Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 27 (2.7.1915)
- Date
- 1915-07-02
- Page
- Seite 320 (sequence 8)
- Language
- German
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320 Habsucht und dergleichen in den schweren Zeiten mit euren Feinden, ja, mit Mördern paktierten? Ihr konntet nach solchen Sünden die Tore eurer Lande und Reichstage öffnen. Ihr ließet es zu Prozessen wie Mann.-Sziget und Lemberg kommend — So etwas kann und darf nicht ungestraft bleiben. Doch wird Gott das Gebet seines Knechtes Franz Josef erhören. Kaiser Franz Josef wird seine Feinde schlagen, auf den Bergen der Karpathen wird er die Sperre errichten und nicht inehr wird es jemand wagen, mit Feuer mW Schwert die Grenzen Lesterreich-Ungarns zu überschreiten. Sein treuer Diener Franz Josef wird siegen, und sein Name wird in der Weltgeschichte gleich Modechai in der Megilla sein Ende finden für inuner io ahrende Zeiten. Gnde gut, alles gut." Ich wachte aus. Gs war früh geworden, ich bewegte mich mit ineinen stareu Füßen hin und her, stand auf, ging hinaus, schaute auf die Uhr; es war Uhr, gerade die zweite Megillazeit, wusch mich mit Schnee; da ritt eine Ordonnanz vorbei und erzählte mir, das; unsere tapferen Honveds einen Hügel genouunen haben, eine wichtige Position. Du siehst, mein Kind, daß inan mich hellte ein halber Prophet ioerden kanli, aber früher ein garlzer Narr. — Ich mache mir aber liichto darmiH, ioenn ich wegen des Tramnes von euch ansgelacht werde. hrroves. Bo» Dr. At a r c u s Landau, Wien, s herrscht seit einigen Jahrzehnten eine äußerst lebhafte Tätigkeit ans dem Gebiete der Religionswissenschaft und Religivnsgeschichte. Nicht bloß in umfangreichen Büchern, auch in vielen Monographien und Zeitschriften werden einzelne Teile aus denselben behandelt. Und nicht bloß die Fachmänner — Thevlogen und Historiker — auch popularisierende Dilettanten beschäftigen sich mit ihnen, mehr oder weniger 'Nützliches oder auch ganz Ueberflüssiges hervorzubringen. Davon entfällt der größte Teil auf die jüdische Religion, weil aus ihr die christliche entstanden ist, und auf ihre ersten jüdischen Gründer, während wieder das jüdische Volk — das sich mit und ans Grund seiner Religion trotz aller Verfolgungen und Bedrückungen durch Jahrtausende erhalten hat, während Diel größere Völker und Staaten untergegangen, ja manche säst spurlos verschwunden sind — dem Ungläubigen als Rätsel, dem Forscher als höchst interessantes, gründlicher und ehrlicher Arbeit würdiges Feld erscheint. Reil erschienene Schriften über die Zeit der Entstehung des Ehristentnms und das ihr vorangehende Jahrhundert, wenn sie nur etwas Neues in Forschung oder Erklärung auf diesem Gebiete enthalten, verdienen daher stets unsere Aufmerksamkeit, selbst ioenn man sich versucht fühlt, auf sie das bekannte böse Urteil Lessings anzuwenden. Daß Dr. Walter Ottos „Herodes, Beiträge zur Geschichte des letzten jüdischen Königshauses"') ein solches Urteil verdient, kann ich nicht sagen, aber man muß es bedauern, daß ein Thema, das für eine interessante Darstellung sehr geeignet ist, in so schleppender, weitschweifiger, unklarer Weise bearbeitet ist, daß es selbst dem Mitfvrscher, geschweige dem großen lesenden Publikum, eine ermüdende, mitunter kaum genießbare Lektüre bietet. Man soll eigentlich in einer Kritik von seinen eigenen Arbeiten nicht reden, aber ich kann doch die Bemerkung nicht unterdrücken, daß die kurze historische Einleitung, die ich meiner Abhandlung „Die Dramen von Herodes und Mariamue"") vor- ') Stuttgart, I. B. Metzlerjche Buchhandlung, Stuttgart J91,'i, 251 Seiten, 8°, mit zwei Tafeln und einem guten Register. ') In „Zeitschrijt snr vergleichende Literaturgeschichte" Bö. VIII, Weimar 1895. Ich habe darin ein Dutzend Dramen in verschiedenen Sprachen behandelt; seitdem sind mir noch die Titel von einem halben Dutzend anderer bekanntgeworde», zum Teil ans einer Doktordissertation von Walter Grack (Königsberg .1901), in der er selbst sagt, er hatte sie ohne meine Arbeit unmöglich machen können. Auch Grillparzer hat den Plan zu einem Drama „Die letzten Könige von Judäa" entworfen, in dem Herodes, Mariamne, Salome und Joangeschickt habe, dem Leser ein klareres Bild von den Vokg ä n g e n bietet als das umfangreiche Werk Ottos.' Der Hauptgrund seiner Mängel liegt meines Erachtens darin, daß er uns nicht die Resultate seiner Forschung, sondern diese selbst auftischt. Wir müssen ihn auf dem oft hölperigen, ermüdenden Wege begleiten, auf dem er zu ihnen gelangt ist; kein Zweifel bleibt unberührt, keine abweichende Meinung unwiderlegt oder »nbekämpft; selbst Verschiedenheiten von einigen Monaten i» der Datierung von Vorgängen finden sorgfältige Untersuchung. Der Autor führt zu seiner Entschuldigung an, daß sein Buch aus Artikeln zusammengesetzt ist, die er für Pauly-Wissowas „Realenzyklvpädie der klassischen Altertumswissenschaft" versaßt hat, „um sie den Kreisen der Theologen, denen unsere Realenzyklopädie als ständiges Arbeitshilfsmittel zumeist nicht zur Hand sein dürfte, leichter zugänglich zu machen". Allein er hat nicht einmal alle Herodianer aus der Enzyklopädie, selbst nicht den so interessanten Agrippa I., nicht die von Titus geliebte Berenike") in sein Buch ausgenommen, von anderen die armen Theologen interessierenden Personen zu schweigen. Ich fürchte, sie werden, selbst im Besitze von Ottos Buch, sich das teure Sammelwerk ansborgen oder kaufen müssen. Bei für ein solches Werk bestimmten Artikeln könnte man vielleicht die Darstellungsweise Ottos entschuldigen, aber selbst in dieser Beziehung muß ich mir noch erlauben, eine französische Anekdote zu zitieren: Meine sil etait Jacques il ne fallait pas frapper si fort. Und selbst armen Theologen soll man sich nicht im Neglige oder im Arbeitskittel zeigen. Aber Ottos Wert wimmelt von langatmigen Sätzen, Einschaltungen, Klammern und Anmerkungen, so daß man häufig am Ende eines solchen Satzes wieder zum Anjang zurückkehren und unter Weglassung der Einschaltungen lesen muß, um den Kern rein herauszubekommen. Sein Stil erinnert zuweilen an den der Literaturgeschichte des Bibliothekars und MuseumSdirektors Dr. Johann Georg Theodor Grüße, von dem, wie ein humoristischer Kritiker sagte, das Wort gräßlich abgeleitet sein soll. Nebenbei gesagt, dieser Herr scheint, nach seinem Werke zu urteilen, ein Judenfeind gewesen zu sein, was Professor Otto nicht ist. Doch kann man ihm auch keine besondere Sympathie für die Juden zuschreiben. Er hat freilich nur mit Juden von vor ungefähr zweitausend Jahren zu tun, aber manche andere christliche Autoren benutzen gern die Gelegenheit, wo sie von antiken Juden reden, um die modernen zu beleidigen und zu l verletzen. Doch kehren wir zu Herodes selbst zurück, wie er nach der Darstellung Ottos erscheint, der ihn wohl in etwas günstigerem Sinne als andere Historiker beurteilt, aber seine Fehler und Laster nicht zu verschleiern oder schönzufärben sucht. Er erscheint indessen darin kaum besser als in der Tradition, und schlimmer erscheint der größte Teil seiner Familie, mit Ausnahme der Hasmonäerin MariamneJ. Oder ist es vielleicht ihr tragisches Ende, das uns für sie günstiger stimmt? Auf Herodes selbst, seine Regierungsweise und die Beurteilung, die beide fanden, war seine Abstammung von großem Einfluß. Er erschien von vornherein als ein Fremder, als ein sephus (?) Vorkommen sollte». Eduard Stilgebauer hat (1895) einen historische» Roman „Herodes" geschrieben, und drei Jahrhunderte früher ist ein geistlich-allegorischer Roman „Palästina" eines katholischen Priesters, der in der Zeit von des Herodes Soh» Archelaus spielt, erschienen. Diese Familie bot stets ein interessantes Thema für Dichtung und Forschung. “) Siehe meinen Aufsatz „Königin Vereinte" in vorliegender Zeitschrift, 20. und 27. Juni 1890. ') Die Schilöernng des heiligen Johannes Ebrysostomus, der vier Jahrhunderte nach Herodias lebte, bezieht sich nicht, wie Otto (S. 206) meint, ans diese, sondern aus die Kaiserin Endoxia, die er auch Jsabal nannte.