Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 28 (9.7.1915)
- Date
- 1915-07-09
- Page
- Seite 329 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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329 bestand 1826 die Lehrer- und die Kantorenprüfung und Wurde 1827 als Religionslehrer in Hüttenbach angestellt. Dies geschah zumeist auf Drängen der Regierung, dem die jüdische Gemeinde sich nur. unwillig anschloß. In dem Anstellungsdekret, durch das ihm eine Besoldung von 300 Gulden gewährleistet wurde, kommen sehr merkwürdige Sachen vor: „Daß er sich der Schulordnung mit Gehorsam gegen die ihm Vorgesetzte Schulbehörde durchaus fügen, sich selbst stets fleißig fortbilden, den Geist und das Gemüt der ihm anvertrauten Jugend sorgfältig Pflegen und sich vornehmlich durch einen musterhaften Wandel als einen treuen und rechtschaffenen Jugendlehrer allezeit bewähren werde." Lamm wirkte segensreich, hatte aber gelegentlich auch zu kämpfen. Gegen seine Verheiratung protestierte nämlich seine Gemeinde, und zwar mit Rücksicht auf seinen elenden körperlichen Zustand, auf seine ungenügende Pädagogik und auf seine Mittellosigkeit; der zur Hochzeit angesetzte Termin mußte daher, obgleich das Patrimonialgericht die Verehelichungserlaubnis erteilt hatte, aufgehoben werden; die Ehe konnte erst einige Wochen später vollzogen werden. Lamms Wirken von 1828 bis 1881, immer an demselben Orte, war ein reich gesegnetes. Im Juni 1881 erbat er seine Pensionierung, wenige Monate später, im April 1882, ist er gestorben. Der Nachruf der Gemeinde enthält folgende ehrende Worte: „Mit klarem Verstände begabt, mit reichlichem Wissen ausgestattet, verwendete er diese herrlichen Gaben unermüdet und ausdauernd im Interesse seiner zahlreichen Schüler, deren geistige Entwicklung und moralische Tüchtigkeit ihm stets am Herzen lag und die größte Freude bereitete." „Die Krone seiner vielfachen Verdienste aber erwarb er sich unstreitbar durch seine ungemeine Friedensliebe. Es genügte derselben nicht, daß er niemals Streit hatte oder suchte, er fühlte sich auch veranlaßt, dort, wo zwischen Dritten der Hader zu entbrennen drohte, denselben durch gütigen Zuspruch im Keime zu ersticken, was ihm, da jedermann ihn aufrichtig verehrte, auch meistens gelang. Dabei war er höchst bescheiden in seinem Auftreten gegen jeden, ein treuer Freund seiner Kollegen, ein aufrichtiger, uneigennütziger Ratgeber allen, die seines Rates bedurften; er war uns nicht nur Lehrer, er war unser aller Freund und Vater." Es ist eine Freude, eines solch wackeren Mannes zu gedenken. L. G. krirgslitrratur. Von Ludwig Geiger. V. wei Bilderwerke mögen den Anfang machen. Frühlings Buch ist eine Fortsetzung einer schon in einer früheren Uebersicht besprochenen Arbeit. Das vorliegende HeftL) enthält 20 Porträts gefallener österreichischer Offiziere. Es sind Aerzte und Leutnants. Bei allen werden kurze Lebensdaten gegeben. Von einigen auch Briefe mitgeteilt, die aus dem Felde geschrieben sind. Die Zeugnisse über den Tod der jungen Helden berichten, mit welcher Hingebung und Tapferkeit sie ihren Berus erfüllt haben. Der bekannteste unter den hier Geschilderten ist Hugo Zuckermann, dessen Bild wir schon früher gebracht haben und von dem wir eirnge Gedichte veröffentlichterr, narnentlich sein berühmt gewordenes Reiter lied. Einzelne andere der in unserem Heft abgedruckten Gedichte „Als wir die Grenze überschritten", „Fußmarsch", „Die österreichische Landwehr" schließen sich dem früher bekannten „Makkabäerlied" u. a. würdig an. Den Schluß des Heftes macht ein Aufsatz des Herausgebers, ein „Kaiserin-Elisabeth"-Kaddisch am Schlachtselde und Aufzeichnungen aus dem Tagebuch des Feldrabbiners Dr. Samuel Guttmann, dessen Porträt gleichfalls beigegeben ist. *) Jüdisches Kriegsgedenkblatt, Heft 2. 1914/15. Preis 2 K. Im Selbstverläge des Herausgebers M. Frühling, Redakteur, Wien II, Taboxstr, 8, Während diese erste Veröffentlichung ausschließlich jüdisches Interesse hat, entbehrt die zweites eines solchen vollständig. Es ist eine Sammlung, für die in Berlin eine ungeheure Agitation entfaltet wird, weil der Ertrag einem vortrefflichen Zwecke bestimmt ist. Das bisher erschienene erste Heft stellt den Kaiser Wilhelm und den Feldmarschall Hindenburg dar, außerdem hauptsächlich Schlachtenbilder und Szenen aus eroberten Provinzen. Die Tafeln sind gut, freilich sind die Unterschriften oft nur mit großer Mühe zu lesen, da sich der Druck von dem ganz dunklen Papier schwer abhebt. Wir können nur wünschen, daß die Sammlung ihren trefflichen Zweck erfüllt. Alls dem Gebiete der Kunst hält uns ein neues Hest der schon mehrfach erwähnten Sammlung von Julius Bab fest, das letzte Hefr, das als Sondertitel den „Neue Jugend"^ führt. Es soll, wie der Prospekt sagt, „vor allem Gedichte Vereinen, die den Seelenzustand der jungen, eben wehrfähigen' Generation ausdrücken, wie der Krieg ihn geschaffen hat. Gleichzeitig wird das Gedächtnis junger, im Kriege gefallener Dichter gefeiert". Bon den Verstorbenen, die hier verherrlicht werden, gehören Walter Heymann und Hugo Zuckermann uns an. Die von ihnen mitgeteilten Gedichte sind ganz würdig und gut, ohne sich jedoch über das Mittelmaß zu erheben. Die Klage über Walter Hehmann von Mbrecht Schaesfer ist mehr wortreich als poetisch. Von jüdischen Dichtern, die zu Worte kommen, seien der Herausgeber Julius Bab und Lion Feuchtwauger genannt. Sehr schön ist das an der Spitze des Heftes stehende Gedicht von Hermann Hesse, der freilich, da er bereits 1877 geboren ist, also 38 Jahre alt ist, nicht gerade zu der jungen, eben wehrfähigen Generation gerechnet werden kann. Die Schlußverse dieses „Der Künstler an die Krieger" betitelten Gedichtes mögen hier folgen: „Die in finstrer Fron am Karren zogen. Denen trüb' ein feiges Wohlsein rann, Alle sind dem Alltag jetzt entslogen, Jeder ward ein Künstler, Held und Mann. Manchem, dem vor kleinstem Abgrund graute, Blicken jetzt die Augen schicksalshell; Weil er hundertmal den Tod erschaute. Fließt ihm tiefer nun des Lebens Quell. Wem das Leben hoch wie euch gebrandet, Dem ist heilig, was der Gott uns gibt -- Die ihr draußen in den Schlachten standet, . Seid mir Brüder nun und neu geliebt!" Der ans Lemberg stammende Verfasser einer Schrift über den Weltkrieg?) der die Sympathie der Leser durch die Widmung „Meinen lieben Eltern in der Verbannung" gewinnt, verscherzt sich diese zu in Teil durch seiue maßlose Ausdrucksweise, durch seine recht ungefüge Polemik gegen wenig bekannte Größen, wie Miljukow und Richard Gottheil. Er verscherzt sie sich ferner durch die schlechte Komposition seines Buches. Freilich, was er gegen Rußlands schmachvolle Politik, gegen die jeder Menschlichkeit hohnsprechende Behandlung der Juden sagt, wird überall volle Billigung erwecken, und die Erinnerung daran, daß die Wirkung dieser russischen Greuel auch im Ausland für die Juden folgenschwer sein würde, ist zeitgemäß. Historisch ist der Verfasser wenig unterrichtet. Es ist durchaus falsch, zu sagen, daß Deutschland das Ursprungsland der Judenemauzipation ist (S. 25). Die wirkliche Emanzipation der Juden ist in Holland, England, Frankreich weit früher erfolgt als in Deutschland. Das Buch ist dermaßenungeordnet, daß von allein Möglichen bunt durcheinander geredet wird: von Nietzsche imb Bertha v. Suttner, von der Verletzung der belgischen Neutralität und Franktireurgeschichten, von Militarismus und der Berechtigung des Krieges, von dem Hasse einer Nation gegen die andere jetzt und in der Zukunft, von Bergson und Zangwill, von Chamberlain und Lissaner, dessen Haßgesang verurteilt wird. -) Kriegsbilder 1914/1915. Nach Original-Kohle-, Fader-, Kreide- und Blei-Künstlerzeichnungen und Photographien in Kupferhvchdruck und -tiefdrilck. Kriegs-Jnvaliden-Hilfe, Verlags-Akt.-Ges., Berlin \V 9. 1. Iahrg. Preis 1 Mark. 3) 1914. Der deutsche Krieg im deutschen Gedicht. 6. Neue Jugend. Ausgewählt von Julius Bab. Verlag Morawe u. Scheffelt, Berlin. Bernhard. Preis: jedes Heft 50 Pfennig. 4) Der Weltkrieg und das Schicksal des jüdischen Volkes. Von Benjamin Sagel, Perlin. Verlag von Georg Stilke, Berlin N-W 7. 1915.