Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 25 (18.6.1915)
- Date
- 1915-06-18
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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I; rund) ein schneider bekommen, dns andre das Judenbad, das dritte n ums eck hiuum bis in die Judengasse geht itnb ein Weber gehabt, r, irb der Jndensck)ul- und tnetzig gewesen sein; das vierte so ein kübler l wohnt, der Bruni H-ans genannt worden, und das fünfte mm zui .den ein uhrenmacher belvohnt und hart neben meinem Haus liegt, i: welches die vier alle hinten herstoßeu. Im Haus, Zum Judenr V genannt, hat es im boden ein gewölb darin gang und steinern ' eg mit geländer von ausgehauenen steinen sehr altfränkisck) und e innen nock) ein viereckiger kästen oder lock) so das bad wird ge- ,! sen sein, kann man uf 3 seiten herumgehen, war mit kitt beschitt; , , aber mit Platten belegen und and) die fenster so es uf die gaß r gabt, aber vor altem verbauen worden, wiederum öffnen lassen, und sist im Haus gebauen und Veränderungen vorgenommen wie es der genschein jetzt mit sid) bringt, aber beim Reinhard Müller uf das r oölb ein brennbitt gesetzt, an dem bad ein schöpfbrunnen gemacht r rden. Solck)es hauswerk sid) noch allerhand thüren gesunden, ich . ch endlick) zu dem meinigen gezogen und ins schaffueh geordnet Gestrrrrich-Anggm. — Wien, 11. Juni. Der akademische Maler David Kohn! rrbe am 31. vorigen Monats in Schönbrunn vom Kaiser empfangen. -i dieser Gelegenheit konnte der Künstler im Laufe einer halben unde feine beiden für die Kriegsfürsorge bestimnttem Porträtskizzeu? - Kaisers nach der Natur vollenden. Der Kaiser empfing den Maler Antoinette-Zimmer. Ter Künstler zeigte beni Monarchen seine i tc Arbeiten, ein nach der Natur in Farben ausgesührtes Bild des i ^Herzogs Rainer, dann die Gemälde des Grasen Hans Wilczek und f > verblichenen Unterrichtsministers Tr. v. Härtel, die beide in Rötel : ^geführt sind. Der Monarck) fand die Bilder sehr gut getroffen itnb ' : dann drei der charakteristischen Bilder Kohns, einen polnischen lächter, einen galizischen und einen ungarischen Juden, mit großem teresse au. Auch diese drei Gemälde fanden das Lob des Monarchen, r Kaiser saß dann dem Künstler durch eine halbe Stunde für die ' Blendung beider Skizzen und zog Maler Kohn während der Sitzung; Verholt ins Gespräch. Ter Kaiser gestattete and), daß die beiden - der die kaiserliche Namensfertigung tragen. In huldvollster Weise < rde Maler Kohn vom Kaiser entlassen. x. Wien, 11. Juni. And) in der Zeit des Weltkrieges ist der l rentag der F r a u K a r o l i n e v. G o m p e r tz - B e t t e l h e i m i )t unbeack)tet geblieben. Ter 70. Geburtstag dieser Persönlichkeit, durch ihre selten hohen geistigen und seelischen Vorzüge die alls nciuste Liebe nnb Verehrung genießt, gab ihren zahlreichen Freun- ' : in Wien und Brünn die hochwillkommene Gelegenheit, der großen en Frau ehrend zu gedenken. Die Jubilarin, eine der Höchisk- > orenen im Reick)e der Kunst, hat vor einem halben Jahrhundert ' dt nur in ihrem Vaterlande Oesterreich, sondern weit über dessen j atzen hinaus die allgemeinste Aufmerksamkeit der musikalisd)en - lt als Pianistin und Gesangskünstlerin erregt, und insbesondere hat I gesamte Judenheit mit Stolz auf sie geblickt. Geboren am 1. Juni! 1 zu Pest, bekundete sie sck)on frühzeitig eine imgewöhnlick) hohe i sikalische Begabung. Karl Goldmark in Wien, wohin die Familie i rgesiedelt war, bildete die begeisterte Kunstjüngerin zu einer tresfl oit Pianistin heran, während der Gesangsmeister Lauser ihre herr- >?e Altstimme sorgfältig pflegte. Nod) in kindlid)em Alter errang sie > einem Konzert ihren ersten künstlerischen Ruhm als Pianistin, und! m fünfzehnjährig ersck)ieu sie auf der Bühne der k. u. k. Hofoper. > re wunderbare Stimme, ihr bedeutendes Tarstellungstalent, ihr rastl u- Fleiß, ihre Vielseitigkeit, ihr reiches Wissen und ihr tiefes Gen t ließen sie stets vorzügliche Leistungen darbieten und schufen ihr l den Jahren 1860—1867 eine hochgefeierte Stellung.an der Wiener ' 'er. Ihre Selika in der „^lfrikanerin", ihre Fides im „Prophet", n e Ajucena im „Tronbadour" leben nod) unvergessen in aller Zeit-! rossen Erinnerung fort. Aber aud) als vorzüglid)e Lieder- und Orau iensängerin errang sie reickje Erfolge, nick)t nur in Wien, sondern a h in Deutsd)land und England. Ein Liebling der Wiener, insbeh tdere der geistvollen Erzherzogin Sophie, der Mutter Kaiser Franz > 'efs I., wurde sie oft zu Hoskouzerten befohlen, und der Kaiser verl d ihr bald die hohe Auszeichnung der Ernennung zur k. u. k. Kamu rsängerin. Konzertreisen und Gastspiele führten sie nach deutsck)en > o österreichisd)en Musikstadten; ihre Mitwirkung verlieh den Musik- '■^n in Aachen und Hamburg erhöhten Glanz, und an der großen italieni- Mm Oper in London rief sie mehrfad) begeisterten Enthusiasmus hervor. Ihr Ruf und Ruhm als außerordentliche Sängerin stand fest, als 1867 ihre Vermählung mit dem Präsidenten der Brümrer Handelskammer und Reid)sratsabgeordneten Julius Gompertz, dem später für seine großen.Verdienste um den Handelsstand der Adel verliehen wurde, nur allzufrüh ihre künstlerische Wirksamkeit beendete. Ihr Haus in Brünn wurde ein geistiger Mittelpunkt, eine Stätte edelster Geselligkeit. Ihre Kunst wurde der Schmuck ihres Hauses und stand fortan nur noch im Dienste der Wohltätigkeit in Brünn und Wien. Fürsorglich, treu und allsopfernd für ihren engeren und uh'item: Familien- und Freundeskreis, hat sie ihre bevorzugte Lebensstellung jederzeit zum Wohle und zum Segen der Gesamtheit geltend gemacht. Ihr liederreid)er Mund ist seit dem vor wenigen Jahren erfolgten Heimgang ihres Gatten verstummt, aber an allen Ereignissen des Lebens nimmt sie unentwegt den lebhaftesten Anteil. Oglästina. Z. C. Jaffa, im Mai. Das amerikanische Lebensmittelschiff „Vulkan" ist Ende April in Jaffa angekommen, hat aber seine Ladung erst einige Tage später löschen kömlen, da zuvor einige Mißverständnisse gelöst werden mußten. Es war von vornherein Absid)t des amerikanisd)-jüdisd)en Hilfskomitees gewesen, einen Teil der Ladung mtd) den nichtjüdischen Notleidenden Palästillas zur Verfügung zu stellen. Tie palästinensischen lokalen Behörden forderten jedoch, daß die Verteilung der Lebensmittel proportionell der Seelenzahl der verschiedenen Bestandteile der Bevölkerung vorgenommen werden sollte. Auf diese Forderung koullteu die Vertreter des amerikanisch-jüdischen Hilfskomitees nicht ein gehen, da die ganze Aktion ausschließlich mls jüdischer Initiative hervorgegangen und fast ganz bitrd) jüdische Arbeit imb mit jüdischen Spenden durchgeführt worden war. Schließlid) wurde eine Einigung erzielt, wonach 55 Prozent der Lebensmittel an die jüdisd)e, 26 Prozent an die mohammedanifd)e und 19 Prozent an die christliche Bevölkerung verteilt werden. Die Vorräte wurden sodann ans Land gebracht, und die Verteilung ist inzwischen erfolgt. Die Ankunft der Lebensmittel umr von größter Bedeutung, da die Vorräte in Palästina zuletzt-äußerst knapp geworden waren. Ter ganze Vorgang hatte nnd) eine weittragende moralische und kulturelle Wirkung zur Folge. Amrrikg. Z. New Uork, int Mai. Vor kurzem fand hier die Hauptversammlung des „Hilssvereins für jüdische Einwanderer ans Rußland" statt. An den Verhandlungen nahmen neben vielen bekannten jüdischen Persönlichkeiten and) zwei hohe Beamte des Einwandernngsamtes von Ellis Island teil, wo die Einwanderer, bevor sie die Er- 'laubnis erhalten, sid) im Laude niederzulassen, auf ihre Btittel und ihren Gesundheitszustand untersnd)t werden. Dieser Verein, der im Jahre 1913 15 300 Mitglieder zählte, ist heute aus 46 000 angewachsen. Aus dem Necheusdiaftsbericht geht hervor, daß trotz des Krieges 66 500 jüdisck)e Eiuwauderer aus Rußland an Land gegangen sind. Nur 8000 dieser Einwanderer bedurften bei ihrer Ankunft der Unterstützung des Vereins. Im Laufe des Gescksiistsjahres hat der Verein 5000 Einwatlderer eingerichtet und 1770 Arbeit verschafft, 26 000 mit Rat und Empfehlungen unterstützt. Der Verein hat ferner einen Gesundheitsdienst für die Familien der Emigranten in Krankheitsfällen organisiert. Besonders interessant sind die Ansprachen, die die erwähnten Staatsbeamten gehalten haben. Ter Generalkommissar von Ellis Island führte folgendes aus: „Ich wünschte, daß alle Nationen sid) der Eingelvatiderten ihrer Rasse ebenso aunehmen würden, wie Sie es mit deit Ihrigen tun. Ich bin für die Freiheit der Einwanderung, denn ich lasse es nicht gelten, daß es Gesetze gibt, die gewissen Atensck)en erlauben glücklick) zu leben und die anderen dem Unglück und der Verfolgung preisgeben. Es ist wahr, daß zwei Prozent der jüdisckjen Einwanderer in ihre Heimatländer zurückgeschickt )vurden. Aber 98 Prozent sind hier ausgenommen rvorden, um hier glücklick) zu werden lvie die anderen anterikanisck)en Bürger." Zum Sdstllsse rühmte der Redner die treue Hingabe der Juden an ihr neues Vaterland. — Hier wurde kürzlich ein Denkmal enthüllt für den bei der Katastrophe der ,,Titanic" untergegangenen Isidor S t r a u ß. Ter „American" schreibt darüber: „Uns ist kein anderes öffentliches Monument bekannt, das für diese Generation wertvoller oder anregender für die näd)ste ist. Als die „Titanic" langsam sank, half Herr Strauß, der in der Blüte fernes erfolgreidjen