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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-05-28 · Heft 22 (28.5.1915) · p. Seite 263

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 22 (28.5.1915)
Date
1915-05-28
Page
Seite 263 (sequence 11)
Language
German
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Beträchtliche Er- > ebnisse haben auch Prag, Pilsen, Budweis, Saaz : nd Karlsbad erzielt, so daß die Israelitische Allianz durch :)ren fast allen jüdischen Gemeinden und Hilfskomitees gelüsteten finanziellen Beistand nur ergänzend und regulierend einzugreisen hatte. Dasselbe gilt von den sehr zahli eichen speziellen Hilfskomitees, Vereinen und besonderen Wvhlchrtseinrichtungen, welche in Wien eigene Spendensammingen mit zum Teil bedeutenden Ergebnissen zugunsten der Flüchtlinge veranstaltet haben. Die Allianz leitet hier die nlssaktion in der Weise, daß sie den vielen jüdischen Auspeisungsstellen, Volksküchen und anderen Veranstaltungen Subventionen gewährte, ferner dem Leiter der Zentralstelle ür Unterstützungen in besonders berücksichtigenswerten Fällen wer die staatliche Fürsorge hinaus monatliche Beiträge zur Verfügung stellte. Direkte monatliche Zuschüsse gewährt die lllianz als Ausnahme den Rabbinern und RabbinatSassessoren us Galizien (etwa 90 an der Zahl), welche aus Standesrückichten nicht die sür die unteren Volksschichten geschaffenen lusspeisungsstellen, Teestuben usw. besuchen können. Jnsgeamt hatte der Verein bis Ende April an Zuschüssen an die ehr zahlreichen Hilfskomitees und Veranstaltungen zugunsten -er Flüchtlinge etwa 300 000 Kronen verwendet. Das siegreiche Vordringen der verbündeten österreichischingarischen und deutschen Truppen in Galizien berechtigt zu >er Hoffnung, daß die Leidenszeit unserer galizischen Brüder >ald ein Ende finden wird und sie in absehbarer Zeit in ihre deimat werden zurückkehren können. Der jüdischen Wohlätigkeit werden dann durch die Sorge für die Wiederhertellung der ruinierten Existenzen freilich neue und sehr umassende Aufgaben erstehen. A. K—a. J Brr lange Kock. Roman von Anna Goldschmidt. (3. Fortsetzung.) Den.13. ^-u sonderbar! /V" ' Kein wahreres Wort als: „les amis de mes amis usw." Josua Djaloszinski und ich sind heute gleich wie zwei alte Freunde zusammen gewesen. Das ist oie Würde der Braut, die mich so sicher und ihn so zutraulich macht. Oder, daß wir beide meinem Max so nahe stehen, oder auch ein wenig meine Mission, der Wunsch, diesen gediegenen gescheiten Menschen (er ist nämlich wirklich gediegen und gescheit. Mein Max hat recht) wn seiner Verdrehtheit zu heilen. Wir sind heute noch nicht auf den Punkt zu sprechen gekommen, aber gedulde dich, Freund Josua, das wird dir nicht geschenkt. Als ich die beiden Freunde — wir hatten uns nach der Sprechstunde, also um 5 Uhr, am Denkmal verabredet — von da mir entgegenkommen sah, dachte ich wieder: Was sür ein Jammer um den Menschen! Er ist größer und hat, wenn man näher hinschaut, ein viel interessanteres Gesicht als mein Max, und der sieht aus wie aus dem Modejournal geschnitten, so hübsch. Es ist beinahe ärgerlich, wie ihn die Mädchen auf der Straße anstarren. Und wenn sie dann hinterher einen halb verwunderten, halb spöttischen Blick über Josua fahren lassen, so, als wie: Wie kommst du in die Gesellschaft?, dann — weiß Gott —, dann geniert man sich ordentlich. Das heißt, so ging es mir zuerst, und jetzt, abends, fällt mir das wieder ein; denn wir waren bald in riesig eifrigem Gespräch. Nicht so mein Max. Der konnte vor lauter Freude über mich,-und baß sich unser Zusammensein mit Josua so harmlos herzlich gestaltete, gar nicht sachlich reden. Er drückte mir nur immer wieder dankbar den Arm, und, wenn mal keiner kam, küßte er mir die Hand. Was soll nur sein Freund denken von der ewigen Zärtlichkeit!? Aber ich kann das meinem Max nicht abgewöhnen. Ich glaube, Josua hat es auch gar nicht bemerkt. Er sprach nämlich — und dabei bekam er rote Flecken auf sein gelbliches Gesicht —, er sprach vom Judentum, und er sagte — zu sonderbar! Darüber muß ich immerzu Nachdenken —, auf nichts in der Welt könnten wir so stolz sein als darauf, daß wir Juden seien. Stolz? Auch noch stolz? Sein Leben lang hat man sich darum schäme», immer schnödester Beleidigungen und Zurücksetzungen gewärtig sein müssen, wie eine Bleikugel hat man es am Bein herumgeschleppt durch das Leben, wie einen Druck, der einen am freien Atmen hindert — und der sagt, man solle stolz darauf sein!? Das ist ein sonderbares Wort, Josua, ein zu sonderbares Wort. Aber, merkwürdig, du sagst es so, daß man nicht darüber lachen kann. Ich hatte ganz heiße, rote Backen, als ich heimkam, so hatten wir uns ereifert. Besonders ich, die ich ihm all meine Argumente, alle die Annehmlichkeiten, die die Zugehörigkeit zum auserwählten Volke mir und anderen schon bereitet hat, vorbrachte. Wie Vetter Egon als einziger von zwanzig Einjährigen nicht die Knöpfe bekommen hat, wie Onkel Hermann nimmermehr Amtsrichter wird, wie der Festausschuß zum Wohltätigkeitsbazar — Mama müßte wissen, daß ich das erzählte — von allen jungen Mädchen bloß Erna und mich nicht zum Theaterspielen ausgesordert hat, obgleich ihm Papa alle Drucksachen umsonst geliefert hat. „Gegen wen spricht das alles?" sagte er lächelnd, „gegen das Judentum oder gegen die Christen?" Wir müssen über den Punkt noch mehr reden. Aber wie du es fertig bringen willst, Freund Josua, mir klar zu machen, daß man stolz darauf sein kann, ein Jude zu sein — das tveiß ich nicht. Den.13. Ich wußte gar nicht, daß mein lieber Max Zionist ist. Er ist es in so wenig aufdringlicher, liebenswürdiger Art, daß man es gar nicht merkt. Er fühlt sich in unserem Kreis, in dem das Wort Zionismus nicht fallen darf, ohne daß jeder einen Empörungs- oder Wutanfall bekommt, genau so wohl wie bei seinen Gesinnungsgenossen. Seine harmlose Menschlichkeit überbrückt alle Gegensätze. Oder hatte er es schon ganz vergessen? Wurde er nur wieder daran erinnert durch seinen streitbaren Freund? — Den.13. Wir machen den ganzen Tag Einkäufe und Besorgungen für die Aussteuer. Mama schwimmt in ihrem Element. „Meine Tochter heiratet doch im Frühjahr." Was das nun das Wäschesräulein oder den Kommis in dem Konfektionsgeschäft angeht! Und dann läßt sie sich auf „die junge Schwiegermama" hin bewundern. „Unglaublich, daß gnädige Frau schon eine heiratsfähige Tochter haben sollen. Aber das gnädige Fräulein sehen ja selber noch so jung aus, gerade, als solle die Konsirmationswäsche ausgesucht werden." Konfirmationswäsche gefällt Mama besonders gut.

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