Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 24 (11.6.1915)
- Date
- 1915-06-11
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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4 lofujfcit tutb ^(fftintlk'rimi] der jüdischen Minderheit ailfbauen wollen. Die Weigerung, den Juden nationale Rechte zu gewähren, nracht wertlos die Bereitschaft der Polen, den Inden bürgerliche Gleichberechtigung einznränmen. Denn die systematische Agitation der polnischen Parteien gegen die Anerkennung der Inden hat eine Atmosphäre des Hasses gegen die Inden geschaffen und so den Boden vorbereitet für einen Bernichtungskampf gegen die drei Millionen polnischer Inden. Ein dauernder nationaler Friede zwischen Polen und Juden ist nur dann möglich, wenn-im zukünftigen freien Polen der großen jüdischen Minderheit außer bürgerlicher Gleichberechtigung auch die national-politische Gleichberechtigung bei den Wahlen in der Stadt- und Landesverwaltimg gewährleistet wird; ebenso müssen auch den Inden nationale Rechte in der Gemeinde, in Schule und Sprache und die Selbstverwaltung ihrer eigenen nationalen Angelegenheiten gewährt werden." Von MH und Fern. - Die W a i s e n k o m m i s s i o n der Berliner jüdischen Gemeinde sucht P f l e g e st e l l e n für jüdische Kinder im Alter von 2 bis 12 fahren. Der Pensionspreis beträgt monatlich 30 Mark; Anstagen für Betteidung iverden besonders vergütet. Meldungen sind an das Zentralbiirean der jüdischen Gemeinde, Oranienburger Straße 29, III, zu richten. — Das Stipendium der I u l i u s - A d e l h e i d - S t i f - t u n g im Betrage von 240 Mark soll für das Kalenderjahr 1916 an einen talentvollen, würdigen und bedürftigen Studierenden des Baufachs jüdischen Glaubens verliehen werden. Bewerber haben ihre Gesuche bis znm 15. Juli an Professor Dr. Kali scher in Berlin, Konstanzer Straße 1, einzureichen. — Ter Tod des jungen, hochbegabten Ehemikers Dr. M a x R a p a p o r t, der im Alter von 25 Jahren einer vor Wern erlittenen Berwundung erlegen ist, bedeutet einen Verlust für die Wissenschaft. Rapaport, der ans Leipzig stammte, war zuletzt Privatassistent bei Professor Emil Fischer. Mit seinem großen Lehrer gemeinsam veröffentlichte er Untersuchungen, in denen gezeigt wird, daß die Pyrogallolknrbousäure genau so wie die Gallussäure zur Bereitung von Depstden und Gerbstoffen benutzt iverden kann. Emil F i s ch e r berichtete hierüber sowohl in der Akademie der Wissenschaften wie auf dem Naturforscherkongreß in Wien 1913. — Ter Berliner Frauenarzt Tr. I. Loewenberg erhielt den sächsischen Albrechts-Orden erster Klasse mit Eichenlaub. -- Die Bearbeitung der p a l ä st i n e n fischen Synagogenr u i n e n ist von Professor W a tz i n g e r , wie in der jüngst in Berlin unter Vorsitz des Herrn Tr. I a m es S i m o n abgehaltenen Hauptversammlung der Deutschen Orientgesellschaft berichtet wurde, zu Ende geführt und jetzt in Druck gegeben worden. — Der frühere türkische Finanzminister T s ch a w i d Bei besichtigte kürzlich mit Finanzrat v. Wassermann unter Führung der Direktion die Werke der H i r s ch - K u p f e r - und Rc e s s i n g w e r k e Akt.-Ges. bei Eberslvalde und bekundete großes Interesse für die einzelnen Zweige der Munitionsfabrik. ----- Als Privatdozent für innere Medizin habilitierte sich in der Berliner medizinischen Fakultät der Assistent an der zloeiten medizinischen Klinik Dr. med. Heinrich L i p p m a n n , bisher Privatdozent an der Universität Königsberg i. Pr., mit einer Antrittsvorlesung über die „Bekämpfung der Kriegsseuchen in früheren Zeiten". — In Danzig starb am 17. v. M. Herr Martin Kadi s ch , Ehrenvorsitzender der Synagogengemeinde Danzig, Vorsitzender der Ortskasse für jüdische Wandcrarmenpflege, Mitglied des Vorstandes des Easpar L a ch m a n scheu Provinzialwaisenhauses in Graudenz, Vorsitzender und Ehrenmitglied der Ehewra Kaddischa. Sein Tod hinterläßt eine große Lücke. — Für das Rote Kreuz spendeten in Posen unter anderen die Herren Leopold W r e s ch i n s k i 3000 Mark, Kommerzienrat K a n t o r o w i c z 1000 Mark, S i e'b n r t h S ö h n e 200 Mark. — Gerichtsassessor Tr. Wronker, Leutnant der Reserve, bisher Militärhilfsrichter I>ei dem Kriegsgericht der Landwehrinspektion in Breslau, ist als Kriegsgerichtsrnt dem Gericht der stellvertretenden 23. Insanteriebrigade in Gleiwitz zugewiesen. - Die Stadtverwaltung in Dortmund hat eine Anzahl russischer Juden als Straßenbahnschafsner angestellt. —- Aus Frankfurt n. M. wird berichtet: Nach achtwöchiger Reise traf der Lazarettzug wieder hier ein. Er brachte Berlvundete nach dem Reservelazarett Mainkur und anderen hiesigen Lazaretten. In den. letzten Wochen konnten durch den Verein für jüdische Krankenpflegerinnen gestiftete 15 Kisten und Gaben aller Art hiesiger Privater unseren Truppen und den Etappenkranken Häusern überbracht iverden. Ter Zug bleibt einige Tage hier zu-- Reinigung und Herstellung eines Wagens zur Erhaltung und Kühlnn: des Proviants im Sommer. — Wie aus Straßburg gemeldet wirb, hat der Gouverneur aus erhobene Vorstellungen hin die Verordmirn vom 6. Mai, betreffend das Schächten, dahin abgeündert, daß die An zahl der zmn Schächten freigegebenen Schlachttiere von 3 Prozent au 6 Prozent der den Juden zum Genuß erlaubten Tiergattungen erhob wird. Auch ist die Einfuhr von Hintervierteln geschachteter Tiere i: unverarbeitetem Zustande gestattet worden. — Die „Wiener Morgen zeitnng" berichtet von einer neuen russischen Liebenswürdigkeit für i>; Inden. Gefallene jüdische Soldaten haben nicht das Recht, mit ihrer vollen Namen in den Verlustlisten zu erscheinen. Demzufolge nur, der „Nowi Woschod", das Organ der jüdischen Asstmilanken, ein Liste auf dem Schlachtfelde gefallener jüdischer Soldaten bringen, d nichts enthält, als die Anfangsbuchstaben der Namen. — Die Bnd pester Ehewra Kaddischa hat im Jahre 1914 1 457 898 Kronen verarn gabt. Die Ehewra, die ein Vermögen von 7 229 972 Kronen verwalte. hat die galizischen Flüchtlinge reichlich unterstützt. Für die Beivundetenspitäler sind 100 200 Kronen für das Jahr 1915 Prälim liiert. - Wie man uns aus Preßbnrg schreibt, meldeten sich dort d Hörer der orthodoxen Rabbinerschnle, die vom 4. Jahrgange ab i. Ungarn vom Militärdienste befreit sind, freiwillig zur Dienstteistm! bei der Sanitätsabteilung in Preßbnrg; sie werden wahrscheinli' nächstens als Krankenpfleger bei Lazaretten eingeteilt werden. An London wird geschrieben: In der Jahresversammlung des Hospita sonds wurde eine Adresse des Königs Georg verlesen, worin er d< verstorbenen Lord Rothschild betrauert. Er habe aus Wmii Eduards Vll. Lord Rothschild zum Schatzmeister des Hospitalsom gemacht. Der Fonds lvie ganz England haben in Rothschild „dm guten Ratgeber, einen unermüdlichen Arbeiter für die Interessen d öffentlichen Wohlfahrt verloren". — In Moskau fand neuerdings cii Versammlung zugunsten der notleidenden jüdischen Flüchtlinge in Evakuierten statt. Es wurde eine Selbsthilfe beschlossen, die eine A Selbstbestenerung sein soll. Eine Gruppe von Großkaufleuten in Industriellen zeichnete den Betrag von 200 000 Rubel jährlü eine Gruppe von Handelsangestellten 40 000 Rubel, von Aerzte: 75 000 Rubel nsw. Man glaubt, auf diese Weise in Moskau den Betr» von 1 Million Rubel jährlicher Unterstützung zusammenzubriugen. D Zahl der Flüchtlinge und Evakuierten beträgt ungefähr 200 000, und tr unter ihnen herrschende Rot ist sehr groß. - - Wie ferner au Moskau berichtet wird, wurde der Führer des „Bund" (Jüdische Arbeiterbund in Litauen, Polen und Rußland), W. Medem, wegen Zu gehörigkeit zu dieser Organisation zu vier Jahren Katorga verurteil! Sechs andere Personen wurden wegen desselben Verbrechens im lebenslänglicher Katorga bestraft. Medem ist, wie bekannt, ein Soll des Moskauer Staatsrates Medem, eines getauften Juden. Ter Solu spielte, obwohl als Ehrist geboren, eine bedeutende Rolle in der jüdi scheu Arbeiterbewegung in Rußland. — In Bialystok ist Tr. Jose Ehazanowicz, einer der populärsten Männer der russische! Jndenheit, im Alter von 70 Jahren verschieden. Er gehörte zu der eifrigsten Ziousfreunden in der Zeit vor Herzt und schloß sich, al Herzl die politische Bewegung hinauffnhrte, dieser ohne Einschränkim an. Die Sympathien, die Ehazanowicz so reichlich zuslossen, galtr ebenso sehr seiner Person als seinem Werke: der jüdische! N a t i o n a l b i b l i o t h e k in Jerusalem, deren eigentlicher Name Midrasch Abarbanel lautet. Ans kleinsten Anfängen ha. Ehazanowicz eine Sammlung von ungefähr 40 000 Bänden zusammen gebracht, darunter viele Seltenheiten und Handschriften. — lieber di- Zahl der Juden in der Türkei iverden folgende statistische Angabe! gemacht: In der europäischen Türkei leben etwa 100 000 jüdisch Seelen, in der afrikanischen Türkei 300 000 und in Aegypten 45 000 Am stärksten sind die Juden im Bezirk Jerusalem vertreten, wo sie mi: zirka 90 000 Seelen ein Viertel der Gesämtbevölkerung ansmachen In der Stadt Jerusalem selbst sind allein 70 000 Juden, zirka zwe: Drittel der Gesamtbevölkerung. — Das amerikanisch-jüdische Hilst komitee hat neuerdings gesendet: nach Russisch-Polen 75 000, nach Deutsch-Polen 75 000, nach dem besetzten Galizien 250 000, nach Serbien 15 000, nach Syrien 10 000, nach Palästina 80 000 Frank. Verantwortlicher Redakteur: A l b e r t K a tz in Berlin-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Reinh. Mausolss, Berlin 6 2. Druck und Verlag von Rudolf Mosse.