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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-06-25 · Heft 26 (25.6.1915) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 26 (25.6.1915)
Date
1915-06-25
Page
– (sequence 13)
Language
German
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79. Jahrgang Nr. 26 Berlin, 25. Juni 1915 Der Gemeindebote. Vellage zur „Allgemeinen Leitung deß Judentums". korrelpondrn?en und Aachrichtm. Deutschland. Berlin, 22. Juni. Am 20. d. Ai. nachmittags ist der Gel'.,'?mc Baurat Dr.-Jng. und Dr. Phil. Emil Rat h e n a u , General- M' oftor der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft und der Berliner b.ttrizitütswerke, nach kurzem Leiden im Alter von 76 Jahren gefrrrbcn. Emil Rathenau, der gewissermaßen die deutsche Elektrizitätsi.wustrie geschaffen und sie zugleich Zur größten der Welt gemacht,!' nterlaßt als sein Lebenswerk ein Unternehmen, das als Gesamtkonzern dweitaus größte in ganz Deutschland ist; ein Reich, das selbst dasjimige Krupps oder Ballin s überragt. Es umfaßt nicht etwa nur die A. E. G., die untrennbar mit Rathenaus Na inen tierknüpst ist, u bern Dutzende von Tochtergesellschaften, darunter solche von der Bed!tung der B. E. W., und wenn die deutsche Elektrizitätsindustrie sich ei.-.en „Platz an der Sonne" in der ganzen Welt erobert hat, so ist das in erster Reihe Emil Rathenaus Werk. Dieser unermüdliche Mann, ein würdiger Sohn seines Stammes, der zu Beginn seines Schaffens viel i Schwierigkeiten und mangelndem Verständnis zu kämpfen hatte, in dem erhebenden Bewußtsein gestorben, sein großes Lebensziel ivU erreicht zu haben. Emil Rathenau ist tot aber sein Werk lebt; so wuß und stark wie nur jemals steht es da, und wenn ganz. Deutschland!ic?tc mit Stolz und Befriedigung von unserem gewaltigen Nationalrwchtum spricht, so hat Emil Rathenau zu dessen Mehrung so viel bei- . ragen wie kaum ein anderer. Anläßlich des Ablebens des Generald.rktors der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft, Geheimrat Emil "''.athenau, hat Oberbürgermeister Wermuth der Gattin des Verirbenen, Frau Eeheimrat Dr. Rathenau, brieflich in warmen Worten '- ui Beileid ausgedrückt. Aus den zahlreich eingelaufenen Kondolenzd, urschen ist noch das Telegramm des Staatsministers v. Loebell herlun'zuheben. Namhafte Persönlichkeiten aus dem Staats- und Wirt- ' ntsleben sowie Abordnungen der Beamten und Angestellten der ’ E. G. haben herrliche Kranz- und Blumenspenden dem Toten als uu'n Gruß gewidmet. Die Trauerfeier, an die sich die Beisetzung nni! ttelbar anschließt, findet am Mittwoch, den 23. d. M., im Kabelwerk D mchöueweide statt. Neben der Gattin betrauern ein Sohn, Dr. ilte r R a t h e n a u, und eine verheiratete Tochter den Tahinl? lhiedenen, nachdem ihm bereits vor zwölf Jahren sein Sohn Erich, k Direktor des Kabelwerkes Oberspree, im Tode vorausgegangen u .v. Dr. Walter Rathenau war früher Geschäftsinhaber der Beror Haudelsgefellschast. Seine vielseitige Begabung hat er in volks- > Jschaftlichen und kultnrkritischen Schriften erwiesen. 22 Berlin, 22. Juni. Das Stipendium der von dem zu Berlin l storbenen Geheimen Medizinalrat Professor Dr. Joseph Meyer! unnentarisch begründeten I u l i u s - A d e l h e i d - S t i f t u n g ' i' Betrage von 240 Mark soll, wie bereits vor kurzem > tgeteilt, für das Kalenderjahr 1916 an einen taleut- Uen, würdigen und bedürftigen Studierenden des Baufaches jüdischen l' uubens vergeben werden. Geeignete Bewerber lverden aufgefordert, il'ue Gesuche, unter Beisügrmg eines kurzen Lebenslaufes, einer Ur-!: nde, daß Bewerber jüdischen Glaubens ist, eines amtlichen Bedurstigl sattestes, eines Zeugnisses über Führung, Fleiß und Fortschritte von t'.r Technischen Hochschule, bis zum 15. Juli d. I. an das Kural^imn genannter Stiftung, zu Händen des Prof. Dr. Kali scher, - rlin W 15, Konstanzer Straße 1, einzureichen. Berlin, 22. Juni. Der Flügeladjutant des türkischen -liltans, Prinz F u a d, begab sich vor kurzem in Begleitung einiger i' rkischer Herren nach Berlin, um dann ins Hauptquartier zu gehen. '°'>f seiner Durchreise hielt er sich in Budapest aus, wo ein Mitbeiter des „Egyenlöseg" Gelegenheit hatte, mit diesem hohen - unktionär des türkischen Reiches über türkische Angelegenheiten 'l! sprechen. Jur Verlaufe der Unterredung machte Prinz Fuad auch Äußerungen über Palästina, welche für die Juden von historischer '-ldentung sind. „Die Türkei" — sagte der Prinz — „anerkennt es Ämkbar, welchen Dienst die Inden ihr geleistet haben. Jetzt, da das ^umbardement der Dardanellen versrrcht wird und die Türkei mit ^'r äußersten Kraftanstrengung für ihre Jntereffen kämpft, haben die Inden wieder bewiesen, welcher Kraftleistungen sie fähig sind. Sie zogen mit der größten Begeisterung in den Krieg und gehören zu unseren tapfersten Soldaten. Die vielgenannte jüdische Legion arbeitet jetzt an der Dardanellenfront, und ich kann sagen, daß altes von ihrer Arbeit und ihren Leistungen entzückt ist. Ihr Kommandant Said Halim Bei, ein türkischer Jude, hat den Hanptmanusrang und erhielt gerade vor wenigen Tagen eine Auszeichnung. In den übrigen Heereskörpern sind die Juden natürlich wahllos verteilt, und auch diese erfüllen freudig ihre Pflicht auf dem Kriegsschauplätze. In unserem Heere ist auch nicht die Spur des Antisemitismus zu finden. Die Juden sind die wahren Kameraden des türkischen Soldaten, und deshalb macht auch die .Heeresleitung keinen Unterschieb mit den jüdischen Helden, die ebenso emporsteigen wie die Soldaten irgendeiner anderen Konfession oder Nationalität. Wir besitzen auch schon einige jüdische Stabsoffiziere. Diejenigen Juden, welche nicht Soldaten sind, sind gleichfalls mit der größten Aufopferung eifrig tätig, um sich auf dem Gebiete der Wohltätigkeit und anderen Gebieten auszuzeichnen. Seine Majestät der Sultan war von diesem edlen Streben so sehr gerührt, daß er eine vom Ehacham Baschi geführte Abordnung der Juden empfing und ihnen im Namen der türkischen Nation den Dank aussprach. Die Festlichkeiten, welche damals stattfanden, haben auf uns alle den größten und tiefsten Eindruck gemacht. Die jüdischen Bestrebungen kenne ich zur Genüge, wie sie überhaupt jeder in der Türkei genau kennt. Niemand Zweifelt an dem Patriotismus der türkischen Juden, und nur prüfen ihre Bestrebungen auch von diesem Gesichtspunkte aus. Ich muß gestehen, daß bezüglich Palästinas zu einer Zeit kein voller Einklang bestanden hat, und die Tendenz unserer Negierung konnte wegen der kontroversen Haltung gewisser arabischer Stämme keine feste sein. Jetzt liegt dem Ministerium des Innern hinsichtlich Palästinas ein Memorandum vor, das ihm von gewissen jüdischen Kreisen unterbreitet wurde. Auch ich erhielt ein Exemplar dieses Memorandums zum Studium Angewiesen. Es wäre gegenivärtig noch verfrüht, sich hierüber in längere Auseinandersetzungen einznlassen, denn eine Entscheidung ist ja bis jetzt noch nach keiner Richtung hin gefallen. Wir werden zweifellos Wohlwollen bekunden, und das kann die jüdische öffentliche Meinung beruhigen. Die türkische Regierung betrachtet die unerhörten Leiden der russischen Juden mit demselben Entsetzen wie etwa Oesterreich-Ungarn. Und die Türkei, welche zu allen Zeiten die klassische Heimat des verständnisvollen Liberalismus war, wird auch jetzt gern ihre Hand dazu bieten, um den unter dem entsetzlichen russischen Barbarisinns seufzenden Unterdrückten zu helfen. Die Modalitäten hierfür können abweichend sein, daß aber über das Endziel jedermann im klaren ist, ist selbstverständlich. Auch ich habe von der Not in Palästina gehört. Ich bin wohl in der letzten Zeit nicht dort gewesen, aber ich kenne die Verhältnisse und weiß, daß die größte Opferwilligkeit not tut und am Platze ist. Auch unsere Negierung wird diese Angelegenheit in die Hand nehmen und, so weit es ihr möglich ist, Berfügungen treffen. Ich bin der Ansicht, daß mit energischem Vorgehen geholfen werden kann, und das ist jetzt unser Hauptbestreben. Die Hilfsaktion der allsländischen Juden wird von verschiedenen Komitees gut und mit Energie geleitet. Die Juden in der Türkei können mit Vertrauen in ihre Zukunft blicken. Ihr Vertrauen, ihre Ausdauer und ihr Heldenmut werden gute Früchte tragen." Berlin, 22. Juni. Man schreibt uns: Daß ein großer Teil des italienischen Volkes die Kriegserklärung Italiens an die früheren Verbündeten in tiefster Seele mißbilligt, das unterliegt heute keinem Zweifel. Zu diesem Teil des italienischen Volkes gehören unzweifelhaft die italienischen Juden. Ein Vorgang schon beweist das klar: In Mailand fand vor Ausbruch des Krieges eine große jüdische Versammlung statt, an welcher zahlreiche hervorragende Persönlichkeiten der italienischen Judenschaft, unter ihnen der frühere Minister Luzzatti, teilnahmen und Reden hielten. Die Versammlung faßte eine Resolution, wonach die Juden Italiens sich den Aktionen der großen jüdischen Körperschaften der übrigen Länder zur Erlangung der Gleichberechtigung für die Juden einzelner Länder, in denen Ihnen die Gleichberechtigung bisher versagt blieb, anschließeu.

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