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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-06-11 · Heft 24 (11.6.1915) · p. Seite 279

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 24 (11.6.1915)
Date
1915-06-11
Page
Seite 279 (sequence 3)
Language
German
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279 i einen Hilfskreuzer umgewandelt wurde. Das Schiff hatte einige lanonert an Bord, die bald, nachdem die „Lusitcmia" die territoriale Deimeilenzorie überschritten hatte, an Deck postiert Zu werden Pflegen. Davon abgesehen aber, daß die „Lusitania" ein Hilfskreuzer war nb große Mengen Munition an Bord führte, hatte das Schiff j i00 Kisten Kriegsmaterial für die englische Armee und Flotte an j wrd. Deutschland hat das vollste Recht gehabt, in Kriegszeiten ein : olches Schiff zu versenken. . . . England hat zu sehr an seine See-! errschast geglaubt und daher das große Unglück. Für die vielen! "pfer der „Lusitania" ist zuerst England zu tadeln, und dann müssen je Reisenden selbst, die die deutsche Warnung nicht beachtet haben,! ir ihren Leichtsinn getadelt werden." * keiner Seite Hilfe gebracht werden. In der Stadt Lomcza selbst befinden sich über 4000 obdachlose Juden. Um die Rot nur einigermaßen zu lindern, ist mindestens eine Million Rubel erforderlich. Die Krankheitsfälle nehmen mit jedem Tage zu. Es fehlt auch an ärztlicher Hilfeleistung. Daher wurde beschlossen, sich mit einem Aufruf um Hilfe an die israelitische Bevölkerung ganz Rußlands zu wenden. Auch beabsichtigt man, die bemittelten Juden zugunsten ihrer notleidenden Glaubensgenossen zu besteuern. Diese Steuer würde allein in Moskau eine Million Rubel einbringeu. * Die „Neue Freie Presse" schreibt: Jüdische Z i v i l b e v ö l k e r n n g a l 8 De cf n n g d e v r lt ssis ch cn F r o n t. Ueber die fürchterlichen Greuel, die in Rußland gegeniber Juden verübt werden, entnehmen wir verschiedenen 'lättern, dem „Berliner Tageblatt", der Frankfurter Zeitung" md der „Nordd. Allg. Zeitung' otgende Notizen: Wien, 31. Mai. Aus dem Kriegspressequartier wird lemeldet: Wegen angeblichen Verrats .aben die Russen siebzig der ältesten \nben von Sadagora nach Rußland veggeschleppt. Veranlassung zu dieser Gewalttat boten die Auffindung eines vernsprechapparates und das erfolgeiche Feuer unserer Artillerie. In 2chipenitza wurden wegen Begünstiinng und Benachrichtigung unserer rruppen 132 Häuser niedergebrannt md der Ort furchtbar geplündert. Die r u s s i s ch e n Judena u s w e i s u n g e n. Pete r s b u r g , 28. Mai. „Rnßkoje Slowo" erfährt, daß 3500 ms Kurland und 8000 aus dem Gouvernement Kowno ausgewiesene Juden ms dem Wege nach den Dnjeprfluß- -ouvernements Minsk Passierten. Peters b u r g , 28. Mai. Nach „Nowoje Wremja" sind aus er Festung Kowno sämtliche Juden 20 000 Mann) ausgewiesen worden. Jiese Tatsache hat in russischen Kreisen -roßes Aufsehen erregt, weil derartige usweisungen in der Regel nur aus gefährdeten Punkten stattzufinden siegen. Mißhandlung der Juden unter r u s s i s ch e r Herrschaft. 4 Wien, 2. Juni. Aus dem Kriegspressequartier wird gemeldet: Während der Russen-! icrrschaft in der Stadt Krosuo wurde folgende charakteristische Be-! mntmachnng -erlassen: „Der Etappenstationskommandant in Krosuo , cklärt hiermit, daß die jüdische Bevölkerung der durch das russische >eer besetzten Gebiete für jeden durch Oesterreicher oder Preußen erursachten Schaden an hier ansässigen Bürgern verantwortlich erlärt wird, und daß aus den durch das russische Heer besetzten Gebieten Geiseln entnommen und nach Rußland abtransportiert worden sind, ou denen je zwei mit ihrem Tode büßen werden für jeden Bürger, 'er seitens der Oesterreicher oder der Preußen verfolgt wird oder für iben jüdischen Spion, der in diesen Gebieten gefangengenommen wird. Krosuo, 10. März 1915. Der Etappenkommandant." Ueber die Lage der obdachlosen Israeliten in Polen berichten Warchauer Blätter folgendes: Bor kurzem fand in Moskau eine Konerenz der Vertreter der einzelnen Unterstützungskomitees für die durch den Krieg obdachlos gewordene israelitische Bevölkerung Rußlands tatt. Die Konferenz währte vier Tage. An derselben beteiligten ich über 30 Abgeordnete. Die Gesamtzahl dieser Obdachlosen beziffert i ich gegenwärtig auf über 100 000. Im Gouvernement Lomcza be- > nuden sich über 20 000 heimlose Juden. Unter ihnen herrscht eine > 'chreckliche Not. Infolge des allgemeinen Elends kann ihnen von * Ein barbarischer Akt Donischer Kosaken in der Bukowina. Wi en, 21. Mai. dem Kriegspressequartier unterrichtet die Oeffentlichkeit von einem blutigen, grauenhaften Verbrechen, das sich die russische Kriegsführung zuschulden kommen ließ. Dänische Kosaken haben an der südöstlichen Front in SchiPeuitz im Bezirke Kotzman in der Bukowina einen Gedanken, mit dem sich die russische Heeresleitung schon vor Monaten in Galizien abgegeben hat, zur schrecklichen Wirklichkeit werden lassen. Sie haben in dem Bezirke eine förmliche Treibjagd auf Juden veranstaltet, haben das zusammengefangene Mcnscheuwild, Männer, Frauen und Kinder, vor ihrer eigenen Front Postiert und daun gegen die Stellungen des Feindes getrieben. Die Donischen Kosaken, deren Gründungsurkunde auf Iwan den Schrecklichen zurückweist, gelten als die grausamsten, die zügellosesten, als die der menschlichen Kultur fremdesten Elemente des russischen Heeres. Die raffinierte Grausamkeit, deren sie sich jetzt schuldig gemacht haben, ist freilich durchaus nicht auf ihr eigenes Sündenregister zu buchen. Als gegen Anfang März zum erstenmal davon die Rede war. daß 1500 jüdische Familien bei Kamiona und Thsmieniczanh versammelt und gleich einer Viehherde als Schild der Russen vorgetrieben werden sollten, da haben sich die russischen Offiziere nicht entblödet, ihr Verbrechen in jene Formen zu kleiden, die zwischen zivilisierten Heeren beim Verkehr mit dem Gegner üblich sind. Ein Parlamentär wurde damals zu den Oesterreichern entsendet, der das Vorhaben der Russen ankündigte, und diese letzteren bemühten sich sogar, ihrem unmenschlichen Vorhaben den Schein des widerwillig Getanenen, des ihnen selbst Aufgezwungenen zu geben. Damals gestanden die Nüssen durchaus nicht ein, daß es ihnen um die Deckung der eigenen Stellung und darum zu tun sei, sich ungefährdet den österreichisch-ungarischen Positionen zu nähern. Sie gebrauchten vielmehr Ausflüchte, und der Parlamentär wollte die Oesterreicher bewegen, die vorgetriebenen Juden nicht unter Feuer zu nehmen. Die Donischen Kosaken in der Bukowina haben aufrichtiger, ehrlicher und ungeschminkter gehandelt Sie Haben nichts angekündigt und keinen Parlamentär bemüht. Sie sind von des Gedankens Blässe nicht angekränkelt und haben keinen Augenblick gezögert, den furchtbaren Einfall, den ihre Kameraden gehabt haben, sofort in die schauerliche Wirklichkeit umzusetzen. Die Juden, deren die Bluthunde habhaft geworden sind, wurden kurzerhand gegen die Feuerliuie des Gegners vorgepeitscht. Die russische Menschlichkeit hat Fortschritte gemacht. Sie hat die Erfahrungen des japanischen Feldzuges ausgebildet. Dort war es üblich geworden, Viehherden vorzutreiben, um Minen zur Explosion zu bringen. Die „lieben Juden des Zaren" sind weit wohlfeiler als Viehherden, leichter zu ersetzen, und ihre Verwendung als Deckungsmaterial russischer Schützengräben erspart den russischen Verwaltungsbehörden mancherlei administrative Unbequemlichkeit, viel peinliches Kopfzerbrechen. Die Eine Meldung aus Ronfessionelle Verbrüderung im Felde. Pott links nach rechts: Rabbiner, Pfarrer und Pastor des 8. Artnee-Vberkommandos im Osten.

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