Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 22 (28.5.1915)
- Date
- 1915-05-28
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
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- Budapest 1× ep/1002374
- Płock 1× ep/1048069
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Mr. G a r rison, „die in den verschiedenen vom Kriege betroffenen Ländern wohnen, lverden selbstverständlich die gleichen Rechte lvie alle anderen haben, sich mit Beschwerden an die Konferenz zu wenden, die den Krieg zu beenden berufen sein wird. Solange niemand die Zusammensetzung dieser Konferenz wissen kann, ist es unmöglich zu bestimmen, ob die Juden erwarten können, auf dieser Konferenz direkt vertreten zu sein. Insoweit als die Beschwerden der Juden interne 'Angelegenheiten eines Staates darstellen, ist es selbstverständlich, daß kein anderer Staat sich in diese Angelegenheit einmischen kann. -- Welche Rolle unser Land in Zukunft irr den großen Fragen der G-egem wart spielen wird, ist unmöglich vorauszusehen. Das Klügste, was Ihr Volk tun kann, wird sein, sorgfältig alle die Tatsachen zu sammeln, die mit den Sie interessierenden Fragen Ansammenhängen, und die Maßnahmen und Mittel zu formulieren, welche nach Ansicht Ihrer Ration zur Lösung dieser Frage angewandt werden sollen. Meiner Meinung nach wäre es nutzlos zu versuchen, jetzt solche Fragen oitr Diskussion zu stellen, denn die ganze Welt hat heute nur Intern essen für den großen Krieg in Europa, und dieses Interesse kann nicht abgetenkt werden. Wenn ich mich militärisch ausdrücken soll, so möchte ich sagen: Sagen Sie Ihrem Hauptmann, nicht früher den Befehl zum Schießen zu geben, als bis der Feind in Sicht ist. — In anderen Worten, warten Sie, bis wenigstens Aussicht vorhanden ist, daß Ihre Argumente gehört werden, bevor Sie alle die Gründe und Beweise Vorbringen, die Ihrer Ansicht nach Ihren Bemühungen förderlich sein sollen." Von Aah und ffrrn. — Der emerit. Professor der landnurtschaftlichen Technologie an der Universität Breslau, Geh. Negierungsrat Dr. Siegfried Friedländer in Berlin, beging am 16. d. M. seinen achtzigsten Geburtstag. Pros. Friedlünder, geboren zu (Karlsruhe in Schlesien, erwarb 1857 den Doktorgrad, war mehrere Jahre als Fabrikchemiker tätig, habilitierte sich 1864 in Breslau, wurde 1865 Dozent für Technologie itr. der Landwirtschaftlichen Akademie zu Proskau und später ebenda Direktor des Milchwirtschaftlichen Instituts. Ostern 1881 erfolgte seine Berufung zum a. o. Professor in der Breslauer philosophischen Fakultät. Seit Oktober 1891 ist Prof. Friedländer von seinen lehramtlichen Verpflichtungen entbunden und wohnt seit dieser Zeit in Berlin. - In tiefem Schmerz zeigt Herr Willibald L o e w e n t h a,l Repräsentant der jüdischen Gemeinde zu Berlin, das Ableben seines Sohnes, des Unteroffiziers Dr. jur. Friedrich L o e w e n t h a l, an, der, nach zweimaliger schwerer Venvundnng zmn Drittenmal an der Front, am 15. d. M. auf dem Felde Der Ehre für König und Vaterland gestorben ist. Mit den schmerz-gebeugten Eltern- und Geschwistern betrauert ein weiter Kreis von Bekannten und Freunden das jähe Ende des Dahingeschiedenen, der mit echter Zionsliebe sein deutsches Vaterland geliebt und zugleich für die Zukunft des jüdischen Stammes lebhaftes Interesse lind Borständnis bekundet hat. Ehre seinem Andenken! - - Dem Hauptkantor der Synagoge Levetzowsrraße, Wilhelm Fried m a n n, wurde vom Vorstand der jüdischen Gemeinde der Titel „Oberkantor" verliehen. - Aus Oldenburg wird berichtet: Der j ü d i s ch e Landesgemeinderat hat beschlossen, für die Gefallenen aus sämtlichen Synagogengemeinden des Herzogtums in der Synagoge der Hauptgemeinde Oldenburg eine Ehrentafel zu errichten. Der vorgelegte künstlerische Entwurf wurde angemmmtcn. Die Krone wird ein Licht erhalten, welches am Jahrzeittage Der einzelnen Gefallenen brennen soll. — Die rein katholische Ortsverwaitung von Laudenbach b. KavlstaDt hat den Gememdemitgliedern FelDpostpakete «mit Eßwaren zu gehen lassen. Die jüdischen Gemeindemitglieder erhielten rituell zubereitete Eßwaren zu Pessach. Diese Allfnwrksnmkeit geschah ohne Erinnerung von außen und verdient daher besondere Anerkennung. — In Osnabrück ist Der Vorsteher der israelitischen Gemeinde, Rentner A. Jonas, im nahezu vollendeten 82. Lebensjahre gestorben. Er hat hier über 33 Jahre das Amt eines Shllagvgenvvrstehers bekleidet, war außerdem Vorsteher der israelitischen Elementarschule und Vorsteher des israelitischen Wohltätigkeitsvereins zur Förderung der Errichtung eines Waisenhauses in Emden. In Anerkennung seiner Verdienste wurde ihm 1912 der Kroncnvrden vierter Klasse verliehen. — Aus dem Haag wird uns geschrieben: Die im Monat April 1915 dem Nationalfonds zugeführten Spenden beliefen sich auf 4 1 64 7 Mark. Zu diesem Ergebnis haben beigetragen: Nordamerika 28 408 Mark, Deutschland 4529 Mark, Rußland. 2363 Mark, Rumänien 1778 Mark, Argentinien 1054 Mark, Oesterre:., 905 Mark, Griechenland 713 Mark, Tunis 668 Mark, Holland 555 Mau. Italien 274 Mark, England 214 Mark, Schweden 97 Mai. Schweiz 89 Mark. — Aus Budapest wird geschrieben: B> i orthodox-jüdischer Seite wurde ein Aufruf erlassen, einen „Unga ländisch orthodox-jüdischen -Kriegswohlfahrtsausschuß" zn gründe:. Dieser soll den Zweck verfolgen, jüdische Kriegsspitäler > errichten, der gesetzestreuen Judenheit der nördlichen Landesgreng. die durch die Nähe des Kriegsschauplatzes furchtbar gelitten, ansz: helfen und für die Witwen und Waisen Der frommen Soldaten ei: e Lebensmögtichkeit zu schaffen. — Die C h e w r a K a d d i s ch a d . Großgemeinde in Budapest beschloß, in ihrem Friedhof eine Helden allee für die gefallenen jüdischen Krieger, die in Budapest begraben we 'den, anzulegen und diese dann durch ein gemeinsames monumental: Denklnal zu schmücken. Bis jetzt ruhen sechzig jüdische Krieger c >. dieser Stätte. — Universitätsprofessor A. C. Enz a in Bukarest, dl rumänische Human, hat die Leiterin eines Studentenheimes auf du. Stelle eütlassen, weil sie eine jüdische arnw Studentin anfgenomnu: hatte. Natürlich wurde auch die jüdische Studentin' sofort auf d Straße gestellt und die anderen Studentinnen wurden gerügt, weil v sie geduldet hatten. — Die serbische Iudenschast ve öfsentlicht ein Memorandum über die traurige Lage der serbische Inden infolge des Krieges. Der Krieg hat unbeschreibliches Elen über die jüdische Bevölkerung Serbiens gebracht. Tausende sin ruiniert und gezwungen, Haus und Hof zu verlassen. Alle jüdischen Gl mcinden der an der Donau, Save und Drina gelegenen Orte sind vo! ständig vernichtet. Die Häuser sind zerstört, die Straßen zu wüst: Trümmerhaufen.geworden und die Arbeit von Jahren in wenige Stunden vernichtet und im Rauch der Bombardements und Feuerbrünste verflogen. Alle Juden mit wenigen Ausnahmen wurde genötigt, von Ort zu Ort zn flüchten, aller Mittel beraubt. — „Aste: Posten" meldet ans London: „Der bekannte Finanzmnnn Sir Edga Speyer veröffentlicht einen offenen Brief an Asquith, worin r den Premierminister auffordert, den Baronettitel, der ihm 1906 ve liehen wurde, auszuheben und ihn als Mitglied des Privh Eounci wwzn er 1909 ernannt worden war, zu streichen. SPeyer ist ei Dentscher, der sich durch hervorragende Tüchtigkeit nicht allein cim großen Namen im Geschäftsleben Londons, sondern auch in politische Kreisen erworben hat. Wegen seiner deutschen Herkunft wmrde e seit Kriegsausbruch iu Zeitungsartikeln angegriffen, der Verräter« und Illoyalität beschuldigt. In dem Brief an Asquith schreibt er, da - er nun beschlossen habe, ans alle Würden zu verzichten, um seine Ehr als loyaler britischer Untertan zu verteidigen." — Aus Plozk melde das „Lodzer Volksblatt": Der hiesige deutsche Kommandant vo: Pal iss eg, Der Die ganze Bevölkerung sehr loyal und wohl wollend behandelt, hat für die Hinterbliebenen Frauen und Kinder Der von «den Russen erschossenen zwei Inden S a jo uz und Born st e i n ein Holzgeschäft eröffnet, durch welches sich die beiden Familie ernähren können. Der Abendverkehr auf den Straßen ist jetzt bi iOX. Uhr gestattet. Die Talmud-Thora- und andere jüdische Schule' geben wie in normalen Zeiten Unterricht. Ein deutsches Geriet: spricht Recht in allen Streitsachen. — Ein Arabisch sprechender Jud namens Jussuf Ben Jakob Achwan kam kürzlich nach Jerusalem nu behauptete, daß er zu einem jüdischen Volksstamme gehöre, der noma disterend in der Wüste wohne und sich augenblicklich fünf Tagereise von Poweit, also in der Nähe des Persischen Meerbusens, befinde Wie er angab, gehören zu seinem Stamm etwa 25 000 jüdische Fanu lien, die in Zelten wohnen und Viehzucht treiben. Die unter ihne lebende Tradition besagt, daß sie „zur Zeit des ersten Tempels" in di Wüste verpflanzt worden sind. Auch ist ihnen der Talmud bis au den heutigen Tag unbekannt geblieben. Sie glauben, Nachkomme: Jonadabs, des Sohnes Rechabs, zn sein, der im Propheten Jeremi erwähnt wird. Achwan versichert, daß in Bälde wohl viele seine« Stammesbrüder nach Palästina einwandern würden. Neben den Arabischen spricht er ein gutes Hebräisch. Wie weiterhin bekanu lvird, sollen östlich von Bagdad in tiefer Abgeschlossenheit noch meh Niederlassungen jüdischer Bolksstämme vorhanden sein, von denei etliche geradezu festen Städten gleichen. Die Verbindungswege zu ihnen sind äußerst schwierig und gefährlich und kaum bekannt. Ihre Sprache ist ein stark verdorbenes Hebräisch. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow. Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Reinh. Mausolsf, Berlin 6 2. Druck und Verlag von Rudolf Mosfe.