Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 26 (25.6.1915)
- Date
- 1915-06-25
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3229177-3229204--71426-3283765- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
2 Die Versammlung sprach den Wunsch und die Hoffnung ans, daß es' nach diesem Weltkriege, inwelchem die Juden aller Länder deuopsermntigsten Patriotismus für ihre Heimatländer an der: Tag' legen, teilten einzigen Staat mehr geben werde, in welchem die Juden nicht die gleichen Rechte wie ihre anderen Mitbürger besitzen würden. Dieser Beschluß richtet sich klar und deutlich gegen Rußland und seine judenfeindliche Pogrompolitik. Es ist undenkbar, daß dieselben Männer, welche unlängst sich auf den Boden dieser Resolution gestellt hatten, heute zu Anhängern des Ministeriums Salandra geworden sein sollten, das die Waffenmacht Italiens in den Dienst des judenfeindlichen Rußlands gegen die judenfreundlichen Zentralmächte stellt. Das Wesen des Judentums steht ja auch in unlösbarem Widerspruch zu dem Prinzip des „saero egoisnio", des „heiligen Egoismus", das der treulose Salandra auf seine Jahnen geschrieben hat. v-.&v- Berlin, 22. Juni. Das Eiserne Kreuz zweiter Klasse erhielten: Kriegsfreiwilliger Gefreiter Walter G l ü ck st e i n, Truppenarzt Alfred C o h n, Unteroffizier Referendar Martin Rosenthal, Vizefeldwebel Richard Adler, Oberlehrer Tr. Julian Hirsch, Unteroffizier Ruthe, Sohn des Herrn Oskar Rathe. Unteroffizier Georg W e d e l l, Feldunterarzt Fritz R i e s e n - f e l d, Veterinär Dr. B a ch, Kriegsfreiwilliger Fritz H a u s e r, Assistenzarzt Tr. Ernst Al a r c u s e- Groß-Berlin. Tie gleiche Auszeichnung erhielten: Kanonier Felix R o s ch i n - Posen, Bataillonsarzt Dr. Karl E z w i k l i tz e r - Ratibor, Paul G o lisch a l k - Schlawe i. P., Offizierstellvertreter Arthur R o s e u - t b a l - Bremen, Sanitätsunterossizier cand. med. Alfred Ieli - n e w s k i - Hamburg, Offizierstellvertreter Robert M a z u r - Cöthen, Musketier Rudolf K o r n - Magdeburg, Assistenzarzt Tr. L angst a d t - Bochum, Unteroffizier Hermann L e v i - Lippstadt, Unterarzt Fritz Herlitz- Kattowitz, Oberapotheker Willy Rosent h n l - Breslau, Günther G r a e tz e r - Langenau, Bizeseldwebel Eugen Schmelzer, Sohn des Herrn Jakob Schmelzer-Kreuznach, Kriegsfreiwilliger Georg R a d t- Koschmin, unter Beförderung zum Unteroffizier, Bataillonsarzt Dr. Richard Asch, 9. Armee, Brigade Hoffmann, Sohn des Großkausmanns Julius Asch, Kriegsfreiwilliger stnd. jur. Walter Viktor-Posen. Stabsarzt Dr. Julius Jolavicz, Sohn des verstorbenen Buchhändlers Jolavicz zu Posen, ist vom Großherzog von Oldenburg das Friedrich-Augull- Kreuz zrveiter Klasse verliehen worden. Offizierstellvertreter Wilhelm Frankl-Frankfurt a. Al. erhielt das Eiserne Kreuz erster Klasse. K. H. Z. Eydtkuhrrerr, 18. Juni. Aus den hiesigen drei evangelischen und dem jüdischen Friedhof und auch an verschiedenen anderen Stellen in unserer Gemeinde befinden sich viele Gräber, in denen die Helden ruhen, die in den Kämpfen in und um Ehdtkuhnen den Tod für das Vaterland gestorben sind. Auf dem j ü d i s chen Friedhof, dessen Umfassungsmauern stark zerstört 1»nb dessen Grabstätten teilweise sehr beschädigt sind, befinden sich vier Einzelgräber, in denen deutsche Helden ruhen, und ein russisches Grab. Auch auf dem Hose der Speditionsfirma Kniep u. Werner in der Ehausseestraße ist ein russisches Massengrab mit einem griechischen Kreuz vorhanden, auf dem vermerkt ist, daß daselbst ein Feldwebel und brei andere russische Soldaten liegen. Ferner sieht man auch auf dem Hofe des Nebenzollamts, am Bahnhof, in der Nähe des Gemeindeparks und auf dein Achenbachschen Vorwerk einige Nussengräber. Die Gräber sollen alle seitens der Gemeinde instand gefetzt, auch weiter gepflegt werden. 2XD Breslau, 18. Juni. Am 10. d. Al. hielt die Ortsgruppe Breslau des jüdischen F r a u e n b u n d e s ihre Hauptversammlung ab. Die Vorsitzende Frau P r o s e s s o r D r. G u t t m a n n erstattete den Jahresbericht:;]\\ Anfang des verflossenen Vereinsjahres, wurde ersprießliche Friedensarbeit geleistet. Unmittelbar nach der Mobilmachung setzte eine lebhafte Tätigkeit in der Kriegs- N'rsorge ein, die bis zur Stunde andauert. Die Vorsitzende dankte zunächst dem Vorstande und den Repräsentanten der Shnagogengemeinde wie den verschiedenen Vereinen und Verbänden, die der Ortsgruppe tatkräftige Unterstützung und werktätige Hilfe angedeihen ließen. Im Zusammenwirken mit dem Vaterländischen Frauenverein und dem Nationalen Frauendienst konnte auch nichtjüdischen Armen Hilfe zuteil werden. Im Anschluß an den ersteren eröffnete die Ortsgruppe in von Frau Rosa Pfeffer unentgeltlich zur Verfügung gestellten Räumen eine Nähstube, in der mehr als 600 Frauen iur Anfertigen von Hemden unterwiesen wurden und Zahlreiche Arbeiterinnen ohne Unterschied des Glaubens lohnende Beschäftigung fanden. Durchschnittlich wurden monatlich 800 bis 900 Mark cm Löhnen gezahlt, im Februar sogar 1850 Mark. v\ii der Strickstube, die Ende August in der Lesfingloge errichtet wurde und bis Anfang Juni 1915 bestand, fanden diejenigen Frauen Arbeit, die nur eine leichte Tätigkeit ausüben konnten. Daneben haben die bestehenden Gruppen unermüdlich ihre Arbeit fortgesetzt. Tie Beratungsstelle, deren Aufgaben, bedürftigen Familien und einzel,ien Frauen mit Rat und Tat beizustehen, naturgemäß wuchsen, nninn auch die Mündelfürsorge auf; 40 Kinder stehen bereits unter Anstich von Helferinnen. Der Lehrerinnenabteilung gelang es ungeachtet der ungünstigen Zeitverhältnisse in 14 Fällen ihren Mitgliedern Stillen und Stunden zu verschaffen. Die Bemühungen, jüdische Lehrerinnen als Ersatz infolge der zahlreichen Einberufungen vertretungsweise an. gestellt zu sehen, wurden von Erfolg gekrönt, indem in hiesigen städtischen Schulen vier jüdische Lehrerinnen unterrichten, andere auch in Privatschulen hier und auswärts. Tie Jugendgruppe ziliü 72 Mitglieder, von denen viele in der Kriegsfürsorge sich betätigen. Der ihr eng verbundene Mädchenklub hat sich in erfreulicher Wem entwickelt und zählt 71 Mitglieder. Der Mädchenklub ist am 1. Arril in ein neues größeres Heim mit Garten übergesiedelt und bietet >en jungen Mädchen allabendlich neben den verschiedensten Unterrici m kursen geselliges Zusammensein; im Winter wurden jeden zwel'en Sonntag musikalische oder wissenschaftlich belehrende Vorträge, im Sommer Ausflüge veranstaltet. Die Mädchen sandten ebenfalls . nc große Anzahl von Liebesgaben ins Feld nach dem Beispiel und Verbild der Mitglieder der Jugendgruppe; Chanuka und Purim wurden festlich begangen. Die erheblichen Kosten werden durch Mitglieder betrage wie freundliche Zuwendungen gedeckt. Für die Hilfsaktion 'er notleidenden Juden im Osten wurden 150 Mark bewilligt und : ne Sammlung von Wäsche und Kleidungsstücken veranstaltet, die ge: m nete Verwendung fanden.- Frau Hedwig Eng e-l erstattete denKamm bericht, der sich in Einnahmen und Ausgaben mit 8275,79 Mark emgleicht; das Vermögen beträgt 2000 Mark, von denen 1000 Man in Kriegsanleihe angelegt sind. Dem Bericht des Fräulein Sei am Wilube über den Stand des Stipendienfonds folgte die Wiederum des Gesamtvorstandes durch Zuruf. Hierauf hielt Frau Margarete V i a l einen Bortrag über die „Kriegswaisenfürsorge"; der Borst nk der hiesigen Ortsgruppe hat bei dem Hauptvorstand den Antrag gestellt, in Breslau eine Zentrale zur Unterbringung von KrimK waisen zu errichten. Der lebhafte Beifall, den die Ausführung fanden, und die sich diesen anschließende Aussprache lassen zuversickitlich hoffen, daß das neue Arbeitsgebiet des jüdischen Frauenbundes sich zum Segen der Kriegswaifen gestalten werde. J. A. Nürnberg, 18. Juni. Das Eiserne Kreuz erhielten: Dr. H. L i e b st ä d t e r , prakt. Arzt aus Nürnberg. Stabsarzt im bayerischen Landsturmbatai.llon Nr. 2, Regensbn g. Fabrikbesitzer Max Levy aus Nürnberg, Mitglied des bayerist eii freiwilligen Kraftfahrerkorps. — Die Preußische Nom- K r c uz - M e d a i l l e III. K lass e erhielt für besondere S erdien sie in der freiwilligen Krankenpflege der Rendant des Demi rlazarettzuges W 8, Rechtspraktikant Dr. Willy Hahn, Sohn nst Justizrats Heinrich Hahn. — Das bayerische Militirv e r d v c n st k r e u z III. Klasse erhielt Michael W a n g c * heim, Sohn des Kaufmanns Hermann Wangersheim, Kanon in im 6. bayerischen Feldartillerieregiment. — Das Eise r n e K r e li z erhielt Assistenzarzt d. Res. Dr. Paul Sack, Bamberg. Neustadt a. Haardt, 18. Juni. Der i s r a e l i t i' di c K r e i s a s y l v e r e i n für die Pfalz hielt im hiesigen Alte - heim die diesjährige Mitgliederversammlung ab, die von dem Versitzenden Dr. Reis, Speyer, eröffnet wurde. Aus dem Verwaltung^ bericht geht hervor, daß das Heim mit Inneneinrichtung rnwü 200 000 Mark koste und mit einer Hypothek von 80 000 Mark bei dm Versicherungsanstalt Speyer belastet ist, der aber ein ebenso honm Vermögen in Wertpapieren gegenübersteht. Man sei also ganz mn die Beiträge angewiesen. Bis heute wurden 18 Personen im Heim verpflegt, von denen vier starben und vier ausschieden. Tie Kosten für jeden Pflegling stellen sich auf 1100 Mark jährlich. Der Vorsitzende dankt dann der Schwesteroberin für ihre rege Tätiaicit sowie dem Hausarzte Dr. Stark und gedenkt der Verdienste des Hausvaters E. B e h r. Der von Schatzmeister Waldbott, Speyer, erstattete Kassenbericht schließt in Einnahmen und Ausgaben nüt