Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 25 (18.6.1915)
- Date
- 1915-06-18
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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9 die Palästine! lsisch - jüdische Bevölkerung in Jerusalem die Tatsache, das; Herr David I e l l i n , der Leiter des zionistischen Lehrerseminars, zum Z e n s o r f ü r H e b r ä i s ch in Jerusalem ernannt worden war. Auch war die A n st e l l u n g j ü d i s ch e r Wachte r in den Palästinensischen Kolonien von den Behörden wieder erlaubt worden, und neuerdings hatte die dem Odessaer Komitee nntersteheude h e b r ä i s ch e M ä d ch e n s ch u l e i n Jaffa, die von den türkischen Behörden eine Zeitlang geschlossen war, die Erlgubnis erhalten, den Unterricht wieder aufzunehmen. In den letzten Tagen sind jedoch beunruhigende Nachrichten eingetroffen, wonach, die türkischen Behörden angeblich wieder die Ausweisung der Juden feindlicher Untertanenschaft aus Palästina beabsichtigen sollen. Es steht zu hoffen, daß es auch diesmal nicht zur Ausführung dieser Maßnahmen, die die schwerste Schädigung für die Bevölkerung und das Land bedeuten würden, kommen wird. 22 Königsberg, 11. Juni. Der A u s s ch u ß d c s B e r b a n - des o st p r e u ß i s ch e r S y n a g 0 g e u g e m e i u d e n ist au die unversehrt gebliebeilen jüdischen Gemeinden des Deutschen Reiches mit der Bitte und dein Vorschlag herangetreteu, in der Art, wie sich die deutschell Städte ostpreußische Patenstädte ausgesucht habell, um ihnen bei ihrem Wiederaufbau zu helfen, auch ihrerseits aus den zerstörten jüdischell Gemeinden Ostpreußens sich eine Kriegsfilialgemerude allszlisuchen, der sie aus Mitteln der Gelneinde lvie aus freilvilligeu Spenden voll ihrem Ort ganz oder teilweise die Kostell für die Unterhaltung eiires jüdischell Beamten abnehmen. Der S y ll a g o g e ll v e r band lvilt dafür sorgen, daß solche Teilbeteiliguilgeu zusamlnellgelegt werden kölllren, und gerade diese Teilbeteiliaungeu werden es auch den kleineil Spnagogeugenleinden Deutschlands ermoglicheil, als NUterretter mld Äiederhersteller des ostpreußischell Judentullls sich für alle Zeiten deil Dank der deutschen Gesamtjudenheit zu sichern. Es ist zlvar nach den Aeußerullgen höchster Staatsbeamteil zn hoffen, daß, lveilll die Juden in diese Ortschaften wieder zurückkehren, ihnen das nötige Geld zum Wiederaufbau ihrer Synagogen gegeben werden loird. Aber damit allein sind ja die Gemeilldell durchalis nicht wiederhergestellt. Da der größte Teil der ui ihre Hennat zurückkehrenden Glaubensgeilossen erst inl Lause der Zeit lvieder zu einem gelnissen Wohlstand komnlen loird, lverden die Geiileilldeil in deil erstell Jahren nicht imstande fein, ihren Bedarf für ein geordnetes Gemeindeteben aufzubringen und vor allem llebell ihren sollstigen Lasteil eineil Lehrer, Kalltor und Schächter allzustellen und zu besolden. Es wird somit in ihnen auf Jahre hiuaus feinen Gottesdienst, keinen Religionsunterricht und fahre Schochita gebell. T as; dieses den Verlust des größten Teiles der heramvachsenden Jugelid für das Judeiltinn bedeuten muß, ist leider klar. W. Posen, 11. Juni. In diesen Tagen begillg -Herr Moritz A s ch h e i ui das vierzigjährige Jubiläum als Vorstandsmitglied des S . B. L a tz s ch e ll A l t e n - und Sie ch e n h e i ln s. Obwohl Herr A. es irr seiner vornehmen Bescheidenheit nicht gewünscht hatte, ließ es der Borstalld mit seinen Ehrendameu sich nicht nehmen, des Jubeltages in loürdiger Weise zu gedenkeil. Im Laufe des Bornlittags erschien eine Anzahl von Gratlilanten in der Wohnung des Jubilars, ihre Glückwünsche zu überbringeu. Bon den Gästell feien erwähnt die Herren Gemeillderabbiuer Dr. F r e i m a ll n , Rabbinatsassessor Krause, eine Abordnliug aus dem Heim mld andere mehr. Herr Dr. F r e i m a n n richtete herzliche Worte an den Jubilar. Er verglich die 40 Jahre, die Herr A. als Vorsteher zurückgelegt, mit den 4n Iah reu der Wanderung und des Weitens der Kinder Israels in der Wüste und schloß mit dem Wunsche, daß es dem Jubilar vergölNlt fein möge, lloch lange in Ruhe und Frieden seines Amtes walten zu können. Herr Krause schilderte Herrn Vorsteher Aschheim als einen edlen 9Jtenfcf;en, der es sich zur löblichen Aufgabe gemacht hat, seinen Mitlilellscheil auf jegliche Weise beizustehen und zu helfen: im wahren Sinne des Wortes zeige sich bei ihnl die Liebe zum Nebenmeuschen, wie sie in Wirklichkeit sein soll. Allen dankte der Jubilar mit tiefbewegten Worten. Die Insassen der Latzschen Anstalt ließen deill Gefeierten eine Dankadresse zugeheu: auch voll auswärts liefen Gratulationen ein. Herr Aschheim zählt zu den im Jahre 1885 eingetretenen Arnlenrätell, von denen nur lloch fünf ehrenamtlich tätig sind. — Leipzig, 11. Juni. Vom Landgericht Gnesen war am 8. Dezember v. I. der Kupferschlniedemeister Karl Pohl lvegen Beleidigung in zwei Fällen zu einer Geldstrafe von 900 Mark verurteilt wvrdeli. Ein jüdischer Rechtsanwalt, der als Einjährig-Freiwillig gedient hatte und sich am 5. August stellen mußte, war schon bei d zweiteil Hebung im Kaserneuhose zusaulmengebrochell, tat aber weit Diellst lllld rückte sogar ins Feld. Als er jedoch aus dein Marsch lvi der zusamlnenbrach, ergab die ärztliche Untersuchung bei ihm ein Herzfehler, lvoraus er, endgültig entlassen, anr 28. August nach Gnes zurückkehrte. Dort traf ihn der Kupserschmiedenleister Karl Pohl, d mit ihm auf gespanntem Fuße stand, auf der Straße mld sagte ba daraus im Verlauf eines Gespräches mit einem Juden:. „Ihr Jnd seid alle feige, ihr drückt euch vom Militärdienst; der Rechtsanwalt 1 ist auch scholl wieder hier; der fimuliert, ich kann es ihm beweisen Wellige Tage später sagte Pohl in einem Gasthause, C. sei gar nit krank, sondern sei feige und simuliere, um nicht hinaus an die Fro zu müssen. Da jedoch erwiesenermaßen der Rechtsanwalt nur weg seilles Herzfehlers als dienstuntauglich entlassen war, hatte Pohl ih in zwei Füllen zu Unrecht Feigheit nachgesagt und ihn doppelt beleidig Gegen feine Verurteilung in Gnesen hatte Pohl Revision emgele und dabei betont, daß gar nicht berücksichtigt worden sei, daß er sei Behauptung nicht wider besseres Wissen, solldern aus Ueberzeugii! lind weder im Bewußtsein noch in der Absicht zu beleidigell geäußr habe. Das Reichsgericht hat aber am 8. April d. I. entschieden, dl das Gnesener Urteil keinen Irrtum enthalte, und deshalb auf Zurü> Weisung des Rechtsmittels erkannt. ei. A. Nürnberg, 11. Juni. DasEis e r ll e K r e ll z e r h i e teu: Fritz Vorhaus aus Nürnberg, Mitglied des freiw. Aul nlobilkorps. Stefan Aal aus Nürnberg, Unteroffizier im 1. balg Res.-Jnf.-Negt., Sohn des Kaufmanns Hermann Aal, für erfölgreia Beschießung eines seilldlichen Munitionslagers im Westen, lvelches z Explosion gebracht wurde. Ludwig Auerbach alis Fürth, IhiK offizier d. Res. beim 6. baher. Feld-Art.-Regt., Sohn des Kaufmam. und Fabrikbes. Glist. Auerbach. Oberarzt Tr. Dreh fuß, Pro Arzt in Fürth. Gustav Fleischer alls Bayreuth, Ullteroffizier d 7. daher. Juf.-Regts., Reisender bei der Firma M. Friedman Schweinfurt. Das M i l i t ä r v e r d i e n st k r e li z III. K l a s erhielt: Adolf Erlaliger aus Nürnberg, Vizefeldwebel : Landsturmbataillon Gunzenhansen. T e n bähe r. M i l i t ä r v e: dien st o r d e ll IV. K l a s s e e r h i e l t e u : Stabsarzt Dr. S t r a n aus Nürilberg, Oberarzt Dr. K u n r e *t t h e r alls Fürth. --- Die Nr. 28 veröffentlichte Ncitteilung, daß Belllly V a s e ll aus Hulchra: bei Neuß das Eiserne Kreuz erster Klasse bekommen habe, beruht iv | einem Irrtum. W. K. Laupheim (Württemberg), 11. Juni. Herr Kaub E. Tworzan begeht am 22. d. M. das 25jährige Jubiläui als Kantor der israelitischen Gemeinde in Laupheim. Der Jubila ist unter den Kantoren eine wohlbekannte ilnd geachtete Persönliü feit, nicht zllm wen i asten durch seine auch im Druck ei schieneneu Komposition (5 W'schomru, K'duscha und anderes). Vo! 2 5 Jahren von Posen nach Laupheim übergesiedelt, hat er es vei! standen, sich die Sympathie und Wertschätzung seiner Gemeinde i | hohem Henne zu erwerben und auch im weltlichen Musikleben u! wohl als Gesanglehrer und Dirigent wie auch als überaus g! schuiackvoller Sänger' wohlverdiente Anerkennung zu Verschaffei : Seine beiden Söhne kämpfen fürs deutsche Vaterland, llnd d-! älteste ist bereits im Besitz der württembergischen Tapserkeitsmedail!! und des Eisernen Kreuzes zweiter Klasse. — Stratzburg i. E., 11. Juni. Der „Straßburger Post" um | geschrieben: „Jll einer Abhandlullg in Nr. 250 der „Straßb. Pos!! über das Judenbad in Offenburg wird die Ansicht geäußert, bn; wohl in Straßburg nie sich ein Judenbad befuilden habe. Zufall'! fand ich im Bulletin 1897, S. 188 der „Gesellschaft für die Erhaltim - der historischeil Denkmäler im Elsaß" die Abschrift einer Urkunde an j dem Jahr 1611. die ein Judenbad auch in Straßburg erwähnt im | vielleicht weitere Kreise interessieren wird: „Johamsche Hof in de j Juden gasse. Dieser Hof liegt vornen in der Judengasse, neben an: j meister Niclaus Fuchsen seligen wittlve und erben; habell vor jare alle heusser bis lim das eck hinculter (gegen die Fasanengasse) nn ' das gäßlin hindhin gegen der Zimmerleutstuben bis wieder daselbi j lleben jenem Fuchsen selig dazu gehört. Ta zwischen dazu gehör: denn auch in der Bimpernantzgassen das Haus zum Judenbad genaun! gelegen, und ich lvieder dazu gekauft, hat von diesem Reinhard Müller 2 heusser all sich gekauft, das Jlldenbad und Judenmetzig genannt.! Das erste das eck am Geßlin gegenüber der Zimmerleutstllben, so