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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-05-28 · Heft 22 (28.5.1915) · p. Seite 264

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 22 (28.5.1915)
Date
1915-05-28
Page
Seite 264 (sequence 12)
Language
German
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264 Abends lese ich dann die Zeitschriften, die mir Josua gegeben hat, die aus seinem Verein. Den.13. Schade! ich war sehr enttäuscht. Jeden Tag hat mein Max pünktlich um 5 Uhr bei mir sein können, heute stand sein Freund allein am Denkmal. Er kam von Max. Der ließ mich grüßen, er habe einen dringlichen Fall, vor Abend könne er nicht bei mir sein. Ja ja, ein Zukunftsbild! Ich werde noch oft im Leben auf ihn warten müssen, wenn wir uns vorgenommen haben, etwas zusammen zu unternehmen. Das Los der Aerztefrauen! Frau Dr. Schlesinger jammert immerzu darüber. Ich mußte lächeln über Djaloszinskis Weltfremdheit, die auch noch nicht einmal fragte, ob ich Bedenken trüge, mit ihm allein zu gehen. Wie selbstverständlich bog er in die Promenade ein, wie selbstverständlich war er wieder bei seinem Thema. Aber vielleicht fehlte ihm die wenn auch kaum geäußerte Zustimmung des Freundes — er kam bald mehr auf das Persönliche. So offen spricht er von seinem Vaterhaus, als gäbe es keine Häuser, in denen es modern und elegant zugeht und in denen man über jo ein kleines galizifches Häusel in der Judengasfe spottet. Hast du gar nicht das Gefühl, Josua, daß ich aus so einem vornehmen Hause bin? Nein, du sprichst, als wolltest du mir etwas Gutes damit antun, weil ich die Braut deines Herzensfreundes bin, der du dein Vertrauen erweisen willst. Und beinahe empfinde ich es auch so. Dabei weiß ich nun, wie arm es bei euch daheim zugegangen ist, wie schwer sich die Mutter von jeher gequält hat und noch quält — traurige, schwere, oft bittere Tatsachen sind es, von denen du berichtest. Aber da ist etwas,; was in deinen Worten mitbebt — eine Weihe, eine Innigkeit —, ich weiß nicht, aber ich möchte nur ein einziges Mal in das kleine Judenhaus treten, ungesehen, denn mir ist,-als könne ich es so, wie ich bin, nicht betreten, als müsse ich da erst mancherlei ablegen. „So an einem Jomtausabend müßten Sie mal bei uns sein, mnn Vater erklärt." Eine Rührung zittert in feiner Stimme, eine andächtige sehnsüchtige Liebe. Als er mir nachher haarklein die Zutaten zu dem Schabbesgericht, dem Schalet, auszählt (ein Spezialrezept der Mutter), lächeln und leuchten die Augen wie verklärt in dem mageren Gesicht, daß so gar nicht nach Gutschmeckerei und großem Appetit aussteht. Der Schalet gehört auf den Jomtauftisch, gehört zu Vaters Weihereden; da ist er heilig geworden, unb die Kinder schmecken ihn nicht mit der Zunge, sondern mit ihrem gläubigen, festlich gestimmten Herzen. (Fortsetzung folgt.) Lelekrüchte. In der neuen großen Lessingausgabe „Gotthold Ephraim Lessings sämtliche Schriften, herausgegeben von Carl Lachmann. Dritte, aufs neue durchgesehene und vermehrte Auflage, besorgt durch Franz Muncker. Leipzig, I. G. Göschensche Verlagshandlung", die im Fahre 1882 begonnen wurde, jetzt bis zum 21. Bande gefördert worden ist und deren Abschluß, der 22. Band, in kurzer Zeit bevorsteht, einer Ausgabe, deren Anschaffung wir unseren gebildeten Lesern als eine Ehrenpflicht empfehlen, finden sich unter den Kollektaneen manche interessante Bemerkungen über Juden. Ich hebe einzelnes hervor, was wohl den wenigsten unter unseren Lesern bekannt sein dürfte.!. Eine Notiz: Juden, Bd. 15, 3. 277 ff. „Cb ein Jude, der sich tauffen lassen, wenn sein Weib, die eine Jüdin geblieben, nicht weiter mit ihm leben will, eine andere Frau nehmen könne, ist eine Sache, worüber noch neuerlich in Frankreich sehr gestritten worden; nehmlich bey Gelegenheit eines gewissen Baruch Levi, aus Hagenau gebürtig, welcher sich 1752 mit seinen zwey Kindern taufen ließ. Seine Frau kehrte nach Deutschland zu ihren Anverwandten zurück, und als er eine andere Frau, eine' Französin, dafür hehrathen wollte und sich desfalls an den Priester, der ihn getauft hatte und seine Frau kannte, wandte, so verwe - gerte ihm dieser die Erlaubniß, die ihm auch von dem geistlichc i Gerichte zu Soissons, so wie von dem Parlamente zu Paris abg - sprochen ward. Die Schriften für und wider in dieser Rechtssache sind zu Paris gedruckt. 1759 in Gr. 12°: Recueil important sur i question, de savoir, si un juif, marie dans sa religion, peut m* remarier apres son bapteme, lorsque sa femme juive refuse de suivre et de habiter avec lui. Ich glaube die Protestanten würden einem getausten Jude i diese Erlaubnis nicht versagen, weil sie von der Unauflöslichkeit dc? Ehestandes überhaupt anders denken, als die Katholiken". 2. Rabbinen, Bd. 15, S. 353 ff. „Wenn die Rabbinen sagen, daß von verschiedenen Auslegunge i einer undeutlichen Schriftstelle die eine eben so wahr sey als d e andere: so erklärt dieses Canz, wenn ich mich recht erinnere, i i seiner Ontologie ganz falsch, daß sie also die einzigen wären, welch den Satz, daß von zwey widersprechenden Dingen nur eines Wal . seyn könne, leugneten. Sie wollen weiter nichts sagen, als daß mn , sie alle könne gelten lassen, wenn sie nichts enthielten, was ander; unleugbaren Wahrheiten zuwider wäre. Itzt finde ich, daß Augr stiuus eben so dachte. Wenn er nehmlich üb. 12 Confess. feil Meinung von Erschaffung der Welt sagt und auch andere Ate uungen anführt, so setzt er hinzu: In bae diversitate sententiarui: verarum (verae enim sunt omnes, quia verum dicunt, etsi no; omnes secundum mentem scriptoris esse possunt) concordiar pariat ipsa veritas. —- Sollte für das letzte verltas nicht vielmeh varietas gelesen werden? 3. Rembrant: Eine sehr interessante Notiz, da es sich hier m ein Gespräch Zwischen Lessing und Mendelssohn handelt. Bd. 17. S. 356 ff. Die Rembrantsche Art schickt sich zu niedrigen, possirlichen un ekeln Gegenständen sehr wohl. Durch den starken Schatten, welche durch den Bortheil des unreinen Wischens oft erzwungen wird errathen wir mit Vergnügen tausend Dinge, welche deutlich z sehen gar kein Vergnügen ist. Tie Lumpen des Zerrissenen Roct würden, durch den seinen und genauen Grabstichel eines Wille mn gedrückt, eher beleidigen als gefallen; da sie doch in der wilden und unsleißigen Art des Rembrant würklich gefallen, weil wir sie uu hier nur 'einbilden, dort aber sie wirklich sehen würden. Hingegen wollte ich hohe, edele Gegenstände nach Rembrant Art zu traktiren nicht billigen. Ausgenommen solche hohe, edl Gegenstände, mit welchen Niedriges und Ekles verbunden ist. Z. E die Geburth eines Gottes in einem Stalle, unter Ochsen und Esel. Und solche mit welchen die Dunkelheit vor sich verbunden ist. H. Akoses, dem ich diese Gedanken mittheilte, antwortete mir „Sie haben vollkommen recht. Denn wenn uns schon bey höhere und edeln Gegenständen die Skitzen öfters besser gefallen, als b'u vollendeten Gemählde; so geschieht es deswegen, weil wir bey der Skitzen dasjenige hinzudenken, was ein arbeitsamer Pinsel aus geführt hätte. Die Rembrantsche Manier aber kann uns als ein fertige und vollendete Arbeit bey edeln Gegenständen nicht gefallen Bon Dietrich hat man eine Beschneidung im Rembrantschen Ge schmake." L. G. Mchrremlauk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Aus großer Zeit. Predigten, gehalten im Gotteshause der Jüdi scheu Reformgemeinde in Berlin von Dr. Jelski, Prediger der Ge meinde. Berlin, Verlag von Louis Lamm. 1915. Israel im Kriege. Kriegsgedichte von Jacob Diamant. Frank surt a. M. 1915. Verlag Gebrüder Knauer. Kriegsbriefe deutscher und österreichischer Juden. Herausgegeben von Dr. Eugen Tannenbaum. Neuer Verlag, Berlin 1915. Kriegsvorträge, gehalten im Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens von Justizrat Dr. Horwitz, Geh. Justizrat Dr. Fuchs, Syndikus Dr. Holländer in Berlin und Rabbiner Dr. Werner, München. Verlag des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Berlin SW, Lindenstratze 13. Zum Schowuaussest — dem Tag der Offenbarung — 1915, ein Gruß an die jüdischen Soldaten im deutschen Heer vom Verband der deutschen Juden. Herausgegeben vom Verband der deutschen Juden, Berlin W 35. Druck von Leonhard Simion Nf., Berlin W 57.

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