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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-06-18 · Heft 25 (18.6.1915) · p. Seite 297

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 25 (18.6.1915)
Date
1915-06-18
Page
Seite 297 (sequence 9)
Language
German
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297 u.ib 1821 sich nicht in unserem Besitz befindet. Dagegen ist m der Seelenliste der israelitischen Gemeinde dahier — aus- ,]; lommett im Monat Dezember 1832 — ein Eintrag, den wir 't: nen umstehend abschriftlich mitteilen. Nach den Angaben n es älteren Mitgliedes unserer Gemeinde hat sich der zu 3 'geführte Israel Beer Josaphat taufen lassen und tu i Namen Reuter angenommen." In diesem Auszug aus dl Seelenliste erscheint als Mieterin einer Wohnung in 'i; innrer 4 der Neuen Straße zu Kassel Betty geborene Sander a; -3 Witzenhausen, Witwe des am 2. Mai 1829 zu Kassel verii ebenen provisorischen Rabbiners Samuel Levi Josaphat, l' n Kindern, die sich sämtlich „auswärts niedergelassen" I, >en, werden angeführt drei Söhne: der 24jährige Gerson, k»e zu Hannover (ursprünglich stand da: Bern) studiert, aber Halberstadt wohne, der 21jährige Süskind Hirsch, der Lehrer ii Hannover sei, und der 16jährige, am 21. Juli 1816 geborene ) ael Beer, Handlungskommis zu Göttingen, woselbst auch die i. ährige Tochter Mina (ihr Name, aber nicht ihr sonstiges scsonale ist nachträglich, aus mir unklarem Grunde, geil ichen) verheiratet lebe. Mit diesen Feststellungen ist eine durchaus sichere Grund- Ir; u' für unser Wissen über die Abstammung des vielumstrittem i Reuter vorhanden. Er ist also kein „hessischer Dorfjude", w > noch der Nekrologist des Sohnes Herbert in der „Frankn ter Zeitung" am 21. April 1915, 2. Morgenblatt, sich ausickt. Andererseits findet sich das Geburtsjahr 1816 statt des n lichen 1821, mit welchem sich der ehrgeizige Mann später i! ch berühmten Mustern verjüngen und zugleich als frühreif n 'nt wollte, doch schon in einem vielgebrauchten englischen ,, hreskalender für allerlei Nachschlagenotizen: Haydn’s Dictioii! y of dates and universal Information... By B. Vincent. - Ausgabe (London 1906). Wann jener oben erwähnte ii oertritt zum Christentum erfolgte und ob damit die Annahme d . Namens Reuter verbunden war, auch die Ursache der Wahl d letzteren, ist bisher nicht zu ergründen gewesen, wäre aber n manchem Betracht sehr interessant. Eine weitere das Judenn n berührende Tatsache ist Josaphat-Reuters, des dazumal r. .1) im bürgerlichen Dasein überhaupt wie im Beruf durchaus ii: wankenden jungen Menschen, Heirat mit Jda, Tochter von - M. M a g n u s, in Berlin im Jahre 1845. Dadurch soll dem t; digen Kops das nötige Anlage- und Betriebskapital zugen >sen sein. Wie rasch er bald darauf über verschiedene Ueber- . igsstuien auf eine beivundernswerte geschäftliche Höhe geu gen und seit 1851 in London ein höchst bedeutsamer, zuerst n r kommerzieller, bald auch politischer Machtfaktor im brin heu Weltreiche geworden ist, das kann hier nicht genauer d ^gestellt werden, sondern man möge es eben in der „Allgeu inen deutschen Biographie", Bd. 53 (1907), S. 319—321, u. chlesen. Dieser Artikel ist bis heute vielsach ausgeschrieben, a oererseits in bemerklichen Einzelheiten vernachlässigt, leider >> er nirgends durch nennenswerte Nachträge ergänzt worden. Ii d doch wäre gerade heutzutage eine gründliche Entwicklung i . Werdens und Wachsens jener Reuters International Tele- >! iphie News Agency (so die offizielle, meist als R. T. C., d. i. i uter's Telegramm Company, abgekürzte Firma) außerentlich lehrreich. Sie soll auf Grund aller erreichbaren, > ifach gar fchwer zu beschaffenden Materialien allernächstens i vlgen. Dabei wird das Bild des einstigen kurhessischen '1 bbinersohnes und Göttinger Banllehrlings I. B. Josaphat, d isen Erhebung ,in den koburg-gothaischen Freiherrnstand >' -m 7. September 1871 — man beachte: in der Woche nach I ui Falle Sedans — weder in Deutschland noch in England bi i den zuständigen Stellen Anerkennung fand, in der zu ermöglichenden Echtheit als Namensvetter berühmter Beriurperer des Namens Reuter ins Licht treten. Ser lange Kack Roman von Anna Goldschmidt. 16. Fortsetzung.) der, Jvsua, wir sprachen von einem Kind, einem ‘Vl' hilflosen Kind, das mit sechs Jahren in die Schule kommt, noch nichts weis; von den hohen Fragen, die euch Große beschäftigen, das kindlich und vertrauend in eine Schar Gleichaltriger tritt und todesweh vor den ersten Spottpfeilen zurückschrickt, die ihm entgegenschnellen. „Der Aron! Der Aron!" Spott tut weh, Josua, so wie nichts sonst. Eine winzige Dosis haben wir Judenkindcr alle einmal gekostet, sei es auf der Schulbank, sei es auf der Straße gewesen — wer könnte grausam genug sein, das für ein Kind herauszufordern und zu vermehren! „Damit es früh lernt, die Leiden feines Volkes zu verstehen?" Josua, dieses Erziehungswerk nehmen uns unsere Feinde ab, dafür brauchen wir nicht selber zu sorgen. Daß die Leiden, die keinem erspart bleiben, ihn dann herauftragen statt hinunter, daß sie ein echtes Ehrgefühl treffen und kein falsches, daß sich unser Sohn — zum Totlachen, wie schon über ihn verhandelt wird! — einmal vor die Fahne stellen wird, die nun mal im dichtesten Kugelregen steht, um sie zu verteidigen, statt hinter sie, um nicht unter den Angefeindeten gesehen zu werden, dazu, Josua, sollst du uns einmal mithelfen. Du inußt unseren Sohn mit erziehen, wenn wir tnal einen bekommen sollten. Den tiefen sittlichen Ernst, die edle Begeisterung, die muß er von seinem Wahlonkel bekommen. Aber Aron wird er nicht heißen. So wahr ich hier sitze, nicht. Vielleicht Alfred oder Artur, na, davon können wir ja später reden. Den.13. Erna ist bei Paula Hausdvrff, ihrer Schulkameradin, eingeladen. Sie haben sich erst wieder etwas angefreundet, als wir in die Ressource eintraten. Eine muß man doch schließlich haben, mit der man Hand in Hand sitzt, bis die Herren kommen und einen engagieren. Noch dazu nun, wo ich verlobt und von Moritz in Anspruch genommen bin. Als ich sie fragte, ob sie hingehe, meinte sie: „Nein. Es sind mir zu viele Jieden da." Ich fühlte, daß ick» feuerrot wurde. Ich schämte mich. Und als Erna mich erstaunt ansah und sagte: „Nanu? Du warst doch sonst nicht so?!" schämte ich mich noch mehr und wurde noch röter. Den.13. Ich war zur Anprobe bestellt bei Stern Söhne und ging deshalb um fünf Uhr zum Denkmal, um meinen zwei Getreuen; abzusagen. Sie dursten mich nur ins Geschäft begleiten. So enttäuscht mein Bräutigam war, er sah den Grund sofort ein, i auch daß das Anprobieren und Aussuchen länger dauern würde, als daß sie mich draußen hätten erwarten können.! Josua nörgelte und spöttelte. Ich sagte: „Gnade Ihnen Gott, I wenn Sie mir meinen Schatz verhetzen."! Der kleine Weg, den wir zusammen zurücklegten, wurde \ sogar sehr amüsant. Ich sollte nämlich, da ich behauptete, die I beiden bis in das innerste Herz hinein zu kennen, ihnen ihre! Fehler nennen. „Damit wir wissen, was uns fehlt, und uns i bessern können," meinte mein Moritz vergnügt.! „Nichts weiter," sagte ich, „als daß man euch beide miteinj ander vermengt und die so entstandene Masse teilt. Das gäbe! etwas Gutes." j Moritz' hübsches Gesicht wurde so ernst und grüblerisch wie! ich es noch gar nicht gesehen hatte. Man sah, er dachte

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