Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 29 (16.7.1915)
- Date
- 1915-07-16
- Page
- Seite 341 (sequence 5)
- Language
- German
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341 samimel-ten wi-r uns zur Predig-t und zum. Gebete, und sie waren! für jeden unter uns gewiß nur wie eine Fortsetzung! der Gedanken,! die uns draußen erfüllt haben. Es war ein Wohltuendes, in harter j Zeit zusammen zu sein, räumlich, und vor allem seelisch zuj sammen. Der Wunsch, „auf ein gutes Wiedersehen", mi.t dem wir j mi§ trennten, schloß im stillen alle die Kameraden mit ein. Lmil Nsthensu. ^ck^on dem Tode des ausgezeichneten Generaldirektors der Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft und von seiner Beerdigung ist bereits im „Gemeindeboten" von Nr. 26 und 27 die Rede gewesen. Hier soll nur zur Begleitung des Bildes ein kurzes Wort des Gedenkens an den hervorragenden Mann gegeben werden. Emil Rathenau ist am n. Dezember 1838 geboren und am 20. Juni 1915 gestorben. Er besuchte das Gymnasium zum Grauen Kloster, machte eine vierjährige Lehrzeit in der Maschinenfabrik Wilhelmshütte bei Sprottau durch, studierte die Jngenieurwissenschaften auf den Technischen Hochschulen in Hannover und Zürich und schloß seine fachliche Ausbildung als Ingenieur in der Maschinenfabrik von A. Borsig. Anfang der sechziger Jahre hielt er sich einige Zeit in England auf und wirkte an verschiedenen Maschinenbauanstalten. Er begründete in Berlin eine Fabrik und leitete sie schon während der Kriegsiahre 1866 und 1870 als ein tüchtiger Fanikleiter. Mit der größten Energie wandte er sich der praktischen Verwertung der Elektrizität zu, führte die Edisonampe in Deutschland ein und unternahm es, nachdem er in per Pariser Elektrischen Ausstellung die ersten Glühlampen Äisonscher Konstruktion gesehen hatte, die Ausbeutung der 'rutschen Edisonpatente in Deutschland zu versuchen. Zu Meiern Zwecke begründete er am 5. Mai 1883 die Deutsche Edison-Gesellschaft für angewandte Elektrizität, 'lus dieser Gesellschaft ging am 5. Mai 1887 die Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft hervovr, die eine ungeheure Umwälzung aus dem Gebiete der elektrischen Technik hervorrief. — Mit der Einführung der Edisonlampe in Deutsch- Geheimer Baurat gestorben am 2 land, der er später die Nernst- und Wolframlampe folgen ließ, begann Rathenaus Tätigkeit in der AEG. Seine größte Tat auf dem Gebiete des Starkstroms besteht in dem nachdrücklichen Eintreten für die Entwicklung der Drehstromtechnik, die in den Räumen der A E G ihre Entwicklung durchmachte und durch die elektrische Kraftübertragung ihre Vollendung erhielt. Es war nun erst möglich, auf beliebige Entfernung beliebig starke Ströme für fast alle technischen Vorrichtungen zu übertragen. Rathenau hatte durch Gründung vieler technisch-gewerblicher Werke die so leicht zugänglich gewordenen Kräfte unserer Erde industriell verwertet. So wurde er z. V. einer der bedeutendsten Industriellen auf elektrochemischen Gebiete, indem er zuerst das Reinäluminium billig und im großen darstellte. Dank seiner' Anregung wirkte die AEG auf dem Gebiete der Wellentelegraphie, beim elektrischen Schnellverkehr, bei der Fortentwicklung der elektrischen Großmaschinen mitan erster Stelle. Die große Bedeumng des außerordentlichen Mannes wird in einem schönen Artikel von Adolf Slaby geschildert, einem Aufsatz, der, kurz vor Slabys Tode geschrieben, erst jetzt veröffentlicht wurde. Einige Sätze daraus lauten: „Vor den geistigen Augen Emil Rathenaus erhob sich schon früh das Bild einer Zukunft, das die Gegenwart erst zu gestalten beginnt. Ich erinnere mich immer seiner ersten Blockstationen, die aus zahlreichen winzigen Maschinen, von sogenannten Schnellläufern betrieben, mit bewundernswerten Regulierungsmethoden die elektrische Kraft sammelten, um sie in einige umliegende Häuser z» verteilen. „Die Lichtzentrale des kommenden Jahrhunderts!" rief ich damals begeistert aus. „O nein," erwiderte er lächelnd, „wie verkennen Sie den unersättlichen Elektrizitätshunger der Menschheit, der sich in wenigen Jahren einstellen wird. Statt dieser Kellerräume mit ihrem ohrenbetäubenden Lärm sehe ich hohe, lustige Riesenhallen, mit vieltausendpferdigen Maschinen, die automatisch und geräuschlos Millionenstädte mit Licht und Kraft versorgen. Aber zuvor haben wir erst den Maschinenbau für diese Emil Rathenau w. Juni zgzz.