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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-07-16 · Heft 29 (16.7.1915) · p. Seite 348

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 29 (16.7.1915)
Date
1915-07-16
Page
Seite 348 (sequence 12)
Language
German
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848 und ihm mein Leben geschildert, wie es ist, und wie ich es kaum ertragen kann. Sonderbar, man hat einen Freund, einen guten, opferbereiten Freund — ich zweifle keinen Augenblick daran, daß Josua wiederkommt, und das; er für mich tun würde, was nur in seiner Macht stände —, und man schreibt ratsuchend an den Freund in der Ferne. Josua hat tiefes Mitgefühl für mich — ich weiß es wohl —aber er sieht doch immer mehr über das Hier und das Jetzt hinaus, seine Augen schauen in ferne Zeiten und ferne Länder. So liegt es ja auch in seiner Lehre. Den.1914. Ach, so ein Glückstag! Zufällig habe ich Josua getroffen, und wir gingen ein Stück miteinander, und keiner sprach mehr davon, daß er daran gedacht hatte, mich zu verlassen, der Böse. Er erzählte mir, daß Moritz noch auf ein paar Tage nach Edersleben zu den Seinen gereist sei. „Gott sei Dank," sagte ich ans warmem Herzen heraus. „Bei seiner Mutter kommt er am besten darüber hinweg." Josnas Gesicht blieb tief bekümmert. „Sie wissen nicht, wie weh Sie ihm getan haben," sagte er leise, und wieder horte ich den ganzen Freundesvorwnrf heraus. Ich glaube, Josua, du irrst ein wenig. Freilich habe ich unserem — ich sage doch noch „unserem" — lieben Freund bitter weh getan, aber nicht so, wie du denkst, nicht so, wie dir im gleichen Falle geschähe. Du gibst ihm in Gedanken deine Schwere, dein Nichtloskönnen von einmal Erfaßtem. Meinst du, seiner Mutter Worte gingen ungehört an seinem Ohr vorbei'^ Und wie beredt wird sie ihm sagen — und recht hat sie! •Kerf)t hat sie mit jedem Wort! —, daß ich niemals seiner würdig gewesen, daß es ihr von Anfang an klar gewesen sei, daß ich ihn nicht verdiene, und dann kommen noch persönliche Fehler und Versäumnisse von mir, von denen ich nichts weiß. Und Selma wird einstimmen und ihm dabei den warmen Kaffee einschenken, und viel warme Zärtlichkeit und Bewunderung für seine Person, wofür er so empfänglich ist, wird er mit einschlürfen. Nein, Josua, du irrst wirklich. Unser Moritz ist kein Mann, der an gebrochenem Herzen stirbt. Gott sei Dank, das wäre auch noch schöner. Ich wäre das gerade U'-ert. Einer aber schimpft nicht auf mich in Edersleben, und das ist mein lieber guter Freund Adolph. Heute abend, nach Schabbesausgang wird er mir übrigens geschrieben haben. Also kann ich Montag früh schon Antwort haben. Ich mußte Josua von ihm erzählen, wenigstens auf diese Art die Bekanntschaft vermitteln, die ich beiden so sehr gönnte. Ich habe gut aufgepaßt in Edersleben; ich konnte ihm all die lieben guten Worbe, die Adolph je über das, was auch Josua so sehr bewegt, gesprochen hat, über Religion und alle sonstigen jüdischen Fragen, gut wiederholen. (Fortsetzung folgt.) Heldentod der Mädchen von Schidlower. Die jüdischen Mädchen von Sch. haben sich im See ertränkt, itm den Nüssen zn entfliehen und ihre Ehre zn retten. wanzig Mädchen von Schidlowec — Fliehen zu dir, heiliger See, Daß deine stillen Wasser uns Zuflucht bieten — Denn Zuflucht ist sonst nicht mehr auf der Erde. Die Welt ist von Grausen geschüttelt. Mord und Brand hausen im Lande - - Unsere Heimat ist ein Tal der Klagen! Herr Jehova! Hast du keine andere Zuflucht Für deine Töchter! Willst du dein Volk verderben — Und das Gezücht der Feinde In unfern jungfräulichen Leib säen? Kinder deines Volkes sind wir — Herr Zebaoth-! Wollten Mütter werden. Wie Rahel und Rebekka Mütter waren. Du aber, Herr Zebaoth, stehst uns nicht bei. In unserer großen Not hilfst dri uns nicht! - Unser Vater kauert in Asche — Geblendet- Gebunden schleppten sie unsere Mutter fort, Unser Bruder blutet für unfern Feind — Die Kinder des Dorfes schreien in Qualen — Schuldlos sind sie — Schuldlos sind wir — Herr Zebaoth! Wie Jeremias an den Wassern von Babylon So klagen wir. Wir Mädchen von Schidlowec! Wir wollen nicht die Stunde der Schmach erleben — Wir wollen reine Gefäße bleiben der uralten Saat! Deine Kinder fliehen zu dir, Herr! Gott! Siehe, wir fassen einander an den Händen — Wir schlingen den Totenreigen — Wie Mirjam einen Freudentanz tanzte Am User des Roten Meeres! Mirjam und Moses hast du gerettet — Teiltest mit mächtigen Händen die Flut — Warum rettest du uns nicht — Herr Zebaoth!?- Wir flehten vergebens!- So steigen wir in die Wasser hinab — Reine Opfer- Nimm deine Kinder in deinen Schoß zurück — Vergib uns, Herr, unser Gott! Siehe: die Feinde stürzen herbei! Greifen mjt gierigen Fingern nach uns! Das Blut unserer Geschwister Klebt noch an den Händen, Mit denen sie uns liebkosen wollen! Herr, du bist unsere Zuflucht für und für! Deine Hand hält den See auf Wie eine köstliche Schale, Unsre Not darin zu ertränken! Wir fliehen zu dir, Herr Zebaoth- Herr! Vater!- Nimm uns auf-•- Marie Luise Becker. Berichtigung. In dem Artikel über I. B. Lamm in Nr. 28 ist folgendes zu berichtigen: Statt Mittelshofen muß es Wittelshofen, statt Wittenhein dagegen Dittenheim heißen. Die erwähnte Jeschi bah war nicht inletzteren Ort, sondern in Schwabach, sozusagen als Vorläuferin fü' die jetzt noch dort blühende Präparandenanstalt. Der Verfasser de' Buches, Louis Lamm, ist nicht der Sohn I. B. Lamms, jener tmu vielmehr seines Großvaters jüngster Bruder. Die Redaktion.

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