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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-06-18 · Heft 25 (18.6.1915) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 25 (18.6.1915)
Date
1915-06-18
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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Gebens stand, Frauen und Kindern in die Rettungsboote lmd sah dem sicheren Tode entgegen. Und als Frau Strauß ichließlich vor der Wahl stand, ob sie ohne ihren Gatten noch weiter leben oder mit ihm sterben wolle, da entschied sie, daß der Tod sie nicht trennen sollte ... Isidor Strauß' nützliches und generöses Leben und I d a Strauß' Selbstaufopferung sind das schönste Erbteil, das ihren Kindern bleiben konnte. Ihr Denkmal wird die kommenden Generationen an die „hochherzige Hingebung an etwas außer im§ selbst" erinnern . . . und ist gleichzeitig eine Mahnung an Faunlientreue, eine der hervorragendsten und besten Tugendeil des i sraeli ti schen Sta m mes." Von Iah und Fern. — Unser geschätzter Mitarbeiter, der Direktor des Neichenheimschon Waisenhauses in Berlin, Dr. Phil. Sigmund Feist, vollendete am 12. d. M. sein 50. Lebensjahr. Geboren in Mainz, studierte er in ^traßburg i. E. vergleichende Sprachwissenschaft. 1887 Promovierte er mit einer Schrift „Grundriß der gotischen Etymologie" und bestand ein Jahr darauf die Oberlehrerprüfnng für Deutsch, Englisch, Französisch und Geschichte. Nach einem Probejahr am Gymnasium in Mainz war Dr. Feist mehrere Jahre in Bingen a. Nh. und in Mainz tätig, bis er 1906 auf seinen jetzigen Posten berufen wurde. — Der Berliner Magistratsrat Dr. Leopold Loewenstein, der als Unteroffizier beim Reserveinfanterieregiment Nr. 201 bei einem Sturm auf die Lorettohöhe am 25. Mai gefallen ist, war, bevor er als Unteroffizier ins Feld rückte, beim Magjstra.t sieben Jahre in der städtischen Grundeigentums- und Straßenreinigungs-Deputation sowie im Kuratorium für das Turn- und Badewesen und anderen städtischen Verwaltungen mit Erfolg und Verständnis tätig. Mit besonderem Eifer hat er die Ausschließung von Treptow bearbeitet. --- Wie aus Königsberg i. P. gemeldet wird, soll Walter Heymann, dem Dichter der „Nehrungsbilder", der den Heldentod für das Vaterland gestorben ist, auf der Kurischen Nehrung in dem Dorfe Nidden ein Denkstein errichtet werden. — Aus Posen wird uns geschrieben: Vom israelitischen Wohltätigkeitsverein der nächst der Grenze gelegenen Ortschaft Bendzin wurde eine billige Küche eröffnet, von der täglich bis 2500 Mittagessen zum Preise von drei Kopeken verabfolgt werden. Der Verein erteilt an etwa 6000 Notleidende Geldunterstützungen. Größere Beträge erhält er vorn Hilfsverein in Posen und den jüdischen Gemeinden in Oberschlesien. — Der Rentner Michaelis Jacobh in Posen beging seinen 10. Geburtstag. Wiewohl die Familie des Jubilars, der ernsten Zeit angemessen, eine öffentliche Feier zu verhüten suchte, drang doch die Mitteilung in weite Kreise, imb gern und freudig benutzte ein jeder den Anlaß, diesen wahrhast frommen und tugendhaften Mann zu beglückwünschen. Bezirksrabbmer Dr. Mannes in Schwabach ist der Schwiegersohn des Herrn Jacobh. — Anläßlich des Krieges hat die Jüdische Bibliothek und Leseballe in H a m b u r g (Bieberstraße 4) eine Sammlung von Broschüren, Predigten, Zeitungsausschnitten und sonstigen aus den Krieg bezüglichen Druckschriften jüdischen- Inhalts angelegt. Geeignete Sendungen aus dem Reich und besonders aus den im Osten von unseren Truppen besetzten Gebieten werden mit Dank entgegengenommen. — In Harburg ist Herr Moritz I a c o b s o h n , der erste Vorsteher der israelitischen Gemeinde, im Alter von 85 Jahren verschieden. — Zu statistischen Zwecken ist es der Leitung des Lehrerverbandes erwünscht, über alle Neueinberufungen, Beförderungen, Auszeichnungen, Verwundungen usw. von Kollegen Mitteilung zu erhalten. Die in Betracht kommenden Kreise werden gebeten, Nachrichten an Rektor Feiner- Hamburg, Abendrotsweg 71, oder an Lehrer M. Steinhardt-Magdeburg gelangen zu lassen. — Das Dilsheimersche Aussteuerstipendium im Betrage von 1900 Mark mürbe vom Magistrat in Aschnffenburg einem Mädchen israelitischer Konfession, Fräulein Ella Weil von dort, zugesprocheu. Die feierliche Ueberreichung fand Im der Ziviltrauung des Brautpaares im Mai statt. Aus dem Haag wird uns geschrieben: Im vergangenen Monat Mai haben die Spendeneinnahmen des Jüdischen Nationalsonds die Totalsnmme von 4 2 2 6 1,63 M a r k ergeben. Hiervon entfallen auf: Nordamerika 14 762 Mark, Kanada 72-75 Mark, Deutschland 5369 Mark, Oesterreich 4977 Mark, Holland 4489 Mark, Rumänien 2385 Mark, Rußland 1727 Mark, Italien 466 Mark, südslawische Länder 335 Mark, Schweiz 267 Mark, England 128 Mark und der Nest auf Australien, Frankreich und Ostasien. — Ein Schwiegersohn des Ami leiters der Wiener Kultusgemeinde, Herr Horowitzst! längerer Zeit in Berlin wohnhafte müßte hei Ausbruch b Krieges als englischer Staatsangehöriger in eines der Ko zentrationslager übersiedeln. Einer seiner Neffen, ein Enkelsoi > des Herrn Horowitz und somit Urenkel des bekannten eins: gen Wiener Rabbiners, sandte nun hinter dem Rücken seiner Ang hörigen an den deutschen Kaiser für seinen Oheim ein Gnadengesm in dem er ausführte, sein Onkel sei zwar seiner Abstammung na > ein englischer Untertan, aber von Gesinnung der beste Deutsche. sll i dieses Bittgesuch des zwölfjährigen Knaben traf von der Kabineti kanzlei des Kaisers die Antwort ein, der Oheim sei bereits aus Pc > Konzentrationslager entlassen worden. — Der mit 26. April d. in Wien verstorbene Generaldirektor Arnold Marek hat die Kultu gemeinde zugunsten dreier Stiftungen zur Erbin seines Nachlaß eingesetzt. Nach Berichtigung der von ihm bestimmten Legate firn der Gebühren und sonstiger Kosten der Hinterlassenschaft dürfte ein B trag von etwa 700 090 Kronen als Neinnachlaß verbleiben. Hierv, - werden für die zu errichtende HeiratsausstattUngsstiftung etn ' 350 000 Kronen, für eine zu errichtende Studentenstiftung 140 u > Kronen Und für eine Berwandtenstiftutw, 210 000 Kkonen zur Äers gung stehen. — Eine schöne Ueberräschung bereitete die israelitische Ki tusgemeinde Brünn den Flüchtlingskindern vor einigen Tagen. 2 veranstaltete einen Äusflüg nach dem nahen Schreibwald, um dies armen Geschöpfen, die nieist in engen und schlecht gelüfteten Wo: nnngen untergebracht sind, einen freudigen Nachmittag im Freien bereiten. In Schreibwald wurde von den Vorstandsdamen den arm Kindern Kaffee mib Backwerk verabreicht, dann wurde der Ausfl fortgesetzt, um den polnischen Kindern die Schönheiten der Umgebii: Brünns zu zeigen. Dieser schöne Nachmittag wird den vielen Hn. derten Flüchtlingskindern noch lange in angenehmster Erinnern bleiben. — In Prag wurden für die dort weilenden Flüchtlingskind beiderlei Geschlechts Schulen errichtet. Diese Schulen haben den Zim die vielen Flüchtlingskinder zunächst in der Religionslehve zu untc richten und sie vor dem Herumlungern in den Straßen itrtb v Müßiggang zu bewahren. Diese Einrichtung ist dazu berufen, einc wahren Bedürfnis abzuhelfen, und verdient daher die weitgehend Förderung und Unterstützung. Es wäre nur zu wünschen, daß die' Beispiel auch in anderen Städten in Böhmen und Mähren, wo Flüü liuge untergebracht sind, Nachahmung fände. Leider fehlen überall d Mittel dazu. Denn noch in angelt es in den Landgemeinden a Nötigsten, an Kleidern, Wäsche und Schuhen, \imm auch nicht in de Maße, wie in strenger Winterzeit. Die Flüchtlinge hoffen jcixv. bald in ihre Heimat zurückkehren zu können, und dazu ist dank h Heldentaten der österreichisch-'ungarischen und der deutschen Armee ir den Schlachtfeldern Galiziens begründete Aussicht Vorh ände - — Wegen ausführlichen Berichtes über die Zeppelin - Angrii wurde die jüdische Zeitung „I e w i s h Time s" in Londo für die Kriegszeit verboten und darf nicht mehr erscheinen. — Am Petersburg wird gemeldet: Ten russischen Zeitungen wurde von d Militärbehörden verboten, Einzelheiten über die Iudenansweismw, zu berichten: auch dürfen die Ausweisungsorte Kurland und Kolo: nicht mehr erwähnt werden. Um über die herzzerreißenden Szen unter den massenweise ansgewieseuen Juden berichten zu können, sin die russischen Zeitungen durch die Zensurbehörde gezwungen, stets in Flüchtlingen aus Galizien zu sprechen, die angeblich von den Deutsch! und Oesterreichern aus Galizien nach dem Innern Rußlands ge jo : werden. Eine amtliche russische Mitteilung von der Einstellung d Judenansweisungen aus den vom Krieg berührten Gebieten ist i. wnßt falsch. — Das New Forker „Tagblatt" meldet ans Paris, dl; 25 französische Rabbiner im Felde als Soldaten kämpfen und Serniua Professor Wexler infolge einer im Kriege geholten Erkältung gesto ben sei. - Jakob H. Schiff, der bekannte New Dorker Finanz:, und Philanthrop, schreibt in einem amerikanischen Blatte, daß d Stellung der Juden in England unter dem Einfluß der russisch- Freundschaft offenbar leidet; in Deutschland ist hingegen ein Abflam des Antisemitismus voraussichtlich. Jakob H. Schiff hat anfangs Me einen Unfall erlitten, indem er bei einem Zusammenstoß aus feinen Auto geschleudert und erheblich verletzt wurde. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow. Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Reinh. Mausolfs. Berlin 6 2. Druck und Verlag von Rudolf Proste.

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