Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 22 (28.5.1915)
- Date
- 1915-05-28
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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79. Jahrgang Nr. 22 Berlin, 28. Mai 1915 Der Gemetndevote. Airtlsgr zur „Allsemelnrn Lrikung des Judentums". 7orrel-ondm?m und Aachrichtm. LkUtschlsnd. ^2 Berlin, 26. Mai. In der Wissen s ch a s t l i ch e n Verenigung jüdischer Lehrer u n d L e h r e r i n n e n zu Be rl n sprachen in den letzten Wintermonaten Herr Dozent Dr. . an bl er über „Die Gliederung der jüdischen Geschichte" und Herr . irektor Dr. Feist über „Probleme des Krieges". Ans Anlaß t r zwanzigsten Wiederkehr des Stiftungstages der Vereinigung fand i -r kurzem eine Festsitzung statt. Ten Festvortrag hielt Herr P r o- 'ssor Dr. Fiegel über „Die Wissenschaftliche Vereinigung : a zweiten Jahrzehnt ihres Bestehens". Nachdem der Vori agende in wenigen Worten die Geschichte der Wissenschaftlichen Verbnkgung jüdischer Schulmänner zu Berlin während des ersten Jahrhnts ihres Bestehens gestreift und die Notwendigkeit ihrer Begrünl;ng nachgewiesen hatte, erörterte er zuerst die Frage, ob mit Recht i t Name „Wissenschaftliche Vereinigung" so manchen Angriffen aussetzt gelvesen sei. Er wies durch die Anführung einer großen Zahl n Themen wissenschaftlichen Charakters nach, daß lvissenschaftlich.es . lreben den Grundzug der Vereinstätigkeit bilde, erwähnte die Ent- - icklung des Vereins, die die Aenderung des Namens in „Wissenschaft-! he Vereinigung jüdischer Lehrer und Lehrerinnen zu Berlin" not- : endig machte, und legte dar, daß die Ausnahme weiblicher Lehr-! äste die Besorgnis nicht gerechtfertigt habe, die bei manchen Miti ledern aufgetaucht war, sondern im Gegenteil zur Kräftigung des ' reinslebens beigetragen habe. Alsdann belvies er, daß die Veri aigung stets den Forderungen gerecht geworden sei, die die Satzunn stellten. Sie habe der Erörterung aller den jüdischen Neligionsckerricht betreffenden Fragen, der Behandlung sonstiger die jüdischen hrkräste betreffenden Angelegenheiten und der Pflege der Kollegialit stets ihre Aufmerksamkeit zugewandt. In welchem Maße und mit! "lchenr Erfolge sie namentlich die Erörterung aller den jüdischen ' eligions unterricht betreffenden Fragen gepflogen habe, gehe aus der . llsache hervor, daß aus ihren Beratungen die Neubearbeitung der! blischen Geschichten von Auerbach und der Abrahamschen Bücher für; n hebräischen Lehr- und lieb er setzungsunterricht an den Gemeinde- ' ligivnsschulen hervorgegangen sei. Wünschenswert sei nur noch, < iß den Referaten über Neuerscheinungen auf dem Gebiete des Netionsunterrichts mehr Aufmerksamkeit geschenkt werde. Die Vereinigung we sich des weiteren mit der Anstellung jüdischer Lehrkräfte an den erliner Gomeindeschulen, mit der Forderung der Errichtung jüdischer olksschulen in> Berlin, mit der definitiven Anstellung von Religionshrern bei der Gemeinde und mit der Besserung der Einkommensver- : utnisse der nebenaurtlich an ge stellten Religionslehrer beschäftigt, habe - nregung gegeben zur Einrichtung von Kursen für jüdische Religions-! hrerinnen und einer Prüfung, durch welche jüdische Lehrer ein über e Bedürfnisse des Elementarunterrichts hinausgehendes Wissen auf m Gebiete der Religionswissenschaft Nachweisen können, und habe .dlich Fortbildungskurse eingerichtet, deren Notwendigkeit vom ' chrerverband wiederholt betont worden sei. Auch die Pflege der Kvlleatität habe die Bereinigung nie aus den Augen verloren. So sei sie ets ihrem Programm treu geblieben, habe vieles erreicht, dürfe aber i Kampfe nie erlahmen, bis sie alles, was sie für wünschenswert ilte, erzielt. Zum Schluß skizzierte der Vortragende noch das Vertltuis der Vereinigung, zu den verschiedenen Organisationen, zur ' rmeinde, zum Deutsch^Jsraelitischen Gemeindebnnd und zum Lehrer-!?rband. In letzterem habe sie sich immer durch ihre Delegierten ' ehör zu schaffen gewußt und nicht unbedeutenden Einfluß ausgeübt, o könne die Vereinigung mit Genugtuung auf die verflossenen zwei ihrzehnte zurückblicken; das werde sie anspornen, auch in Zukunft it derselben Treue zu arbeiten wie bisher, zum Besten des deutschen " aterlandes und zum Gedeihen des Judentums. Dem lebhaften Dank Vr Versammlung lieh der Vorsitzende noch besonderen Ausdruck und Vnpfte daran folgende Worte: „Der Vortrag hat uns ein - ild von dem entrollt, was unsere Vereinigung in dem 'veiten Jahrzehnt ihres Bestehens gewollt u-nd erreicht hat. Das! tztere mag nicht eben viel sein, doch immerhin ist manches erzielt worden. Gewollt wurde aber immer das Höchste und Beste auf unserem Gebiete: äußere und innere Hebung des Religionsunterrichts, Erhöhung der Achtung vor ihm und damit zugleich vor der jüdischen Religion, und zwar besonders durch nicht rastende unb immer größere Ertüchtigung derer, die ihn zu erteilen haben. Unsere Erfolge, soweit lvir solche zu verzeichnen haben, verdanken lvir nebst der eifrigen Mitarbeit aller derjenigen unserer Mitglieder und Freunde, die durch Vorträge und Anregungen in den Verhandlungen Gedanken gespendet und erzeugt und tätiges Streben wachgerufen haben, vor allem der hingebonden und rastlosen Arbeit der Herren, die als Vorstandsmitglieder die eigentlichen Mühen willig auf sich genommen und treu getragen Haben. Ihnen allen sei in dieser Stunde gebührender herzlicher Dank gesagt, vornehmlich den beiden Vorsitzenden in dieser Periode, dem Herrn Direktor Dr. G u t m a n n und Herrn Oberlehrer Professor F riedländer, wie auch dem langjährigen zweiten Vorsitzenden, Herrn Hanfs. Meine Damen und Herren! Tie Aufgaben, die unserer Vereinigung obliegen, und die sie sich stellen muß, sind bei weitem noch nicht erfüllt, und die sich anbahnende neue Zeit wird uns gewiß auch fortschreitend noch neue Forderungen bringen. Einstweilen nimmt noch das gewaltige Völkerringen, das uns umtobt, fast all unser Sinnen gefangen. Und so geht unser aller innigster Wunsch zunächst dahin, daß unserem geliebten Vaterlande recht bald ein ruhmreicher, erfolggekrönter Abschluß dieses furchtbaren Krieges beschert sein möge. Tann ward unsere Vereinigung sich wieder mit vollen Kräften ihren friedlichen Aufgaben widmen können. Wir möchten uns so gern der Hoffnung hingeben, das; dann auch das Judentum, der jüdische Religionsunterricht und der jüdische Lehrer voll- und gleichberechtigt neben den anderen gleichwertigen Faktoren dastehen mögen. Mit einem wenn möglich noch erhöhten' Eifer und freudigem Ernst wollen lvir dann unseres Amtes walten im Dienst unserer Religion und unseres Vaterlandes. Sollte es uns aber beschieden sein, auch dann noch um ihre Anerkennung ringen zu müssen, so möge uns die Friedenszeit ebenso mutig, kraftvoll und begeistert für unsere Ideale und unsere wohlbegründeten und wohlerworbenen Rechte finden, wie der Krieg alle unsere Glaubensgenossen, insbesondere unsere glanbensgeuössilch-en Kollegen, voll Hingebung und Opserwilligkeit gefunden hat für Gesamtdeutschlands Wohlfahrt, Glück und Ehre. Mögen alle Kollegen und Kolleginnen in Groß-Berlin sich in festem Zusammenschluß mit uns vereinigen zur Förderung und Erreichung unserer Zwecke, dann lvird, darin klinge unser Festgruß aus, die W. V. auch ferner und allzeit an äußerer Zahl und innerer Kraft wachsen, blühen und gedeihen." Auf Anregung des Kollegen Dr. Löw-enberg wurde nunmehr beschlossen, zu Zwecken der Kriegshilfe an den „Hilfsverein der deutschen Inden" und den türkischen „Roten Halbmond" unter den Auloesenden eine Sammlung zu veranstalten, aus der Vereinskasse dem Ergebnis eine vom Vorstand zu bestimmende Summe hiuzuznfügen und die nicht anwesenden Mitglieder von diesem Beschluß mit dem Anheimstellen zu benachrichtigen, ihrerseits sich an der Sammlung zu beteiligen. 2XD Berlin, 25. Mai. Der G r o ß l o g e für D e u t s ch - tand VIII U. O. D. B., Berlin, Kleiststraße 12, sind von einem langjährigen Mitgliede zur Errichtung einer Moritz-Manheimer- Stiftung die Mittel überwiesen worden, auf Grund deren alljährlich ein Preisausschreiben für die besten Bearbeitungen eines philanthropischen Themas erlassen wird, in lvelchem Menschenliebe, Gerechtigkeit und Duldsamkeit behandelt werden sollen. Für 1915 lvird folgendes Thema gestellt: „I n w i e lv e i t k ö n n e n G e - r e ch t i g k e i t, M e n s ch e n l i e b e u u d D u l d s a m feit a l s G r u n d l a g e n de r m e n s ch l i ch e n G e s e l l s ch a f t i m Staate zur B e r lv irkli ch u n g g e b r a ch t lv erde n." Fü r die besten Bearbeitungen werden vier Preise ansgesetzt, und zwar eut erster Preis von 2000 Mark, ein zweiter Preis von 1000 Mark, ein dritter und vierter Preis von je 500 Mark. Ist eine Abstufung des Wertes der vier besten Arbeiten nicht auszusprechen, so sollen die 4000 Mark in vier Preise von je 1000 Mark zerlegt und den vier besten Arbeiten gleichmäßig zugesprochen werden. Die Bewerbung steht Angehörigen aller Bekenntnisse offen; die