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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-06-18 · Heft 25 (18.6.1915) · page 1

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 25 (18.6.1915)
Date
1915-06-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
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79. Jahrgang Nr. 25 Berlin, 18. Juni 1915 iifrmiEeji hier zu Ktthluu i >et wird .'ordnuu-, die Anizent ni: ■ n erhol) Tiere i: Niorgei t für d lit ihrer - »lge nur, ten, ein ligen, d ie Bub l veruu-! -erwulte. die Be! Prä lim dort d;e ob i. stteistuli l'cheinli' . . Au Hvspitu l er de Wimi itnlfond d „ciiu essen dings eii nge ui - eine A' lten ui jährliu Aerzte: n Betr-e;en. T , und b:-, ner av jübijdjr egen Zierurteil! >eus ml in 3o(]i er 3oIii: ö-cr jiib; Jose '"ssische- ' 5" ->esich, ul wciukun.. l, galt- -ischei Deutlicher;en hu. sannneu lcber di- Angubei jüdisch l 45 00<r ) sie mi: -machen cf et zwe e Hilft' X), 11 ml; Serbien raße 58. C 2. Allgemeine Zeitung des Audentums. Ein unparteiisches Mrgan für alles jüdische Interesse! ^iese Zeitung erscheint wöchentlich, i bonnement s«pre'i s-. durch den Buchandel oder die Post (in Berlin und vor- » rten durch unsere vertriebsstellen) bezogen r ierteljährlich 3 HI. — Postscheckkonto 324. Begründet von Rabbiner vr. Ludwig Philippson Unter Leitung des Geheimen Regierungs-Rats Professor Dr. Ludwig Geiger Verlag: Rudolf Mosse, Berlin, Jerusalemer Strasse 46-49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „AUgem. Zeitung des Judentums", Berlin SW, Jerusalemer Straße 46-49, zu richten. Verlag von Rudolf Masse, Berlin. ftthftlt*’ ^ev Protest der deut ch-eng'ischen Makler. Von Ludwig l UlJUll« Geiger. — T ie Woche. — Adolf Heidingsfeld. Von L Müller. — Tie „Wohltaten" des Hauses Rvmauow. Von Leo? che inhaus. — Der Reuter vom „Bureau Aeuter". Von L. Frankel. — si'uilleton: Der lange Nock. Roman von Anna Goldschmidt. — r lerarische Mitteilungen. — Büchereinlauf. — Sprechsaal. Der Gemeindebote (Beilage zur „Allgemeinen Zeitung des Iuvenil ms"). Berlin, Königsberg, Po'en, Leipzig, Nürnberg, Laupheim iv Württemberg), Straßburg i. E., Wien, Jaffa, New Dort. — Von Nah und Fern. ölerOrotett der deullch-englllchen Makler. Von L udw i g G eiger. ns geht ein in englischer Sprache abgefaßtes Schriftstück zu, das Kunde gibt von einem Protest, der auf ein a vßes Memorial verweist, das uns nicht zu Gesicht gekommen ii Dieses Aktenstück lautet in wörtlicher Uebersetzung u gendermaßen: „Der Lordmayor erhielt gestern (das Akteni! :ck ist ohne Datum) eine Deputation von Börsenmaklern, die in i: Geburt Deutsche und Oesterreich-Ungarn, aber naturali- >> rte britische Untertanen sind, die ein Memorial überreichten, n lche mit Emphase dem König ihren Treueid wiederholten n d ihre grenzenlose Verdammung derer aussprachen, welche für > e von Deutschland angenommene barbarische Methode der iegsührung verantwortlich sind." Das Memorial enthält i 1 Unterschriften. Einige, die unterschreiben wollten, waren v>'.weist und konnten nicht erreicht werden; ein anderer Teil ii; t diese Handlungsweise unterstützt, indem er in Zeitungen i> ne Zustimmung zu der Erklärung gab. Der Lordmayor k>> nkte der Deputation für ihren Besuch und drückte seine Be- '! edigung aus über die Bezeugung der Loyalität und des!'I ten Willens seitens der Beteiligten. Darauf folgt die Liste aller derer, die unterschrieben haben. ) 0 gebe hier diese Liste nicht, bemerke aber, daß die Namen in Streuer Abschrift dem Verbände der deutschen Juden mit- >u eilt worden sind. Nach den Namen heißt es in dem Aktenstück weiter: „Andere P oteste. Wir veröffentlichen die folgenden Namen naturaliür.ter britischer Untertanen deutschen und österreichischen »nprungs, die ihre offene Verdammung deutscher militärischer '!*< ckhoden und ihre Ergebenheit zu dem Land ihrer Wahl ausgcwückt haben"; folgt wiederum eine große Anzahl von Namen l» an sieht, daß in diesem Zusatz die Liebe zur neuen Heimat >>: itansteht, die Verdammung deutscher Kriegführung aber de, Anfang macht). Die in dieser zweiten Liste Genannten lu v also als noch schlimmere Verräter zu betrachten als die eigen. Die „Kreuzzeitung", die auch in dieser schweren Zeit den Burgfrieden nicht wahren kann, hat aus der Liste die jüdischen imö jüdischklingenden Namen veröffentlicht; wir könnten ja ii m den Spieß umdrehen und die christlichen oder deutschd ngenden Namen — es ist auch ein ehemaliger protestantischer Geistlicher darunter — herausziehen. Dies wollen wir nicht tun. Wenn aber die Veröffentlichung in der „Kreuzzeitung" dazu gedient hat. in Deutschland den Antisemitismus zu verstärken, so stehen wir nicht an, offen und mit aller gewünschten Deutlichkeit zu erklären: W i r d e u t s ch c n I u d e n habe n mit diesen Vaterland Sv err ät er n nichts zu tun. Wir haben in dieser Zeitung oft genug den Standpunkt vertreten, daß die Juden eines jeden Landes das Recht und die Pflicht haben, sich als Angehörige dieses Landes zu fühlen und diese Anhänglichkeit durch Wort und Tat zu betätigen. Von diesem Standpunkte aus müßten wir die Lohalitätserklärung jüdischer und christlicher Makler, die in England leben, sich dort haben naturalisieren lassen und als Engländer fühlen, begreifen und billigen. Man müßte auch folgendes erwägen: Alle diese Männer, soweit sie Juden sind, haben ihr Vaterland meist nicht leichtsinnig ausgegeben. Viele davon sind aus dem Lande gegangen, weil dieses ihnen nicht das bot, was sie zu verlangen berechtigt waren. In England herrscht völlige Gleichstellung, in Deutschland leider eine solche nur auf dem Papier. Viele hat die Rücksicht auf ihre zukünftige Nachkommenschaft vertrieben, die in einem fremden Lande eine vollkommenere Ausbildung ihrer Kräfte finden sollte. Das mögen sich die Herren Antisemiten merken: wenn wohlhabende Juden in stärkerem Maße aus Deutschland auswandern als wohlhabende Christen, so geschieht dies selten oder nie aus Mißachtung oder auch nur ans Geringschätzung ihres Vaterlandes. sondern aus dem begreiflichen, ja wohl zu billigenden Streben, ihren Kräften und den Kräften derer, die nach ihnen kommen, eine stärkere Verwertung zu geben. Wenn man also wohl eine Entschuldigung für die Auswanderung und eine gewisse Billigung der Lohalitätserklärung finden kann, so steht bei diesem Aktenstück die Sache ander?. Zunächst sind alle diese oder die überwiegend größte Zahl dieser Männer nicht Kinder oder Enkel von Leuten, die seit Generationen in England leben, sondern sie sind alle selbst au« Deutschland ausgewandert. Sie stamnien aus Königsberg, Berlin, Hamburg, Frankfurt, München. Bamberg, Stuttgart und vielen kleineren Städten. Sie haben ihre Jugend in Deutschland verlebt, ihre geistige und kaufmännische Bildung in Deutschland erhalten. Sodann: es sind Männer, die einen wesentlichen Teil ihres Gewinnes, ja geradezu ihres Lebensunterhaltes ans ihrer Verbindung mit Deutschland ziehen. Sie sind daher keine Boll-, höchstens Halbengländer; sie können, da sie vielfach nur aus Bequemlichkeit, aus Handelsinteresse oder aus irgendwelchen materiellen Vorteilen die englische Staatsbürgerschaft nachgesucht haben, gar nicht englisch fühlen. Die Hauptsache aber ist die, diese Männer durften nicht, da sie eben durch Geburt und Erziehung Deutsche sind, wenn sie auch vielleicht, um persönlichen Bedrohungen, Verfolgungen i

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