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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-06-04 · Heft 23 (4.6.1915) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 23 (4.6.1915)
Date
1915-06-04
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 und Großvätern von England zugefügt worden ist, sind die aus Rußland gekommenen Juden der drüben erduldeten Leiden lebhaft eingedenk: und während daher die Iren eigentlich nur Platonisch und nebenbei gegen England und für Deutschland Partei ergreifen, sind die in Amerika ansässigen Juden mindestens ebenso eifrig gegen Rußland wie die Deutsch-Amerikaner für Deutschland. Nach den Deutsch-Amerikanern sind sie gegenwärtig die besten Freunde, die ' Deutschland in Amerika hat; die Irländer kommen erst in dritter Reihe." Von Kah und f mt Geheimer Sanitätsrat Tr. Mar Meyer, der sich in den Kreisen der Berliner Gesellschaft großer Wertschätzung erfreut, beging am 31. Mai seinen 70. Geburtstag. Ter Jubilar entzog sich allen Ehrungen durch einen Allsflug, den er vormittags antrat. Im Laufe des Tages liefen zahlreiche Telegramme und Glückwunschschreiben und kostbare Blumenspenden ein. — Den Eharakter als Sanitütsrat erhielten die Aerzte: Dr. Alfred Rothschild, Dr. Joseph Z w i r n , Dr. Hugo Kann, Dr. Benno Hirsche!, Dr. Harry Eohn, Dr. Artur M attersdorf, Tr. Emil L ö w e n t h a l, Dr. Otto M ü l l e r , Dr. Julius S ch o e P s , Dr. Hugo Lander, Dr. Karl 'Lilienfeld, Dr. Albert L i e b m a n il. — Ter Berliner Arzt Dr. Theodor I l o c i st i, der sich bei Beginn des Krieges dem Roten Kreuz zlir Verfügung gestellt hat, ist zmrl stellvertretenden Ehefarzt der großen Expedition des Roten Kreuzes ltndj der Türkei ernannt worden. Die Expedition ist nach Anatolien kommandiert worden und hat ihren Sitz in Ersindschan. - Tie Jüdische Krankenschwesternstation der Berliner Bne-Brith-Logen hat ihre Wirksamkeit währendder Kriegszeit eingestellt. Um aber Gelegenheit zu geben, Wünsche auf Ueberlassung von Schwestern berücksichtigt zu sehen, hat das Krankenschwesternkomitee der Großloge sich bereit erklärt, dell ihm zur Berfügung stehenden Schwestern die Uebernahine von Privatpflegen zil gestatten. Anmeldungen sind an das Mütterheim, Brunnenstraße 41, z. H. von Frau Löwenst i\i ii, Fernsprecher 7999, zu richten. - Alls Wreschen wird lms geschrieben: Wehrmaun Joseph Lcbrainczyk, Sohn des Hmlsbesitzers Lebrainczyk Hierselbst, ist infolge schwerer Verwundung int Felde gestorben. Die Ehegattin lind Familie betrauern dell herben Berlust ihres Erllährers, der so früh im 39. Lebensjahre dahingegailgell ist. — Nach der lulläugst erfolgten Borstandsloahl der Breslauer Synagogengemeiude lourdell jetzt allch die verschiedenen Kolnmissioneu nett konstituiert. Spezialj arzt Dr. ined. Josef S ch l e s i n a e r trat als neues Mitglied in die Re- > präsentantenversamnlluilg ein. . Jmt 79. Lebensjahre verstarb in | Stotp iil Pommern Rentner L. G. Golde, in dem die jüdische Ge-! nreiilde ihren Borsteher verliert. Tie Errichtling der Synagoge mtb | der Leichenhalle sind ihm zll verdankell. Golde war Ritter des j Kroilenordens 4. Klasse. -- Am 13. Juni feiert Herr Prediger Lion j W o l f s in Tempelburg feinen 70. Geburtstag. Seine zahlreichen Schüler : werden es sich sicherlich nicht nehmen lassen, den Tag festlich zu begehen. Herr Wolfs hat sich wiederholt schriftstellerisch betätigt. Seine „Agende" i ist für angehende Lehrer ein unentbehrliches Handbuch. - Am 16. Mai! starb in München int Alter von 65 Jahren Herr Kommerzienrat Karl! W a s s e r nl a n n, Mitinhaber der Spiritusfabrik Mar Wassermann. Er loar Borstaudsmitglied verschiedener Fachvereiuiguugell ulld wurde 1908 loegeu seiner Verdienste um die Industrie zuul Koiunierzieltrat ernannt. — Der Bildhauer Benno E l k a n hat eine Atedaille großell Formates zuul Gedächtilis des gefallenell Neichstagsabgeordneten Dr. L u d w i g F r a n k geschaffen. Die Vorderseite zeigt den Kopf Franks im Profit. Tie hohe, edle Stint, die weichen Formen des Gesichtes, der idealistische Eharakter der Physiognomie kommen in der Modellierung trefflich Heralls. Die Rückseite der Bronze stellt einen nackten Jüngling dar, der sich opsermütig iil die Flanlme stürzt: Goethes „Stirb llnd werde!" gibt denl Vorgang die Delltung. Teil vielen Frelmden Franks wird die künstlerische Ehrung des Toteil loillkomulell seill. Die Alünzenhandlung A. E. E a h n in Frankflirt hat dell Vertrieb übernommen. -- Zum Lektor des Hebräischen an der Universität Marburg lvurde Tr. Phil. Walther Baumgartner alis Zürich berufeil. - - III denl voll bent Fabrikautett Manfred Weiß ill Blldapest errichtetell Spital befinden sich auf der chirurgischen Abteilung unter anderem allch ungefähr 30 jüdische Soldaten alls dem Delltschen Gleiche ill Pflege. Fast alle schmückt das Eiserne Kreuz als Anerkennung ihres tapferen, heldenmütigen Verhaltens vor fcent Feinde. Die meisten lvissen recht intereffante Erlebnisse, die Ursachen ihrer Auszeichnung, zll erzähleil. Eill Teil hebt nlit Stolz hervor, daß er zilin Zeichen der Anerkennllng zum Unteroffizier befördert wurde. Alle diese jüdischen Soldateil lvllrden ill dell Karpathenkämpsen verwundet oder schwer krank Mancher unter ihnell mllßte einer schweren Operation unterzogen werden aber dallk der aufopfernden Pflege befinden sich bereits alle außer Gefahr — Alls Budapest wird gemeldet: Dein Berichterstatter von „A Njsag" erzählte der Rabbiner von Tarnow, daß man vor dem Eill zlige der Russen ill Tarnow 118 schöne junge Mädchen in einen großen Lagerräume eingemauert habe, um sie vor den Rllssen ze verstecken. Bon zwei zu zwei Wochen wurden die Mädchen mi frischen Eßlvarell versorgt und dann wieder eingeschlossen. Di 118 Mädchen blieben durch sechs Monate bis zur Befreiung voll de Russenherrschaft eingemauert, was glücklicherweise unbemerkt blieb. Ill den „Archives israelites“ macht der Feldprediger P. Hagenaue die Rabbiner nnb Gemeindereprä fentmiten dar all f aufnlerksmn, daß es nöti ist, die Liste der tapferen Kmupfer und Gefallenen uilter den jüdischen Sv! baten in einem goldenen Buche zu fammetn, um für alle Zeiten d- Beweise der Tapferkeit zusammenzustellen. — Nach „Nowoje Wremja beträgt die Zahl der alls der Festung Kowno allsgewiesenen III de: zlvanzigtauseud Mann. Diese Tatsache hat in russischen Kreisen große Aufsehen erregt, weil derartige Ausweisungen in der Regel nur alls ge sährdeten Pilnkten stattzllfinden pflegen. — Aus Kalisch wird berichte! Alls Berfügllllg der deutschen Behörden sind seitens de Stadt mehr als 20 Fuhren Zllr Verfügung gestell worden, um die Trümmer der eingeäscherten Häuser naa den umliegendell Feldern und leeren Plätzen der Stadt zu schafferi Die diesbezügliche Arbeit hat bereits mit Freitag begouneu. Für di iliedergebrallntell Stadtteile lvllrden bereits neue Straßenpläne allgefertig! Rlehrere Architektell habeil ihre Bauvorschläge, die der Stadt eill moderne Aussehell geben würden, dell Behörden unterbreitet. Außerdem werde: auch alle Landstraßen, die sich ill einem äußerst kläglichen Zustande b. fiudell, allsgebessert. — Der Präsident des größten Bersaudhause der Welt, der Firma Sears, Roebllck ll. Eo. in Ehicago, Herr Julia Ros-euwald, hat aus Anlaß seiner Silberhochzeit 7 Millioue: Mark für loohltütige Zloecke gestiftet. Rosenwald hat sich aus tfeim Berhältuisseu zu seiner jetzigen Stellung heraufgeschlvuugen. Tie Firm- Sears, Roebllck u. Eo. ill Ehicago, die mit einem Aktienkapital vo: 240 Millionen Atark arbeitet, hat dem „Eons." zufolge im letzten Iahe einen Reiugetviun voll etlva 100 Acillionen Ntark erzielt. Die Firma ii allch eill großer Kunde des deutschell Atarktes llnd hat in Berlin ein eigelle-: Eiilkaufshalls. Rosenwald hat schon früher Stiftungen gelnacht, so 2 Mi! Honen Mark für Siedlungszwecke in Palästilla und eine ctacne, mit de: moderusteu toisseus-chaftlicheu ulld technischen Einrichtullgeil Versehelle Hoch schule für Geologie, Mineralogie und Geographie, die „Julius Roseuwa! Hall", ill Ehicago. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow. Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: R e i n h. M a it f o l f , Berlin C 2. Druck und Verlag von Rudolf Mosse. Grlchäktliche Miltellunsen. Victoria zu B e x I i n , Allge nt. Versich. - % ct. - Ge f Trotz der fünf Kriegsmonate war das finanzielle Ergebnis de- Jahres 1914 äußerst günstig, und die vorhandenen Ueberschüsse hätte: dieselben Dividendensätze wie bisher für Versicherte und Aktionäre gestattet. Weil sich aber die Dauer des Krieges und seine Wirkungel lind Nachtvirkungen aus die Geschäfts- und Vermögenslage nicht über sehen lassen, beschloß der Aufsichtsrat, um ganz sicher zu gehen um gegen alles gerüstet zu sein, d-er Generalversammlung aiu 9. Juni feil reichliche Rücklagen für alle Versicherungszweige vorzuschlagen. Ir besonderen soll allßerdem neben einer Verstärkung der Wiederbe lelmngsreserven um 3)4 Millionen Mark eine allgemeine Kriegs schadenreserve von 7,07 Millionen Mark angelegt werden. Neben dies:', starken Zurückstellungen beträgt der ausgewiesene Neberschr 36 Atillionen Mark. Diese Maßnahmen haben eine v o r ü b e r gehende Herabsetzung der Dividendensätze zur Folge, sollen abe die Gewähr dafür geben, daß nach Rückkehr normaler Verhältnis Versicherte und Aktionäre wieder die alten Dividendensätze erhattei Für dieses Jahr sollen erhalten die mit Gewinnanteil Versicherten ' der großen Todessallversicherung 2)4 % der Summe der für je! Versicherung seit ihrem Beginn bezahlten Jahresprämien, in der lli fallversicheruna 32 °/0, in der Bolksversicherung 20 % und in der Er lebensfallversicherung 10 % einer Jahresprämie. Die Aktionäre sollen für jede Aktie von 1000 Mark 130 Mark er halten. Die für die Versicherten angesammelten Gewinnteile betragen 199 Ntillionen Mark. Der gesamte Lebensverstcherungsbestand belauf! sich auf 2427 Nlilliouen Mark, die Einnahme in der Unfall- und Haft Pflichtversicherung auf 16,2 Millionen Mark. Das Gesamtvermögev stieg um 76,9 AUllionen Mark auf eine Milliarde und 97 Millionen Mark. Die gesamte Prämien- und Zinseneinnahute machte 209 Alill'. onen Mark aus.

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