Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 27 (2.7.1915)
- Date
- 1915-07-02
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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militärischer Leite erwünscht. Indem machte die verhältnismäßig geringe Zahl von jüdischen Soldaten in manchen Armeekorps einen jüdischen Feldprediger nicht notig. Erst auf Drängen des Grvßrabbiuers von Frankreich hat auch das Ministerium sich mit dieser Frage beschäftigt. Heute ist die Allgelegenheit der „aumonicrs" so geregelt, das; man von vier Arten derselben sprechen kann. 1. Feld- Prediger im Heere, wozu folgende Rabbiner gehören: Herz, Paris, (4. Armeekorps), Zeitlin, Paris (5.) I. S a ch s , Chalous (6.), H a g n e n a n e r, Besangon (7.), S o m m e r, Tours (14.), H i r s chler, Marseille (15.). G i n z b n r g e r , Genf (18.), Vitsen, St. Etienne (27) und Lieber, Paris, bei der."17. Division. 2. Feldprediger im inneren Dienst: Hermann, Reims; Levh, Nonen; Fnlien Weilt, Paris: Pol i atscheck, Toulouse; I. Cohen, Baponue: Cisenbeth, Sedan: Willard, Bincennes. -"l. Feld- Prediger in befestigten Plätzen: Bloch, Nanch, in Toul; Seches, Lille, in Lyon: Leon Levh, Epinal, in Epinal: Wolfs. Belsort, in Belfort: R u f, Berdun. in Berdnn. 4. Feldprediger außerhalb Frankreichs: Rabbiner Pr euer von Avignon beim Expeditionskorps im Cvicnt. Von Ash und Lern. — Geh ei in rat Professor Dr.-Jng. (5 a r l L i e b e r m a n n . der kürzlich verstorbene, ausgezeichnete Chemiker der Charlottenburger Technischen Hochschule, hat einen reichen wissenschaftlichen Nachlaß hinterlassen. Darin sind mlveröffentlichte Arbeiten, besonders seiner letzten Feit, als Liebermann nach dem Ausscheiden ans den; Lehramt am Kaiser-Wilhelnr-Jttstitnt für Chemie in Berlin-Dahlem erperimelltett gearbeitet hatte. Die Herallsgabe dieser Arbeiten wurde Dr. Mühle vom Beckmannschen Kaiser-Wilhelm-Jnstitut anvertrant, der aber zurzeit infolge seiner Einberufung an der Beröffentlichlmg verhindert ist. Hoffentlich gelingt es trotzdem, die Untersuchungen allgemein zugänglich zll machen. — Die Bibliothek der j n d i - s ch e n G e m e i n d e , Oranienburger Straße 28, -- Bücherausgabe und Lesesanl -- ist geöffnet: Sonntag von 10—1, Montag bis Freitag 10 2: der Lesesaal außerdem Montag bis Donnerstag 4--8 Uhr. Die Verleihung der Bücher erfolgt unentgeltlich. An den Borinittagen werden die Bücher sogleich nach der Bestellung ausgehündigt. An den Abenden können nur solche Bücher abgeholt werden, die bis mittag 1 Uhr bestellt worden sind. — Die Iüdis ch e Lesehalle n n b B ibliothek, Cranienburger Straße 58, ist während der Kriegszeit wochentags 11- 5 Uhr. Sonnabend und Sonntag 112 Uhr geöffnet. Die Benutzung der Leseräume ist für jedermann frei. Ebenso erfolgt die Ausleihung von Büchern, die nach Unterbrechung seit Beginn des Krieges jetzt wieder allfgeliommen ist, unentgeltlich. Die Bibliothek umfaßt 9225 Bände, in der; Lese räum eil liegen 70 Zeitungen und Zeitschriften aus. — D r. Jacob Sänger, Rabbiner des Israelitischen Neligionsvereins Gesundbrunnen „Ahmvas Achim", ist seit einiger Zeit als Feldgeistlicher in die Armee Mackensen in Galizien eingestellt. — Frau Aniela F ü r st e n b e r g . die Gattin des Direktors der Berliner Handelsgesellschaft K a r l F ü r st e u b e r g, ist am 28. Juni nach längerem Leiden gestorben. Die Entschlafene entstammt einer bpr vornehmsten jüdischen Familien in Polen, ihr Baker war der frühere Borsteher der jüdischen Gemeinde in Warschau, Herr N a t a n s o n. Sie war in der Berliner Gesellschaft allgemein beliebt. und im Interesse vieler wohltätiger Vereine und Anstalten entfaltete sie bis zu ihrem Hinscheiden eine unermüdliche Tätigkeit. — Jnstizrat Isidor Iacobh, ein bekannter Berliner NechtsaMvalt, ist im Alter von 58 Jahren gestorben. — Ans Posen wird uns geschrieben: Die Vertreter der neutralen Presse, die seit dem 10. Juni den Csten, namentlich das der uni stete Gebiet von Ostpreußen, bereist haben, besuchten mtf ihrer Rückreise unsere Residenzstadt und wurden ii. a. auch von den Herren Stadtrat Kronthal und Stadtverordnetenvorsteher Jnstizrat P l a c z e k begrüßt. Beim Rundgang in dem Dom gab Herr Stadtrat Kronthal, wie auch vorher im Rathause, sachgemäße Erläuterungen. - Ein schlesisches Provinzialkomitee unter > den; Vorsitz des Rittergutsbesitzers Tr. Paul Schottländer, Vreslau- Hartlieb, welchem sich der Landesverband für Mittel- und Niederschlesien und die Ortsgruppe Breslau des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens augeschlossen haben, hat sich im Aufträge des Hilssvereins der deutschen Gruppe in Breslau gebildet zur Schaffung eines jüdischen Hilfsfonds 1915 für die durch den Krieg sehr schwer geschädigten Glaubensangehörigen in Russisch-Polen und Galizien. — Unter den Gefangenen int daherischeu Lager Lechfeld befindet sich auch einer der Pariser Rothschilds, der mit seinem Auto in Gefangenschaft geraten ist. — Die Kultussteuer für das Etatsjahr 1915/16 ist für die Synagogen-Gemeinde Köln auf -90,65 Prozent der Einkommensteuer gegen 27,43 Prozent im Vorjahr festgesetzt worden. — Zwei hochangesehene Mitglieder der Shnagogengemeinde Eschwege hat der Tod in vorletzter Woche plötzlich dahingerafft. Es sind dies die Herren Sanitätsrat Tr. Stern und Rechtsanwalt und Notar Justizrat Peh s'er, der neben seiner ausgedehnten Praxis lange Jahre das Ehrenamt eines Stadtverordneten bekleidete. Beide bekundeten für alle jüdischen Gemeindeangelegenheiten großes Interesse. — Die schon wiederholte Petition von Mitgliedern der S h n a g o g e n g e m e i n d e G e l n h a u s e n auf Aenderung der knrhessischen Jndengesetzgebung (es handelt sich darum, daß der Bestenernng für die Shnagogengemeinden statt der jetzigen Schätzung und Klassensteuereinteilttng die Staatseinkommensteuer zugrunde gelegt, die Aeltesten der Gemeinde nicht ernannt, sondern gewählt, der Gemeindevertretung Mitwirkung und Einfluß gewährt und die Provinzialtasten mtf die Steuerkraft umgelegt werden sollen) hat abermals die Gemeindekommission des preußischen Abgeordnetenhauses beschäftigt. Abg. Hengsberger legte die Berechtigung der Petition dar. Die Kommission beschloß, dein Plenum zu empfehlen, die Petition der Regierung als Material zu überweisen. --- Ans Frankfurt a. M. wird berichtet: Dieser Tage wurde dem Pflegamte des Krankenhauses der I s r a c l i t i s ch e n G c m e i n d e an der Gagernstraßc eine künstlerisch ausgeführte Bronzetafel mit der Inschrift übergeben: „Bon den hier liebevoll gepflegten Kriegern der Verwaltung, den Aerzten und Krankenpflegerinnen in Dankbarkeit gestiftet 1914/15." In dem Krankenhaus befindet sich seit Kriegsbeginn ein Lazarett von über 100 Betten. Die Kosten der wertvollen Tafel wurden durch freiwillige Spenden d-r m diesem Lazarett verpflegten Kriegsteilnehmer ansgebracht. - Wie ausländischen Blättern ans Karlsruhe (Baden) mitgeteilt wird, fielen bei dem Fliegerangriff in der vorletzten Woche drei Bomben in den Shnagogenhof an der Kronenstraße. Glücklicherweise wurde weder Personennoch Sachschaden angerichtet, obwohl rings um die Spnagoge die Beamtenwohnungen liegen, die von zahlreichen Personen bewohnt sind. Die jüdischen Anwohner dürfen von großem Glück sprechen, daß der lieberfall so glimpflich für sie abgelanseu ist. — Ans Amsterdam wird unter dem 25. Juni gemeldet: Die antideutsche Union hat gestern in London ein Gerichtsverfahren gegen Sir Edgar S p e h e r und Sir Ernest Cassel eiugeleitet. Es soll der Beweis erbracht werden, daß König Georg kein Recht hatte, sie zu Mitgliedern des Privh Councils (Geheimen Rats des Königs) zu ernennen, und sollten sie gezwungen werden, aus diese Ehre zu verzichten. - Laut „Corriere della Sera" hat der italienische Kriegsminister im Einvernehmen mit der israelitischen Gemeinde vier Rabbiner als Feldpredig'r in die Armee eingestellt. Im Mailänder Spital ist die Seelsorge für die verwundeten jüdischen Soldaten dem Oberrabbiner A l e r a n d e r da F a n o und dein Rabbiner Cäsar A st r o l o g o übertragen. --- lieber das jüdisch-religiöse Leben in Russisch^Polen, schreibt die „Deutsche Israelitische Zeitung", sind wir in Deutschland sehr mangelhaft informiert. In vieler Hinsicht ist es dort schlimmer als im Westen. So lesen Nur im „Lodzer Bolksblatt": „Grvisses Theater. Schabbos, den 29. Mai 3 a Seiger (Uhr) Nachm.: Der Jeschiwoh Bochur. Plätze von 10 bis 65 Kopeken. Schabbos um halb sieben Uhr „Die jüdische Neschomoh". Das „jüdische" Theater in Lodz spielt also öffentlich am Sabbat und verkauft Billetts, eine öffentliche Säbbateullveihung, wie sie in Deutschland nicht vorkommt. — Ans Petersburg wird in einer Mitteilung über M a k l a k o w s Nachfolger gemeldet: Die konservative Zeitschrift „Nazionalnija Prvblemy" tutb das Organ des russischen Judentums „Rasswjet" sind für die ganze Dauer des Krieges suspendiert worden. — 111 Jahre alt ist Moses Robinson in Trenton (Amerika) am 7. Mai geworden. Er ist in Odessa 1804 geboren. Seine-Frau ist 102jährig vor vier Jahren gestorben. Sie war 52 Jahre blind. Robinson ist als 99jähriger eingew ändert. - 4 0 0 israelitische Seeleute der amerikanischen Flotte, die im Hudsonftuß bei New Port aulegte, besuchten am Sonnabend, 15. Mai, die Synagoge Beth El in New Port, wo sie von Rabbiner Samuel S ch u l m a n mit einer ehrenden Ansprache bedacht wurden. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastratze 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Reinh. Mausolfs, Berlin C 2. Druck und Verlag von Rudolf Mosse.