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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-07-02 · Heft 27 (2.7.1915) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 27 (2.7.1915)
Date
1915-07-02
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 vornehme Gesinnung betätigte sie auch in hervorragendem Maße, )ie tiefe Frömmigkeit verließ sie nichts als sie auf dem Höhepunkt hres Familienglückes stehend, ihren Mann durch den Tod verlor, xw sie, die Physisch schwache Frau, mit zehn unmündigen Kindern ,urückließ. Mit einer rührenden Gottergebenheit ertrug sie das iber sie gekommene harte Geschick, und mit der ihr eigenen Energie iafc sie den Kindern eine sorgfältige, die Zukunft derselben sichernde Erziehung. In ihnen spiegelt sich so recht das Bild der frommen, oillenskräftigen Mutter wieder, wie sie alle in ihrem Geiste wirken, iir jüdische Institutionen -eintreten, sich in der Gemeinschaft nützlich nachen, zu der sie gehören. Der älteste Sohn Max, einer der angesehensten Kaufleute unseres Ortes und der Umgegend, bekleidet eit einer Reihe von Jahren das Amt eines Vorstehers in unserer Gemeinde und ist seit Jahren ein maßgebendes Mitglied in unserem ^tadtverordnetenkollegium. In demselben Sinne wirkt ein anderer 3ohn der Verewigten, Ludwig, in Pleschen, der zurzeit beim Ostneere als Offizierstellvertreter dient und sich das Eiserne Kreuz erworben hat. Rabbiner Dr. Saul K a a tz in Hindenburg (Zabrze) st ebenfalls ein Sohn der Verstorbenen. Sämtliche Töchter sind an Männer verheiratet, die bessere soziale Stellungen einnehmen. Das große Grabgeleite der Verstorbenen gestaltete sich zu einer ehrenden n undgebung für die ganze Familie. In warm empfundener Rede verglich Rabbiner Dr. Lewin, Wreschen, die Verstorbene, anknüpfend >m die Mirjam-Erzählung des Wochenabschnittes, mit einem lebendigen Brunnen, aus dem die Kinder alle guten Eigenschaften und Tugenden, die Kenntnisse, die sie besäßen, geschöpft hätten. Ergreifend wirkten die Abschiedsworte, die Rabbiner Dr. Saul Kaah 'einer Mutter in seinem und seiner Geschwister Namen nachsandte. L/D Leipzig, 25. Juni. Unsere Synagoge war kürzlich der Schauplatz einer künstlerischen Veranstaltung, die in herzerhebender Weise den Beweis dafür ablegte, wie heute die parteilichen und religiösen Verschiedenheiten dem nationalen Einheitsgedanken untergeordnet und eingeordnet werden. In der Synagoge fand ein vaterländisches Konzert des Leipziger Männerchors zum Besten der Kriegsaotspende statt. Der Leipziger Männerchor steht unter der Leitung des bekannten Chormeisters Musikdirektor Gustav Wohlgemuth und hat sich seit dem Ausbruch des Krieges vielfach bemüht, durch künstlerisch hervorragende Konzerte zum Besten der Kriegsfürsorge zu wirken. Das Konzert in der Synagoge wurde eingeleitet durch eine Ansprache des Rabbiners Professor Dr. Porges, der ausführte, wie der Krieg Parteien, die sich sonst fremd gegenüberstanden, zusammengeführt und wie er die Ideale von Treue und Brüderlichkeit hell 'rglühen läßt. Der Redner schilderte die große Zeit, in der wir eben, und den großen Geist, den sie hervorbrachte. Er schloß mit dem Wunsche, daß dem Hosianna „Herr Hilf" bald das Halleluja aachjubeln möge. Der Leipziger Männerchor brachte in ausgezeichneter Weise Liszts „Gottes ist der Orient", Kellers „Gebet" und Richard Müllers „Dein Wort, o Herr" zum Vortrag. In dem Aouzert wirkte ferner Therese Rothauser von der Berliner Hofaper mit, die in den Jahren 1887 bis 1889 zu den Zierden der Leipziger Oper gehörte; sie sang Schuberts „Allmacht" und „Litanei auf unsere gefallenen Krieger" sowie Wilds „Kaiserhymne". Leo schwarz vom Gewandhausorchester spendete Violinstücke älterer Meister und Max Fest spielte an der Orgel eine Fantasie von Jadasü'hu, dem einstigen Professor mit Leipziger Konservatorium der Musik. Hannover, 25. Juni. Soeben ist der Rechenschaftsbericht über die Verwaltung des Wohltätigkeitsvereins der Synagogenaemeinde Hannover (Chewra Kaddischa) im 153. Jahre seines Bestehens - vom 1. Januar bis 31. Dezember 1914 — erschienen. Das feste Vermögen des Vereins betrug Ende 1914 inklusive der sich in seiner Verwaltung befindlichen Landrabbiner Dr. Gronemann-Stiftung im Betrage von 6130 Mark im ganzen 225 035,97 Mark. In diesem Belrage sind 140 000 Mark enthalten, wofür der Verein dauernde Verpflichtungen übernommen hat, während die Zinsen der Landrabbiner Dr. Gronemann-Stiftung dem Landrabbiner Dr. Gronemann zur freien Verwendung für die Zwecke des Vereins zur Verfügung gestellt werden. Der Verein besitzt den halben Anteil an den Gebäuden auf dem Friedhofe an der Strangriede, wofür aus Vereinsmitteln etwa 29 000 Mark beigetragen sind. Der Verein hat fünf Gesetzrollen mit den dazu gehörigen silbernen Geräten, einen Leichenwagen, Mäntel-, Grab- und sonstige Utensilien, Gebetbücher usw., drei silberne Sammelbüchsen, zwei silberne Leuchter sowie Vorräte an Leinen im Werte von etwa 250 Mark. Unterstützt wurden 74 Ortskranke, 2 auswärtige Patienten. Das in der Gemeinde segensreich wirkende israelitische Krankenhaus übernahm wiederum die Pflege von 25 armen jüdischen Kranken mit 547 Verpflegungstagen, und leistete der Verein demselben einen Beitrag von 2000 Mark, an andere Krankenhäuser hatte er 561,80 Mark zu zahlen. Für Milchverpflegung zahlte er 523,62 Mark und weitere 100 Mark an den Verein ehem. Religionsschülerinnen für gleiche Zwecke sowie 200 Mark für die Ferienkolonie der Zionloge. Zu Bade- bzw. Erholungsreisen hat der Verein gemeinschaftlich mit dem israelitischen Frauenverein 28 Personen entsandt und seinerseits einen Zuschuß von 2417,95 Mark gewährt, zu welchem auch die Erträgnisse der Jacob Berlinerschen Stiftung für Herz- bzw. Lungenkranke sowie der Hugo Meyerschen Stiftung für Kranke und Rekonvaleszente verwendet worden sind. Als Zuschuß zu den Unterhaltungskosten der Gemeindeschwester Gertrud Schwerirr bewilligte der Verein dem israelitischen Frauenverein wiederum 400 Mark. Der Verein zählte am 31. De* zember 665 Mitglieder und 98 beitragende Frauen. Im Jahre 1914 wurden auf dem jüdischen Friedhose in Hanrwver beerdigt 35 Männer, 30 Frauen, 6 Knaben und 1 Mädchen, im ganzen 72 Personen; davon gehörten denr Verein 19 als Mitglieder an und 13 waren Frauen von Mitgliedern; auf Kosten des Vereins wurden 10 Leichen bestattet. Nach außerhalb überführt wurden 3 Leichen. Die Hirsch Oppenheimer Stiftung, die an Zinsen 768,50 Mark eingenommen, hat für ihre Zwecke 619,60 Mark verausgabt und schließt mit einem Vermögensstand von 21 398,65 Mark ab. Ter Schluß des Berichtes lautet: Wir können unseren diesmaligen Bericht nicht schließen, ohne der Wackeren zu gedenken, welche aus unserer Gemeinde begeistert in den Kampf für König und Vaterland hinausgezogen und im Feindesland den Heldentod gestorben sind. Groß, sehr groß ist der Anteil der Shnagogengemeinde an den schweren Opfern, die das deutsche-' Volk in der Abwehr einer ganzen Welt von Feinden bisher gebracht hat — ihre Zahl ist bis Ende Mai schon auf 40 gestiegen —, doch darf sie auch stolz sein auf den Heldenmut ihrer Söhne, von denen bereits 33 mit dem Eisernen Kreuz dekoriert, und mehrere schon zu Offizieren befördert worden sind. Tief schmerzt es uns, daß wir diesen Helden nicht einmal ein Grab auf unserem Friedhof bereiten konnten; in der Ehrenreihe, die wir für sie bestimmt haben, konnte bisher nur ein Einziger bestattet werden. Indessen werden wir dafür Sorge tragen, und haben wir bereits Vorkehrungen getroffen, daß wenigstens ihre Namen auf dem Friedhof erhalten bleiben und der Nachwelt zu ehrendem Gedächtnis entgegenleuchten werden. Frankfurt a. M., 25. Juni. Am 4. Juli feiert das Israelitische M ä dche n st i f t hier das 25jährige Jubiläum seiner Vorsteherin, Fräulein Antonie L e p e h n e. Wird auch in Anbetracht der großen, furchtbar schweren Zeit, in der wir leben, von einer größeren Feier abgesehen, so soll es doch an dankbarer und herzlicher Bezeugung für die Jubilarin nicht fehlen. Das Mädchenstift, welches im Jahre 1877 von Philipp und Charlotte S p e y e r gegründet wurde, gehört zu den segensreichsten und vornehmsten Anstalten der Stadt Frankfurt. Diese Anstalt soll den jungen Mädchen, die einen Beruf erlernen wollen, ein wahres Heim sein, ein Heim der körperlichen und geistigen Pflege. Diese Stiftung soll den jungen Mädchen ihr Elternhaus und vielen Verwaisten die Eltern ersetzen. So war der Sinn der Gründer. Dieses ideale Werk echter Menschenliebe wurde Fräulein Antonie Lepehne im Jahre 1890 anvertraut, und es hätte wahrlich für dieses Haus keine bessere Wahl getroffen werden können. Fräulein Lepehne brachte für diese ihre Stellung nicht nur ein bedeutendes Maß von Bildung, eine hervorragende Erziehung in einem guten, gediegenen Hause, sondern auch ein unendlich gütiges Wesen mit und ein Herz, für das es nichts Höheres und Schöneres auf der Welt gibt, als Gutes zu tun und anderen zu helfen und sie zu fördern. Und mit diesem Wesen echter Güte leitete die Jubilarin das Werk edler Menschenliebe 25 Jahre. Möge es Fräulein Lepehne vergönnt sein, noch viele, viele Jahre in diesem schönen Heiine weiter zu wirken, wie bisher zum Segen und Wohle des Hauses und seiner Zöglinge. Frankreich. — Paris, im Juni. Das israelitische Zentralkonsistorium gibt einen Ueberblick über die Institution der jüdischen Feldprediger (aumoniers militaires) im französischen Heere. Am Anfänge des Krieges waren solche gar nicht vorgesehen und auch nicht von

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