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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-06-11 · Heft 24 (11.6.1915) · p. Seite 278

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 24 (11.6.1915)
Date
1915-06-11
Page
Seite 278 (sequence 2)
Language
German
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278 Niemals. Es trägt die Kraft eines zukunftsfrvhen Lebens in sich selbst. Mit welchem Recht aber soll der Krieg vom Leben künden? Männermordend wie in den Tagen homerischer Helden zieht der bleiche Schnitter Tod über das Schlachtfeld. Im Tode erst empfängt das Leben seine höchste Weihe. Was gilt in diesem ungeheueren Waffengang noch ein einzelnes Menschenleben? Wieviel glückstrahlende Jugend deckt schon kühle Erde? Eine Saat ist es, die unter Tränen ausgestreut wird, ein Blutopfer, das dem innersten Herzen des deutschen Volkes entströmt. Das ist eine Wahrheit, die der Krieg freilich tausendfach besiegelt, das ist die bitterernste Lehre, die jedes Geschlecht aufs neue erfährt, lvenn der Friede durch den Neid der Nachbarvölker gestört wird. Wir aber wollen nicht in Trauer und Gram nur blicken auf die Wunden, die uns geschlagen worden, wir wollen stolz sein auf diesen Geist unserer Tapferen, die zu sterben wissen fürs Vaterland. Wir wollen sie in treuer Dankbarkeit niemals vergessen. Aus der blutigen Saat des Todes muß ein neues Leben aufgchen im weiten Vaterland. Wir schauen es, wie es herrlich wieder ersteht, weithin seine Bahnen in Ruhm und Glanz ziehend, weithin leuchtend in seiner unantastbaren Macht und Größe, in der Sicherheit und Dauer seines Friedens, den es mit dem Schwerte in der Hand erstreitet. Was sonst einzelne bevorzugte Geister gewirkt, heute vollbringt es eines ganzen Volkes Genius. Im Sturm der Schlachten, im Schrecken des Krieges noch kündet es die Ideale seines ureigenen Wesens: Licht, Liebe, Leben. Sir Woche. Berlin, den 8. Juni 1915. ie Wiedereinnahme von Przemysl durch die verbündeten deutschen und österreichischen Truppen, die glänzenden Waffentaten, die ihnen vorausgingen und ihnen folgten, gaben der letzten Woche ihre Signatur. Wir können uns dieser großen Siege freuen, wenn es auch nicht gelungen ist, der ganzen russischen Besatzung habhaft zu werden. Es war vorauszusehen, daß die Russen ihrer Art treu bleiben würden, die Festung, deren Besetzung sie als den glänzendsten Erfolg ausposaunten, die sie durch den Zaren und die Kaiserin-Mutter besuchen ließen, nun als einen gleichgültigen Besitz auszugeben; es braucht uns auch nicht zu kümmern, daß die Franzosen es wagen, unser sieghaftes Vordringen in Galizien zu leugnen — die Wahrheit wird auch hier durchdringen. Auf den übrigen Kampfplätzen steht unsere Sache gut. Deutsche Unterseeboote fügen den Gegnern weiter den größten Schaden zu, die Italiener haben bisher von ihren Verbündeten nur Großmäuligkeit gelernt, aber nichts getan, was ihre Prahlereien rechtfertigen könnte. # Oesterreichische Zeitungen berichten von einem Danktelegramm des Kaisers an die Wiener israelitische Kultusgemeinde. Wien, 29. Mai. Namens des Vorstandes der Wiener israelitischen Kultusgemeinde richtete das Präsidium das nachfolgende Huldigungstelegramm an den Kaiser: „An die Kabinettskanzlei Seiner Majestät des Kaisers. Angesichts des unaufhaltsamen siegreichen Vordringens unserer ruhmbedeckten Armee im Norden und des treulosen Ueberfalles eines neuen Feindes an der südwestlichen Grenze unserer Monarchie erlaubt sich der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien im Sinne der patriotischen Kundgebungen anläßlich der jüngsten Plenarsitzung des Vorstandes und in der Ueberzeugung, hiemit der Gesinnung der gesamten österreichischen Judenschaft Ausdruck zu verleihen, die alleruntertänigste Bitte zu unterbreiten. Seine Majestät, unser allergnädigster, geliebter Kaiser und Herr geruhe das neuerliche Gelöbnis unverbrüchlicher Treue und unbegrenzter Liebe für Seiner Majestäl geheiligte Person und unser geliebtes Vaterland allergnädigst entgegenzunehmen. In pietätvollem Gedenken all der unvergeßlichen Helden, welche ihr Leben für Kaiser und Reich opferten, in tiefster Dankbarkeit und unerschütterlichem Vertrauen zu unserer heldenmütigen Armee wird die Judenschaft Oesterreichs nach wie vor in den Reihen aller Mit bürger Gut und Blut opfern, auf daß der Feinde Tücke an der stählernen Kraft unserer Waffen zerschelle und Habsburgs mächtigein Reiche der ehrenvolle, dauernde Friede gesichert werde. Der Präsident Dr. Alfred Stern, der Oberrabbiner Dr. Moritz Güdemann, der erste Vizepräsident Dr. Gustav Kohn, der zweite Vizepräsident Hofrat Dr. Benjamin- Nappaport, der Sekretär Dr. Emil Adler." Hierauf langte von der Kabinettskanzlei das folgende Antwort telegramm herab: „Herrn Präsidenten Dr. Alfred Stern, Wien. Seine k. u. 1. Apostolische Majestät haben von der patriotischen Kundgebung de: Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde in Wien mit aufrichtiger Befriedigung Kenntnis zu nehmen geruht und danken huldvollst für die im Namen der gesamten Judenschaft Oesterreichs erneuert zum Ausdruck gebrachte Versicherung stets bewährter Treue, Anhang lichkeit und opferwilliger Vaterlandsliebe. Auf Allerhöchsten Befehl: Freiherr v. Schießl m. p." * Wir werden um Aufnahme folgenden Artikels gebeten: Die New I o r k e r jüdische Presse über die „Lusitania". Die jüdische Presse in New Jork mit einer täglichen Auflage vor nahezu einer Million beurteilt das Versenken der „Lusitania" in ganz anderer Weise als die englische Presse und bekundet dabei ein große: Verständnis für nüchterne Tatsachen und politische Gerechtigkeit. Dm: führende Organ der New Aorker jüdischen Presse „Die Wahrheit' mit einer Auflage von 100 009 täglich, sagt in ihrem Leitartikel von: letzten Sonntag, 9. Mai, folgendes: „Wenn die Haltung der New Uorker Presse zu der von der deutschen Botschaft herausgegebene!! Warnung eine schmachvolle ist, ist die Haltung der Cunard-Linie ein fach deshalb ein Verbrechen, weil sie ganz unschuldige Reisende ans ein Schiff genommen hat, das Kriegskonterbande führte und Gefahr lief, versenkt zu werden. Auch die englische Regierung, die heute um die amerikanischen Opfer der Katastrophe so jammert, hätte der Cunard-Linie nicht erlauben dürfen, Reisende auf ein Schiff zu nehmen-, das Kriegskonterbande führte, aber England wollte nicht offiziell zugeben, daß es deutsche Unterseeboote fürchte. Nach alledem ist es klar: die Schuld an dem schrecklichen Tode so vieler Menschen muß der Cunard-Linie, der englischen Regierung und bis zu einem gewissen Grade auch der New Uorker Presse zugeschrieben werden. Unschuldige Reisende auf ein Schiff zu nehmen, das Kriegsmaterial führt ... ist einfach eine barbarische Tat, und wenn die Amerikaner nicht verblendet sind und die wirklich Schuldigen zur Rechenschaft ziehen wollen, werden sie sich an die Cunard-Linie und an die englische Negierung wenden." Der sozialistische „Vorwärts", Auflage 216 000, sagt: „Nicht aus Lust zu morden, nicht aus Rache und nicht aus Blut dürft hat Deutschland das große Schiff versenkt, sondern Deutschland hat es getan, weil es eine Kriegsnotwendigkeit war. Zunächst hatte die „Lusitania", wie berichtet wird, Kriegsmaterial für England ge führt. Aber, selbst wenn bewiesen werden sollte, daß die „Lusitania ' kein Kriegsmaterial an Bord hatte, hatte auch Deutschland ein Kriegs i nteresse daran zu vollbringen, was es an gekündigt hatte. Es liegt in Deutschlands Interesse zu zeigen, daß es englischen Schiffen und englischen Gewässern gefährlich werden kann; es liegt in Deutsch lands Interesse zu zeigen, wie weit seine Herrschaft zur See geht und es liegt ferner in Deutschlands Interesse zu Zeigen, daß es mir der englischen Seeherrschaft zu Ende ist. Außerdem aber liegt es im Interesse Deutschlands, ein Exempel zu statuieren, damit die ameri kanischen Kapitalisten sich fürchten, ferner den Gegnern Deutschlands Kriegsmaterial zu schicken." Das „Morgen-Journal" mit einer Auflage von über 100 009 Exemplarenäußert sich folgendermaßen: „Kapitän Turner, der Kommandeur der „Lusitania", gehört als Offizier der englischen Royal Navy Reserve an, und die englische Admiralität hat ihn zum Kommandanten des unglücklichen Schiffes bestimmt, seit die „Lusitania"

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