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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-06-18 · Heft 25 (18.6.1915) · p. Seite 293

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 25 (18.6.1915)
Date
1915-06-18
Page
Seite 293 (sequence 5)
Language
German
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293 'abinett auf direkte Beeinflussung Rußlands zurückzuführen ist. ' a die Entfernung Herbert Samuels als Postmeister General nicht acht durchführbar war, beschloß die Regierung das Verbleiben ainuels auf seinem Posten, aber ohne Sitz im Kabinett. Die Ver- | . nlassung hierzu gab ein Protest jüdischer Minister gegen die Verj > (gang ihrer Glaubensgenossen in Rußland. Nach Konstruierung des j i?uen „judenreinen" Kabinetts in England erfolgte die bereits vorher . schlossene, aber eine Zeitlang zurückgehaltene Verordnung der rufst- I l Yen Regierung über die Ausweisung sämtlicher Juden aus Kurland! i id im Gouvernement Kowno. K i e w , 7. Juni. > Eine Depesche der „Kiewskaja Mys-l" aus Wilna dementiert die! ' achricht Petersburger Blätter von der angeblichen Zurücknahme der erordnung über die Ausweisung der Juden aus Koroman und Kowno.! ielmehr ist nach dieser Depesche den Juden der Aufenthalt im ' i mzen Festungsrayon Kowno endgültig . erboten. Die Gesaintzahl der aus im 'Gouvernement Kolono und aus ' llrland ausgewiesenen- Juden erreichte 17000. Da die Ausweisungen inner-! ilb 24 Stunden erfolgten, sind Hunrte von Kindern verloren gegangen. Die lettischen Zeitungen fordern die >tten auf, lden Handel in allen Gegen- :n an sich zu reißen, aus denen die uden und Deutschen ausgewiesen sind. Petersburg, 7. Juni. „Denj" meldet: Auf dem Brester ahnhof in Warschau ist eine vom : L Mai datierte und vom Stationschef :lterschriebene Ankündigung angeacht, in -der es heißt, daß es auf erfügung der Militärobrigkeit den uden verboten ist, vom rechten veichselufer über Jwangorod oder aus äderen Gouvernements, die jenseits l r Weichsel liegen, in der Richtung : ad) Radom zu reisen. Deswegen ist . .r ssahrkartenverkauf an die Juden ilgestellt und ihnen überhaupt beraten, sich auf den Bahnhöfen zu igen. Aus Bern meldet man der „Frank-;. rt-en Zeitung": Die „Berner Tagacht", das Organ der sozialdemoatischen Partei der Schweiz, verlentlicht einen Brief, der dem ausartigen Sekretariat des Organi- - tionskomitees der russischen Soziall mokr-atie aus Rußland zugegangen ist. arin heißt es: „Die Spitäler werden t n gutgekleideten, bezahlten Agitatoren 1 sucht, die an 'die Verwundeten chriften verteilen, worin die Juden des Verrats beschuldigt werden. ' 5 wird gegen sie zur Rache aufgerufen. Für die ganze Armee ist 'a Befehl ergangen, die Soldaten vor dem Verkehr mit jüdischen Ärzten und jüdischen Intellektuellen zu bewahren. Man erwartet 1 ine Reform, man erwartet Judenpogrome. Es verlautet, daß der berkommandierende Nicolai Nicolajewitsch ein Manifest an die nnee erlassen hat, das den Zeitungen zu veröffentlichen verboten ist. pvoik tzewmgskrM. Von S. Mülle r. 3 m großen Sterben unserer Tage sei es gestattet, noch einen kurzen Blick auf ein jäh und unerwartet abgeschlossenes Menschenleben zu werfen, an dessen Sarge >il den nächsten Angehörigen eine große Gemeinde trauert, auptlehrer Adolf Heidingsfeld in Freiburg starb am April, am Tage nach seinem 50jährigen Dienstjubiläum. Er war Lehrer mit ganzem Herzen, ein Kenner, Freund und Führer der Jugend. Wer, wie ich, in jahrzehntelanger Freundschaft mit ihm verbunden war, der konnte oft an seinem kindlich lauteren Innern sich erfreuen. In ihm verbarg sich ein unversiegbarer Idealismus, der den gereiften Mann hinuntersteigen ließ in die träumenden Ideale der Jugend und den von Idealen geschwellten Jüngling verehrungsvoll hinausschauen ließ zu dem jugendfrischen Mann im Silberhaar. Mit seiner reichen methodischen Erfahrung unterstützte er tatkräftig die Bestrebungen des israelitischen Religionsvereins in Baden zur Pädagogischen Vertiefung des Religionsunterrichts. Insbesondere suchte er als Vorsitzender der Abteilung für biblische und nachbiblische jüdische Geschichte diesem Unterricht neue und höhere Ziele zu weisen und größere Geltung zu verschaffen und ihn durch eine möglichst gute methodische Behandlung fruchtbarer zu gestalten. Dieser Unterricht schien ihm nicht Selbstzweck, sondern vornehmlich ein Mittel, der Jugend Gemüts- und Willenswerte zu,Zufuhren, die als wirkliche Kraft und Stütze im Leben zur Wirkung gelangen sollen. Dabei bewahrte ihn eine tiefdringende Sachkenntnis vor optimistischen Täuschungen und inachte ihm nur das Mögliche und Erreichbare erstrebenswert. Gern und dankbar erinnere ich mich der loertvollen Anregungen, die die Pläne und Entwürfe meiner literarischen Arbeiten durch sein kritisches und gütiges Urteil erfuhren. In umfassender Weise widmete sich der Heimgegangene humanitären Bestrebungen. In einem Alter, in dem andere von ihrer Lebensarbeit anszurnhen pflegen, nahm der Entschlafene vor drei Jahren noch die Bürde eines Vorsitzenden des Naphtali - Epstein- Vereins, der die Unterstützung hilfsbedürftiger jüdischer Lehrer und besonders Lchrerwitwen in Baden zur Aufgabe hat, ans sich. Zwar meinte er damals mit Hinlveis auf seine schwachen Angen, es fehle ihm für ein solches Amt das N2D TP, das gute Auge. Wir aber, die wir in engerer Arbeitsgemeinschaft mit ihm verbunden waren, wissen, wie scharf sein Auge in die Not und Sorge der jüdischen Lehrerhäuser blickte, und wie hell es aufleuchtete, wenn es galt, sie zu lindern. Unablässig war er darauf bedacht, dem Verein die nötigen Mittel für seine wachsenden Aufgaben znzuführen, und bis in die letzten Tage hinein war es seine Sorge, wie der Verein den durch den blutigen Krieg sich steigernden Anforderungen werde gerecht werden können. Vom Jahre 1883, wo er nach elfjähriger segensreicher Wirksamkeit an der Volksschule in Müllheim nach dem schönen Freiburg übersiedelte, bis zu seinem Tode gehörte er dem Vorstand des israelitschen Frauenvereins an, ferner dem Vorstande des israelitische» Handwerkervereins in Freiburg und des Friedrich-Luisen- Hospizes im Solbad Dürrheim. Mit besonderer Hingebung wirkte er auch als Vorsitzender der Ortsgruppe Freiburg des Zenträlvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Bei diesen Bestrebungen fand er verständnisvolle Unter- Adolf heidingsfeld gestorben am 2z. April

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