Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 30 (23.7.1915)
- Date
- 1915-07-23
- Page
- Seite 359 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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359 Heit der Aktion Attache im Generalstab der gegen Aegypten operierenden Armee, ausgegangen sei. Eine so völlig untergeordnete Stellung ist meines Dafürhaltens der Posten eines mimakams und zumal der von Jaffa, in dessen Machtbereich in beträchtlicher Teil der jüdischen Kolonien fällt, nun doch acht. Schließlich kann ein böser Kosak unter Umständen noch r iet gefährlicher werden als ein übelwollender General, weil von iun n n m i t t e l b a r der Druck auf die Massen ausgeht. Im übrigen besteht bezüglich der Veröffentlichung des Errsfes gegen den Zionismus im „Hacheruth" eine gewisse Mystiltätion. Zu den pikanten Fehlschlüssen gab sie die eigentliche .urndhabe und heischt daher dringend eine Aufklärung. Ars Verbot wurde im „Hacheruth", von dem es dann inen Weg in die ausländischen Zeitungen nahm, nicht einfach eröffentlicht, sondern „nochmals veröffentlicht". Schon ühcr war es im Zusammenhänge mit anderen „offiziellen ' rlassen" in der Presse bekanntgegeben worden. So zum Beinel in der (in Arabisch erscheinenden) „Philestine" vom 21. Jauar. Ob auch im „Hacheruth", vermag ich allerdings nicht zu uzen. Es war nur der den Zionismus betreffende Passus, den rs Jerusalemer zionistische Organ in gewisser abgeänderter orm und als besonderen Artikel „nochmals" zum Abdruck ingen mußte. Das geschah am 25. Januar, und zwar auf eheiß des höchst fragwürdigen Herrn BahL-addin. Dieses . genmächtige Vorgehen einer „Nachgeordneten Stelle", dem der . rovokatorische Anstrich überdies offensichtlich anhaftete, ivar n Vorgesetzten Behörden doch ein gar zu starkes Stück. Zudem : achten sich mittlerweile, wie wir noch sehen werden, bedeutine Einflüsse gegen alle Versuche, die palästinensische Juden-; it irgendwie zu benachteiligen, geltend. Und so war es in der at gekommen, daß der etwas allzu unternehmungslustige Bellte schließlich seines Postens enthoben wurde. (Fortsetzung folgt.) Brr lange fiodi. Roman von Anna Goldschmidt. (II. Fortsetzung.) ber ich war starr. Ich prallte förmlich zurück. Kein VV Daraufeingehen, kein sachliches Erklären, kein erwügen- ■o Widersprechen, nein, Spott, gereizter, feindseliger Spott, ldolph ist kein Jude." Was ich auch von ihm sagte, seiner et, den Kindern die Liebe zum Judentum einzuimpfen, seinen hren von der Kanzel herab, die so ganz mit seiner Lebens- 1 eise im Einklang stehen — glaubtHosua meinem Urteil denn wenig? Ich führte ihm zum Beweis das große Ansehen an, * er bei feinen christlichen Mitbürgern genießt. „Ach so, ein Assimilant!" Ein Lächeln, das ihn entstellte, r;i überlegenes, bitteres, zuckte um seinen Mund. Was heißt das? Man ist ein Assimilant, wenn man sich wrliche wohlbegründete Achtung erworben hat bei denen, die * nein vielleicht Achtung und Wohlwollen nicht von vornherein 1 reitwilligst in den Schoß werfen? Das verstehe ich nicht. Seit ich Jofua kenne und verstehe, habe ich keinen Fuß! ehr in die „Harmonie" zurückgefetzt, mochte sich Mama auch l rüber zerreißen. Ich hätte es einfach nicht gekonnt, empfand > st einmal das, woraus sich die Meinen eine Ehre machen, als Beschämung. Aber was hat dieses wenig ehrenvolle Geduldet- - erden an einem mißgönnten Platz mit der wohlerworbenen htimg der christlichen Umwelt zu tun? Josua ist Zionist, Adolph ist keiner. Genügt das, ihn auf le Fälle und von vornherein abzutun? Das begreife ich nicht. Ich begreife nicht, auch wenn ich ein schlechter Vermittler gewesen bin, recht stückweise und entstellt Adolphs klare Ansichten wiedergegeben habe, wie man um Gottes willen einen Menschen übelnehmen kann, wenn er auf anderem Standpunkt steht als man selbst. Den.1914. Welch ein elender Tag trotz des lieben ausführlichen Briefes, den mir die Morgenpost gebracht hat! Ich war so froh, so siegesgewiß. Adolphs Rat schien mir so gut. Natürlich — wieso war ich nur nicht selber auf das naheliegendste aller Heilmittel gekommen, auf — die Arbeit? „Arbeit allein kann dir helfen, liebe Edith. Und da du sie nicht im Elternhause zu finden scheinst, so mußt du irgendeinen Beruf ergreifen." Ja, ja, jubelte es in mir. Wie hast du recht, guter, weiser Freund! Ich rannte wie ein Kind zu Papa ins Kontor hinunter und teilte ihm freudig meinen Entschluß mit. Mein Sprachlehrerinexamen wollte ich machen. Was hilft es, daß ich schon so alt bin? Ein Talent habe ich nicht, in Sprachen bin ich am besten vorgebildet, Kinder sind mein Entzücken, also — Papa sah mich an, als fei ich verrückt geworden, er war förmlich verlegen über mein Ansinnen. Vielleicht auch über den ungewohnten Instanzenweg. Mama ist sonst die zuständige Stelle. Endlich sagte er — ich hing förmlich an seinen Lippen —: „Da denken die Leute, ich bin schon pleite." „Aber Papa," schrie ich auf, „sind wir denn um hundert Jahve zurück? Arbeiten denn nicht heutzutage die reichsten jungen Mädchen?" Ich nannte ihm in meiner Angst um meinen bedrohten Plan gleich soundso viele Namen, von denen ich wußte, daß sie ihm imponieren würden. Er wurde immer unruhiger, immer ratloser: „Geh zu Mama. Besprich cs mit der," polterte er endlich wie erleichtert heraus und senkte den Kops tief und abschließend in seine Bücher. Mit schweren Beinen schleppte ich mich nach oben. Nun erwartete ich schon nichts mehr. Aber ich brachte mein Anliegen doch auch vor Mama vor, stammelnd, bittend, mit Tränen der Angst in der Stimme. Und sie muß wohl viel Weh und Verzweiflung aus meiner Bitte gehört haben, denn ihr Ton war gütiger, milder als sonst. Sie sah mich ernst an und sagte: „Aber, Kind, du brauchst doch noch nicht ganz zu verzweifeln. So schlimm ist es denn Gott sei Dank noch nicht. Du bist immer noch ein hübsches Mädchen und kriegst schließlich deine sechzigtausend Mark mit!" Ach, Mama, Mama, kannst du mich denn so gar nicht verstehen? Nein, ich komme nicht aus dem Hause. Ich komme nicht frei. Und doch kann ich dieses leere, tatenlose Dasein kaum ertragen. Gott sei Dank, bald ist wieder Sonnabend. Den.1914. Ich habe bei Josua zaghaft, fast demütig etwas vorgebracht wie eine schüchterne Bitte, was doch eigentlich mein gutes Recht ist, mein Menschenrecht: Ich will so gut wie er meine Ansicht sagen dürfen, und er soll nicht immer gleich zornig und grob werden, wenn ich über etwas anders denke als er. „Tue ich denn das?" fragte er ganz erschreckt. „Ja, aber sehr," sagte ich, ein wenig schmollend. „Sie sind ein Tyrann." „Aber nein, das will ich nicht sein," sagte er gutmütig und lächelte, und mir wurde ganz heiß und selig dabei zumute. Wenn er wüßte, wie schön er wird, wenn das rein Menschliche hervortritt vor all die großen Partei- und Menschheitsfragen, wie glücklich er mich macht, wenn er mich einmal menschlich gütig ansieht. Dann bin ich gleich entwaffnet. Aber nein, so soll es nicht sein. Ich raffe und straffe mich auch. Meinen offenen Blick will ich behalten; nach dem Mund reden kann ich auch dem Mann, den ich liebe, nicht.