Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 22 (28.5.1915)
- Date
- 1915-05-28
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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3 |s; wtes. Durch die kriegerischen Ereignisse sind die Horte mehr als Ij. gewöhnlicher Zeit in Anspruch genommen worden, und es befinden Jfiu jetzt im KnaLenhort 60 und im Mädchenhort 46 Kinder. Natur- R^ näß sind die Ausgaben für Milch usw. dadurch gestiegen. Die Verwaltung findet durch freiwillige Helferinnen in. beiden Horten L te Unterstützung. Die Mitgliederzahl ist durch die Aufnahme von |4 neuen Mitgliedern auf 186 gestiegen. Die Kassenverhältnisse Iwlren so, daß der Verein seine Ausgaben eben decken konnte. Das streben der Verwaltung muß sein, durch Heranziehung weiterer D: träge die Einnahmen des Vereins zu heben. g/3 Bernburg, 21. Mai. Am 19. d. M. beging der Inhaber bi Firma Gebr. Spanier, Herr AlbertSpanier, sein fünfzigji riges Jubiläum als Teilhaber des genannten Hauses. Er überi, [)m an; 19. Mai 1865 in Gemeinschaft mit seinem inzwischen verm rbenen Bruder Theodor das von seinem Vater im Jahre 1845 zündete Geschäft in Rohzucker, Melasse und Spiritus, das sich ii der dortigen Gegend eines großen Ansehens erfreut. In seinem jr\ che gilt der Jubilar als besondere Autorität und ist bei seinen Würgern wegen seines schlichten, einfachen Wesens überaus bel! bt. Seit Jahrzehnten ist er Vorsitzender des Vorstandes der ji üschen Gemeinde; drei seiner Söhne stehen beinahe seit Beginn b ' Kriegs im Felde, einem von ihnen wurde von dem Herzog von halt das Friedeich--Kreuz für Tapferkeit im Felde verliehen. Es b rfte vielleicht interessieren, daß nicht allein Herr Albert Spanier rnburger und seine Eltern Anhaltiner waren, auch seine Frau ii Bernburgerin, und sein Schwiegervater, der Sanitätsrat Dr.?\ \ ieß, welcher 1897 gestorben und bis zum letzten Tage 45 Jahre h!g Tag ünd Nacht ohne irgendwelche Rast sich seinem schweren rufe widmete — für heutige Zustände eine beinahe unbegreifliche Pistung — ein Anhaltiner war, wie denn die Fließsche Familie i en anhaltinischen Ursprung bis 1760 zurückdatieren kann. In endelssohns „Briese an Lessing" wird schon ein Dr. Fließ aus Dessau e vähnt. J. A. Nürnberg, 21. Mai. Das Eiserne K re u z erhielten: 3 Max Kunreu ther aus Fürth, Oberarzt d. R. in der dritten 3 lnitätskompagnie des III. bayerischen Armeekorps; Kriegsi iwilliger Franz Regensburger, Sohn des Fabrikbesitzers v bert Regensburger in Fürth; Eugen K u r z i n g e r , Unteroffizier i 9. bayerischen Infanterieregiment, Sohn des Weingroßhändlers 3 rnhard Kurzinger in Würzburg; Artur Lust aus Nürnberg, '' tillerieleutnant d. L. bei einer Ballonabwehrabteiluna des i . Armeekorps; Dr. Maximilian Otto Steinhardt aus Nürnl rg, Kriegszahnarzt der 1. bayerischen Landwehrdivision; Dr. med. > rmann Kr anheim er, Chirurg im bayerischen Reservefeldi -arett Nr. 12; Ernst Blank, Unteroffizier im 14. bayerischen 'fanterieregiiment, Sohn des Kaufmanns Jul. Blank, Nürnberg. ,;s bayerische Militärverdienstkreuz zweiter Klasse erhielt der Feld» I;arettinspektor Otto Ger st aus Nürnberg. Das bayerische Mili-! rverdienstkreuz dritter Klasse erhielt Ludwig Kohn, Gefreiter;! 1. Cheva ulegerregiment in Nürnberg. CSS Karlsruhe r. B., 21. Mar. Daes im Anrte Tauber-! chofsheim vorkam, daß jüdische Elten; um die Befreiung ihrer Kiut r von der Haushalt ungsschnle einkamen, weil sie nicht wünschten, daß ' re Kinder von Speisen genießen sollten, die nicht rituell Zubereitet '' id, so hat das Kriegsministerium nach Anhörung des Oberrates folnde Verfügung an das Kreisschulamt erlassen: Eine Befreiung israe-! ischer zum Besuch der Hauhaltungsschule verpflichteter Mädchen vom ■' iushaltungsunterricht mit der Begründung, daß in den Familien i eser Mädchen rituell gekocht werde, kann nicht stattfinden. Eine solche ' treiung wird auch vom Großherzoglichen Oberrat der Israeliten > cht befürwortet. Dagegen bittet der Großherzogliche Oberrat, die die ■ wshaltungsschule besuchenden israelitischen Mädchen möchten nicht l gen ihren Willen veranlaßt werden, an Sabbaten und israelitischem; - iertagen zu arbeiten, ferner nach israelitischem Ritus verbotene Spei- '! — solche, zu denen Fleisch oder sonstige Bestandteile von nicht ge- ' lichteten Tieren mit Ausnahme der Fische (Aale verboten) verwendet - rden, sowie solche, bei denen Bestandteile oder Produkte von Fleisch -d Milch gemischt werden — zu bereiten. Außerdem möge davon - gesehen werden-, diesen Mädchen den Genuß der in der Schule zul' reiteten Speisen zuzunruten. Wir ersuchen, diesem. Wunsche ent- 'brechend' künftighin zu verfahren. L/D Bruchsal, 21. Mai. Dem soeben erschienenen 27. Jahresbericht des Landesvereins z u r E r z i e h u n g israelitischer Waisen i m G r o ß h e r z o g t u m Baden entnehrneu wir folgende Angaben: Die Derwaltungs- und Verpflegungskosten beliefen sich auf 17 843,97 Mark, die Mitgliederbeiträge und Schenkungen auf 14 613,77 Mark, das Vermögen des Vereins am Ende des Berichtsjahres auf 310 879,76 Mark. Während dieses Jahres wurden 14 Kinder in die Vereinsobhut ausgenommen und 36 Kinder aus ihr entlassen, weil deren satzungsgemäße Altersgrenze weit überschritten war. Der Verein ließ im Jahresanfang 128 Kindern, an; Jahresende 106 Kindern seinen Beistand angedeihen. Der bei weitem größte Teil der Schützlinge blieb im Haufe der Eltern oder Ver-;vandten und wurde mit Unter stütz;; ngsbeiträgen bedacht. Don den übrigen befinden sich 13 Kinder in Familienpflege, 1 Knabe ist auf dem landwirtschaftlichen Lehrgut Steinhorst bei Celle (Provinz Hannover), 1 Kind lebt im Krüppelheim bei Professor Dr. Vulvius in Heidelberg, 6 Kinder sind als Lehrlinge tätig, 2 Kinder sind im Israelitischen Kinderheim in Köln und 3 Knaben besuchen die Präparandenschule in Höchberg. Der Verein betrachtet es als seine edle Pflicht, für Verstorbene und fortab auch für Gefallene die Kaddischstiftnngen anzunehmen und die damit unternommenen Pflichten mit pietätvoller Gewissenhaftigkeit auszuführen. Der Bericht spricht all denen, die den Verein durch Geldbeiträge unterstützt haben, warmen Dank aus und schließt mit dem Bemerken: Bei dem steten Rückgang der Jahresbeiträge bitten wir dringend, unsere Sache unterstützen zu wollen. Denn nur zwei Gemeinden, die Ge;neinde Bodersweier und die Gemeinde Meckeshei;;;, Haben;nehr Beiträge als bisher bezahlt: alle anderen Gemeinden haben weniger Beiträge als bisher uns übermittelt. Wir bitten daher dringend — da die Ansprüche an unseren Verein immer größer werden uns durch Mitgliederbeiträge und Spenden zu unterstützen. Die das tun, bauen mit an dein herrlichsten der Liebeswerke: den kleinen, unschuldigen Armen die Grundlage ihres Lebens zu errichten. Gkstrrrkich-Angkm. £9. Prag, 21. Mai. Die Rabbiner Professor Dr. Ster n in Saaz, Professor Dr. K i s ch und Prediger Dr. S ch w a r tz in Prag erschienen am 12. d. M. beim Statthalter von Böhmen, um ihn in; Namen des Rabbinerverbandes zu begrüßen. Der Führer der Deputation, Rabbiner Profesior Dr. Stern, Saaz, richtete au den Statthalter folgende Begrüßungsansprache: „Es wurde uns die hohe Ehre zuteil, in; Namen des Rabbinerlrerbandes in Böhmen die inniasten Glückwünsche zum Mitritt des hohen Amtes Eurer Exzellenz, Herr Statthalter, aussprechen zu dürfen. Wir flehen den Segen des allrnächtigen Gottes herab zunächst auf das gesalbte Haupt unseres erbabenen und vielgeliebten Monarchen und auf die Waffen Oesterreichs, die jetzt von den Söhnen der Monarchie zur Derteidignna des Vaterlandes mit Begeisterung und ruhmreicher Tapferkeit gefi'lbrt werden. Jede Nachricht von einen; Siege erfüllt unser Herz mit Seligkeit und Jubel. Wir flehen Segen herab auf die Lenker des Staates, die in so schwerer Zeit das Schicksal der Länder und Völker des Vaterlandes leiten. Wir beten um den Beistand Gottes, daß er der bewährten Hand Eurer Ewellenz das Gelingen gebe, dieses herrliche Land Böhmen der Eintracht und dem Glücke zuzuführen. daß es Euer Exzellenz gewährt sein n;öge, das Band wahrer Brüderlichkeit und vorurteilsloser N ä ch st e n l i e b e um die Nationalitäten und Konfessionen Böh men s zu schlingen. Möge Eure Exzellenz lange glücklich und in ungetrübter Freude zum Glücke und zum Wöhle Böhmens wirken." In seiner Erwiderung betonte der Statthalter, daß er schon in seinem früheren Wirkungskreise die Jsraeliten als p a t r i o t i s ch e, friedliche und tüchtige Mitbürger kennengelernt habe und daß er nach wie vor den Wünschen dieser Glaubensgemeinschaft vorurteilslos gegenübertreten werde. Dann berührte der Statthalter die Flüchtlingsfrage und äußerte seine Anerkennung für die opferwillige Fürsorgetätigkeit im Dienste der Unglücklichen. Kmrriks. Z. New Nork, 2. Mai. Der „Hebvew" veröffentlicht ein Interview dos Korrespondenten der Zeitung „The Jewish Daily News" mit dem Staatssekretär Garrison des Kriegsamtes der Vereinigten Staaten, dem wir folgende Stellen entuehuren: „Die Juden," so erklärte