Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 30 (23.7.1915)
- Date
- 1915-07-23
- Page
- Seite 357 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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357 Wir haben gesehen, daß die Südostecke sogar unter Justinian entstanden ist?) Prokop hebt ebenfalls die riesigen Abmessungen der damals verwendeten Steine hervor. Auch zur Zeit des Herodes sind riesenhafte Steine verwendet worden, wie es Josephus uns beschreibt. Die Größe der Werksteine gibt also gar keinen Anhalt oder Beweis siir hohes Altertum her. Wir sehen nun auch, daß der Robinsonbogen wie der entsprechende Bogenansatz an der Südostecke und derjenige in den Pferdestüllen Dalomos nicht auf Salomo zurückgehen. Sie werden höchstwahrscheinlich erst unter Justinian entstanden fein. Das scheint besonders der Ansatz der Südostecke durchaus zu beweisen, weil diese erst damals entstanden ist. Ich möchte übrigens hervorheben, daß man auch in Europa häufig in der Altersschätzung des Mauerwerks, besonders aus römischer Zeit, ich geirrt hat. Aus Steinen und Mörtel ist kein sicheres Ergebnis zu gewinnen. Die schräge Ostmauer des Tempelplatzes wird ursprünglich ein Unterbau für andere Bauanlagen, vielleicht für die Stadtmauern, gewesen fein. Sie wird dann in der Breite des inneren Tempels, llso ein Stadion lang, für den äußeren Tempel hergerichtet worden ein, so daß den äußeren Tempelplatz zuerst nur dieser Ostteil des ..,mra-ms bildete. Damals hatte dann auch der äußere Tempel den Umfang von fünf Stadien, wie Alexander Polyhistor und Aristeas berichten. Später hat man diese Ostmauer nach Norden und Süden verlängert. Da sie schräg lag, so ergab sich durch die Diagonalen des Dempelquadrates ihre verschiedene Abmessung nach Norden und nach bilden. Wenn die Diagonalen des hier gezeichneten Herodian'ischen Dempelquadrates nicht genau in die Ecken der äußersten Hallen hin-?inschneiden, so scheint das ein Zweifaches zu beweisen: 1. Daß das Tempelquadrat vor Herodes auf der westlichen Umllssungsmauer des Harams gestanden hat. Dann treffen die Diagonalen desselben genau in die Endpunkte der Ostmauer des nißeven Tempels. Wer auf den Stufen vor der Tür unter der llorhalle des Allerheiligsten stand, sah also die Ecken des Tempel- Quadrates genau über den Ecken der äußeren Umfassungsmauer. Diese Diagonalen waren vernunftgemäße Hilfslinien. Daher ist dieser »eregte Teil der Westmauer als Unterbau des Salomonischen dempelquadrates — ein Stadion lang — der einzig sichtbare Teil er Salomonischen Umfassungsmauer, und der Klageplatz der Juden st an Salomos Tempelüberrest oder ganz in der Nahe. 2. Als dann Herodes ben äußeren Tempelbezirk völlig mit Süulenmllen umgürtete, rückte das Tempelquadrat um die Breite dieser doppelten Säulenhalle nach Osten. Da Josephus besonders betont, ^aß zwei der von Herodes insgesamt errichteten Säulenhallen des iußersten Tempelbezirks auf hohen Mauern standen, so waren dies den diese westliche wie die östliche Säulenhalle. Daher stammte die östliche Säulenhalle des äußeren Bezirkes nicht on Salomo, vielleicht aber ihre Untermauer. Alan hat auf Grund iner irrig aufgefaßteu Nachricht des Josephus die Halle daselbst Dalomo zugeschrieben. Liest man sie aufmerksam, daun steht nichts avon darin, daß die Säulenhalle von Salomo herrührt, sondern nur ■mit Unterbau. Den Bau der doppelten Hallen rings um den äußersten Tempel- . ezirk in der Lauge von sechs Stadien teilt er dagegen wiederholt und n ganz klarer und lobpreisender Weise der Bautätigkeit des Herodes ll, wie wir gesehell haben. Will mau bei Josephus den Hinweis auf eine „Halle Salomos" iuben, wie eine solche im Neuen Testament dreimal vorkommt, so önnte dies nur außer der von mir dafür in Anspruch genommenen?toa basileios au der Südseite des TemPelplatzeZo) die Halle au >er Ostseite des Altares sein, unter welcher der Platz für die Männer utb Priester war. Denn Josephus schrieb, wie wir gesehen haben?) Diesen Gipfel umgibt darauf eine zweite Steinmauer, deren Ostseite, o lang sie ist, eine doppelte Halle hat, die gegenüber der Ternpelür liegt." n) „Zeitschrift des Deutschen Palästina - Vereins" 1913 (Hasak, Die 'königliche Halle des Herodes . . .) und „Zeitschrift für christliche Kunst" '-'im Schnütgen, 1913 (Hasak, Welches Vorbild ahmen die Basiliken wnstantins nach?) ') „Zeitschrift für christliche Kunst", Köln 1913 (Hasak, Welches Vorbild nsw.) 7) Bell. Jud. V. p. Gegen die von mir angegebene Lage des inneren Tempelquadrates wird vielleicht der Einwurs gemacht werden: - Dann lag ja die Umfassungsmauer des inneren Tempels dicht au der westlichen Säulenhalle an! Aber nachfolgender Zlvischenfall bei der Belagerung durch Titus erweist diese Lage der äußeren Halle au der Umfassungsmauer des inneren Tempels ebenfalls. Josephus Flavins erzählt?) „Die Aufständischen aver, welche den Tempel hielten, kämpften offen und täglich mit ben Sowaten, welche auf den Dämmen aufgestellt waren. Am 27. Tage aber des vorgenannten Monats erdachten sie eine List folgender Art: Den Hohlraum der westlichen Säulenhalle zwischen Dach itnb Balkenlage füllten sie mit trockenen: Holz, Schwefel und Pech aus. Dann wichen sie wie besiegt zurück. Deswegen drangen viele Unvorsichtige hinter den Fliehenden her und bemühten sich, mit Leitern auf den Sünlengang hinaufzusteigen. Die aber klüger waren und keinen Grund für die Flucht der Juden ersahen, blieben auf ihren Posten. Als aber der Sänlengang voll war von denen, die hinaufgestiegeu waren, legten die Juden Feuer au . . . Bon den Flammen umgeben sprangen die einen in die Stadt hinab, die anderen unter die Feinde; viele stürzten sich in der Hoffnung auf Rettung in die Brunnen, wo sie sogleich ohnmächtig wurden ..." Warum sollten die römischen Soldaten ans das Dach der westlichen Halle gestiegen sein, wenn sie nicht hoffen konnten, von da die Tempelmauern mittels ihrer Leitern zu erkletternd Was Hütten sie denn sonst aus dem Dache hoch oben zu erreichen gehofft? Und warum flüchteten sie nicht eiligst wieder auf beu Leitern hinab § Sie Hütten ja an jedem Punkt der Längsseite der Säulenhalle Hilfe von den Ihren haben können, falls die Längsseite frei lag. Sie Hütten auch nicht in die Stadt oder unter die Feinde hinabspringen müssen, wenn die Halle nicht so gelegen hätte, lvie von mir angenommen und die Ata he sie ergeben: nämlich dicht an der Umsassungslnauer des Inneren Tempels. Waren die Soldaten voll Norden auf dem Dach bis zu dieser letzteren vorgedrungen und brach hinter und vor ihnen das Feuer aus dem Dach, dann waren sie gefangen, und von der Umfassungsmauer des inneren Tempels konnten ihnen die Juden nlit Geschossen und Steinen den Garaus machen. Sie konnten deswegen auch nur nach Westen, nach der Stadt hinabspringen. Daß die Umfassungsmauer des äußeren Bezirkes nicht so hoch wie die Hallen war, dürfte auch ans diesem Borgange sich ergeben, denrr war die Mauer so hoch lvie die Hallendächer, danll hätten die Soldaten auf dem Wehrgang flüchten können. Die römischen Stadtmauern von Trier llnd Köln waren kallm sechs Meter hoch über der äußeren Umgebung. Hier lag schon der Tempelplatz an drei Seiten viel höher als sechs Meter über bexn Talgrnnde. Warum sollte noch eine 10 bis 20 Meter hohe Mauer ihn dort umgeben haben? Ihre Kosten wären außerordentliche gewesen und sie hätten nichts genutzt. Daher sind alle Wiederherstellungen des Tempelplatzes mit den 15 bis 20 Meter hohen Mauern an der West-, Süd- und Ostseite irrige. Bei dieser Lage des inneren Tempels dicht an der Westhatte erklärt sich, lvie gezeigt, auch die Gestalt des üllßeren Tempelplatzes, und sämtliche Maße des Josephus lvie der Middoth lasseil sich lviederfillden. Palästina in krirgg?eitrn. Eine Knnbgebung M o s ch e Francos, b c § I eru - ia lernet: Chacha m Ba s ch i. Von * * * I. ürzlich war in der Presse von einem gegen den Zionismtis in Palästina erlassenen Verbot die Rebe. Die „Allgemeine Zeitung des JnbenttunS", bie (in der Nr. 13 vom 26. März) diese Mitteilung ebenfalls brachte, knüpfte daran die Bemerkung, „daß das Auftreten gegen bie Zionisten nicht zugleich bie Sache ber Jnben schäbigen möge". In ber Tat waren Dinge im Gange, bie viel Schlimmes befürchten ließen. Und leider scheinen auch die von der Redaktion gehegten Hoffnungen sich als trügerisch erwiesen zu haben. 8) Daselbst VI. 3, 1.