Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 28 (9.7.1915)
- Date
- 1915-07-09
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Der Gemeindevorstand von Reißensee hatte die Berliner jüdische Gemeinde wegen . irer in Weißensee gelegenen Grundstücke zur Grundsteuer heran- 1 ezogen, wogegen die jüdische Gemeinde Klage erhob, indem sie gel-! iD machte, daß die Grundstücke von ihr zu F r ie d h o f s z w e ck e n! .mutzt würden und demgemäß steuerfrei seien. Der Niederwnimer Kreisausschuß erkannte in erster Instanz dahin, daß die lägerin nach einem gemeinen Wert von 715 000 Mark zu einer Grundi ertsteuer von 2890 Atark heranzuziehen, im übrigen aber freizu-! cklen sei. Hiergegen legte die jüdische Gemeinde beim Bezirksauschiß Berufung ein mit dem Antrag, sie nur nach einem gemeinen nert von 248 000 Mark zu einer Steuer von 992 Mark ranzuziehen, im übrigen aber sreizustelleu. Der Bezirksausschuß otsdam ermäßigte daraufhin die Grundsteuer auf 2704 Mark und ies im übrigen die Klage ab. Der Revision der jüdischen Gemeinde; nt nun das O b e r v e r w a l t u n g s g e r i ch t stattgegeben. Die ndische Gemeinde war wegen des Grundstücks Lichtenberger Straße r. 65 zur Steuer herangezogen worden, weil es zwar durch einen nun in das Friedhossgrundstück einbezogen, aber noch nicht tatsächch zu Friedhofszwecken benutzt wurde. Das Oberverwaltungsgericht :l) die Besteuerung dieses Grundstücks nicht für berechtigt an. Es ikschied, daß eine unmittelbare Benutzung eines Grundstücks zu Friedlfszwecken auch dann schon vorliege, wenn« die zur Vergrößerung in ilssicht genommene Fläche zur Belegung mit Gräbern in naher eit b e r e i t g e st e l l t wird. §2 Berlin, 6. Juli. Am Sonntag, 4. d. M., fand eine Behtigung der früher in Plötzensee in Mietsrüumen untergebrachten, ist vom Deutsch-Israelitischen G e m e i n d e b u n d e in öpenick errichteten F ü r s o r ge e r z ie h u n g s a n st a l t für!jnlentlassene israelitische Mädchen durch Mitglieder des Fürsorgeratoriums, des Ausschusses des D. I. G. B. und eine Anzahl von reunden und Gönnern des Instituts statt. Der Bau ist unter Leitung s Herrn Baumeisters Alter th um errichtet worden. Professor chae fe r, der Dezernent des Fürsorgewesens, gab in schlichter und rzlicher Weise eine geschichtliche Uebersicht über die Entstehung des auses und dankte allen Freunden und Gönnern, deren Liberalität die rrichtung dieses Hauses ermöglicht hat. Hierauf übernahmen die!)rendamen, die sich um das Zustandekommen des Werkes außer- 'dentlich verdient gemacht haben, die Führung durch die Anstaltsuinie und den Anstaltsgarten. Es herrschte nur eine Stimme über e Zweckmäßigkeit und Gediegenheit des Baues. Eine Einweihungsier soll erst nach Beendigung des Krieges stattfinden. §2Berlin, 6. Juli. In dem jüdischen Genesungsheim i Lehnitz fand am 28. v. M. eine Trauerfeier für den verstorbenen iitstifter des Heimes, Herrn Louis Sachs, statt. Vom Chorrigenten, Herrn W a ch s m a n n, eingeübt, sangen die Pfleglinge nierst das Lied „Andacht" von Mozart. Alsdann folgte eine Geachtnisrede des Borsitzenden, Herrn Sanitätsrat Dr. Wilhelm eilchenfeld, der hervorhob, mit welcher Liebe der Verstorbene ch dieser Gründung stets gewidmet hat und mit welchem Interesse r dieselbe zu fördern suchte. Alsdann folgte als Solovortrag eines Pfleglings das „Largo" von Händel. Die feierliche Handlung klang :u dem abermals von den Pfleglingen gesungenen -„Niederländischen Rankgebet" aus. Die zahlreichen Anwesenden nahmen dann an der arauffolgenden Generalversammlung teil. Der Vorsitzende gab eine ürze Uebersicht über die Tätigkeit des Vereins in dem abgelaufenen Geschäftsjahr und teilte mit, daß das Heim infolge des Krieges beeits am 1. September geschlossen worden ist, so daß 367 Pfleglinge uu Jahre 1914 Aufnahme fanden. Es wurde dann das Heim benchtigt, und alle gewannen den Eindruck, daß hier eine soziale Tat geleistet wird, indem Frauen und Mädchen durch den Aufenthalt n> der frischen Waldlust bei ausgezeichneter Pflege erwerbsfähig gehalten werden. V. Z. Berlin, 6 Juli. Zum 5 0jährigen Bestehen der Fir m a Löse r u. W o l s s fand im Geschäftshause der Firma ein Empfang statt. Der Oberpräsident der Provinz Brandenburg war durch Regier ungsrat Dr. Bot he vertreten, der in seiner Ansprache insbesondere auf di>e vorbildlichen gemeinnützigen Einrichtungen der Firma und die Betätigung der Gründer und der jetzigen Inhaber der Firma auf allen Gebieten sozialer Hilfe hinwies und in Aussicht stellte, daß den besonders verdienten Angestellten und Arbeitern der Firma noch besondere Auszeichnungen zuteil werden würden. Kommerzienrat Krüger sprach für den Verein der T-abakinteressenten von Berlin, und auch die Handelskammer zu Berlin hatte einen Vertreter entsandt. Stadtverordneter J-astro-w legte dar, was die Firma für den Verein der Volkskindergärten von Berlin getan habe. Am Schluß der Feier dankte der Mitinhaber Regierungsbaurat Sommerguth. für die vielen Wünsche, Adressen und Geschenke, gab dann einen Ueberblick über die Entwickelung der Firma, wobei er all derer gedachte, die zu ihrem Aufstieg mitgewirkt haben, insbesondere des durch Krankheit am Erscheinen verhinderten Herrn Isidor Hirsch, der sich vor einigen Jahren von der Leitung des Hanfes zurückgezogen hat. (Siehe auch „Von Nah und Fern", erste Notiz.) x. Breslau, 2. Juli. Am 27. v. M. fand in Anwesenheit einer stattlichen Anzahl geladener Gäste, insbesondere Vertreter hiesiger jüdischer Wohltätigkeitsanstalten und Wohlfahrtseinrichtungen, die feierl i ch e E i n w e i h u n g der B u r g f e l d st i f t u n g statt. Ter in den weitesten Kreisen unserer Stadt und namentlich der jüdischen Gemeinde als Wohltäter bekannte verewigte Herr Louis Burgseld hatte letztwillig die Herren Eduard Sachs, Louis L ö w e nthal, Max Weig e r t und B e r n h n r d bestimmt, seinen Lieblingsgedanken auszusühren, alleinstehenden Frauen, insbesondere jüdischen Lehrerinnen, ein Heim und einen freundlichen Lebensabend zu schassen. Daß diese Männer in idealster Weise den Wünschen des Stifters nachgekommen sind, bekundet der schöne, von einem fast 6000 Quadratmeter großen Garten umgebene Neubau, der sich in der Nähe unseres schönen Südparkes erhebt. Das Haus enthält 34 hübsche kleine, für sich abgeschlossene Wohnungen, deren jede aus einem Vorraum, einem hellen, lustigen Zimmer mit Loggia und einer kleinen Küche mit Gasherd, Wasserleitung und Spülvorrichtung besteht. Elektrisches Licht und Zentralheizung sind ebenfalls vorhanden. Ein großer Versammlungsraum mit prächtiger in den Garten führender Terrasse und ein Lesezimmer, das ein Bild des edlen Begründers schmückt, ermöglichen den Insassinnen gemütliches Zusammensein. Das Haus besteht aus dem Parterre und zwei Stockwerken, davon jedes je zwei Badezimmer und Vorräume zur Reinigung der Kleider ausweist. So ist in jeder Beziehung bestens für die Bequemlichkeit der Insassinnen gesorgt, deren jede eine monatliche Rente von 25 Mark empfängt. Der Neubau, der 800 Quadratmeter umfaßt und über 200 000 Mark gekostet hat, ist durch die Herren Baumeister Richard and Paul Ehrlich hergestellt worden, den Garten hat Garteningenieur H at t angelegt. Fünfzehn Wohnungen sollen am 1. Juli bezogen werden. Die Feier gestaltete sich, von Harmoniumklängen eröffnet und beendet, schlicht und eindrucksvoll. Baumeister Paul Ehrlich übergab sein im April 1914 begonnenes und ungeachtet der Ungunst der Kriegszeit in verhältnismäßig kurzer Zeit vollendetes Werk mit kurzen, herzlichen Worten dem Vorstände. Der erste Vorsteher der Synagogengemeinde, Herr Eduard Sachs, übernahm dieses dankend und pries in seiner Rede warm den edlen Stifter dieser neuen Wohlfahrtsstätte, die fraglos vielen zum Segen gereichen wird. Sein Dank für die Testamentsvollstrecker, die Baumeister und deren Helfer klang in herzlichen Wünschen für die Bewohnerinnen der Stiftung wie für diese selbst aus. Herr Stadtrat M a r ck überbrachte die Wünsche des Vorstandes der Synagogengemeinde, Herr Professor Wohl au er die der Repräsentantenversammlung. Ein Rundgang unter Führung der Baumeister folgte der Feier. — Leipzig, 2. Juli. Von der herzlichen Brüderlichkeit, die jetzt in unserem Vaterlande die Bekenner aller Konfessionen als Deutsche verbindet, legte schönes Zeugnis eine Feier ab, die am Sonntag,