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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-06-04 · Heft 23 (4.6.1915) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 23 (4.6.1915)
Date
1915-06-04
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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-—3 D r Eheschließung geschritten, wodurch er das Gesetz übertrat. Er war ü i) dessen auch bewußt, weil er von maßgebender Stelle schon Wiederli lt und eindringlich verwarnt worden war. J'. A. Nürnberg, *28. Mai. Benny Base n aus Hülchrath bei % nß erhielt, nachdeut er bereits, wie gemeldet, das Eiserne Kreuz n etter Klasse hatte, das Eiserne Kreuz erster Klasse unter Be- ’i dernng zum Feldmebelleutnant. — Vizeseldwebel S ch o t t l ä n d e r , Schn der Witwe Elise Schottläuder in Nürnberg, welcher bereits das e ferne Kreuz besitzt, erhielt die Sächsisch^Meiningensche Tapferkeitsü daille. — Das Ncititärverdienstkrenz zweiter Klasse erhielt Bernh rt> Bing aus Nürnberg, Vizewachtmeister bei der Landstnrmnllerie. £/•> Stuttgart, 28. Mai. Zum 70. Geburtstage des Herrn w rchenrats Dr. fronet arn 12. d. M. wurde dem Ernst der Zeit - lsprechend und im Sinne des Jubilars von jeglicher geräuschvollen / stlichkeit Abstand genommen. Eine gottesdienstliche Feier fand ant; lbbat, den 22. d. M., statt, an lvelcher neben sämtlichen Mitgliedern? r K. Israelitischen Oberkirchenbehörde auch deren Präsident, Herr - misterialdirektor Tr. v. Balz, sowie Vertreter der Kirchengemeinde i anstatt teiluahmen. Vorbeter und Chor, insbesondere Herr Rabbiner IStößel, dessen meisterhafte Predigt den tiefsten Eindruck hinterst haben den Gottesdienst wahrhaft erhebend gestaltet. Nach Schluß i : Gottesdienstes brachten in dem mit Pflanzen geschmückten Sitznngs- ' }{ der Gemeinde die Behörden und Vereine unter lleberreichnng von : hreren künstlerisch ansgeführten Adressen ihre Glückwünsche dar. erster sprach Herr Ministerialdirektor Dr. v. B ä l z vortreffliche v erte im Namen der K. Israelitischen Oberki rchenbehörde, dann sprach xx Dr. Stößel für das Kirchenvorsteheramt. Herr Rechtsanwalt G u n z e n h a u f e r für die Vereine, Herr Kirchenvorsteher fchwabacher, die Stiftnngsurkunde überreichend, für die Geinde, Herr Rabbiner Dr. Stößel für den Württembergischen ibbinerverein, dessen Gründer Herr Kirchenrat Dr. Kroner iftu und :n Schluß der Vorsänger Adler-Cannstatt im Namen seiner i ineinde. Zu Ehren des Jubilars wurde von der Gemeinde eine ' rchenrat-Dr.-Kroner-Stiftnng errichtet, die bereits den Betrag von! (K)0 Mark überstiegen hat. Die Stiftung ist zur Ausbildung von : adern sowohl gefallener als erwerbsunfähiger deutscher Krkegsteillgner aller Konfessionen bestimmt. Grstrrrklch-Angsm. K. Wien, 28. Mai. Eine interessante Verhandlung fand vor agen Tagen vor einem hiesigen Bezirksgericht statt. Als Ankläger ' urierte ehr städtischer pensionierter Beamter, als Angeklagte stand; ie polnische Jüdin, die mit ihren Schicksals- und Glaubensgenossen v Galizien geflüchtet ist. Besagter Beamter bemerkte auf dem Wege ut Theater, wie die polnische Jüdin, eine gebrechliche Greisin, mehrere ssanten auf der Straße ansprach, und erstattete gegen sie die Anzeige aeli — Bettelei ans offener Straße. Bei der Gerichtsverhandlung; llk es sich heraus, daß die Jüdin tatsächlich Passanten ansprach, um ' i in der ihr wildfremden Millionenstadt einigermaßen zu orien- : reu. Sie wurde selbstredend vom schweren „Delikte" der Bettelei ' Igesprochen, und die edle Absicht des ehemaligen städtischen Beamten, r noch heute von dem Gelde der jüdischen Steilerzahler lebt und mit iein Gelde das Theater besucht, wurde vereitelt. Lueger ist gestorben, er sein Geist lebt fort, lebt und spllkt in den Köpfen derer, die kein ' rständnis für die Größe der Zeit und die Größe der Not besitzen. — 1 was vom Geiste Luegers spllkt mich in anderen Städten der Mondjk herum. In Nikolsburg in Mähren veranstaltete das Proiorenkolleginm am Anfang dieses Monats ein Konzert, dessen Erwins dom Unterstützungsfonds für Wiüven urld Waisen gefallener! ieger zu fließen sollte. Zlrr Mitwirkung wurde auch ein jüdischer .'chschüler vom Lehrkörper des Ghnlllasiums speziell eingeladen. Bei itent Auftreten entfesselte sich ein wohlorganisterter Skandal, um Des Auftreten durch ohrenbetäubenden Lärm unmöglich zu machen. •! weiterer Entwicklung kam es zu nicht w iede rzu geben den Benmpfnngen allwesender Jndenfamilien. Das Ganze war das efuttet einer sorgfältigen Dorbereittntg. Traurig,, aber wahr. — >is israelitische Taubstummeninstitnt in der Rudolfsgasse hat aln November siebzig Jahre seines Bestandes vollendet. Von diesem .ige an ist das Jllstitut itt eine Krankenanstalt umgewandelt worden nd hat seitdem mehr als zweihundert kranken und verwundeten negern Deutschlands und Oesterreichs Schutz und Hilfe geboten. Erst er Friede lind die Entlassung der kranken und verwundeten Krieger werden das Institut wieder in die Lage versetzen, feine Zöglinge einznberufen mtb feine segensreiche Tätigkeit wieder anfzunehmen. Das jllstitut hat sich all der Kriegsanleihe mit deln Betrage voll 100 000 Kronen beteiligt. Bor Jahresfrist wurde Dr. S. Krellberger, der seit 25 Jahren die Erziehung und den Unterricht abnormer Kinder betrieb, zum Direktor dieses Instituts crnanllt und seine definitive Bestellllng vom Kultusulinisterium genehmigt. 22 Budapest, 28. Mai. Der u n gari s ch e Landes - r a b b i n erv e r e i n hat aus Anregung und nach dem Entwurf des geschäftsführenden Vizepräsidenten Dr. E. Neu mann ein von demselben in Gemeinschaft mit Dr. L. Blau, Dr. B. Edelstei il, Dr. I. F i s ch e r, Dr. M. G n t t m a n n, Dr. S. Hevesi, Dr. A. K i ß, Dr. A. M e z e h und Dr. L. B e n e t i a n e r verfaßtes Gebetbuch für jüdische Soldaten herausgegeben. Das gefällig allsgestattete Büchlein trägt den Titel: „Paizs es Verl" („Schild und Panzer") lind enthält die wichtigsten hebräischen Gebete tnt Urtext und deren ungarische Bearbeitung, ferner den Andachtsbedürsnissen der im Felde stehenden und in Spitälern gepflegten Soldaten entsprechende llngarische Gebete. Die Herstellungskosten der dem Landesverteibigilngsministerittm behufs Verteilung übermittelten 10 000 Exemplare wurden auf Verwendllng des Vizepräsidenten der Israelitischen Landeskanzlei Dr. F. Mezeh von dem israelitischen Landessollds Közalap bestritteil, weitere 10 000 ans Kosten der Israelitischen Landeskanzlei gedruckt. — Zn Ehren des im Dezember v. I. in hohem Alter verstorbenen Präsidenten des Ungarischen Landesrabbinervereins Dr. A. S chn i tz e r fand in Kemärom eine erhebende Gedenkfeier statt. In der Synagoge versammelte sich eine große Trauergemeinde. Es erschienen die Spitzen sämtlicher Staats-, Kountats- und Stadtbehörden; die Israelitische Landeskanzlei war dilrch Königlichen Rat Dr. F. Mezey, der reformierte Kirchendistrikt durch Bischof Dr. St. Nömeth vertreten, zahlreiche Rabbiner nahmen an der Feier teil. Gedächtnisreden hielten Tr. E. N e u m ann namens des Rabbinervereins und Dr. F. L ö v y, der Schwiegersohn des Verstorbenen. Amkriks. Z. 9icto Uork, im Mai. In einem Artikel „Amerikanische Kriegsbilder" schreibt Karl Eugen Schmidt über die russischen Inden in Amerika: „Während es Italiener, Deutsche und Iren in solchen Mengen hierzulande gibt, daß sie gewissermaßen Staaten im Staate bilden, merkt man von russischen Amerikanern nichts. Und doch ist neben Italien gerade Rußland in den letzten zwanzig Jahren dasjenige Land gewesen, welches die meisten Einwanderer nach Amerika gesandt hat. Trotzdem sieht man weder russische Zeitungen noch sonst etwas Russisches in den Vereinigten Staaten. Wie mag das kommen? Nun, die Lösung ist sehr einfach. Diese russische Ansloandernng hat den Mnschik nicht im geringsten berührt: die Leute, die ans Rußland nach Amerika gekommen sind, waren gar keine Russen, sondern in Rußland wohnende Juden. Von diesen lebt heute eine starke Million in der Stadt New Dort allein, und eine einzige ihrer täglichen Zeitungen erscheint in einer Auflage von mehr als hunderttausend Exemplaren. Tie allermeisten von ihnen sind Sozialdemokraten, und alle ohne Ausnahme stehen in diesem Kriege aus der deutschen Seite. Dabei hat sich dann die sehr merkwürdige Anomalie ergeben, daß das in deutscher Sprache erscheinende New Yorker Parteiblatt sich so streng neutral verhält, daß man es beinahe deutschfeindlich nennen könnte, wohingegen das in Jndendentsch mit hebräischen Buchstaben gedruckte, von mehr als hunderttausend russischen Juden gelesene sozialdemokratische Blatt New Ports entschieden gegen Rußland und für Deutschland'einsteht. Leider sind diese russischen Inden noch nicht lange genug in Amerika, um großen Einfluß haben zu können. Sonst würden sie ohne Zweifel stark auf die öffentliche Meinung und auf die Haltung der Regierung einwirken. In wenigen Jahren wird man den jüdischen Einfluß in den Bereinigten Staaten verspüren, denn fast alle diese den jämmerlichsten Verhältnissen entgangenen und auch hierzulande noch mit Dcot und Elend kämpfenden Leute schicken ihre Kinder in die besten Schulen des Landes und suchen sie in die Höhe zu bringen. Schon jetzt sind die jüdischen Lehrer und Lehrerinnen, Aerzte, Advokaten usw. in den Bereinigten Staaten außerordentlich zahlreich, und die eingebürgerten und wahlberechtigten russischen Juden von New Port haben bereits einen Vertreter im Kongreß zu Washington. Während die amerikanischen Iren großenteils vergessen haben, was ihren Vätern

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