Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 30 (23.7.1915)
- Date
- 1915-07-23
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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y. Jahrgang Nr. 30 Berlin, 23. Juli 1915 Der Lemeindevote. Beilasr zur „Allgemeinen Leitung des Judentum!?". karrelprinden?kn und Mschrichten. Leutlchlsnd. 22 Berlin, 20. Juli. Ter Verein ,X e h rlin g s h e i m ' a n f o w" hielt am 14. d. Al. die diesjährige ordentliche Generalersannnlung ob, die von dem Vorsitzenden, Herrn R u d o l f Al o s s e, .öfsnet und geleitet wurde. Tem vom Anstaltsdirektor Herrn , | rael erstatteten Berwaltnngsbericht entnehmen wir, daß trotz der hweren Zeit, die Nur durchleben, die humanitären Aufgaben des Vereins nicht herabgernin-dert Nurrden, sondern unverändert hat er Verein die Fürsorge für seine Zöglinge weiter geflegt. Eine besondere Schwierigkeit erwuchs dem Verein dadurch, aß infolge der Einberufung verschiedener Meister diese ihre Werkätten schließen und ihre Lehrlinge entlassen. mußten. Als sich aber Industrie und Handwerk den veränderten Zeitverhältnissen schnell npaßten, gelang es, die arbeitslos gewordenen Zöglinge wieder in eignete Betriebe nnterznbringen. So hat der Vorstand sich bemüht, uch in den schweren Zeiten die Aufgabe des Vereins zu erfüllen, zu großer Zahl/' führte Herr Direktor Israel ans, „kämpfen nsere entlassenen Zöglinge für Deutschlands Recht und Freist. Schmerzliche Verluste sind nicht ausgeblieben, und endig haben alle ihr Blut für unser Vaterland einesetzt. In einem späteren Berichte werden wir genaue Angaben, ahlen und Namen veröffentlichen. Wir hoffen, mit dem Sieg nuferer erachten Sache unsere Fürsorge in immer weiterem Umfange der .ramoachsenden Jugend angedeihen lassen zu können!" Zu Punkt 2 r Tagesordnung verlas Herr Eduard Growald den Revisionswicht und beantragte die Entlastung, die einstimmig erfolgte. Herr akob Pasch hat wegen Ueberbürdung sein Amt als Revisor zum llgemeinen Bedauern niedergelegt. Für seine langjährige treue rbeit wurden ihm herzliche Dankesworte gezollt. Bei der darauf 'tgenden Wahl der Revisoren wurde Herr Emanuel Appel wieder itd Herr Eduard Growald neu gewählt. Die Versammlung gechmigte sodann den Voranschlag des Etats für das Jahr 1915/16. iermit lvar die Tagesordnung erledigt, und der Vorsitzende schloß;it herzlichen Dankesworten die Versammlung. In der daran sich ischließenden Vorstandssitzung konstituierte sich der Vorstand wie llgt: Rudolf Mosse, Vorsitzender, Oscar Tietz, stellverekender Vorsitzender, Justizrat Kraft, Schriftführer, Professor r. S t r e l i tz , stellvertretender Schriftführer, G c o r g L a ch - mm, Schatzmeister, Dr. I. Ginsberg, stellvertretender Schatz- 'eister. Dr. S. F e i st, M. T. F e i l ch e n f e l d , M a r F r a e n k e l, irektor O s c a r O l i v e n , Professor Tr. Paul Friedrich R i ch t e r : uratoren. 22 Berlin, 20. Juli. Der V e r e i n f ü r j ü d i s ch e r a n k e n p f l e ge r i n n e n zu Berlin hielt am 4. d. M. in seinein chwesternheim, Exerzierstraße 11b, die 22. Jahresversammlung ab. er Vorsitzende gedachte vor Eintritt ui die Tagesordnung der unrgeßlichen Verdienste des verstorbenen langjährigen Führers und sken Vorsitzenden Louis Sa ch s sowie des im Berichtsjahre ebenlls Heimgegangenen Vorstandsmitgliedes Richard Sachs. Ans nt Jahresbericht ist hervorzuheben die Uebersiedlnng des Vereins ' das auf dem Krankenhansgrundstück der jüdischen Gemeinde neu baute Schwesternheim. Die Anzahl der Schwestern betrug bei Beim des Berichtsjahres 75, von denen bei Ausbruch des Krieges 12 1) zur Pflege der Verwundeten nach dem Kriegsschauplatz begaben, ie Zahl der Schülerinnen belief sich am 1. Januar 1914 auf 16. — ie Ausbildung der Schülerinnen liegt in den Händen der Herren rosessor Dr. I a m e s Israel und Professor Tr. H. S t r a u ß. ie staatliche Prüfung wurde von 14 Schülerinnen mit guten Prädillen bestanden. Am Schlüsse des Berichtsjahres zählte der Verein ' Schwestern und 13 Schülerinnen. - Tie turnusmäßig ailsseheidenu Vorstandsmitglieder Frau Kommerzienrat I u l i e Ge r s o n - i ebermann, Frau Sanitätsrat Mathilde Bock und die Herren ewerberat Plotke, Salomon Seligsohn, Geheimer Sanitütsll Dr. Julius Stern wurden wieder und Herr Berthold K i r - ein neu gewählt. Frau Dr. Frankl wurde in Ansehung ihrer hingebungsvollen Betätigung im Verein zum immerwährenden Ehrenmitglied ernannt. Tie Entlastung des Schatzmeisters und die Festsetzung des Etats für das Jahr 1915 beschlossen die Sitzung. Anmeldungen von Schülerinnen sind an die Oberin Fräulein Rose Blau zu richten im Schwesternheim, Exerzierstraße 11b. Berlin, 20. Juli. Die „Münchener Neilesten Nachrichten" regen in einem Aufruf an, den Jahrestag des Kriegsbeginnes durch einen deutschen Opfer tag zu feiern, in der Art, daß jeder an diesem Tage ein Opfer bringe, entweder zugunsten des Heeres oder zugunsten aller Unternehinungen, die eine Linderung der Kriegsnot zum Ziele haben, wie des Roten Kreuzes, des Roten Halbmondes, der Wohlfahrtsausschüsse, Kriegssürsorge aller Art, für Anschaffung von Sanitätskraftwagen, für die Verstüunnelten, Blinden, Witwen, Waisen, notleidende Kriegerfamilien, für die Opfer der russischen Bestialität in Ostpreußen ustv. Wenn jeder nach seinen Kräften opfert, wenn die Wohlhabenden die Gaben der Armen ergänzen, so heißt es in dem Aufruf an die Daheimgebliebenen, dann muß es den 60 Millionen Deutschen im Lande ein leichtes sein, auch 60 oder mehr Millionen Mark als Frucht dieses Opfertages zusammenzubringen. M. I). Memel, 18. Juli. Unsere Gemeinde ist von einem schweren Verlust betroffen worden, doppelt schwer in dieser ernsten Zeit, wo wir alle Trost und Zuspruch brauchen. Ter weit über die Kreise seiner Gemeinde hinaus geschätzte und bekannte Rabbiner Tr. Stein ist nach kaum vollendetem 38. Lebensjahr fern von seinem Wirkungskreise verschieden. Eine schmerzliche Lücke hat sein Tod in unsere Reihen gerissen. Am vorigen Dienstag begab er sich nach Berlin, um Heilung einer entstandenen Nierenkrankheit zu suchen, wo er am Donnerstag, den 15. d. AI., vom Tode ereilt wurde. Rabbiner Tr. Isaak Stein ist am 1. Juli 1877 in Harburg (Bayern) geboren, beendete seine erfolgreichen Studien 1902 .an der Universität Berlin und 1904 am dortigen Nabbinerfeminar. Februar 1905 berief ihn die hiesige Kreissywagogengcmeinde einstimmig zu ihrem Rabbiner. In seiner mehr als zehnjährigen hiesigen Wirksamkeit entwickelte er eine ersprießliche Tätigkeit in der Leitung der unter den Auspizien seines berühmten Vorgängers Dr. Rülf begründeten literarischen und der Wohlfahrtsvereine der hiesigen jüdischen Bevölkerung, die er zu einer weiteren hervorragenden Entfaltung brachte. Gediegene Gelehrsamkeit gepaart mit rhetorischer Begabung setzten ihn instand, über den Kreis seiner Gemeinde hinaus sich Geltung zu verschaffen. Seine Vorträge, auf dem Boden des traditionellen Judentums flehend, verbanden allgemeines Wissen und erweckten in weiten Kreisen großes Interesse. Er bekundete echten, begeisterten und begeisternden Patriotismus für unser deutsches Vaterland in dem gegenwärtigen Völkerringen. Die Aufregung der unseligen kurzen Russenzeit hat mit dazu beigetragen, daß eine heimtückische Krankheit den kräftigen, im besten Mannesalter stehenden Gelehrten dahinraffte zum Leidwesen aller, die ihn näher gekannt haben. Ehre seinem Andenken! W. Posen, 16. Juli. Vor kurzem hat die jüdische Gemeindebehörde nicht weit von der Stadt einige Quadratmeter Ackerland zur Errichtung eines Ehrenfriedhofes für die gefallenen Helden jüdischen Glaubens erworben. Auf diesem Boden hat bereits ein russischer Kämpfer Ausnahme gefunden. In diesen Tagen fand eine ziveite Beerdigung, ebenfalls eines russischen Untertanen, statt. Derselbe ist hier im Lazarett infolge erhaltener Verwundung gestorben. Während feiner Leidenszeit wurde ihm seitens der Gemeindemitglieder, ganz besonders durch Herrn Gemeinderabbiner Dr. Frei m a n n , Hilfe zuteil. Dem Verstorbenen wurden militärische Ehren erwiesen. Herr Dr. Freimann hielt eine ergreifende Leichenrede. Auch eine Anzahl Mitglieder der Gemeinde war bei der Beerdigung zugegen. $&$> Dresderr, 16. Juli. Dem soeben erschienenen Verwaltungsbericht der israelitischen R e l i g r o n s g e m e i n d e zu Dre sden für das Jahr 1914 entnehmen wir folgende, die Zeit vom Ausbruch des Krieges bis Mai 1915 umfassende Angaben: Durch den Aufruf der Gemeinde um Angabe der bei Ausbruch des Krieges unter den Fahnen Stehenden, freiwillig ins Heer Eingetretenen und Einh