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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-07-02 · Heft 27 (2.7.1915) · p. Seite 317

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 27 (2.7.1915)
Date
1915-07-02
Page
Seite 317 (sequence 5)
Language
German
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611 Moses Alexander ist in Obrigheim am 13. November 1853 eboren, kam 1891 nach Boise, der Hauptstadt des Staates ,daho im Nordwesten der Union, wurde zweimal, 1897 und .906, zum Bürgermeister der Stadt und im November origen Jahres zum Gouverneur des Staates erwählt. Er immt an dem jüdischen Gemeindeleben der Stadt regen An- :/\{ als Vorsteher der Gemeinde und als eifriges Mitglied des me-Brith-Ordens. * lieber „Palästina während desKrieges" verfsentlicht Viktor Weiß mann in „Ost und West" einen ausführlichen Artikel, dem ich folgendes entnehme: In den judäischen Kolonien mußte die allgemeine Krisis durch die umöglichkeit, die diesjährige Wein-, Mandel- und Orangenernte zu t portieren, hart fühlbar werden. Auch die Requisitionen haben nickend auf die Kolonisten gewirkt. Erst mit der Besserung der alli ne inen politischen Lage, nachdem man den Feldwächtern der öüischen Kolonien wieder gestattete, Waffen zu halten, und nachdem och die Requisitionen ein Ende nahmen, änderten sich die Verhält-;fje. Allerdings ist die Lage noch immer kritisch. Die Orangenernte wß jetzt als beinahe völlig verloren angesehen werden. Die Orangen rfaulen entweder auf den Bäumen oder werden zu einem Preise, der tun die Spesen für das Pflücken deckt — 100 Stück für 20 Een- -ues —, an Ort und Stelle verkauft. Die diesjährigen Wein- und andelertüge konnten nur zum geringsten Teil exportiert werden. In len Kolonien macht sich ein großer Geldmangel bemerkbar und für e Erhaltung der jüdischen Pflanzungsbojaren, die im Umfange von :rt'u 10 000 Dunam und int Werte von mehr als 15 Millionen Franken :n Stolz und den größten Reichtum der judäischen Kolonien darellen, bleibt nur die Hoffnung, daß das geforderte Darlehen von ii'OOO Franken durch die Bemühungen der amerikanischen Zionisten isgebracht wirb. In den galiläischen Kolonien, wo die Wirtschaften größtenteils auf nt reinen Ackerbau ausgebaut und wo auch die landwirtschaftheil Rebenzweige (Gemüse-, Milchwirtschaft, Geflügelzucht) mehr 'X't weniger entwickelt sind und die Kolonisten ihre Bedürfnisse aus r eigenen Wirtschaft decken können, war die Krisis nicht so stark fühlte wie in Judäa. Für viele judäische Kolonisten war dieses Beispiel -e Lehre und ntan kann in den großen judäischen Kolonien konsta- - ren, daß ein Teil der Kolonisten heute schon von der reinen Pflan- , ugswirtschaft zur gemischten Wirtschaft mit Gemüsebau usw. überht. Als wirtschaftlicher Faktor haben die zionistischen Farmen eine 'ändere Rolle gleich von Anfang der Krisis an gespielt. Die sehr beutenden Weizenvorrüte der galiläischen Wirtschasten haben dazu geait, monatelang einen großen Teil der städtischen und ländlichen vvlkerung zu verproviantieren. Der amerikanische Hilfsfonds hat Jaffa und Haifa bis heute seinen ganzen Bedarf an Weizen für Läden und die Gratisverteilung von Brot durch die Vorräte in i; Farmen befriedigen können. Auch in der Frage der jüdischen Arier haben die zionistischen Farmen eine vorbildliche Rolle gespielt.! Anfang des Krieges gaben sie die Parole aus, daß kein jüdischer beiter während der Krisis aus ihren Betrieben entlassen werden le und daß die ^überflüssigen Arbeiter durch Notstandsarbeiten beuftigt werden müssen. Die Farmen leiden nur wenig unter der hsis. Milch, Gemüse und Weizen ist reichlich auf allen Betrieben chanden und die Arbeit geht bei wesentlich eingeschränkten Budgets reu Gang. Fast überall konnte das vor dem Kriege aufgestellte Wirtajtsprogramm durchgeführt werden. Die Lage der jüdischen Ar- '1er in den Kolonien ist zurzeit leidlich gut. Mit Hilfe der nmerikasihen Hilfsgelder und der lokalen Komitees der einzelnen Kolonien unten bisher überall die bestehenden Arbeiterküchen gestützt und, uw Aloen di g, neue eingerichtet werden. Infolge der türkischen Mobiluhtmg mangelte es eine Zeitlang an arabischen Arbeitskräften in den oßen jüdischen Kolonien und viele Kolonisten sahen sich veranlaßt, rhr Juden in ihren Betrieb aufzunehmen. In der letzten Zeit hat sich leider die wirtschaftliche Situation danach kompliziert, daß ganz Palästina, von Gaza bis Liberias, von llgeheuren Heuschreckenschwürmen heimgesucht worden istdie die ulze bisherige Ernte zu zerstören drohen. Bisher ist der von den schrecken verursachte Schaden zwar gering und die Negierung und -e jüdischen Kolonien haben sehr energische Schritte zu ihrer Bekämpfung unternommen. Der Leiter der Jüdischen Landwirtschaftlichen Versuchsstation ist von Djemal Pascha offiziell beauftragt worden, die Bekämpfung der Heuschrecken in ganz Syrien und Palästina in die Hand zu nehmen und zu organisieren. Es ist aber schwer vorauszusagen, ob es gelingen wird, die jungen, flügellosen Heuschrecken erfolgreich zu bekämpfen. Infolge des Auftretens der Heuschrecken sind die Weizenpreise nt die Höhe gegangen. Während bisher Weizen 25 bis 28 Franken pro 100 kg kostete, zahlte man Anfang April in Jaffa 35 Franken und mehr für 100 kg. Auch die vorhandenen Vorräte anderer Lebensmittel, die für die Volksernährung unbedingt erforderlich sind, sind so stark zur Neige gegangen, daß die jüdische Bevölkerung mit Sehnsucht aus das Lebensmittelschisf wartete, das die amerikanischen Juden ausgerüstet haben. Wenn die Anlage für die Orangenplantagen zustande kömmt, wenn es gelingt, Petroleum ins Land zu bringen, um während der heißen Jahreszeit die Bewässerung der Plantagen durchzuführen, und wenn es gelingt, die Heuschreckengefahr abzuwenden, dann kann eine dauernde und nicht wieder gutzumachende Schädigung der jüdischen Arbeit in Palästina vermieden werden. Dann aber muß auch die in den verschiedenen Ländern Europas und Amerikas angeregte Hilfsaktion für Palästina mit aller Energie durchgeführt werdet!, um dem palästinensischen Judentum auch über diese Zeit der schlveren Krisis hinwegzuhelfen. Zum Schluß sei noch erwähnt, daß sich auch das jüdische Schulwesen bisher ohne wesentliche Aenderungen erhalten hat. Zu Anfang der Krisis wurden die Schulen der Alliance Israelite und auch, wie schon oben erwähnt, die hebräische Mädchenschule in Jaffa geschlossen. Die Allianceschulen werden auf Intervention des Ehachambaschi in Konstantinopel wieder eröffnet, und auch die Wiedereröffnung der Mädchenschule in Jaffa konnte am 22. April vonstatten gehen. * Am 3. Juli wird man in Deutschland die Erinnerung an die vor 200 Jahren erfolgte Geburt des deutschen Dichters Ehrt st. Fürchtegott Geliert begehen. Wir feiern mit unseren deutschen Landsleuten gern alle Feste mit und gedenken gern des schlichten Weltweisen, des frommen Dichters geistlicher, innig empfundener und warm ausgedrückter Lieder, sowie der anmutigen, lehrreichen und heiteren Fabeln und Erzählungen. Wir erheben uns an diesem schlichten und wackeren Mann, der bei körperlicher Schwäche und Hinfälligkeit zeitlebens Gemütsstärke und sittliche Kraft bewies. Wir haben aber noch besonderen Anlaß, dieses trefflichen Mannes zu gedenken. War er doch der erste deutsche Dichter, der, noch vor Lessing, in seinem Roman „Die schwedische Gräfin" einen wackeren Juden schilderte, der, ohne seinen Vorteil zu bedenken, andere aus schweren Gefahren rettet und mit kühnem Mute für Menschlichkeit eintritt. Es sei dem human gesinnten Manne gedankt, daß er bei dieser Gelegenheit die unmenschliche Behandlung beklagt, unter der die Juden leiden und seine Zeitgenossen zu würdigerem Benehmen gegen die Unterdrückten ermahnt. Die ft. u. ft. Urarlitilche Militärlrellorgk der ölterreichilch-unsankchm Monarchie im Kriege. mit Genugtuung wird die Fürsorge der Militärverwaltung für die religiösen Bedürfnisse der Soldaten aller Konfessionen und Riten allseits gewürdigt und lobend anerlanut. Einträchtig wirkt an der Front der Feldkurat neben dem Rabbiner, der Imam neben dem Vikar. Ergreifende Szenen wahrhafter Menschlichkeit, von denen wir hören und lesen, werden als dauernde Dokumente höchster Gesittung, als leuchtende Beispiele gegenseitiger Achtung der verschiedenen Bekenntnisse in der Geschichte fortleben. Der Feldkurat, der seinen Soldaten mit dem Kruzifix in der Hand zum Sturm vorangeht und den: gefallenen jüdischen Offizier in der Stunde des Todes auf dem Schlachtfelde den letzten Liebesdienst erweist, der Feldrabbiner,

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