer Mitgliedern des Gemeindevorstandes, des Repräsentantenkollegilllns und der Direktion des Tempelverbandes auch Abordnungen anderer Gememdeinstitutioneu eingefunden; auch hervorragende Vertreter der Handels- und Finanzwelt linserer Stadt waren in der Trauer Versammlung anwesend. Unter einer Fülle von Kränzen und Blumengewinden war der einfache Sarg aufgebahrt. Nachdem sich die Angehörigen um den Sarg geschart hatten, widmete Herr Nab biner Dr. Leimdörfer dem Entschlafenen herzliche Abschieds wort-e. Er schilderte die großen Verdienste, die der Verstorbene sich in der Hamburger Gemeinde, namentlich aber auch um die Ent Wickelung des Tempelverbandes, erworben, wie er aber auch auf dem Gebiete der Wohltätigkeit so segensvoll gewirkt und ohne Unterschied des Bekenntnisses den Armen und Enterbten Helfer und Wohltäter gewesen sei. In bewegten Worten sprach dann der Geistliche den Tank des Gemeindevorstandes, der Verwaltung des Tempelverbandes, der Neuen Beerdigungsgesellschaft und des Siechenheirns aus; sein segensvolles Wirken wird hier unvergessen bleiben und sein Andenken in der Gemeinde stets in Ehren gehalten werden. Der Leichenzug bewegte sich dann nach dem Ohlsdorfer Friedhof, woselbst liach Gebet und Segen des Geistlichen die Beisetzung stattfand. 1. A. Nürnberg, 16. Juli. Der Rektor des Königlichen Nellen. Gymnasiums widmet dem auf dem Felde der Ehre gefallenen Sohn des als 1. Vorsitzender des israelitischen Armennnterstützungsvereins und int sonstigen jüdisch-sozialen Bereinslebm sehr tätigen Konsuls und Kommerzienrats Max Lehmann in dem Jahresbericht der Anstalt folgenden Nachruf: „Paul L e h m a n n , Sohn des brasilianischen Konsuls und Kommerzienrats Herrn Lehmann in Nürnberg, war arn 4. Juli 1896 dahier geboren, besuchte das Königliche Neue Gymnasium von der 1. Klasse an und erhielt aus Grund des Uebertrittszeugnisses von der 8. zur 9. Klasse am 22. Dezember 1914 das Reifezeugnis zum liebertritt an die Hochschule. Aufgeweckt und lebhaft und besonders der Musik zugetan, entwickelte er sich als sehr guter Schüler nach einer