Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 24 (11.6.1915)
- Date
- 1915-06-11
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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2 Böcke ltitb sonstiges Sturmgerät waren in ihrer technischen Ausführung doch noch so primitiv, daß sie den Festungsmauern wenig anhaben konnten. Große Städte, wie Jerusalem und Samaria, konnten nur durch Aushungern genommen werden, wie dies NebukaLmezar ja tatsächlich gelungen ist. Aber eine solch standhafte Belagerungstätigkeit gehörte zu kriegerischen Seltenheiten der alttestamentlichen Zeiten. In der Regel zog der Feind, wenn sich die belagerte Festung nicht gutwillig ergeben wollte, in stolzer Resignation wieder ab. Wohlverdienter Beifall lohnte den Redner für seine ebenso interestanten wie lehrreichen Ausführungen. Berlin, 8. Juni. Von der I ü d i s ch e n T u r u e r s ch a f t erhalten wir mit der Bitte um Veröffentlichung nachstehenden Aufruf: Der Kriegswinter ist vorbei, und zahlreicheBriefe aus dem Felde haben uns gezeigt, daß di eD ah eiin gebliebenen ihr Teil dazu beigetragen haben, unseren Turnern draußen Erleichterungen bei den schweren Strapazen der Willtermonate zu verschaffen. Aber wir wollen darum nicht zufrieden die Hände in den Schoß legen. Die Sommermonate nahen und mit ihnen die drückende Last der Hitze und des Staubes. Wer die Sonnncrarbeit unserer jüdischen Turner kennt, weiß, daß sie sich allen Rtühseligkeiten gewachsen zeigen werden. Trotzdem ist es an uns, ihnen durch Liebesgaben zu beweisen, daß unser Herz bei ihnen ist. Auch die kleinste Gabe kann Erquickung in schwerer Stunde bringen. Jüdische Turner und Krieger! Dieser Zusammenklang macht uns froh, denn er bedeutet Begeisterung und Kraft. Auf diesem Boden wird die Zukunft unseres Volkes blühen. Darum wollen wir, wie im Winter, auch jetzt wieder Liebesgaben an unsere Turner ins Feld schicken. Wir werden auch diesmal nicht vergeblich bitten. Alle Spenden (Lebensmittel, Getränke, Erfrischungen, Marmeladen, Schokolade, Rauchwerk usw.) sind zu adressieren an das Bureau der Jüdischen Turnerschaft, Berlin W 15, Bleibtreustraße 25. Eingeschriebene und Geldsendungen sind. an die persönliche Adresse unserer Sekretärin Fräulein Anni Zucker (für die Jüdische Turnerschaft), Berlin W 15, Bleibtreustraße 25, zu richten. 7^7 Königsberg, 4. Juni. Der hiesige israelitische Studienverein hielt am 27. v. M., abends, im Sitzungszimmer der Shnagogengemeinde unter Leitung seines Vorsitzenden Justizrat Holz seine ordentliche Hauptversammlung ab. In Erledigung der Tagesordnung wurden zunächst die satzungsgemäß ausscheidenden Mitglieder Dr. med. A. Pelz, Professor Eohn und Fabrikbesitzer S. Winter wiedergewählt. Dem Vorstande konnte auf Grund des Berichts der Rechnungssührer Entlastung erteilt werden. Die Kassenverhältnisse haben sich infolge des Krieges erheblich günstiger gestaltet als in den Vorjahren, da die Zahl der Studierenden infolge des Krieges zurückgegangen ist; sie dürsten sich für die nächste Zukunft auch noch weiter günstiger gestalten, da anzunehmen ist, daß russisch-jüdische Studierende für die nächste Zeit sich studienhalber nicht nach hier begeben werden. Die Tagesordnung war damit erledigt. 2/D Bromberg, 4. Juni. Am 1. d. M. feierte der Erste Lehrer der hiesigen Shnagogengemeinde, H e r r I. H e r z b e r g, sein ,'5jähriges Orts- und 40jähriges Lehrerjubiläum. Infolge des Krieges waren der Feier nur enge Grenzen gesetzt. Trotzdem ließen es sich die Gemeindemitglieder nicht nehmen, ihre regste Anteilnahme zu bekunden. Der Vorstand urtb das Repräsentantenkollegium der Synagogengeineinde übermittelten dem Jubilar ein in herzlichen Worten abgefaßtes Glückwunschschreiben unter Zuwendung einer erheblichen Ehrengabe. Ferner erschienen Vertreter der E hebrakaddisch a, deren Ehrenmitglied und Schriftführer der Jubilar ist, wie auch des I ü dischen I u g e n d v e r e i n s, dessen erster Vorsitzender Herr Herzberg ist, und überreichten unter dem Ausdruck herzlicher Glückwünsche recht ansehnliche Geschenke. Auch der Verein für jüdische Geschichte und Literatur übermittelte seine Glückwünsche. Zahllos waren die Gratulanten, die in der Behausung des Jubilars erschienen, um, vielfach unter Ueberreichung von prächtigen, duftenden Blumenspenden oder anderen kostbaren Angebinden, diesen zu erfreuen. Aus nah und fern liefen Telegramme und Briefe in großer Zahl ein. Nachmittags mud in der blumengeschmückten Aula der Gemeindereligionsschule zu Ehren des Jubilars ein besonderer feierlicher Festakt statt, zu dem sämtliche Schüler und Schülerinnen sowie ein Vertreter der Gemeindeverwaltung erschienen waren und bei dem sowohl der Schulleiter, Herr Rabbiner Dr. Walter, als auch der Jubilar Ansprachen hielten und eine Schülerin ein der Feier entsprechendes Gedicht vortrug. Harmoniumspiel leitete die eindrucksvolle Feie. in deren Verlauf der Herr Schulleiter ein von Schülern m > Schülerinnen der Religionsfchule gestiftetes Geschenk, bestehend i einem kostbaren Tafelaufsatz, dem Jubilar überreichte, ein m.> beschloß sie. ### Breslau, 4. Juni. Dem soeben zur Ausgabe gelaugt t Rechenschaftsbericht des Israelitischen S i eche n h a u s e n Arnold und Herrmann S ch o t t l ä n d e r s ch e S t i f t lt w \ Zu Breslau für die Jahre 1912, 1913 imb 1914 entnehmen wir fr Agende Angaben: Seit langen Jahren hatte sich in der Reihe d v zahlreichen Wohltätigkeitsanstalteil der Breslauer Gemeinde En Fehlen Zeines jüdischen Siechenhauses in beklagenswerter Weise fiil bar gemacht. Es mangelte an einer geeigneten Unterkunft für soll? Personell, die wegen chronischer Leiden oder aus sonstigen ©riuiiv; als siech zu bezeichnen sind und besonderer Pflege und Wartung l dürfen. „Das schwere Los dieser Armell zu verbessern," führt d Bericht aus, „war seit Jahren unser eifrigstes Bestreben. Daß w durch die Errichtung des neuen israelitischen Siechenhauses a >' unserem Grundstück an der Menzelstraße 93 dieses Ziel nunmehr e reicht haben, verdanken wir der edlen Gesinnung der dahingeschieden; Frau Geheimen Sanitätsrat Clara Alt mann, geborenen Werm deren Vermächtnis für unsere Anstalt in Höhe von ca. 170 000 Mn uns den Bau ermöglicht hat, vor allem aber der Hochherzigkeit d Herrn Herrmann Schottländer und seines verewigten Bruder Arnold Schottländer. Durch ihre großzügige Stiftung, die uns den Ziigennß eines Kapitals von 250 000 Mark für die Zwecke des Siechenhaw gewährt, haben wir eine gesicherte Unterlage für den Betrieb d Siechenhauses erhalten." Tie Namen der edlen Stifter sind all d Hauptfront des Stiftungsgebäudes zur ewigen Erinnerung angebran worden. Als Zeichen unvergänglicher Dankbarkeit ist den dahi geschiedenen Wohltätern, Frau Geheimen Sanitätsrat Clara Amann und Herrn Arnold Schottländer, die „Immerwährende M gliedschaft" der Krankenverpflegungs-Anstalt und des Siechenhau' - verliehen worden. Das Israelitische Siechenhaus wird in Geirw heit des mit Herrn Herrmann Schottländer abgeschlossenen Stiftung Vertrages und auf Grund der dem Berichte beigefügten genehmig! Satzungen als Zweiganstalt der Israelitischen Krankenverpflegungs-A stalt und Beerdigungs-Gesellschaft verwaltet. Das Siechenhaus ist u den Entwürfen sowie unter Leitung der Herren Negierungsbaumeist N. und P. Ehrlich erbaut worden und reiht sich in stiller Architekt, den von der Krankenanstalt errichteten allgrenzenden Gebäuden r Alle Forderungen der modernen Hygiene haben bei der Bauau führung in weitestgehendem Maße Berücksichtigung gefunden, in besondere finb alle Einrichtungen vorgesehen, lrm den Siechen i jeder Hinsicht einen behaglichen Aufenthalt zu bieten. Das Sieche> Haus wurde am 1. Dezember 1912 durch eine Emwelhungsstier i Sitzungssaale des Israelitischen Krankenhauses, an die sich eine B sichtigung des neuen Hauses schloß, seiner Bestimmirng übergebe: Bei der Eröffnung der Anstalt wurden anfgenornmen 5 Insasse neue Aufnahmen fanden seitdem 16 statt, das ergibt 21 Jusasft Es schieden alls durch Tod 7 Insassen, so daß am 31. Dezember 19 i 14 Insassen in der Anstalt verblieben. Die Bewirtschaftung de Siechenhauses einschließlich der Beköstigung der Insassen und A gestellten erfolgt durch das Krankenhaus; ebenso die Heizung in. ■ Beleuchtung durch die Zentrale des Krankenhauses. Die Beaufsickr gmlg des gesamten Hauswesens ist einer dem Siechenhans vom n dischen Schwesternheim hierstlbst überlassenen Oberschwester übe tragen. Als Ehrendameu haben sich Frau Clara Schottland'? und Frall Martha Braß in liebenswürdiger Weise zur Berfügin i gestellt. Der Rechnungsabschluß des Israelitischell Siechenhauses n " die Zeit bis zum 31. Dezember 1914 ist dem Berichte beigefügt, de gleichen ein Verzeichnis der von Gönnern der Anstalt zugewendeb Spenden. Der Bericht schließt mit der Bitte an die Gemeinden!; glieder, auch dieser neuen Schöpfung jüdischer Wohltätigkeit H Wohlwollen zuzuwenden und die Verwaltung durch hon herzige Spenden, insbesondere durch Stiftungen gem.A 8 10 der Satzungen, in den Stand zu setzen, d Segnungen der Anstalt in immer weiterem Umfange arm«.! stechen Glaubensgenossen zuteil werden zu lassen. Der Vm stand des Israelitischen Siechenhauses ist aus folgenden Herren zisammengesetzt: Eduard Sachs, D. Mugdan, Louis Schle s i n g e r, I o s e f D e u t s ch, S i m o n S ch e y e, Justizrat Car!