Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 23 (4.6.1915)
- Date
- 1915-06-04
- Page
- Seite 276 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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276 Den.13. Mein Max wird immer verliebter in mich. Ich glaube, er gönnt sich das „Glück" nicht allein so daß er immer und immer wieder quält, ich solle zu seiner Mutter nach Edersleben fahren. Im November ist Aerztekcmgreß in Berlin. Max bleibt acht Tage dort, und von da aus will er nach Edersleben kommen. Er freut sich so darauf, mich einmal bei seiner Mutter zu wissen und bei seiner Schwester, die an den dortigen Lehrer verheiratet ist. Um den Preis will er die kurze Trennung gern aus sich nehmen. Ich tat ihm ja schon den Gefallen. Meine Schwiegermutter hat mich sehr herzlich eingeladen; aber Mama will es durchaus nicht. Sie macht Max gegenüber tausend Ausreden. Mir sagt sie, es sei nicht gut, als Braut in das Haus der Schwiegereltern zu fahren. Nanu? Hat Mama Angst, daß ich nicht bestehe? Sie ist doch sonst so zufrieden mit ihrer Erziehung und, seit ich verlobt bin, auch mit mir?! Na, mag sich Mama mit Max auseinandersetzen, mir ist es schließlich egal. Vorläufig gefällt es mir auch hier noch sehr gut. Ich habe es fein, kriege immerzu von meinem Max Blumen, und wir kaufen täglich die schönsten Dinge, alle für meine kleine Person. Abends dann-, wenn Max -weggeht — er bleibt immer zu lange, der liebe .llerl. Ich kann mich schon immer kaum mehr anfhalten vor Müdigkeit —, lese ich noch eine halbe Stunde in dem Buch, das mir Iosua gegeben hat. Dann versinkt der übrige Tag, und nur die Mittnwchlind Svnnabendnachmitlage (wir gehen jetzt zweimal die Woche spazieren; wir werden nicht fertig an dem einen Nachmittag) werden wieder lebendig. (Fortsetzung folgt.) Littrarilche Mitteilungen. — G erha r d £ u cf a m a U n 0 op : D a s A u n b 'd a s D. Vornan. 1915. Delphinverlag, München. •Vh'it Gerhard Cucfama Knoop, der Vor kurzem gestorben ist, Hut einige vortreffliche Werke geschrieben: Prinz Hamlets Briefe; Kor bürg: Tie Dekadenten; Tie erlösende Wahrheit, von denen das erstgenannte, das, da es anonym erschien, mich nicht einmal durch den Namen bestechen konnte, mich zu einer begeisterten Dithyrambe veranlaßt hatte. Tiefer Umstand hat wohl den Verleger unseres Buches bestimmt, das nachgelassene Werk, in dem der Verfasser die Lumme seines Denkens zu ziehen unternehmen wollte, mir zuzuschicken. Ich habe das Buch in einer längeren Anzeige in „Nord und Süd" gewürdigt und darf meine Leser woht darauf verweisen. Hier mag nur folgendes kurz gesagt werden: das Buch könnte „Der Gottsucher" heißen; denn es soll das Verlangen des Helden Emmerich v. Battenhausen nach dem Gott, den er verloren hat, darstellen, bietet aber neben den ernsten Partien eine Mischung der größten Absonderlichkeiten, seltsamer Abenteuer und unwahrscheinlicher Experimente. In seinem Verlangen, zu einer inneren religiösen Bildung zu gelangen, wendet sich unser Held auch an einen jungen Inden, Jacob Lchaubeitag, einen weltfremden Jüngling, der alles Wissen in sich ausgenommen hat, der die Liebe nicht kennt und da er sie kennengelernt und sich ihr nicht gewachsen gezeigt hat, durch Lelbstmvrd endet. it Hilfe dieses jungen Menschen will Emmerich ins Judentum eindringen. In einer Unterhaltung sagt Jacob zu unserem Helden das Folgende: „Ich muß Ihnen sägen, daß ich als Kind sehr fromm gewesen bin, die altjüdischen Ueberlieferungen liegen mit im Blute; meine Familie ist noch immer religiös." „Ist denn Ihr Gott so stärkt" £h, er ist furchtbar stark, das lehrt doch schon die bis zur höchsten Nmvahrscheinlichkeit merkwürdige Geschichte Israels, auf dessen Schultern unsere moderne Kultur viel mehr, als ihr alle es ahnt, gegründet ist." Emmerich gab ihm die Hand. „Ich wünsche Ihnen Erfolg im Kanrpf. Und wenn Ihr Jehova so gewaltig ist, dann erlauben Sie mir eines: daß ich mich 31t Ihnen halte und an Ihrer Seite in die Burg Zion eindringe." Und nun wird erzählt, wie Emmerich den jüdiscl)en Gottesdienst mehrfach besucht, von diesen Besuchen einen gewissen E11drnck empfängt, wie er dann Jesajas liest; darüber heißt es: , v» überwältigte und überzeugte ihn auf Momente, wie Gott, der H. n Zebaoth, groß und fern hinter allen Dingen steht, und wie er doch tä in alles Geschehen -eingreift. Er ist wie ein eifriger Lehrmeister innrer um fein Volk und bestraft dessen Sünden mit einer rücksichtslosen l nerbittlichkeit. Als Instrument seines Zornes hedient er sich der fru u-. d-en Völker; er läßt es bis ganz nahe zum äußersten kommen, a: a wenn Israel sich endlich gedemütigt hak, dann erhebt er es aus : :r Tiefe; und die stolzen Heiden vernichtet er mit gleichgültiger Grause.ir keit, nachdem sie ihm die Dienste, zu denen er sie brauchte, gelei'rei hatten. Niemals war dem Zweifelnden Gott so lebendig erschien?i, wie in diesem gewaltigen Buche; mochten Mensch und Vieh, moe le Jerusalem mit seinem Tempel und der Libanon mit seinen Jede 1. mochten Land und Meer Problematisch oder nichtig sein: EN war \ ex jederzeit Gewisse, der Vorhandene, der Unbestreitbare, und aus ihm e stand eine mächtige Zuversicht allen, die zu ihm hielten. Wie aus br, gegossen starrten die Verse vor des Lesenden Auge: Glaubet ihr nü t, so bleibet ihr nicht. Mit Stroh geht ihr schwanger. Stoppet - büret ihr. Ich vertilge deine Missetat wie eine Wolke und deine Süi?? wie einen Nebel. Kehre dich zu mir, denn ich erlöse dich " A:. r auch dieser Eindruck verschwindet und er gewahrt unser. .1, Helden nicht das, was er davon erwartet hatte. Wegen dieser Episode verdient das merkwürdige Buch unseren L-ese.n genannt and empfohlen zu werden. Aber so schön diese Stellen ar I, einem Inden erscheinen müssen — das ganze Werk bietet durch fr verworrenen, oft fast zum Lächeln reizenden, manchmal sehr :■:= fremdenden Abenteuer nicht das, was sein Titel verheißt und was : früheren bedeutenden Leistungen versprachen. L. G. Mcherrinlsuk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Alte und neue Balladen und Lieder des Freiherrn Börnes v. Mim' hausen. Auswahl fürs Feld. Erstes bis fünftes Tausend. Egon Fteis. 1 n. Eo. Berlin, tni Kriegsjahr 1915. 50 Pfennig. Mit bekränzten Kanonen. Flugblatt von Leo Sternberg. 1914. Ave . Auflage. Preis 30 Pfennig. Heinrich Staadt, Verlag, Wiesbaden. Dr Reinertrag ist ftir unsere Krieger bestimmt. Von dein Volk der Ulanen. Flugblatt 11 von Leo Skernberg 19. . Preis 30 Pfennig. Heinrich Staadt, Verlag, Wiesbaden. Der Reinerü ist für unsere Krieger bestimmt. Das eiserne Zeitalter. Flugblatt III von Leo Sternberg. 1915. Pn r 30 Pfennig. Heinrich Staadt, Verlag, Wiesbaden. Der Reinertrag für unsere Krieger bestimmt. Alls Vergangenheit und Gegenwart der Inden in Posen. Nach r druckten und ungedrnckten Quellen. Erlveiterter Separatabdrnck v. : „Alls Vergangenheit und Gegenwart der Inden und der jüdischell 0 meinden in den Posener Landen" von Dr. A. Heppner und I. Herzbei 1914. Koschmin-Bromberg. Inn Selbstverläge der Verfasser. Rephidim und Synai. Kriegspredigten von Lion Wolfs, Prediger 1 ' Synagogengemeinde, Tempelburg. Tempelbnrg i. P. Druck und Verl : von Engen Manig. Schriften, herausgegeben von der Gesellschaft zur Förderung i - Wissenschaft des Judentums. Festschrift zum siebzigsten Geburtstage Ja! Gu'ttmauns. Herausgegeben vom Vorstande der Gesellschaft zur Fö. derlmg der Wissenschaft des Judentums. Leipzig, Buchhandlung Guß ' Fock. 1915. XLII. Jahresbericht der Israelitischen Allianz zu Wien, erstattet -/.i die XLII. ordentliche Generalversanmllung am 17. Mai 1915. Wien Iw Verlag der Israelitischen Allianz zu Wien. Trilck von Moriz Walzr r u. Sohn, Wien IX. Goldene Worte des Altreichskanzlers. Aussprüche des Fürs! u Bismarck über Politik, Leben und Weltanschauung. Zufammengeste l von Dr. Adolph Kohut. Mit Bismarcks Bildnis. Leipzig, Drull und Verlag von Philipp Reclam jr. Emannel Geibels ausgewählte Werke in zwei Bänden. Mit einn Einleitung heransgegeben von Dr. Max Meckdheim. Erster Ban! Gedichte. Zweiter Wind: Epische Dichtungen. Dramatische Dichtunge Uebersetzillngen, Leipzig, Druck und Verlag von Philipp Reclam )*•