Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-07-16 · Heft 29 (16.7.1915) · p. Seite 339

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 29 (16.7.1915)
Date
1915-07-16
Page
Seite 339 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3229177-3229207--71466-3283808
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

339 »ereinig m Seit 0 Mann die fü ■ Oester gedehnt? »eutschei cnochter, Frieder öekennin. Btrglischei r welch? Juli. , daß b c taatsau - beträch- - zeigte i. mng en - m Matz? den soll?, t beend t 8 194 OT ■ i, rsmach? i. Und i? lngen c;= lährlich 5 ei fehlt n i Finai r Sozi;= lig fine izu habul. n Mid - cht soft.1 e fttmn tc schäfteti i,; genüg n wie bi -?res, w.l! der V-?- n-e einz. rtten n? ohne d s; i-alen i e l> Kapi >t l würd u ^indigt l cher m - chung i s Bort:= dehaup: n aber n Juli, mit ho!> rdeten em ho. n- Sir I n enig ül r tenge 1 lle tan n s ab n ton ha? :, daß! : llich ii:;t t uns I i die Ne': -fallen, 1 luirb es die Unterstützung feiner Verbündeten, den Enthusiasmus der Kolonien, seiner Soldaten und Matrosen und schließlich den Krieg verlieren. Trotz dieser Erkenntnis wird namentlich in England und in anderen Ländern fieberhaft an Erzeugung und Herstellung neuer Munition gearbeitet. Viele Tausende von Männern und Frauen werden zu dieser Arbeit herangezogen, teils melden sie sich freiwillig. Während sich in England und Frankreich die Erkenntnis des Fiaskos vorbereitet, geben die Russen vor, daß trotz ihrer fürchterlichen Niederlagen und ihres von ihnen gar nicht mehr geleugneten Rückzugs ihre Sache gut stehe. Sie wähnen oder wollen wenigstens die Welt glauben machen, daß eine bevorstehende Entscheidungsschlacht ihnen den oft angekündigten Sieg bringen werde, und scheinen zu glauben, daß das weitere Vorrücken der verbündeten Truppen auf russisches Gebiet den Verbündeten verderblich sein müßte. * Von den Russen und den mit ihnen vereinigten Mächten wird weiter daran gearbeitet, einige Balkanstaaten für ich zu gewinnen und gegen die Zentralmächte, besonders gegen die Türkei, zu Hetzen. Dabei offenbart sich das widrige Schauspiel, das uns im Grunde nur erfreulich sein kann, daß Serbien, das bisher von den Vierbundmächten großgezogen, um Widerstand angestachelt und in seinen Anstrengungen luterstützt worden war, preisgegeben, wird, daß man seinen Vormarsch in Albanien nicht nur nicht gutheißt, sondern ihn As ungeschehen betrachten möchte, und daß man es schließich fallen läßt, um Bulgarien zu ködern. Schon ist der usstsche Gesandte in Belgrad, der lange Zeit eine selbständige Politik trieb und der als der böse Geist Serbiens angesehen oerden kann, abberufen worden. Es ist nur zu hoffen, daß ie Balkanstaaten, sowohl Bulgarien als Rumänien, von welch letzterem Lande es in der jüngsten Zeit recht still war, wn neuen Lockungen des Vierverbandes ebenso widerstehen nie bisher, und daß auch ihnen die Erkenntnis aufdämmert, ie können von den geschwächten Mächten nichts als itle Versprechungen erhalten. Unterdessen ist am 0. Juli die deutsche Note an Amerika wegen es „Lusitania" - Falles übergeben worden. Sie ist in durchaus versöhnlichem Tone gehalten, so daß gewünscht und whosst werden kann, sie werde zu einem Verständnis zwischen Deutschland und Amerika führen. Die Hauptsätze dieser Note lauten folgendermaßen: Um unvorherzusehende, bei der Seekriegführung der Gegner elltschtands mögliche Gefährdungenamerikamscher Passagierdampfer nszuschließen, werden die deutschen Unterseeboote angewiesen werden, Vche durch besondere Weichen kenntlich gemachte und in angemessener '.eit vorher angesagte Passagierdampfer frei und sicher passieren zu i-ssen., Dabei gibt sich die kaiserliche Regierung allerdings der zu° 'ersichtlichen Hosfnung hin, daß die amerikanische Regierung die Gewähr dafür .übernimmt, daß diese Schiffe keine Konterbande an Bord aben. Die näheren Vereinbarungen für die unbehelligte Fahrt dieser Schiffe würden von den beiderseitigen Marinebehörden zu treffen sein. Zur Schaffung ausreichender Reisegelegenheit für amerikanische Bürger über den Atlantischen Ozean stellt die deutsche Regierung zur Erwägung/ die Zahl der verfügbaren Dampfer dadurch zu vermehren, daß eine angemessene, der genaueren Vereinbarung untere legende Zahl neutraler Dampfer unter amerikanischer Flagge in den Passagierdienst unter den gleichen Bedingungen wie die vorgenannten unerikanischen Dampfer eingestellt wird. Sollte sich jedoch die Erwerbung neutraler Passagierdampfer für die amerikanische Regierung nicht in ausreichendem Umfange ermöglichen lassen, so ist die kaiserliche Regierung bereit, keine Einwendungen dagegen zu erheben, daß die amerikanische Regierung vier Passagierdampfer feindlicher Flagge für den Passagierverkehr Nordamerika—England unter amerikanische Flagge bringt. Die Zusagen;ür die „freie und sichere" Fährt .amerikanischer Paffagierdampser würde dann unter den gleichen Vorbedingungen auch auf diese früher feindlichen Passagierdampfer ausgedehnt werden. # Von sonstigen Nachrichten liegt nicht viel vor. Aus verschiedenen Zeitungen stelle ich im folgenden eine Anzahl Notizen über russische Greuel zusammen und über einen seltsamen Plan, der scheinbar günstig für die Juden ist, in Wirklichkeit nur dazu dient, ihre gewaltsame Entfernung aus Rußland zu beschleunigen. Diese Nachrichten lauten: R u s s i s ches I u d e n g em etz e l. Basel, 7. Juli. Einem Privattelegramm des Sonderberichterstatters der „Basler Nachrichten" in Lemberg zufolge brennen die Russen auf ihrem Rückzüge alles nieder, rauben und morden. In Komarno veranstaltete eine Kosakennachhut ein großes Judengemetzel. 75 Juden werden vermißt und 27 Leichen wurden gesunden. Russen und Polen in Frankreichs Fremdenlegion. Ein russischer Sozialist, der zu Beginn des Krieges gleich vielen anderen Russen, Polen und Juden in die französische Fremdenlegion eintrat, um Europa von dem deutschen Militarismus befreien zu Helsen, schreibt in einem vom 23. Juni datierten Brief über die Zustände in dieser Fremdenlegion und die Behandlung der Freiwillig- Verbündeten durch die Franzosen: „Von Blut- und Kadavergerüchen ist die Luft voll. Das Blut fließt in Strömen. Menschen fallen wie Mücken durch deutsche wie durch französische Kugeln. In vielen französischen Regimentern erheben die Soldaten Proteste, eine revolutionäre Gärung ist bemerkbar. In unserer Fremdenlegion sieht es schlimm aus. Bei jedem Schützengraben steht ein französischer Soldat mit geladenem Gewehr. Ohne Erlaubnis des Korporals darf man selbst im Falle der äußersten Notwendigkeit nicht hinausgehen. Das ist schrecklicher als Kriegsgefangenschaft. Vor ein paar Tagen haben sich im Bataillon. . . 40 Leute geweigert, weiter in der Fremdenlegion zu dienen. Borgestern wurden 27 von ihnen zu Zuchthausstrafen von fünf bis zehn Jahren verurteilt. Neun von ihnen wurden zum Tode verurteilt. Sieben (alles Russen) kenne ich persönlich. Heute las uns ein Offizier ihre Namen vor (es sind.) und erklärte lächelnd: Also Vorsicht. Sage, kann man da weiter beseelt sein vom Willen, für diese „patrie“ zu sterben? Die Lage ist unerträglich. Ich warne alle Genossen vor dem Eintritt in die Armee; verbreitet die Nachricht von den Vorfällen in der ganzen russischen Kolonie." „In diesem Falle ist der wütende Deutschenfeind gewiß ein unverdächtiger Gewährsmann und feine Mitteilung wertvoll zur Kennzeichnung der Stimmung, die die Russen im französischen Heere beseelt." : Gerichtet ist dieser Brief an „Parabellum", den berüchtigten deutschfresserischen Mitarbeiter der sozialistischen „Berner Tagwacht", einen Mann, der gewiß nicht gern etwas sagt, schreibt und druckt, was uns genehm sein kann, der aber doch glaubt, diesen Brief „den Führern der französischen Sozialdemokratie nicht vorenthalten zu dürfen". Ein russischer Armeebefehl. Die Wiener „Feldzeitung" (Kriegsausgabe von „Streffleurs Militärblatt") veröffentlicht unter anderen erbeuteten russischen Militärpapieren folgenden Auszug aus einem Befehl Radko Dimitriews, der am 8./21., April erlassen wurde und Nummer 289 trägt: „§ 2. Es gelangten Mitteilungen an den Minister des Innern, wonach mit der Evakuierung der Juden aus Galizien nach dem Innern Rußlands begonnen wurde .. . Der Erlauchte Höchstkommandierende hat daher befohlen, daß bei der Besetzung neuer Gebiete durch unsere Truppen sämtliche Juden zu versammeln und nach vorwärts, den feindlichen Truppen entgegen, zu jagen sind. In den von uns besetzten Gebieten des Hinterlandes sind aus den vermögenden und einflußreichen Juden Geiseln auszuheben, welche nach Rußland zu schassen sind, und zwar in den vorgesehenen Ansiedlungsrahon; sie sind aber unter Bewachung zu Halten,' das heißt im Gefängnis, und ihr Besitz ist zu sequestrieren. Der Besitz solcher Juden, die sich auch nur die geringste Feindseligkeit zuschulden kommen lassen oder die der Spionage verdächtigt werden, ist einzuziehen. Als Aufenthaltsort für die evakuierten Geiseln hat der Minister des Innern die Gouvernements Poltawa und Tschernigow, das heißt die außerhalb des Kriegsschauplatzes liegenden Bezirke, bestimmt. i

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.