Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 28 (9.7.1915)
- Date
- 1915-07-09
- Page
- Seite 331 (sequence 7)
- Language
- German
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Schaut aus zu den Sternen, Dort glänzt Euer Glück, In ewige Fernen Kehrt einst Ihr zurück! Aus wanderndem Leben Zur Heimat gekommen. Durch göttliches Leiden erprobt, — Der Herr Habs gegeben, Der Herr Habs genommen. Der Name des -Herrn sei gelobt. Vortrefflich sind auch manche andere Lieder, die mit dem Kriege nichts zu tun haben, z. B. das gemütvolle „Meiner Mutter" (S. 53). Die zweite Sammlung ist eine Ausgabe der Werke Emanuel Geibels. Es sind gleich — wie das im lieben Deutschland so häufig der Fall ist — zwei Ausgaben 9) erschienen. Früher war dies nicht möglich, da die Schutzfrist für Geibels Werke erst im Jahre 1914 zu Ende ging. Beide Ausgaben sind brauchbar, ergänzen sich, reichhaltiger ist wohl die bei Reclam erschienene. Beide Ausgaben sind billig und trotz des geringen Preises annehmbar ausgestattet. In der Beurteilung des Dichters sind beide Herausgeber durchaus nicht überschwänglich; für manches hätte ich einen wärmeren Ton gewünscht. Tie Beurteilung des Dramas „Brnnhild" seitens Mendheims scheint mir völlig verkehrt, doch behalte ich mir vor, an anderer Stelle ergiebigere Kritik zu üben lind ausführlicher über Geibel zu handeln. Hier soll nur auf das hingelviesen lverden, was uns berechtigt, diese neuen Ausgaben iit unserer Uebersicht zu erwähnen. Namentlich Geibels Lyrik gehört teilweise hierher. Irr feinen Junius-Liedern steht manches Patriotische und die „Heroldsrufe" 1871 enthalten ausschliesilieh Zeitgedichte. Geibel, der sich schon am Anfang der vierziger Jahre als ein die Zeit verstehender Poet bekundete, hat sich in der schweren Epoche von 1870 als glühender Patriot bewährt. Wum kann noch heute diese vaterländischen Lieder mit Vergnügen und Erhebung lesen, da sie sich nicht danüt begnügen, einzelne Taten und einige Menschen zu preisen, sondern vaterländische Gedanken vertiefen. Hoffentlich ist der Hohn, mit dein unsere Neuesten einen so wackeren Menschen und tüchtigen Poeten wie Geibel zu bewerfen pflegten, 31t Ende, und man lernt auch ihm gegenüber das gute Heimische mehr schätzen, als man das früher tat. Jüdische Stoffe lverden allerdings von Geibel nicht behandelt, man müßte denn das kleine Epos „Judas Jschariot" in dieseur Zusammenhänge nennen. Da lvir nach Fuldas Vorschrift nicht aufhören lvollen, uns mit der Sprache des Feindes vertraut zu machen, so begrüßen lvir freudig ein Büchlein, das den deutschen Soldaten einen Wegweiser für das Französische gibt.") Es stellt in Taschenformat ein brauchbares Wörterbuch dar, das die nötigen Redensarten, alles, was mau im Krieg und im gewöhnlichen Leben braucht, in sehr praktischer Weise enthält. Wir empfehlen das sehr preislvürdige Buch (es kostet nur 50 Pf.) allen, die ihren Lieben im Felde eine wirklich nützliche Hilfe senden lvollen. Es ist ein Buch, das die Kenntnisse des Französischen nicht voraussetzt, das jedem hilft, der sich im Feindesland verständlich machen lvill, ohne Französisch zu können. Trotz dieser Berücksichtigung des Auslandes lvollen lvir die Erkentnis verbreiten, daß eben das Ausland unser Feind ist. Darum ist Kirchraths Zusammenstellung") sehr nützlich. Es enthält Uebersetzullgen aus englischen Zeitungen vom August 1914 bis zum 27. April 1915. Alle diese Artikel predigen den grimmigsten Haß gegen Deutschland. 9) a) Emanuel Geibels ausgewählte Werke in zwei Bänden mit einer Einleitung. Herausgegeben von Dr. Max Mendheim. I. Band: Gedichte. II. Band: Epische Dichtungen, dramatische Dichtungen, Uebersetzungen. Leipzig, Philipp Reclam jun. b) Emanuel Geibels Werke. 4 Teile in einem Bande. Herausgegeben von R. Schacht. Mit 3 Bildnissen, 2 Abbildungen und 4 Handschriften. Leipzig. Hesse u. Becker. 10) Deutsch-französisches Gesprächs-Wörterbuch. Vollständiger Dolmetscher für den deutschen Soldaten im Verkehr mit Franzosen. Nebst leicht lesbarer genauer Bezeichnung der Aussprache und einer kurz gefaßten Grammatik von Paul Blaschke, Lehrer romanischer Sprachen. Stettin, Druck und Verlag von Herrcke u. Lebeling. u) Krieg dem deutschen Handel. Neue Folge. Die englischen Maßnahmen und Vorschläge znr Verdrängung von Deutschlands und Oesterreichs Handel und Industrie. Aus dem Englischen übersetzt von Neinhold Anton. Herausgegeben und mit einer Einleitung versehen' von Anton Kirchrath. Chefredakteur der „Magdeburgischen Zeitung". 1 M. Leipzig 1915, Otto Gustav Zehrseld, Verlagsbuchhandlung. Sie lvollen lehren, lvie Großbritannien den Handel Deutschlands vernichten oder an sich ziehen soll. Auch Einzelvorschristen, lvie in China Deutschland zu verdrängen, lvie den Deutschen Aegypten zu nehmen ist, wie der britische Handel durch englische Banken unterstützt lverden soll, werden gegeben. Tie Bemühungen Deutschlands und Oesterreichs, ihren Handel auszndehnen, werderi geradezu als Diebstähle bezeichnet, die an den Engländern verübt lvorden sind. Sehr interessant für diesen überseeischen Krämer ist es, lvie vor Amerika gewarnt lvird, und lvie die Engländer darauf hingewiesen werden, sich ja nicht von den Amerikanern verdrängen oder übertölpeln zu lassen. Auch ans Italien lvird eingegangen und jenes Land gemahnt, nun von England, nicht von Deutschland zu kaufen: selbst Einzelheiten werdeil bemerkt; z. B. der Export künstlicher Blumen. Unsere Kauflente lverden gut tun, alle diese von Haß gegen Deutschland erfüllten, ungemein praktisch gedachten Artikel zu lesen. Schon in diesem Buche lvird gelegentlich angedeutet, wie die gegen uns verbündete! Nationen schon jetzt ihre Eifersüchteleien gegeneinander nicht lassen können. Ein anderes Werk,"') der dritte Teil einer größeren Sammlung, deren beide erste Bünde in dieser Zeitung bereits besprochen lvorden sind, zeigt noch deutlicher, lvie diese Nationen einander behandeln. Hier lverden z. B. die Stimmen der Ausländer über die greulichen Taten der belgischen Gnmmihändler, mancherlei über die Dreyfus-Affäre und die russischen Strafanstalten mitgeteilt. Auch der Artikel „Der französische Chauvinismus" ist recht lehrreich. Nur ist leider die Uebersetznng z. B. aus Le Roux-Camille „Elsaß" geradezu schauderhast. Die Berichte Sarceys über die Kopflosigkeit französischer Führer während der Belagerung von Paris 1871, ferner die Geständnisse Flnnberts und Edgar Quiuets sind Selbstbekenntnisse von höchstem Wert. Die Karikaturen sind znm Teil köstlich: eine französische ans dem Jahre 1902 stammende, die den General French vorführt, oder eine andere: Elömencean als französischer Staatsclown und viele andere sind von überwältigender Komik. Höchst wichtig sind die geradezu erschütternden Geständnisse der Russen über sich selbst, über ihre Verderbtheit mtb ihre Verrohung. Ter Abschnitt über die Dreysns-Asfäre, wobei gar nicht gesagt wird, woher er entnommen ist, hat mich sehr enttäuscht, Neben vielem Köstlichen steht auch manches herzlich Unbedeutende. Man gewinnt den Eindruck, das; der Verfasser zlvar über ein vorzügliches Material verfügt, aber wahllos Ungehöriges zusammenstellt. Trotzdem bietet das Buch im ganzen eine erheiternde itnb mahnende Lektüre. Bit „Wohltaten" des Haukes Nomanmo. Von L e 0 S ch e i n h a u s. IV. (Fortsetzung.) ehr als in einem anderen Staate ist in Rußland die persönliche Ansicht des obersten Herrn auf dem Thron für die Lage der Juden bestimmend. Kaiser Alerander I. (1801—-1825), ein wohlwollender, humaner Monarch, aber unbeständig, hatte für die Anforderungen seiner Zeit das richtige Verständnis. Human angelegt, gab er sich den schönsten Entwürfen hin, den von Westeuropa ausgegangenen lichtvollen Gedanken der Menschenrechte auch in seinem Riesenreiche 311 verwirklichen. Die für das damalige Rußland zu hohen Voraussetzungen des edlen Regenten ließen allerdings die Ergebnisse hinter den Vorsätzen weit zurück; jedoch waren seine Bestrebungen zur Ueberführung Rußlands in eine europäische Reichsordnung, wobei ihn besonders S P e r a n s k i unterstützte, für Rußlands Volksleben tief eingreifend. Und zu diesen Bestrebungen gehörte nicht in letzter Reihe die Reorganisation der jüdischen Angelegenheiten. Schon im zweiten Jahre seiner Regierung (9. November 1802) ist „allerhöchst ein Komitee zur Neuregelung der jüdischen Angelegenheiten" eingesetzt worden, dem zwei Polen und die höchsten Staatswürdenträger als Mitglieder angehörten (darunter Wirklicher Geheimrat Derschawin, der zurzeit Justizminister war). Und schon zwei *-) Unsere Feinde, wie sie sich selber lvben. Selbsterkenntnisse der Franzosen, Engländer, Russen, Japaner, Belgier, Serben usw. Herausgegeben vvn Dr. Werner Klette, mit 103 Karikaturen. Erschienen im Kriegsjahr 1915 im Delphinverlag, München.