Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 23 (4.6.1915)
- Date
- 1915-06-04
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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orzt Dr. John K a tz e n st e i n - Kassel, Unteroffizier Siegmund Kapp-Mainz, Arthur Wenk, Sohn des Herrn Jacob Wenk- Lndwigshafen a. Rh., Dr. med. Krämer-Göppingen, Assistenzarzt Dr. Erich R o s e n h a i n - Braunschweig, Vizewachtmeister Walter Frendenberg- Essen, Kriegsfreiwilliger Sind. jur. Alfred H a u s e n - Offenburg, Vizefeldwebel Kurt A r o n h e i m - Görlitz, KriegsfreilviUigcr Ludwig V o g e l st ein- Lage (Lippe), Oberapotheker Otto 3 eh l e sing e r - Breslau, Offizierstellvertreter Lollis A b e l in a u n - Ntemel, Sohn des Vorstehers der dortigen jüdischen Gemeinde Herrn Joseph Abelmann, dessen zweiter Sohn die gleiche Auszeichmulg schon zu Neujahr erhalten hat, Unteroffizier Moritz Sachs-Posen, Assistenzarzt Dr. Walter G o r d o n - Heidelberg, Walter Nenn: nun, Sohn des Lehrers H. Reumann, Friedberg i. H., Unterarzt Georg Heidenfeld, Stabsarzt Dr. Walter O e t t i n g e r - Breslau. W. Posen, 28. Mai. Seinen 70. Geburtstag feierte in diesen Tagen in völliger Gesundheit und geistiger Frische inmitten seines Personals mtb seiner zahlreichen Arbeiterschaft der Besitzer der hiesigen ..Reilen Posencr Bayerischen Bierbrauerei", Herr Bankier Oskar H e i m a n n aus Berlin. Das Fest, welches der jetzigen ernsten Zeit angepaßt war, wllrde als eine Art Familienfest gefeiert, und dessen fröhlicher Verlauf zeugte von dem überaus herzlichen Einvernehmen zwischen Chef und Angestellten. Alle Wünsche sämtlicher Angestellten gingen dahin, daß Herrn Heimann noch viele Jahre regen Schaffens vergönnt sein rnögeu! —- Am 23. Mai ist hier Frau Fanny Wolfssohn geb. Plonski im 83. Lebensjahre nach langem schweren Leiden sanft entschlafen. Ein großes Trauergefo-lge erwies der Verstorbenen den letzten Liebesdienst. Herr Gemeinderabbiner Professor Tr. B l o ch hielt die Leichenrede und rühmte die vielen Tugenden, durch die die Dahingeschiedene ausgezeichnet war. M. Hamburg, 30. Mai. Die Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland, Ortsgruppe Hamburg, veranstaltete im KnrierhauS eine Zusammenkunft, der sie, dem Charakter der Zeit entsprechend, wieder den Namen „Ernste Stunden" gegeben hatte. Nach einem Orgelsolo erfreute Herr Robert N h i l, Deutsches Schauspielhaus, der seine Kunst in den Dienst der guten Sache gestellt hatte, die Erschienenen durch den Vortrag einiger Psalmen und Gedichte. Diesen: folgte das von den Herren Hugo Philipp, M. H e n l e, Dr. Bernhard Elias und Ernst B r e t t s ch n e i d e r vorgetragene Kaiserquartett von Haydn. Nachdem .der Chor unter Leitung des Oberkantors M. Heule den 23. Psalm von Schubert „Gott ist mein Hirt" vorgetragen hatte, hielt Herr Rektor Jos. Feiner eine eindrucksvolle Betrachtung über das Dichterwort ,,Das Leben ist der Güter höchstes nicht." Der Redner leitete seinen Vortrag mit dem feinsinnigen Gedicht Theodor Suses ein: „Leise schreiten die Toten". Dann schilderte er die sittlichen Kräfte, die in den Augusttagen des vorigen Jahres so unichtig in die Erscheinung getreten, und die großzügige Teilnahme der deutschen Juden an der vaterländischen Erhebung. In Deutschland ist wieder einmal das Wort des Philosophen Kant Bekenntnis geworden: „Das Höchste für den Menschen ist die Pflicht, und das größte unter den Gütern der Welt ist der sittliche Wille." Für die Denkende:: im deutschen Volke ist das Leben nickst mehr der Güter höchstes — das höchste ist die Pflicht in: Dienste des Vaterlandes und in: Dienste der Menschheit. Ein Chorgesang bildete den würdigen Abschluß der ernsten Stunden. Annaberg i. Erzgeb., 28. Mai. Am 16. d. M. feierte die hiesige Israelitische Religionsgemeinde das Fest des 25jährigen Bestehens und zugleich das 25jährige Amtsjubiläum zweier Kollegimnsmitglieder, des Herrn Vorsitzenden und Stadtverordneter: I. Chauange und des zweiten Vorstehers und Schriftführers Herrn E. M e n d l. Der dritte Vorsteher, Herr L. I a c o b y , ist 23 Jahre im Dienst der Gemeinde tätig. Dem Ernst der Zeit entsprechend wurde der für die Gemeinde so wichtige Tag nur durch eine schlichte Feier im schön geschmückten Gebetraum begangen. Der Festredner, Herr Rektor S a p h r n , knüpfte seine Ausführungen an die Geleitworte „Gedenken, Danken und Hoffen" an. Er gedachte der Männer, die im Dienste der Genwinde tätig gewesen, und der wichtigsten Ereignisse. Er dankte denen, die heute an der Spitze stehen, besonders den beiden Jubilaren. Er drückte die Hoffnung aus, daß nach glorreichem Frieden das gesamte deutsche Vaterland, unsere Vaterstadt und Gemeinde sich zu herrlichster Blüte entfalten möchten, und erflehte für sie den göttlichen Segen. Die Feier wurde von Gesängen umrahmt. Rach dem Gottesdienst begab sich der Gesamtvorstand in die Wohnung des einen Jubilars, des ersten Vorstehers Herrn I. Chanange, wo ihm nach einer Ansprache des Herrn E. Mendl ml sinniges Ehrengeschenk überreicht wurde. I §2 München, 28. Mai. Das Statistische Landesamt hat vml kurzem eine Zusammenfassung der amtlichen Statistik in den letzt: I 70 Jahren in Bayern veröffentlicht und in dieser bayerischen G I schichte der Zahlen ein sehr anschauliches Bild der großen wirtschaf I lichen und politischen Veränderungen unseres Vaterlandes gegeben I Von Interesse ist hier auch die Entwickelung der Konfessionen il Bayern. Im Jahre 1840 betrug die Zahl der Katholiken 3 106 84.°, I im Jahre 1871 3 464 364, im Jahre 1910 4 862 233, in Verhäl' I niszahlen ausgedrückt betrug die Zahl der Katholiken 71,10 bzv I 71,30 und 70,60 Prozent der Gesamtbevölkerung. Die protesta: I tische Bevölkerung, stieg in den genannten Zeitabschnitten vo; 1 199 899 auf 1 342 592 bzw. 1 942 385 27,40 Prozeu 27,60 Prozent und 28,20 Prozent der Bevölkerung. Die Jsraelitc zählten 59 3 76 bzw. 50 662 :u:d 55 065 Angehörige ihrer Km fession: in Berhältniszahlen ausgedrückt betrug ihr Anteil 1,40 Pr: zent bzw. 1,00 Prozent bzw. 0,80 Prozent, also eine fortwährend starke Abnahme, die noch stärker wäre, wenn keine Zuwanderung ftnt: I gefunden hätte. Das gibt zu denken. Schließlich zählt die Statisü unter der Rubrik „Sonstige" noch auf: 4857 bzw. 5832 bz): 27 608 — 0,10 Prozent, 0,10 Prozent, 0,40 Prozent der B: völkerung. Nach 1900 befindet sich die katholische Bevölkerung ver hältnis-mäßig in einer schwachen Zunahme, die Protestanten in eine; schwachen Abnahme und ebenso die Israeliten. („Deutsche Israelitische Zeitung.") — Nürnberg, 28. Mai. Der seit Jahren in Bayern lebende, au Galizien stan:u:ende Moses R. hatte sich am 9. November v. I. vo der hiesigen Strafkammer Wege:: Amtsanmaßung und Vergehen gegen das Personenstandsgesetz zu verantworten. Es ln ihm zur Last, an einem nicht mehr genau feststellbarer: Tan in: März vorigen Jahres in: Nebenzimmer eines Gasthaus? zu Roth a. S. die rituelle Ehescheidung eines galizischen Hand lers vorgenommen zu habe::. Des weiteren soll er am 21. Juni i, seiner Wohnung in der Galgenhosstraße nach jüdischem Ritus d Trauung eines Reisenden mit seiner Braut vorgenommen haben, ol rvohl ihm bekannt war, daß der Zeremonie keine standesamtlich Trauung vorausgegangen und hierfür auch kein Nachweis erbrach worden war. Zn seiner Berteidignng behauptete R. damals, er Hab den Talmud gründlich studiert, besitze die wissenschaftliche Vorbildung m:d in Oesterreich die persöitliche Ordination als Rabbiner, was e ill Marienbad auch gewesen. Das ist nur insofern richtig, als s:U ergab, daß R. in Marienbad als Schächter funktionierte und nebenbe Religionsvorsteher einer kleinen Gruppe von russisch-polnischen Glau bensgenossen war. Was die angeblich von ihm vorgenommene Schei dm:g betreffe, so will er diese nur vorbereitet haben. Sie sei bei den österreichischen Gerichten anhängig gewesen. Die Trauung will e: nicht vollzogen haben, denn nach jüdischem Ritus nehme diese bin Bräutigam durch die Hingabe des Ringes an die Braut selbst vo: Die Strafkammer war am 9. November zu einem freisprechenden 11: teil gekommen, da sie kirchliche Aemter nicht als öffentliche Aemte: im Sinne des § 132 des Strafgesetzbuches erklärte, also von der Au maßung eines öffentlichen Amtes hier nicht gesprochen werden könne Von einer Verfehlung gegen 8 67 des Personenstandsgesetzes ward R. freigesprochen, weil das Gericht seine Tätigkeit nicht als die eine Religivnsdieners erachtete und ihn gar nicht für berechtigt hielt, -ein Ehe zu schließen. Gegen dieses freisprechende Urteil hatte die Staats anwaltfchaft Revision' beim Reichsgericht erhoben, das dieser nun stattgab, soweit sich das Urteil auf die Freisprechung weg?! des Vergehens gegen § 67 des Personenstandsgesetzes bezieh' und den Fall zur erneuten Verhandlung und anderweitige. 'Entscheidung m: das Landgericht Nürnberg zurückwiee R. wiederholt jetzt nur seine früher gemachten Angaben, er sei sic! keines Unrechts bewußt, die deutschen Gesetze kenne er nicht. Nach den Rabbiner Dr. Freudenthal von hier, der wiederum als Sachverstäu diger geladen ist, besitzt R. die wissenschaftliche Befähigung zum Nab biner, in Bayern sei er aber nicht berechtigt, Amtshandlungen vorzu nehmen. Die persönliche Qualifikation zum Rabbiner besitze er, sic lnüßte ihm erst wieder aberkannt werden. Aus Grund dieses Gut achtens erkennt das Gericht gegen den Angeklagten aus eine Geld strafe von 50 Mark, eventuell fünf Tage Gefängnis, unter Tragung de: Kosten. In den Urteilsgründen heißt es, R. sei als Religionsdiene: im Sinne des 8 67 zu erachten. Als solcher ist er zur Feierlichkeit