Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 29 (16.7.1915)
- Date
- 1915-07-16
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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menschliche Eigenschaften, Aufrichtigkeit und Gradheit des Wesens haben in den Herzen der Schüler Strohmanns eine dauernde Liebesftättc gefunden. * Breslau, 9. Juli. Der ehemalige, langjährige Vizepräsident der Breslauer Handelskammer, Mühlenbesitzer Julius Hey mann, ist am 5. d. M. im hohen Alter von 90 Jahren gestorben. Der Entschlafene war Mitinhaber der bekannten Mühlensirma Golds ä) midt u. C o., Mitglied des Bezirkseisenbahnrates und gehörte seit dem 1. Januar 1884 der Handelskammer an, die ihn am 13. Oktober 1902 zu ihrem zweiten, ein halbes Jahr darauf zu ihrem ersten Vizepräsidenten wählte. Am 25. Mai 1910 erhielt er für seine zahlreichen Verdienste um die Entwicklung des heimischen Handels und der Industrie den Titel eines Kommerzienrats. Wohlfahrtsbestrebungen der verschiedensten Art lieh er stets seine werktätige Hilfe. Er bekleidete lange Jahre hindurch den Posten eines Vorstehers des Israelitischen Waisenhauses und war einer der Begründer des Israelitischen Mädchenheilns. Die Beisetzung -erfolgte in der Heymamu schen Familiengruft auf dem israelitischen Friedhofe an der Lohestraße. Vorher fand in der neuen Begräbnishalle, wo der Sarg unter Blumen mrfgebahrt stand, eine Scheidefeier statt. Sehr groß war die Schar der Traueraäste, und unter ihr befanden sich zahlreiche Vertretimgen öffentlicher Wohlfahrtsanstalteu. An der Spitze des Kuratoriums des Wenzel-Hanckeschen Krankenhauses erschien Stadtrat Professor Dr. Fraenkel, und die Amtskette, die er trug, ließ erkennen, daß er zugleich als Abgesandter des Magistrats erschienen war. Ein Ratsdiener trug einen Kranz, dessen Schleifen in den Breslauer Farben leuchteten imt> von dem das Wappen der Stadt grüßte. Die Handelskammer war durch ihren Präsidenten, den G-eheimen Kommerzienrat v. Eichborn, sowie durch Handelsrichter Mugdan, Syndikus Dr. F r e h m a r ck und andere Herren vertreten. In der Gefolgschaft des Stadtrats und Justizrats Dr. Marck, der für das Waisenhaus kam, befanden sich Lehrer, Schüler und Schülerinnen dieser Anstalt. Die Trauerrede hielt Professor Rabbiner Dr. G u t t m a n n. Er bezeichnete den Lebensaang des Verewigten als hochgesegnet und betonte, daß der im Sarge ruhende Mann eine eigenartige Persönlichkeit mit scharf ausgeprägtem Charakter gewesen sei. Nie habe Julius Heymann versagt, wenn es galt, ein gemeinnütziges Werk zu fördern, und hauptsächlich darrnn habe er sich die Anerkennung und Hochschätzung der Besten erworben. Sehr bescheiden und sehr zurückhaltend sei er gewiesen, und nichts habe ihm ferner gelegen als nach Ehren zu streben; aber die Würde seiner Persönlichkeit sei dadurch um so mehr zur Geltung gekommen. Einen Mann von solcher Pflichttreue könne man so leicht nicht wieder finden, und denke man an seine unbedingte kaufmännische Ehrbarkeit, so dürfe man sagen, daß nichts in der Welt imstande gewesen wäre, ihn auch nur um Haaresbreite von dem abzudrängen, was er für gerecht und gut hielt. Mit derselben strengen Gewissenhaftigkeit, die er bis ins höchste Alter hinein seinem eigenen Geschäftshause widmete, habe er auch alle die vielen Ehrenämter verwaltet, die ihm von seinen Mitbürgern anvertraut worden waren, und es sei ihm ein inniges und heiliges Bedürfnis gewesen, der Allgemeinheit zu dienen und teilzunehmen an den Schicksalen und Interessen anderer. Das Andenken dieses vortrefflichen Mannes werde nie erlöschen. — Mit Gebet und Gesang schloß die Feier. F. Hamburg, 9. Juli. Die Kommission für das Wohlfahrtswesen der deutsch-israelitischen Gemeinde, die Schwesternvereini'gung der S te i n th a l - Lo ge und der H e n r.h - I o n e s - L o g e, der Israelitisch-humanitäre F r a u e n v e r e i n , die Frauenvereinigung der Zionistischen Ortsgruppe, der Verein zur Speisung hilfsbedürftiger israelitischer Kinder und der Verein zur Gesundheitspflege schwacher israelitischer Kinder beschlossen aus Anregung des letzteren Vereins die Gründung einer Vereinigung zur Errichtung von Tagesferienkolonien für jüdische Kinder. Zur Vorsitzenden der Vereinigung wurde die Oberlehrerin Frl. M. M a r c u s und zum Schriftführer Herr Dr. R. P e l s einstimmig gewählt. Für die Zwecke der Vereinigung wurden von den Vertretern der einzelnen Vereine gleich größere Beträge gezeichnet; da außerdem durch einen privaten Aufruf der Vereinigung von verschiedenen für die Sache sich interessierenden Personen eine namhafte Summe zur Verfügung gestellt wurde, so ist die finanzielle Grundlage gesichert. Es wurde dann auch beschlossen, den 2 00 angemeldeten Kindern, die sämtlich berücksichtigt werden, die Wohltat eines fünfwöchigen Ferienaufenthalts in der frischen Land luft zu gewähren. Es ist zu diesem Zweck ein idyllisches an der Alster in Fuhlsbüttel belogenes Lokal gemietet worden, das als Speiselokal und Aufenthaltsort bei ungünstiger Witterung dienen soll. Im; übrigen sollen die Kinder unter Aufsicht soviel wie möglich im Freien! sein. Auch sind Spaziergänge in die weitere Umgebung in Ausstchj genommen. — Friedrichstadt, 9. Juli. Auf dem hier vor der Stadt liegenden jüdischen Friedhofe fand vor kurzem die feierliche Beerdigung eines russischen Gefangenen jüdischen Glaubens aus dein Gefangenenlager bei Jübeck statt. Dem Verstorbenen wurden mili tärische Ehren von einem Unteroffizier und zwölf Mann der hiesiger' Besatzung erwiesen. Außerdem waren ein Rabbiner und der Ober rabbiner der jüdischen Gemeinde in Altona erschienen; letzterer hieb eine ergreifende Ansprache in deutscher Sprache. Auch die Mitglieder der hiesigen jüdischen Gemeinde beteiligten sich. Der Gefangene stammb aus der Gegend von Moskau und hinterläßt eine Frau und zwe! Kruder. S£2 Essen, 9. Juli. In keinem Teile unseres Vaterlandes ha die ö s s e n t l i ch e j ü d i> f ch e Volks s ch u l e derart Wurzel ge schlagen wie in Rheinland-Westfalen. Jeder hier amtierende Lehrer ist bestrebt, seine Schule, wenn sie es noch nicht ist, zu einer öfsent lichen zu machen. Anregungen hierzu gibt nicht bloß die Jahres konferenz des Vereins dieser Provinzen, sondern auch vor allen die Erkenntnis, daß die öffentliche j ü d i s ch e V o l> k s s ch u l ein Segen für die jüdischen Gemeinden, ihre Schulen und Lehre geworden ist. Während man zum tiefsten Bedauern in manche! Gegenden einen Rückgang der jüdischen Volksschulen wahrnim»: - die Gründe sollen hier nicht erörtert werden —, befindet sich;i Rheinla n d-Westfalen die öffentliche jüdische Schule in erfreuliche Entwickelung, so daß hier nunmehr drei Rektorate geschaffen sind Bekanntlich muß. nach dem Ministerialerlaß von 1910 dieses ge schehen, wenn eine Schule mindestens sechs aufsteigende Klassen ha' Dieses ist der Fall in Köln, Essen und Dortmund. lieber die gerade zu beispiellos schnelle Entwickelung mag die jüdische Volksschule i: Essen angeführt sein. Bis vor kurzem zählte sie noch drei Klassen, 191-' wurde eine vierte, 1911 eine fünfte und 1914 eine sechste eingerichtei und in absehbarer Zeit wird eine siebente Klasse errichtet Werder müssen, da bisweilen die Frequenz einer Klasse über 60 Kinder auf weist. Infolge dieser Steigerung wurde in Essen ebenfalls von de Stadtschuldeputation ein Rektorat der israelitischen öffentliche: Volksschule beschlossen und der bisherige Leiter, der Hauptlehre Graf, von der königlichen Negierung nach Zustimmung des Herr: Ministers zum Rektor ernannt. Die Einführung! desselben alsolchen fand vor -einigen Tagen durch den zuständigen Kreisfchul infpektor in Gegenwart der Schulkommission und des Lehrer löllegiums statt. Möge die jüdische Schule in Essen, nach Köli wohl, die -größte öffentliche jüdische Volksschule des Staates, werte blühen undgedeihen. Das ist unser Segenswunsch. 1. A. Nürnberg, 9. Juli. Das Eiserne Kreuz er hielten-: Leutnant d. L. Berthold Kaufmann aus Nürn berg, Direktor der Buntpapierfabrik Wilhelm Stern u. Co., Fürth. Stefan Baue r, Unteroffizier im 6. bayerischen Feldartillerieregiment Sohn des Herrn Moses Bauer in Nürnberg; Einjährig-Freiwillige: Gustav Dreysuß aus Nürnberg vom westfälischen Pionierregimen Nr. 24 in Köln; Assistenzarzt Kurt R e itz enstei n, Sohn des schwe dischen Konsuls Hugo Reitzenstein; Leutnant d. R. Simon Bär in 20. bayerischen Reserveinfanterieregiment; Jakob Kuhn, Rittmeiste der Landwehrkavallerie; Alfred Hopf, freiwilliger Sanitätskraft fahrer, Sohn des Großhändlers Emil Hopf. D e n M i l i t ä r v e r dienstorden erhielten: Oberleutnant d. L. Alfred Bam berger, Mitinhaber der Firma Oberndorfer u. Bamberger, Nürn berg; Assistenzarzt Dr. M. Brasch; Kriegsgerichtsrat Dr. Ange r er. Das M i l it är ve rdien stkreuz erhielten: Ludwi Kirschbau m, Ofsizierstellvertreter im 1. bayerischen Chevauxlegere regiment; Julius Graf, Vizewachtmeister im 8. bayerischen Feld artillerieregiment. Max Kaufmann, Sohn des Bäckermeistern E. Kaufmann, erhielt die Verdienstmedaille für freiwillige Kranken pflege. Otto S e ck end o r f, Unteroffizier d. R. im königlich bayeri schen 14. Infanterieregiment, welcher bereits das Eiserne Kreuz besitzt erhielt die s i l be r n e T a p fe r k e i t s m e d a i l le.