Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 24 (11.6.1915)
- Date
- 1915-06-11
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3229177-3229202--71393-3283730- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
3 o e l, Ludwig S a ch s , Ernst M n h r , Tr. Paul Schottl.-ud-er, Martin Fraenkel, Carl Leipziger. s/s. Hirschberg i. Schl., 4. Juni. Unter großer Beteiligilng olgte auf dem hiesigen israelitischen Friedhöfe die Beisetzung des im Alter von fast 70 Jahren an einem Herzschläge vermiedenen Kaufmanns und Bankiers Joses Engel aus Warmirimn. Der Dahingefchiedene, der in seinem Heimatort Warmbrunn c ,e sehr angesehene Stellung einnahm, brachte allen gemeinnützigen ürebungen stets sein lebhaftestes Interesse entgegen. In der Gei! indevertretung fand sein kluger Rat stets gern Gehör. Dem Turul' ein gehörte er als Ehrenmitglied an. In der Hirschberger Shni, uzengemeinde bekleidete er das Amt eines Repräsentanten, und im i aelitischen Kursuszirkel zu Warmbrunn war er seit dessen Be-! indung Vorstandsmitglied. Politisch stand Engel alle Zeit unentit auf dem Boden der Fortschrittlichen Volkspartei. 22 Stolp i. P., 4. Juni. Kurz vor dem Wochenseste starb hier n Stolp der langjährige hochverdiente erste Vorsitzende der jüdischen o meinde, Lazarus Golde, in seinem achtzigsten Lebensjahre. " chrere Jahrzehnte hindurch war er Mitglied des Vorstandes, viele /. [)ve der Vorsitzende desselben. Unter seiner bewährten Leitung fand r ' Bau der Synagoge, der Leichenhalle und des Gemeindehauses statt.; ihrend der letzten zehn Jahre versah er auch das Amt eines ersten Suagogenvorstehers. Ganz ungewöhnlich waren die Hingebung und r peinliche Gewissenhaftigkeit, die Sorgfalt, Besonnenheit und reiche t chkenntnis, mit der er sich allen Aufgaben der Gemeinde widmete.; Anerkennung seiner hohen Verdienste um die Gemeinde war anläß- :■ i seines siebzigsten Geburtstages seitens der Gemeindeverwaltung die v unnls-Golde-Stiftung zur Unterstützung unbemittelter Erholungs- I' lirftiger ins Leben gerufen worden. Nicht lange darauf wurde ihm ' ums des Kaisers aus dein gleichen Grunde der Kronenorden vierter chse verliehen. Bei der Tranerfeier, der auch der Rabbiner aus uzig und der Oberbürgermeister unserer Stadt bciwwhnten, sprach t Rabbiner unserer Gemeinde, Herr Dr. Joseph, über den Text: üd seine Hände blieben aufrecht bis zürn Sonnenuntergang." Ter euer zeichnete ein Bild der seltenen Treue und Hingebung des vere ihm befreundeten Toten an die Zwecke der Gemeinde; wenn >endein Name, werde der Name Lazarus Golde in der Gemeinde - alp fortleben und fegenbringend fortwirken. L2 Kolberg, 4. Juni. Das Jüdische Kurhospital zu Kolberg l ' seit Kriegsausbruch als Reservelazarett gedient, ist nunmehr t seiner eigentlichen Bestimmung zurückgegeben worden. In dm maten Juli und August werden im wesentlichen Kinder unter Jahren ausgenommen werden, von Mitte August bis Mitte wber dagegen auch Erwachsene. Anmeldungen für Juli sind bis ' n 15. d. M. mit ärztlichen Zeugnissen bei dem Vorstand einzu Yen. Altona, 4. Juni. Der hiesigen israelitischen Gemeindefchule. d: anfangs in einem Hause an der Breiten Straße, dann in dem v ulse Böhmkenstraße 1 untergebracht war, wurde von dem Geindenritglied Isaak Hartwig von Essen im Jahre 1839 ver einer ansehnlichen Geldsumme, deren Zinsen alljährlich für! Zwecke der Schule verwendet werden sollen, das Haus an der ( ünen Straße 3 geschenkt. Die Schule siedelte am 25. Mai 1840, - o vor nunmehr 75 Jahren, in jenes Haus über und wurde im rbst desselben Jahres zu einer Lehranstalt für Knaben imb; adchen in gesonderten Klassen erweitert. Die Verwaltung der tule wird wahrgenommen von der aus einem Gemeindevorstandsltglied, zwei Gemeindevertretern, zwei Gemeindebürgern und dem -errabbiner bestehenden Schulkommission, welche die von der Könige - ''en Regierung zu bestätigenden Lehrkräfte wählt und beruft und >e die. Schule betreffenden äußeren Angelegenheiten besorgt. M. Hamburg, 4. Juni. Anläßlich des Jahrzeittagcs und der tznng des Grabsteines für den vor einem Jahre verstorbenen üllüner Jsaac Halevy fand im Ohel des Langenselder Friedses unter zahlreicher Beteiligung eine erhebende Gedenkfeier statt. 'Ae Gemeindeinstitutionen hatten ihre Vertretungen entsandt, oit der Altonaer Gemeinde waren die Herren Rabbinatsassessor nkesz und Wolfs Möller erschienen. Herr Rabbiner B a m b e r g e r hielt die Gedenkrede, in welcher er 'arlegte, daß Gott der Menschheit. Führer und Wegweiser lidet, wenn diese solcher bedarf. Ein solcher war der Verstorbene. Sein Werk „Doroth Horischonirn" ist nicht nur dem engen Kreise der jüdischen Forscher, sondern jedem Historiker, der sich in die Geschichte des Judentums vertieft, maßgebend (?). In -diesem Werke wollte Halevy nicht nur das Judentum der Vergangenheit schildern, er wollte vielmehr das Zeitgenössische Judentum aus dieser großen Vergangenheit heraus begreifen und verstehen lehren. Denn Halevy war kein weitabgewandter Forscher, sein Riesengeist und sein warmes, edles Herz gehörten vor allem der Gegenwart. Und es ist nur selbstverständlich, daß die große Organisation der Agudas Jisroel in Halevy ihren genialen Führer und Förderer fand. Halevy kannte die Vergangenheit und kannte und verstand die jüdische Gegenwart mit ihren vielgestaltigen Sorgen und Nöten. Die Taten der Gerechten sind ihr Angedenken. J. A. Nürnberg, 4. Juni. Ter Ausschuß f ü r v a t e r - ländische Feiern veranstaltete am 30. v. M. anläßlich des siegreichen Vordringens unserer und unserer verbündeten Truppen in Galizien einen Festabend, zu welchem als Redner Herr Gemeinderabbiner Tr. Freudenthal gewonnen war. Der große Saal des Industrie- und Kulturvereins war trotz des schönen Sommer abends bis auf den letzten Platz voll beseht. Herr Dr. Freudenthal, in weitesten Kreisen als glänzender Redner bekannt, führte aus, daß der Verlust Polens und Galiziens für den Panslawismus den allerschwersten Schlag bedeute, da diese Länder slawische Bollwerke gegen das Germanentum sein sollten. Unsere tapferen Soldaten im Osten haben unser teueres Vaterland nicht nur vor dem Einbruch der russischen Horden bewahrt, sondern der Weltgeschichte bedeutsame neue Bahnen gewiesen. Die vorbildlichen Charakterzüge des deutschen Bolkes, und zwar die unermüdliche Pflichterfüllung, die Begeisterung für alles Ideale, das zähe Ansharren bis zur Erreichung des Zieles haben unsere deutsche Truppen zum Siege geführt. Das deutsche Bolk, welches so Großes geleistet, kann nicht dazu bestintmt sein f.nterzngehen, sondern vielmehr der Welt die höchsten Güter, Kultur und Frieden, zu bringen. Die Zuhörer waren alle von dein Gehörten von hoher vaterländischer Begeisterung durchdrungen, so daß nicht allein während des Bortrages, sondern ganz besonders nach Schluß desselben lauter, langanhaltender Beifall einsetzte. — Speyer, 4. Juni. Dem Israelitischen Kreis-Asylverein für die Pfalz E. V. (Sitz in Speyer) gingen in jüngster Zeit wieder mehrere dankenswerte Spenden zu: Herr Emil Mayer-Kaiserslautern spendete zum ehrenden Andenken an seinen auf dein Felde der Ehre gefallenen Sohn den Betrag von 500 Mark. Die vor kurzem in Landau gestorbene Rentueriu Fräulein Amalie Reumann überließ dem Verein eine Stiftung in der Höhe von 1500 Mark. Zum ehrenden Andenken an seine in Bergzabern gestorbenen Eltern überwies Herr B. Bär in Strnßburg i. Elf. eine Schenkung im Betrage von 500 Mark. Amrriks. <^r> New York, 10. Mai. Am 6. d. M. fand in New York, in Cooper Union, eine Massenversammlung der New Parker Inden statt. Die Versammlung drückte ihre Sympathie für den Kampf des polnischen Volkes um seine Befreiung und Selbständigkeit ans, protestierte aber gegen die unmenschliche Behandlung der polnischen Juden und stellte die Grundsätze fest, nach denen die rechtliche Regelung des zukünftigen Gemeinwesens in Polen vorgenommeu werden sollte. Die Resolution wurde einstimmig von der Versanunlung, in der zirka 4000 Inden anwesend waren, angenommen. Viele Tausende mußten, da der Saal zu klein war, draußen bleiben. Die Resolution, die eine Reihe von beachtenswerten Anregungen enthält, hat folgenden Wortlaut: „Obgleich die feindlichen Beziehungen großer Teile des polnischen Volkes, polnischer Organisationen und polnischer Zeitungen zu der jüdischen Bevölkerung in Polen, die ihren Ausdruck gefunden haben in Boykotts, Unterdrückungen und Denunziationen in der Kriegszoue und blutige russische Militärpogrome zur Folge haben, eine tiefere Verbitterung geschaffen haben, bei den Inden der ganzen Welt gegen die polnische Gesellschaft, so identifizieren Nur doch nicht das polnische Volk als solches mit den finsteren Kräften des polnischen Chauvinismus und ändern nicht unsere sympathische Haltung znm Kampf des polnischen Volkes für seine Befreiung, Wiedervereinigung und Selbständigkeit. Aber zugleich müssen wir konstatieren, daß die polnischen Parteien es ablehnen, der jüdischen Bevölkerung im zukünftigen Polen rechtliche Garantien für ihre nationale Existenz zu gewähren, und daß diese Parteien die polnische Freiheit auf nationaler Recht-