Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 25 (18.6.1915)
- Date
- 1915-06-18
- Page
- Seite 290 (sequence 2)
- Language
- German
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290 und einer Schädiqnnp ifjrcS Eigentums zu entgehen, es für passend erachteten, die Regierm.ig ihrer englischen Gefühle zu versichern, gegen die barbarische Weise der Kriegführung der Deutschen protestieren. Das ist offenbarer Vaterlandsverrat, um so schlimmer, da diese Mänuer wußten, daß ihre neuen Heimats- und Vaterlandsgenossen, die Engländer, es waren, die wilde Kriegsstämme gegen die Deutschen hetzten und aller barbarischen Kriegsmittel sich zuerst bedienten. Da sie in dieser unverantwortlichen Weise dennoch gegen Deutschland ausgetreten sind und damit jede Beziehung zu ihrem wirklichen Vaterlande — das Deutsehland bzw. Oesterreich-Ungarn bleibt, und England nieinals werden kann — aufgaben, so müssen sie auch die Folgen tragen. Diese Folgen müssen darin bestehen, daß jeder redlich denkende, deutsch fühlende Deutsche und Oesterreicher nach dem Frieden jede Beziehung mit den Genannten abbrieht. Es ist heilige Pflicht aller deutschen Industriellen und aller deutschen Bankiers, in Zukunft jedes Geschäft mit diesen Vaterlandsverrätern zu meiden und sie fühlen zu lassen, daß, da sie in schwerer Zeit ihr Vaterland zu beschimpfen für gut befanden, sie in aller Zukunft unwürdig sind, durch Deutschland etwas zu verdienen. Das ist die gebührende Strafe, die alle diese Männer, mögen sie sonst die vortrefflichsten Menschen sein, verdient haben, weil sie sich in schwerer Gefahr als des deutschen Namens unwürdig gezeigt haben. Ich als deutscher Jude, und hoffentlich mit mir Hunderte und Tausende, erkläre offen, daß ich mich mit den Unterzeichnern jenes Protestes in keiner Weise verwandt fühle, daß ich ganz offen von ihnen abrücke und nicht die geringste Schonung für diejenige,: erbitte, welche Juden sind. Eine solche Erklärung wird hoffentlich genügen, unsere Antisemiten zu hindern, uns deutsche Inden mit jenen Vaterlandsverrätern, mögen sie jüdischen oder christlichen Ursprungs sein, in irgendwelcher Weise zu vermengen. Ich wiederhole, daß dem Verbände der deutschen Juden die Namen der Unterzeichner jenes Protestes mikgeteilt worden sind; sie werden zu gelegener Zeit veröffentlicht werden. Sit Woche. Berlin, den 15. Juni 1015. er firici] dauert in seiner ganzen Heftigkeit und Fürchterlichkeit fort. Unsere und unserer Verbündeten Unterseeboote leisten weiter wackere, den Feinden verderbliche Arbeit. Der neue Feind Italien, in Wortbrüchen geschickter als in Heldentaten, scheint auch seinen neuen Verbündeten keine Treue zu halten, denn bisher sind keine italienischen Truppen zur Unterstützung der französischen Kämpfer erschienen. Freilich ist der Krieg zwischen Deutschland und Italien noch nicht offiziell erklärt. Die Erfolge der Landheere während der letzten Woche waren zuerst geringer als in den früheren Zeitabschnitten. Im Westen sind heftige, immer erneute Angriffe der Franzosen blutig und siegreich abgewiesen worden. Aber im Osten schien ein Stillstand eingetreten zu sein. Während unsere amtlichen Berichte, denen wir unbedingte Glaubwürdigkeit zuzumessen nicht aufhören, uns von einem Rückzug an einer einzigen Stelle melden, wissen die russischen Berichte, die sich nie durch Treue und Zuverlässigkeit ausgezeichnet haben, von schweren deutschen Verlusten uni) der Gefangennehmung von Tausenden zu erzählen. Wir hoffen zuversichtlich, daß diese Berichte, wie gewöhnlich, zum mindestens stark übertrieben sind. Sicher ist, daß in den letzten Tagen glänzende erfolgreiche Vorstöße der deutschen Truppen erfolgten. Die Zeitungen, wenn sie auch fortfahren, ungeheuere Munitionslieferungen Amerikas zu melden und fieberhafte Anstrengungen der Westmächte und Rußlands, Munition zu erzeugen, wozu selbst solche Fabriken in Anspruch genomnm werden, die bisher mit ganz anderem beschäftigt waren, deut n andererseits Kriegsmüdigkeit einzelner Mächte, besonders Run lands, an. Sie sprechen von der Abberufung des russisch i, Oberbefehlshabers, von den Anstrengungen, freilich noch nu n von dem Triumphe der Friedenspartei, von der Abneigung d l Duma gegen den Krieg, ja von der erbetenen und erwirkt!i Abreise eines dem russischen Herrscher naheverwandten deutsch u Fürsten. Gegenüber solchen Gerüchten muß ferner auf Tatsachen: a ii die bisherige Erfolglosigkeit der Angriffe gegen die Dardanelll i, auf die völlige Abwehr italienischer Anstrengungen und a ii das Versagen des Liebeswerbens um die Neutralen, hingewief.n werden. Die nordischen Länder verhalten sich vollkomm n ruhig, der holländi s ch e Ministerpräsident hat sich energis t, gegen die Kriegshetzer ausgesprochen, Griechenlan , dessen friedliebender König aus seiner schweren Krankheit e - sund hervorzugehen scheint, Bulgarien und R n m ä n i i n bezeugen, entweder nicht zufrieden mit den ihnen gemacht u Versprechungen oder zu klug, um das Entsetzen des Krieg > auf sich herauszubeschwören, keine Lust, in den Weltbrand u! tätig zu sein. Nur Serbien, von dem man Monate Inn nichts gehört hatte, läßt Truppen in Albanien einrücken, ii :i Italien einen Teil der ihm versprochenen Beute zu entreißt Es ist ein grausiger Humor der Weltgeschichte, daß dieses Vv:f, hundertmal totgesagt und immer wieder auflebend, dieses Ve das den unmittelbaren Anlaß zu dem fürchterlichsten all: Kriege bot, nun seine Beute einheimsen will gegen den Will - i der Großmächte, deren Unterstützung es allein sein Besteh > verdankt. In der letzten Woche war sehr viel von dem Verhall > Amerikas und seiner in Aussicht stehenden Note in in „ L u s i t a n i a " - A n g e l e g e n h e i t die Rede. Die A dankung des Staatssekretärs B r y a n wurde viel l sprachen. Man war und ist unklar darüber, ob er einen schm feren oder milderen Ton der Note wünschte; sein Verhalten na n seiner Abdankung verstärkt die Vermutung, daß er, wenn au i keineswegs ein Freund Deutschlands, doch zu den entschieden i Friedensfreunden gehört. Vielleicht daß ihm eine große No in der Herbeiführung des von allen ersehnten Friedens l schieden ist. Die amerikanische Note geht zuerst auf die Fäl „E u s h i n g" und „G u l s l i g h t" ein und handelt dann üb den Fall „L u s i t a n i a": Euerer Erzellenz Note weist bei der Erörterung der Verluste vi amerikanischen Menschenleben anläßlich der Versenkung des Dampfers „L ll s i t a n i a" mit ziemlicher Ausführlichkeit auf gewisse Nachrichten hin, die d kaiserlich deutschen Negierung hinsichtlich des Charakters ititb d Ausrüstung dieses Schiffes zugegangen sind, und Euere Exzelle, geben der Befürchtung Ausdruck, daß diese Nachrichten nicht v Kenntnis der Negierung der Vereinigten Staaten gelangt sein köu len. In der Note wird behauptet, daß die „Lusitania" zweifeln bewaffnet gewesen sei, im besonderen versteckte Geschütze gefüt: habe, daß sie mit ausgebildeter Bedienungsmannschaft für die Eschütze und mit besonderer Munition versehen gewesen sei. Trupp von Kanada befördert, eine Ladung an Bord gehabt habe, die ne den Gesetzen der Vereinigten Staaten für ein Schiff, das auch Pass giere befördert, nicht zulässig gewesen sei, und daß sie ihrem Weü nach als Hilfsschiff der englischen Seestreitkräfte gedient habe. Glu licherweise sind dies Angelegenheiten, bezüglich deren die Negierm der Bereinigten Staaten in der Lage ist, der kaiserlich deutsch Negierung amtliche Aufklärung zu geben. Falls die in Euere Exzellenz Note ausgeführten Tatsachen zuträfen, wäre die Regieruu der Vereinigten Staaten verpflichtet gewesen, davon amtlich Kenntni zu nehmen in Ausübung ihrer anerkannten Pflicht als neutral Macht und in Anwendung ihrer nationalen Gesetze. Es wäre ihr.