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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-06-11 · Heft 24 (11.6.1915) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 24 (11.6.1915)
Date
1915-06-11
Page
– (sequence 13)
Language
German
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79. Jahrgang Nr. 24 Berlin, II. Juni 1915 Der Oemetndevote. Veilsgr zur „Allgemetmn Leitung bt§ Judentums". tiorrrlpondrn?m und Nachrichten. Lkutschland. R. Berlin, 6. Juni. Tie heutige Sitzung der R e p r ä sen - i a t e n n c r f n m nt l u n g eröfsnete der Vorsitzende, Herr Direktor IM i n d e n , mit der Verlesung eines Schreibens des im -Felde '! ixenden Seminarlehrers Herrn Leutnant Sender, der das ü u dom Vorstand angebotene Ehrengehalt dankend ablehut. Er habe l ne Schuldigkeit getan, weiter nichts; er bittet, mit ihm keine Ausi!nne nmchen zu wollen. (Beifall.) — Tie Versammlung beschließt i. ann die Annahme folgender Zuwendungen Zu Grabeserhaltungen: Te letztwillige Zuwendung der Eheleute Julius Jsaac Cohn und ' rta geb. Gottschalk im Betrage von 2000 Mark, die letztwillige , iveudung der 'Rentiere ^l u na S a l o m o n geb. Potocky-Nelken im irage von 2045 Mark, die letztwillige Zuwendung des Rentiers D a - i dHi r s ch im Betrage von 4182 Mark. —• Von dem von der Kom- . mon zur Auslvahl von Ehrenbeamten erstatteten Geschäftsbericht;t ihre Tätigkeit im Jahre 1914 wird Kenntnis genommen. — lieber; ukt 8 der Tagesordnung, Einrichtung von Jugendgottesdienst nach cm Ritus an den diesjährigen hohen Festtagen, referierte Herr Justiz- : - Dr. Cohn: Seit Jahren ist es ein Wunsch vieler Gemeindemiteder, einen Jugendgottesdienst nach altem Ritus zu haben. Auch die Jahre 1898 eingesetzte Kommission sprach sich dafür ans, doch traten denken in die Erscheinung, welche Agende diesem Gottesdienst zugrunde egt werden sollte. Eine Fachkommission legte einen entsprechenden endenentwurs vor, über den namentlich infolge des Widerspruchs des rrn Rabbiners Tr. Eschelbacher keine Einigung erzielt werden; mte. Herr Tr. Eschelbacher wurde beauftragt, seinerseits einen Entrf auszuarbeiten, den er im Jahre 1903 dem Gemeindevorstand Vörie. Eine von den Gemeindebehörden eingesetzte gemischte Deputation iet bis zum Jahre 1905 über diese Angelegenheit, ohne zu einem utiven Resultat zu gelangen. Erst im Jahre 1907 und später im hre 1914 wurde die Frage der Einrichtung eines Jugendgottesdienstes h altem Ritus wiederum aufgeworfen. Rach Befragung der Ge- ulderabbiner hat der Vorstand beschlossen, bereits in diesem Jahre en Jugendgottesdienst nach alteur Ritus zu veranstalten. Dem üesdienste sollte ursprünglich als Gebetordnung der Rödelheimer ' '>nr oder das Sachssche Gebetbuch mit «der durch den alten Ritus geschriebenen Thora- und Haftora-Vorlesung zugrunde gelegt und ' entsprechende Agende besonders gedruckt werden. Ter Gottesdienst te außer an den beiden Tagen des Neujahrsfestes und am Bernmgstag auch am Kol Nidre-Abend stattfinden. Diesen Grundsätzen aas; wurde der Entwurf einer Agende ausgearbeitet, welcher von den rren Rabbinern Tr. Eschelbacher und Tr. Petuchowski begutachtet rden ist. Herr Tr. Eschelbacher hat sich in seinem Gutachtengegen die richtung eines Jugendgottesdienstes nach alteur Ritus ausgesprochen, ist aus sachlichen Bedenken gegen die vorgeschlageire Gebetordnung, adern wegen der großen Schwierigkeiten, auf die die Ausführung heu würde. Ter Gottesdienst am Neujahrsfest würde mindestens i Stunden in Anspruch nehmen. Eine große Zumutung für Kinder a 8 bis 13 Jahren! Ten reiferen Kindern könnte der Eintritt zu den vervativen Hauptgottesdiensten in den Betsäten gestattet und Zahl der konservativen Hauptgottesdienste, die bisher nur zwei be- .'g. vermehrt werden. Herr Tr. Petucholvski weist darauf hin, daß einer anderen Berliner Gemeinde ein ähnlicher Jugendgottesdieust al vollem Erfolge seit Jahren besteht; es möge auch von unserer Gerade zunächst ein Versuch gemacht werden. Tie lange Tauer des itesdienstes erscheine ihm nicht bedenklich. Allerdings müßte auch eine ausreichende Vorbildung der Kinder für diesen Gottesdienst arge getragen werden. Tie Agende lvürde ein Buch von 500 bis 600 nteu geben. Herr Justizrat Cohn bittet, den Antrag des Vorstandes uplnehmen. Herr Professor Blaschke bittet über einige Punkte :il Aufklärung: Es sei nicht gesagt, in welcher Stadtgegend der konserltive Jugendgottesdienst eingerichtet werden soll, ob für Knaben allein ^er für Knaben und Mädchen (für Mädchen halte er ihn nicht für ge- Met). Es soll eine Anzahl von Gebetstücken hinzugefügt werden, welcher Art seien diese? Auch ist keine Altersgrenze angegeben. Aeltere Knaben und Mädchen haben durchaus keinen günstigen Einfluß auf jüngere, sie stören oft durch lautes Reden und anmaßendes Wesen. Auch ist nicht ersichtlich, ob am Verföhnungstag zu Mincha Leviticus, Kapitel 18 oder 19, gelesen werden soll. Kapitel 18 ist im Sachs scheu Machsor nicht übersetzt. Ferner ist es störend, wenn mehrere Lehrer während des Gottesdienstes den Kindern die Gebetstücke ansschlagen: es empfehle sich, Tafeln mit deutlicher Schrift anbringen zu lasten. Von seiten des Vorstandes erwidert Herr Syndikus L i l i e n t h a l: Tie heutige Vorlage habe nur eine prinzipielle Bedeutung. Schon in der nächsten Sitzung lvürde eine zweite Vorlage alle Bedenken entfernen. Bei der Abstimmung wird der Antrag des Vorstandes angenommen. — Herr Dr. Hirschberg hat sein Amt als A-eltesten- StellVertreter niedergelegt. Tie Ersatzwahl stehe noch aus. Herr Professor Dr. Eugen Mittwoch lvird zum Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Bibliothekskommission gewählt, Herr Zahnarzt Adolf Caro zum Mitglied des Vorstandes der Alten Synagoge, Herr Emil Henschel zum Mitglied der Waisenkonunission, Herr Baurat Bernhard Marcuse zum Mitglied der Baukommission. — Herr- Emil Pincus berichtet alsdann über den Etat des Krankenhauses für 1915. Bei den gegenwärtigen Verhältnissen habe die Aufstellung besondere Schwierigkeiten bereitet. Ter Etat schließt bei einem Gemeindezuschuß von 216 875 Mark in Eillnahme und Ausgabe mit 553 085 Mark ab. — Es folgen Bewilligungen: Für einen Einbau in der; Spieltisch der Orgel in der Synagoge Levetzowstraße 110 Mark. Für Nachanschaffungen und Aenderungen im neuen Krankenhaus nach den Kostenanschlägen der Herren Reimert und Körte 9424,50 Mark. Zur Anschaffung von Betten für das neue Krankenhaus 867,25 Mark. Für ein Ehrenfeld auf dem Friedhose in Weißensee, mit Ausnahme des in der Mittellinie zu errichtenden Denkmals, über dessen Gestaltung die Beschlllßsassung Vorbehalten bleibt, 20 000 Mark mit der Maßgabe, während der Kriegszeit von der baulichen Ausgestaltung des Ehrenfeldes Abstand zu nehmen sei. Für den jüdischen Hilfsfonds 1915 mit der Zweckbestimmung für Palästina ein einmaliger Beitrag von 3000 Mark. Für die Mietung der beiden Säle der Neuen Philharmonie, Köpenicker Straße, zur Veranstaltung von Haupt- und Jugendgottesdiensten an den diesjährigen Feiertagen 1150 Mark. Berlin, 8. Juni. In die Kinderjahre des Krieges versetzte ein Vortrag, den Dr. RudvlfLesz y n s t y jüngst in der Vorderasiatischen Gesellschaft hielt: ,,Kriegführung nach biblischen Berichten." Klingt es uns schon wie ein Märchen, wenn wir lesen, daß Alexander der Große mit einem Aufgebot von kaum 35 000 Atann den ganzen Orient überwältigt hat, wie unglaublich erscheinen uns erst die Liliputzahlen, die wir aus biblischen Kriegsberichten erfahren. Ta lesen wir von den ,,großen Verlusten" der Israeliten im Kampfe gegen Gibeon. Tie Zahl der Toten betrug ganze 30 Mann! Das ägyptische Heer, das nach Palästina kam und das ganze Land eroberte, belief sich auf 5000 Manu. Sanl kämpfte gegen die Philister zunächst mit einer ,.Armee" von 600 Mann, die sich nach weiterem Aufgebot — ungefähr in der Instanz unseres Landsturms — auf 1000 Mann erhöhte. In den gleichen Zahlengrenzen bewegte sich das Heer Davids. Nach dem 1. Buche der Könige verfügte Achab in Samarien über kaum 7000 Wehrfähige, zu denen allerdings noch etwa 230 beamtete Gendarmeriesoldaten hinzuzurechnen sind. Kommt es uns nicht ganz seltsam vor, wenn da nach einer Schlacht von einem ,,Nachschub" von 3 Mann, 2 Wagen und 4 Bogen die Rede ist! Aber die ganze Kriegführung jener Tage mutet ja im Vergleich zu unseren jetzigen Blutschlachten überhaupt wie eine kleine Balgerei an. Man lese mir die biblischen Berichte, wie die feindlichen Heere einander auf Rufweite gegenüberstehen und sich vor Beginn des Kampfes zunächst gegenseitig in Verbalinjurien überbieten, um sich so künstlich in den ,,heiligen Zorn" zu versetzen, ohne den sie nicht kämpfen können. Auch die Einzelkämpfe, die einem Gesamtangriff bisweilen vorangingen, waren mit den rücksichtsvollen Abmachungen, die die Gegner häufig untereinander trafen, kaum ernster als die erste Mensur zweier Füchse zu nehmen. Wie der Feldkrieg, so trug auch der Festungskrieg den Charakter patriarchalischer Gemütlichkeit. Fahrbare Türme,

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