Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 28 (9.7.1915)
- Date
- 1915-07-09
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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den 20. ouiti, hier an jüdischer geweihter Stätte Juden und Christen zusammensührte. Sie' fand um Vormittag in der XHitln der höheren israelitischen Schule statt und galt dem Gedächtnis eine* auf dein Felde gefallenen ch r i st l i ch e u Lehrers dieser j n d i s ch e it A n st alt, des Leutnants Richard Günthe r, der am 16. Mai in Russiscl)-Polen den Heldentod gefunden hat. Günther war einer der besten und treuesten Gehilfen des Direktors Rabbiner Dr. Ephraim E a r l e b a ch, als dieser vor dreiundeinhalb Jahren die Schute begründete. Als ein Mensch von vornehmem Charakter, der jedes religiöse Vorurteil von sich wies und über alles konfessionell Trennende hinwegsnh, entfaltete er in der an sich schwierigen und viel Taktgefühl erfordernden Stellung eine erfolgreiche Erziehertätigkeit. Der öffentlichen Trauerfeier, die die Schule zum Gedenken Richard Günthers veranstaltete, wohnten neben mehreren Kuratoriumsmitgliedern und dem gesamten Lehr- und Lernkörper die nächsten Angehörigen des Verstorbenen beh ferner als feine Farbenbrüder und Studienfreunde eine Abordnung der Leipziger Sängerschaft „Arion" und ein zahlreiches jüdisches und christliches Publikum, darunter der Leipziger Stadtrat Dr. Bart hol und angesehene Persönlichkeiten der jüdischen Gemeinde. Durch Vorträge des Schulorchesters, des Schulchors und der Sängerschaft „Arion" erhebend gestaltet, hatte die Feier zum Mittelpunkt die Gedächtnisrede des Direktors Dr. C a r l e b a ch im Namen der Schute, des Schülers Goldrei für die blasse, deren Ordinarius der Tahingeschiedene gewesen ist, des Amtsrichters Fuhrmann seitens der Sängerschaft „Arion" und des Lehrers Dr. Riedel namens des Lehrerkollegiums. Aus allen Reden klang Anerkennung und Dankbarkeit dafür, daß hier ein christlicher Lehrer an einer jüdischen Schule es verstanden hat, jüdischen Kindern echte Vaterlandsliebe ins Herz zu pflanzen, die mit der Liebe zum Judentum gar wohl harmonieren mag. .1. L. Schwerin i. M., 2. Juli. Bei dem heldenhaften Untergang der ,,Emden" hak auch ein jüdischer Matrose, L e v i aus Lauenau a. D., seinen Tod gefunden. Folgender, an seine Angehörigen gerichteter Brief dürste auch die Leser der „Allg. Ztg. des Judentums" interessieren: Malta, den 1. 3. 1915. An die Angehörigen des verstorbenen Matrosen Levi in Lauenau a. T. In dem Gefecht bei der Kokosinsel, wo die Tätigkeit der ,,Emden" ihr Ende fand, starb auch den Heldentod fürs Vaterland der Matrose Lev i. Ich bin vom- Kommandanten des Schiffes, Herrn Fregattenkapitän v. Müller, beauftragt, Ihnen zu dem schweren Verlust, der Sie an diesem Tage betroffen hat, sein herzlichstes und wärmstes Beileid auszusprechen. Auch im Namen der übrigen Offiziere, Deckoffiziere, Unteroffiziere und Mannschaften der „Emden" nnb ebenfalls für mich persönlich versichere ich Sie unserer aufrichtigsten Teilnahme. Wir alle bedauern mit Ihnen den so frühzeitigen Tod des tapferen Heimgegangenen, dessen junges Leben zu den schönsten Hoffnungen berechtigte und der durch feinen großen Diensteifer und sein kameradschaftliches Wesen bei Borgesetzten und Kameraden gleich beliebt war. Im Endgefecht der „Emden" hat er auf seiner Gefechtstation als Geschützmatrose fein Bestes getan und tapfer ansgehalten, bis i h m eine engti s ch e G r a n a t e einen kurzen u ii d f ch ni erzlos e n To d bereitet e. Im Herzen der Ueberlebenden von S. M. S. „Emden" wird das Andenken an den tapferen und beliebten Kameraden alle Zeit unvergessen bleiben, gez. Prinz von H o h e n z o l l e r n , Leutnant zur See. H. V. HörDe, 2. Juli. Am 29. v. M. beging hier das L. S t r a u ßsche Ehep a a r die Feier der goldenen Hochzeit, die sich zu einer Kundgebung gestaltete, an der fast die ganze Stadt teilnahm. Die Wohnränme des Jubelpaares waren bald in ein Blumenheim verwandelt, und bis in die Abendstunden wogte es ein und aus bon Glückwüuscheiiden. Schon in aller Frühe erschien eine Abordnung des israelitischen Frauenvereins, dem das Jubelpaar seit dessen Gründung angehört, und überbrachte ein kostbares Angebinde. Dann erschieueii die Borstäude der Synagogengemeinde und des RepräsentautenkoUegiums, die einen herrlichen Tafelaufsatz überreichten. Tie Herren I. G aus und Al. R o s e ii t h a l Priesen die Verdienste des Herrn S t r a u ß um das Gemeinwohl in wohlgeformten Ansprachen. Die Stadt Hörde hatte ein prächtiges Blumengebinde übersandt, und bald erschien der Herr Erster Bürgermeister Schmidt, um in seinem Namen und im Namen der Stadt das Jubelpaar zu beglückwünschen und demselben zugleich die ihm von Seiner Majestät verliehene Ehejubiläumsmedaille zu überreichen. Auch der Hörder Turnverein und der Verein liberaler Bürger, denen der Jubilar seit deren Gründung angehört, haben Abordnungen gesandt, und im Austrage der beiden Vereine richtete Herr Rechtsanwalt Vaerst herzliche Worte der Anerkennung au den Jubilar. In wohlgesetzten Worten dankte der letztere allen Erschienenen mit tiefer Rührung für die ihm zuteil gewordene Ehrung, indem er besonders hervorhob, daß er das, was er für die allgemeinen Interessen getan, als Menschen Pflicht erachtet habe. Nachmittags um 5X> Uhr fand in der Shnagogi eine erhebende Feier statt, die Herr Prediger R o s e n t h a l durch zn Herzen gehende Worte wirtlich erbauend gestaltete. Am Abend vev sammelten sich die nächsten Angehörigen zu einer gemütlichen Familienfeier. — Schönebeck, 2. Juli. Ein Begräbnis seltener Art fand an 24. v. Nt. ans dem hiesigen Friedhofe der jüdischen Gemeinde statt. Der Kaufmann Jose f L n b r a n s ch i k aus Groß-Salze, der als Wehr mann im Osten gefallen und von Johannisburg hierher überführ! worden ist. wurde mit allen militärischen Ehren in der Ehreureihe de> jüdischen Friedhofes zur letzten Ruhe bestattet. Unter Beteilignm fast der ganzen Gemeinde, der Kriegervereine und des Lchützeuvereim von Groß-Salze mit 4 Fahnen und von abkommandierten Kriegern de Reservelazarette von Schönebeck und Groß-Salze sowie unter Voran tritt der 66er Militärkapelle bewegte sich der Tranerzng durch di Friedhof-, Salzer- und Bahnhofstraße zum jüdischen Friedhofe. Hie: hielt der Prediger der jüdischen Gemeinde, Herr Tr. G a l n u d t, ein zu Herzen gehende Trauerrede. Als Text legte er feiner Red 2. Samuelis Kap. 1, 25 und 26 zugrunde. Er schilderte den Ver blichenen als einen fleißigen und strebsamen Mann, fürsorgliche.' Familienvater und treuen Kameraden, der wegen seines leutselige:. Wesens sich allgemeiner Beliebheit erfreut. Er schloß mit den Wortei': „Schlafe wohl du tapferer Krieger; zählt einst das Vaterland sein Heldensöhne, so wird dein Name auch ehrenvoll genannt werden. Tn hast für uns gedarbt, gelitten, geblutet und durch deinen Tod mit zu Rettung und zur Befreiung des Vaterlandes beigetragen; tausendfache': Dank rufen wir dir daher in die Ewigkeit nach. Rio ge st auch du ei:: Saatkorn für eine kommende fruchtreiche Zeit bilden, in welcher nan einem ehrenvollen Frieden eine neue Aera Heranbreche, wo all Menschen in brüderlicher Liebe einander achten, stützen, Helsen un' fördern, ans daß die Schatten beschränkter und beschränkender Vor urteile für immer schwinden, Freiheit, Wohlfahrt und Gesittung sin allerorten ausbreite und herrsche. Haben wir doch alle einen Gott, ei : Reich, ein Vaterland." Mit dem Choral: Wie sie so sanft rnhn, vo der Kapelle intoniert, und den üblichen Ehrensalven endete die Begräl nisfeier. Im Trauergefolge befand sich auch ein intimster Kamera des Verstorbenen ans Groß-Salze, der mit ihm gemeinsam den letzte : Potrouillengang geführt hatte. 2^' Frankfurt a. M., 2. Juli. Die T e u t s ch - H o l l ä n d i s ch e Pal ä st ina - Ve r iv a l t u n g erhielt von Fräulein Thea"? Drey fuß, die vor einigen Monaten nach Jerusalem znrückgekehn ist, um die geplanten Not-Snppenküchen zu errichten und zu leite-. folgendes Schreiben vom 20. Mai: „Dieser Tage empfing ich die nr Amsterdam telegraphisch überwiesenen 10 000 Frank. Ich bin so fei;r dankbar dafür, denn es kam gerade zu einer Zeit, wo ich mich g zwungen sah, die Küchen zu vergrößern. Die Buchführung und Koi trolle mußte ich Ihrem Patästinabureau überlassen, denn meine Arbc! wächst täglich, und es ist mir unmöglich, auch die Buchhaltung ' führen. Ich nehme au, daß dies in Ihrem Sinne ist. Es werde i zurzeit gespeist: 1. in der Küche am Deutschen Platz in der innere' Stadt 155 Kinder der städtischen Talmud-Thora-Schulen, 40 Kind-? der Marotkanerschule, 100 sesardische Kinder, 20 Jemeniten, 40 Waise krnder, 20 Portionen an Familien und 70 Essen an jüdische Straße tehrer: 2. in der Küche Mea Schcarim außerhalb der Stadt 150 Zn linge der städtischen Talmud-Thora-Schnlen, 50 Kinder der Jemeniten schule, 35 Kinder der sesardischen Doresch Ziouschule und 50 Kind.? der Grusischen Gemeinde. Das tägliche Essen besteht aus ein? kräftigen Suppe mit Brot. Für die innere Stadt haben wir ein'' weilen die Räume der „Armen- und Pilgerwohiiungen" auf de ' Deutschen Platz als Speisezimmer eingerichtet und gekocht wird i" Freien. Hoffentlich kommen Sie bald in die Lage, die Notküchen ,V vergrößern und auch räumlich besser auszugestalten." — Jnzwische.' sind weitere größere Beiträge zur Erweiterung der Küchen seiten? der „Deutsch-Holländischen Palästina-Verwaltung" zur Verfügnin gestellt worden.